Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 32-33 (17.8.1925)
- Date
- 1925-08-17
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3062972-3064022-3064053--13898-3081428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 16 DIE WAHRHEIT Nr. 32/38 Der Sportklub Hakoah und die körperliche Renaissance der jüdischen Jugend. Von Dr. Eugen F e 1 i x, geschäftsführender Vize-Präsident des Sportklubs „Hakoah", Wien. In den letzten Jahren ist die Bedeutung des Sportes für die Volksgesundheit fast iii allen Ländern und von allen Völkern erst richtig erkannt und seine Verbreitung eine derart große geworden, daß es in den Kulturländern nur wenige Menschen gibt, die nicht in irgend einer Form, sei es direKt oder indirekt, mit ihm sich befassen müssen. Das jüdische Volk ist in dieser bewegung nicht zurückgeblieben und su seilen wir heute in den Kleinsten Städten und Orten, wo Juden selbst in geringer Menge wohnen, das Entstehen von judischen Sportvereinen. Zu allen Zeiten haben die Juden Sportler gestellt, Menschen, die imstande waren, auf ürund ihrer besonderen körperlichen Befähigung, Leistungen zu vollbringen, die über dem Durchschnitt standen. Das körperliche Ideal der Jöibei ist bereits Simson Hagibor, der die urwüchsige Maturkrait versinnbildlicht, während David, der Bezwinger des üoliath, mehr die sportliche Geschicklichkeit darstellt. Vor Zerstörung des Tempels waren die Juden, ein waffengeübtes und kampferprobtes Volk und die Verteidigung der heiligen Stadt wird als derart heroisch geschildert, daß sich ihresgleichen in der Geschichte der Völker nur wenig findet. Dieser Heldenmut wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht eine jahrnundertlange Ausbildung der jüdischen Krieger im sportlichen Sinne vorangegangen wäre. Diese Tradition, der körperlichen Tüchtigkeit finden wir in vielen Begebenheiten in der Geschichte unseres Volkes. Immer wieder können wir auf Männer hinweisen, die durch besondere körperliche Leistungen die Aufmerksamkeit ihrer Zeitgenossen auf sich zu lenken wußten. Aber erst dem 19. Jahrhundert war es vorbehalten, die robuste körperliche Kraft auch einem friedlichen Wettstreit zuzuführen und in England liegt die Wiege des modernen Sportes. Bereits aus dem Ende des 18. Jahrhunderts wird berichtet, daß Judenim englischen boxsporte es zu großer Berühmtheit gebracht haben, ja sogar Championate in einzelnen Teilen des Landes erringen konnten. ' Der Sport war durch lange Jahrzehnte fast ausschließlich auf die, britischen Inseln beschränkt und nur langsam konnte er auf dem Kontinent .eindringen. Seit ungefähr vierzig Jahren hat das europäische Festland/ die Sportbewegung derart auszubauen begonnen, daß sie heute einen wichtigen Faktor der Volksgesundheit darstellt und zur Gesundung der Menschheit beiträgt. Selbstverständlich haben die Juden schon zu Beginn/ dieser sportlichen Aera in allen Ländern und fast in allen Disziplinen Hervorragendes geleistet. Trotzdem wird immer wiedex von den Gegnern der Juden darauf hingewiesen, daß die jüdische Rasse körperlich minderwertig * und, nicht fähig sei, im Sporte Großes zu leisten. Nach Wiedereinführung der olympischen Spiele, an der sich beinahe alle sporttreibenden Kulturnationen beteiligten, zeigte es sich, daß der stolze Titel eines Olympioniken gar oft von Juden erworben wurde, so von Otto Sheff im Schwimmen, Dr. Fuchs im Fechten, Abramson im Laufen, und vielen anderen, von denen man erst später erfuhr, daß sie Juden waren. Diese Beweise von der körperlichen Tüchtigkeit der jüdischen Rasse l.ießen aber unsere Gegner nicht gelten und so .schritten denn selbstbewußte Juden vor fünfzehn Jahren daran, den ersten jüdischen Sportverein dar Welt zu gründen- Es ging darum unter dem Mogendovid zu starten, damit es augenfällig werde, daß die Erfolge, die unter dieser Flagge errungen würden, jüdische Erfolge seien. Aber nicht nur der Ehrgeig war ausschlaggebend für die Gründung, sondern vor allem hat es sich der Sportklub Hakoah und dies ist ja der erste jüdische Sportklub der Welt, zur obersten Pflicht gesetzt, die jüdische Jugend einer sportlichen Betätigung zuzuführen, um an der Regeneration unseres Volkes mitzuarbeiten, das jahrhundertelang in den Ghettos eingesperrt war und die körperlichen Fähigkeiten vielfach verloren hatte. Es ging darum, die große Masse der jüdischen Jugend körperlich zu stärken und unter einer Fahne zu sammeln, um den Beweis zu erbringen, daß das Märchen von körperlicher Untüchtigkeit der Juden, nur in den Köpfen unserer Feinde bestehe. Fast 15 Jahre sind vergangen ein kurzer Zeitraum im Leben von Völkern,, und schon ist die Hakoah der Sammelpunkt für die jüdische Jugend geworden, die ihre Körperkräfte üben will. Alle Schichten und alle Strömungen im jüdischen Volke haben in der Hakoah Platz gefunden und es wurde nicht nach Parteizugehörigkeit oder Weltanschauung gefragt, wenn es darum ging, aus einem Juden jungen einen jungen Juden zu machen. Die Erfolge, die besonders im letzten Jahre erzielt wurden, haben die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich gezogen und mit Recht sind wir stolz auf die Leistungen unserer Sportler. Gelang es doch der Hakoah im letzten Jahre nicht weniger als 8 österreichische Meisterschaften zu erringe n, und zwar die Fußballmeisterschaft, die Hockeymeisterschaft, die Sprungmeisterschaft, die Strommeisterschaftfür Damen und für Herren, die Damenmeisterschaft im 200- Meter-Brustschwimmen, die Meisterschaft für Herren im Schwimmen in der 400-Meter-Staffel, die Meisterschaft im Mittelgewichtsringen. Diese Spitzenleistungen haben hoffentlich endgültig und restlos die Behauptung von der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse aus der Welt geschaffen und heute ist die Hakoah einer der angesehensten Sportvereine, der weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus bekannt ist. Er besitzt 11 Sektionen (Fußball, Hockey, Leichtathletik. Schwimmen, Ringen, Fechten, Tennis, Boxen, Touristik), darunter zwei Kultursektionen, und zwar für Schach und Orchester. Große Mengen von jüdischen Jungen und Mädchen wurden dem Massensport zugeführt, so hat doch die Leichtathletiksektion allein ungefähr 300 Eleven, die Schwimmsektion annähernd 400, die Ringsektion zirka 70, während die anderen Sektionen auf geringere Zahlen beschränkt bleiben müssen, weil es die Eigenart ihrer Disziplin erfordert. Der Sportklub Hakoah hat aber nicht nur für die Ertüchtigung der jüdischen Jugend und für die Ehre des jüdischen Namens das geleistet, was er sich vorgenommen hatte, sondern seine Arbeit hat weit über den Rahmen seines Programmes einen Erfolg gebracht, der dem Lande zugute kommt, in dem wir wohnen und zu dem wir Treu stehen. Der Hakoah war es vorbehalten, das erste Mal nach dem Kriege, Engländer und Franzosen nach Wien zu bringen und so die Versöhnung der Völker auf dem Gebiete des Sports einzuleiten. Auf ihren weiten Reisen nach dem Orient, Polen, Litauen, Belgien, Holland und England, hat die Fußballmannschaft, trotzdem sie als jüdische Mannschaft auftrat, doch dem österreichischen Sport immer Ehre gemacht und die diplomatischen Vertreter unseres Landes in allen Ländern haben uns dies mehr als einmal in ihren Dankreden zum Ausdruck gebracht. So ist die Arbeit der Hakoah in jeder Beziehung eine bedeutsame gewesen. 1 CAFE ATLASHOF j M BESITZER: A. STEIN jj | L, ASPERNPLATZ NR. 4 | M TELEPHON 79-0-34 W H VORNEHMSTES UND BESTRENOMMIERjj ■ TES FAMILIENCAFE g LFITUNG: BERNHARD PRÄGFR fg §j TREFFPUNKT DER JÜD. SPORTWELT jj §§ KALTE UND WARME SPEISEN - EXQUISITE §§ m BEDIENUNG M « WIFNER FRÜHSTÜCK: KAFFEE, TEE ODER SCHOKOLADE, S EIN TEE-EI, EINE PORTION BUTTFR, EINE PORTION HONIG ä= ODER JAM — 1 SCHILLING