Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 32-33 (17.8.1925)
- Date
- 1925-08-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 32/33- Studiums dienen, das allein imstande ist, den Juden jüdisch zu erhalten, zu stählen in der Abwehr des Unglaubens, ferner die Fürsorge für alle Judennot. Und dies umsomehr, weil die Philantropie der Unfrommen, so ausgedehnt und segensreich sie wirkt, zum Schlüsse stets die Rechnung präsentiert, die eine Assimilation verlangt. Als die erste Kenessio Gedauloh vorbereitet war, brach das Unglück des Weltkrieges über die Menschheit herein. Die riesigen Schwierigkeiten, die auch jeden brieflichen Verkehr unmöglich machten, zwangen, die Aufnahme der regelmäßigen Tätigkeit der Aguda zu vertagen. Die Tätigkeit mußte sich beschränken auf Flüchtlingsfürsorge, Interventionen bei den Behörden zur Ermöglichung des religiösen Lebens, großzügige Waisenfürsorg£ und Aufrechterhaltung der angebahnten Verbindungen der Orthodoxie, soweit diese die Verhältnisse erlaubten. Die eigentliche Tätigkeit der Aguda konnte erst im Jahre 1919 durch eine Konferenz in Zürich eingeleitet werden. Der Züricher Konferenz folgte die Konstituierung des leitenden Ausschusses in Preßburg und der Ausbau der inneren Organisation. Die in den 5 Jahren geleistete Arbeit der Aguda auf dem Gebiete der Thorapflege, der Zusammenfassung der Orthodoxie speziell in den polnischen Gemeinden, hat zur Folge gehabt, daß bei den letzten jüdischen Gemeindewahlen in Polen in mehr als 500 Gemeinden dem bisherigen beschämenden Zustand ein Ende bereitet wurde und nahezu überall die Vertreter der jüdischen Gemeinden nur religiöse Juden waren. Auf dem Gebiete der Schulpflege wurde Ungeheures geleistet, ebenso auf sozialem Gebiete und heute hat sich die Aguda zu einer der großen Zahl ihrer Anhänger entsprechenden Stellung emporgeschwungen. Es gibt wohl unter den Mitgliedern der Aguda und unter den vielen Millionen orthodoxen Juden, die von der Aguda noch nicht organisatorisch erfaßt sind, keinen Einzigen, der nicht ein aufrichtiger ..chovev zion" ist. Die uns seit 2000 Jahren innewohnende Sehnsucht nach Erez Jisroel. dem heiligen Lande, hat sich alle Zeit in der Arbeit für Erez Jisroel gezeigt. Mit dem Moment, wo auf dem Gebiete der Thoraerhaltung Nennenswertes geleistet war, brachte sich die Liebe zu Erez Jisroel mit Vehemenz Bahn und arbeitet die Aguda heute auch auf diesem Gebiete aus vollen Kräften und hat ' in kurzer Zeit Bedeutendes geleistet. Die Aguda wird auch weiter ihren Weg gehen, wird auch weiter alle Angriffe auf die Gesetze der Thora abwehren, auf dem Gebiete der Thora avvodah und Gemiras chasodim alle Kräfte in Bewegung setzen und es dahin bringen, daß alle gläubigen Juden an diesem Werk mit allen geistigen und materiellen Kräften mitarbeiten werden. Der unauslöschliche moralische Eindruck, den die erste Generalversammlung der Aguda, die Kenessio Gedauloh hinterlassen hat, erleichtert diese Arbeit unendlich. Die Aguda Wien hat an allen Arbeiten der Zentral-Agudah lebhaft mitgearbeitet; die Orthodoxie organisiert, daß sie allenthalben die ihr zukommende Stellung einnimmt; während des Krieges Flüchtlingsfürsorge in großem Maße betrieben und 2000 Erez-Jisroelflüchtlinge heimbefördert; ein Waisenhaus eingerichtet, das als Musteranstalt anerkannt ist; ein großes Hilfswerk eingerichtet; für die hungernden Brüder in Rußland 20.000 Dollar gesandt und tausende Familien vom Hunger gerettet: den deutschen jüdischen Brüdern mit hunderten Millionen zur Zeit der ärgsten Not beigestanden, mit einem Bruchteil dessen, was diese zu allen Zeiten für notleidende Juden geleistet haben: Angriffe auf Juden und Judentum kräftig abgewiesen: die Kenessio Gedauloh einberufen, die einen Markstein im religiös-jüdischen Leben bildet; den Keren Hathorah gegründet, der eine Stütze des Thorastudiums zu bilden berufen ist; eine großzügige Arbeit für Erez Jisroel unternommen und schließlich in Wien ein Netz von Thoraschulen begründen geholfen. Der neue Jischuw. Von Dr. Chaim Tartako wer. Unserem Grundprinzipe Rechnung tragend, allen im Judentum vertretenen Anschauungen in unserem Blatte Raum zu geben, bringen wir mit Vergnügen die Ausführungen des bekannten Theoretikers des Zionismus, zumal das Thema, das er im folgenden behandelt, sicherlich regstes Interesse bei unseren Lesern erwecken dürfte. Vorerst ein Wort über den alten Jischuw. Dieser wurde durchwegs durch Juden bestritten, die aus rein religiösen Motiven ins Land gingen. Sie folgten wie die Kabbalisteu und Chassidim ihren religiös-mystischen Bedürfnissen, indem sie sich im Lande niederließen. Der alte Jischuw schuf die jüdische Bevölkerung' der Städte Jerusalem. Saffed, Tiberias und Hebron. Diese Menschen gingen ins Land, um hier al hatorah weal haawodah zu sitzen. Sie hatten keine wirtschaftlichen Ambitionen, sie wollten sich in Ruhe dem beschaulichen religiösen Leben hingeben. Die Möglichkeiten zum Leben mußte ihnen das außerpalästinensische Judentum gewähren. So entstand und entwickelte sich die Chaluka. Es muß jedoch festgestellt werden, daß der neue Jischuw im alten eine natürliche Stütze erhielt, denn dieser schuf die erste jüdische städtische Bevölkerung. Der neue Jischuw hat ganz neue Schichten zu seinen Trägern. An seiner Wiege standen zwar auch religiöse Juden, Kabbalisteu und Rabbiner, aber ihnen leuchtete bereits die bewußte Idee von der Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens voran. Sie fühlten und sprachen es auch aus: das Judentum müsse sich in Erez Israel wirtschaftlich gesunde Grundlagen schaffen, sie dachten schon klar an eine jüdische Landwirtschaft. Und die ersten Verwirklicher der Chibbath-Zion. die russisch-jüdischen Studenten, die Bilu (sogenannt nach ihrer hebräischen Parole (Beth Jakob luhu wenelchu) gingen mit außerordentlicher Energie daran, die jüdische Landwirtschaft zu entwickeln. Es wird für alle Zeiten beinahe ein Wunder bleiben, wie diese Schar junger Menschen, aufgewachsen in großstädtischem Luxus, Kinder eines Volkes, das 2000 Jahre so gut wie jeden Kontakt mit der Natur und noch mehr mit der Urproduktion verloren — man kann sagen urplötzlich — den Gedanken faßte, im Lande ihrer Väter als Bauern zu leben und an die Realisierung desselben geschritten war. Diese Tat war eine revolutionäre Tat im edelsten Sinne des Wortes und ihre Wirkung erneuert sich alltäglich. Jüdische Landwirtschaft, aber begründet auf eigener Arbeit, nicht auf Lohnarbeit, ist das Symbol des neuen Jischuw, und wird es bleiben. Denn nur Juden, die von ihrer eigenen landwirtschaftlichen Arbeit leben, vermögen eine Gesundung des jüdischen Volkslebens und eine Wiedererweckung von Erez Israel zu garantieren. Und wir sehen auch, wie dieser Gedanke der eigenen jüdischen Landwirtschaft, basierend auf eigener Arbeit, um seine Existenz ringt, wie er zu gewissen Zeiten in Vergessenheit gerät, dann wieder aufgegriffen wird usw. Stets aber erhebt er sich wie die strahlende Sonne nach jedem Gewitter, um immer mehr an Boden Zugewinnen. Wir sind in der letzten Zeit Zeugen einer geradezu einzigartigen Erscheinung: Juden, Familienväter, die bereits vielleicht ein halbes Leben als Städter, Kauflcute, Vermittler u. dgl. verlebt haben, gehen nach Palästina, um Landwirte zu werden, die allein mit ihrer Familie arbeiten (ohne jede fremde Lohnarbeit). Es soll hervorgehoben werden, daß erzeugt PERÜCKEN mr RITIJEEEE ZWECKE aus Prima Haar, leicht, unsichtbar und modern Verlangen Sie reichillustrierten Katalog kostenlos durch „ Wien I., Itärntnersfraße Nr. 28