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Die Wahrheit · 1925-08-17 · Heft 32-33 (17.8.1925) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 32-33 (17.8.1925)
Date
1925-08-17
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Nr. 32/35 DIE WAHRHEIT Seite 21 opfern sollen für unser Vaterland, das uns Schutz gewährt." Die Herren erklärten, jene Kämpfe verdienten in jedes edlen Menschen Herz ein Denkmal als Ringen für eine edle und heilige Sache. Eine Schwester Judiths, Hanna, hatte den Begründer des Londoner Hauses Rothschilds, Nathan, zum Manne, wie auch sonst die Familie Cohen mehrfach mit den Rothschilds verschwägert war. Hannas Mildtätigkeit war sprichwörtlich. Moses Montefiore hatte in Geschäften eine glückliche Hand und erwarb ein ansehnliches Vermögen. Er folgte dem Rate .seiner Frau und zog sich, in der Mitte1 seines Lebens, vom Geschäft zurück, nahm jedoch weiter tätigen Anteil an zwei oder drei großen Gesellschaften, deren Gründer er gewesen war. Er blieb erster Präsident einer Lebens- und Feuerversicherungs-Company, die er beide 1824 gegründet hatte. Die Lebensversicherungsgesellschaft prosperierte durch eine merkwürdige Tatsache in der Lebensstatistik, welche damals zum erstenmal richtig gewürdigt wurde. Die Versicherten waren zum größten Teile Juden., Es steht nun fest, daß das durchschnittliche Lebensalter der Juden gewöhnlich länger dauert, als das der übrigen Bevölkerung im westlichen Europa.. Eine Versicherungsgesellschaft, die eine große Anzahl solcher Klienten zählt, mußte deshalb mit einem gewissen Vorteil operieren^ denn je länger das Leben der Versicherten dauert, desto besser geht das Geschäft der Gesellschaft. Eine weitere Gründung Montefiores war die große englische kontinentale Gasgesellschaft, die das System der Gasbeleuchtung in die vornehmsten Städte Europas, so auch in Wien, einführte, : 1836 kandidierte Montefiore für das Amt des Sheriffs, eines Friedensrichters und wiederholte er den Erfolg seines Freundes David Salomons, der im Jahre 1835 zum Sheriff gewählt worden,~~aber als Jude nicht in der Lage war, den Eid zu leisten, bis auch Spezialakte erlassen wurden, um ihm dieses Hindernis zu beseitigen. Wie bekannt, konnte auch aus der gleichen Ursache Baron Lyonel de Rothschild, der verschiedene Male von der City gewählt worden war, erst im Jahre 18o8 seihen Sitz im Parlament einnehmen. Die Thronbesteigung der Königin Viktoria im Jahre 1837, in dem Sir Moses Montefiore als Sheriff für London und Middlesex fungierte, brachte ihm die Erhebung in den 'Ritterstand. Die junge Prinzessin Victoria hatte im Jahre 1834, während eines Aufenthaltes ihrer Mütter, der Herzogin von. Kent, mehrfach in den malerischen Parkanlagen Spaziergänge gemacht, die Montefiore gehörten und zu welchen er : ihr einen Separatschlüssel eingehändigt hatte. Alle diese Ehren förderten sein Ziel, die Lage seiner Glaubensgenossen überall und inj jeder Richtung hin zu verbessern. Siebenmal besuchte Montefiore den Boden Palästinas. Die ersten Reisen ins gelobte Land unternahm er in Begleitung seiner Gemahlin, unter Umständen, die sehr verschieden von denen waren, die heutzutage eine Exkursion nach Palästina zu einem leichten Ausflug gestalten. Er' mußte zu enormen Preisen Schiffe mieten und um die Begleitung eines engischen Kriegsschiffes ansuchen, um sich gegen die Piraten der Levante zu schützen. Einmal verwüstete ein Erdbeben, ein anderesmal die Pest das heilige Land, wodurch die Wohltaten Montefiores in dringendster Not an Ort und Stelle mehr als je willkommene Aufnahme fanden. Die ersten Reisen waren wohl zum Teil von Reiselust eingegeben, da Montefiore sowohl wie seine Gemahlin sehr große Freude daran hatten, fremde Länder zu sehen. Aber ihre Religiosität trieb» sie an, Synagogen und Häuser in den Judenvierteln der Städte, durch die sie kamen, zu besuchen, und liier fanden sie oft einen so beklagenswerten Zustand', daß sie von jener Zeit an diel Talente, die Mittel und die Muße, über die sie verfügten, zur Aufrichtung und Unterstützung ihrer bedrängten Glaubensgenossen verwendeten. Nur Missionsgesellschaften .kümmerten sich damals um die unglücklichen .Juden. Die Alliance Israelite Universelle wurde erst im Jahre 1860, die Anglo-Jewish Association im Jahre 1871 gegründet. (Fortsetzung folgt.) Studie zum zweiten Buche Moses, Kap. 19-23. Von Rabb. Dr. David Feuchtwang. Mit dem Satze: (Exod 19. 2.): „Dort lagerte Israel dem Berge gegenüber" beginnt die Darstellung der entscheidenden und schwerwiegendsten Ereignisse und Erlebnisse des Volkes auf seinem Zuge durch die Wüste. Es tritt ein Wendepunkt ein, der in dem Wort seinen Ausdruck findet (Exod 19, 3.): „Moscheh stieg zu Gott empor: der Ewige rief ihm vom Berge aus zu: So sage dem Hause Jakob und trage auf den Kindern Israel." In der Entwicklungsreihe des allmählichen Aufstieges zu sittlicher Würde und religiöser Vollendung soll nun ein Höhepunkt erreicht werden, zu welchem ein langer Weg der Belehrung und Erziehung geführt hat und von welchem aus ein noch längerer Weg weiterer und größerer Vollendung zurückgelegt werden soll. Es ist klar: wenn überall in den fünf Büchern die allergrößte Peinlichkeit und Sorgfalt der Textauffassung und Erklärung obwalten muß, dann ist das bei so hochwichtigen Stücken, wie es die Kapitel Exod 19—24 sind, besonders der Fall, deren Mittelstück der Dekalog bildet, um welchen sich der übrige vorausgehende und nachfolgende Text in künstlerischem Aufbau gruppiert. Die klassische und nachklassische jüdische und nichtjüdische Exegese hat sich mit diesen Stücken der Heiligen Schrift so tief und liebevoll beschäftigt, daß man meinen könnte, es wäre nichts unbeachtet geblieben. Hunderte Kommentare und Kommentatoren haben sich in den Text versenkt und alles herausgeholt, was in jeder Wortform, Satzfügung. Ausdrucksweise verborgen liegt. Unabhängig von allen alten und neuen Erklärungen, die ich auch nicht heranziehe, möchte ich auf einiges hinweisen, was, soweit ich blicken kann, noch nicht, oder doch nur undeutlich bemerkt worden ist. An die Spitze der ganzen Gruppe — wir v/ollen sie die Dekaloggruppe nennen — ist der Satz gestellt: ..Ihr solltmir ein Priesterreich sein und ein heiliges V od k" (Ex. 19, 6): es wird ausdrücklich bemerkt: „Dieses sind die Worte, welche du zu Israel sprechen sollst.'1 Semit ist in diesem Satze alles enthalten. Er ist gewissermaßen die Grundthese des ganzen Gesetzkomplexe's. der dann folgt. Nicht Anfang, sondern Endziel der ganzen Gestte.esem'ehung; sein Inhalt ist das Um und Auf der großen Menge von „Ihora", die dem Volke vorgelegt und überliefert wird. Israel ist noch kein Priesterreich, noch kein heiliges Volk, sondern es soll beides durch Thora werden. Moscheh nimmt hier offenbar für das Volk die Würden in Anspruch, welche später den Priestern zuteil geworden sind und setzt einen Priesterstand voraus, der jetzt noch nicht existiert, sondern erst später entsteht. Das ganze Volk hat priesterlichen Dienst zu versehen. Die Bezeichnung „Priestervolk" soll nicht nur ein Bild sein, sondern das Verhältnis des Volkes zu Gott charakterisieren. Es ist auch nicht allein poetischer Doppel¬ oder Parollelausdruck, daß der Bestimmung zum Priesterreich die Ergänzung beigefügt wird, daß Israel ein heiliges Volk sein solle. Liegt in der ersten Bezeichnung der rein religiöse Sinn der Beziehung auf Gott, so liegt in der zweiten die sozialethische Ausbildung des Volkes eingeschlossen. Die These zerfällt also deutlich in zwei einander ergänzende TeUe. Es ist hier, wenn ich nicht irre, in aller Kürze und Klarheit das in markanten Worten gesagt, was im Dekalog ausführlicher gesagt wird, der bekanntlich unzweifelhaft aus zwei Hälften besteht, die ein Ganzes bilden, deren erste das Verhältnis des Volkes zu Gott, deren zweite das Verhältnis der Menschen zueinander behandelt. Es wird im Dekalog die erste Hälfte also dem Satze entsprechen „Ihr sollet mir ein Priesterreich sein'", die zweite Hälfte dem Satze „und ein heiliges Volk". Spricht der erste Teil vom rein Religiösen, sc bezeichnet der zweite Israel als Volk. Es will auch scheinen, daß die Vorstellung vom Priestertum weiter wirkt. Die Vorbereitung des Volkes zum Empfang des Gesetzes besteht in Reinigung und Absonderung, Observanzen, die auch später für die Priester gelten. Der Sinai und dessen Umgebung sind eben Heiligtum, das auch die Priester nur gereinigt betreten dürfen. Der Ort, den Moscheh (als Hohepriester) betritt, gilt quasi als Allerheiligstes, die weitere Umgebung als Heiligtum und der äußere, für das Volk freigegebene Bezirk als die Vorhalle. Ich will damit sagen, daß die Darstellung „im Bilde" ¥ *tt JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkaui: Wien II., Glockengasse 24 Wien II.. Taborslraße 44

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