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Die Wahrheit · 1925-08-17 · Heft 32-33 (17.8.1925) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 32-33 (17.8.1925)
Date
1925-08-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32/33 DIE WAHRHEIT Seite 'S Judentum, sondern heilige Pflicht des gesamten jüdischen Volkes ist. Als eine unserer wichtigsten Aufgaben haben wir stets das Eintreten für die durch das G esetz gewährleisteten Rechte der Juden in Oesterreich angesehen und sind im Vereine mit der „Union deutschösterreichischer Juden" jederzeit sämtlichen Uebergriffen gegen Juden auf das schärfste entgegengetreten, insbesonders allen Angriffen auf die vollkommene Gleichberechtigung der jüdischen gegenüber ihren nichtjüdischen Mitbürgern. Die Opferfreudigkeit, die die österreichische Judenschaft in schweren Zeiten für ihr Vaterland bekundet hat und von der die große Zahl der im Weltkriege gefallenen und verwundeten Juden ein erschütterndes Zeugnis ablegt, der große Anteil, den sich jüdische Gelehrte, Künstler und Männer des praktischen Lebens um die kulturelle, geistige und wirtschaftliche" Entwicklung Oesterreichs erworben haben, gibt uns österreichischen Juden auch das moralische Recht, die Achtung zu fordern, die uns auf Gru, nd unserer Verdienste für unser Vaterland gebührt. Deshalb hielten wir es für eine geradezu patriotische Pflicht, die Ehre des jüdischen Namens gegenüber nichtswürdigen Verleumdern zu schützen und die Interessen des jüdischen Volkes gegenüber haßerfüllten Widersachern zu -verteidigen. Insbesondere hat es „Die Wahrheit4' nie unterlassen, die jüdische Studentenschaft in dem schweren Kampfe, den gerade sie zu führen hat, wirksam zu unterstützen. Der Kampf, den „Die Wahrheit" gegen den Antisemitismus führt, hat in letzter Zeit noch eine. Verschärfung erfahren, da sich die Entschiedenheit der Abwehr nach der Heftigkeit des Angriffes richten muß und die jüngsten Ausschreitungen eines wüsten Rassenantisemitismus alles bisher Dagewesene überschreiten. Die Ehrlichkeit ihres Auftretens und ihre trotz aller Entschiedenheit immer vornehme Kampfesweise hat der „Wahrheit" die Sympathien und Achtung auch nicht jüdischer Kreise erworben und dazu beigetragen, unseren Kampf erfolgreich zu gestalten. Wir haben im Vorstehenden die wichtigsten Arbeitsgebiete unseres Blattes zu beleuchten versucht und unsere Einstellung zu den bedeutendsten Fragen, die heute die Judenheit beschäftigen, klargelegt. Es obliegt uns nunmehr die^ Pflicht, all denen, die uns bei unserem- Werke geholfen, und die Redaktion unseres Blattes bei ihrer Arbeit unterstützt haben, am' heutigen Festtage unseren wärmsten Dank auszusprechen. Es erfüllt uns mit Stolz, wenn wir die g r o ß e Z a h 1 der i n- und ausländischen Mitarbeiter der „W a h r h e i t" überblicken, Männer, die als G e- 1 ehrte, Politiker und Schriftsteller einen klangvollen Namen besitzen. Ihnen allen verdankt „Die Wahrheit" das, was sie heute ist und was sie bisher für das Judentum geleistet hat. Auch unseren -zahlreichen Lesern und Freunden sprechen wir an dieser Stelle für ihr Interesse, das sie jederzeit unseren Bestrebungen entgegengebracht haben, unseren herzlichsten Dank aus. Wir glauben ihnen nicht besser danken zu können, als indem wir am heutigen Tage das feierliche Versprechen wiederholen, daß „Die Wahrheit" weiterhin an ihren Idealen festhalten wird, um das in sie gesetzte Vertrauen in noch erhöhtem Maße zu rechtfertigen. Die heutige Jubiläumsnummer, welche wir unseren Lesern als Festgabe darbringen, möge den B e w e i s . da f ü r liefern, daß „Die Wahrheit" ein auf der Höhe ihrer Zeit stehendes und dabei allen Bestrebungen im Judentum Rechnung tragendes Blatt ist. Die Redaktion. Den treuen Kampfgenossen! Von Oskar H i r s c h f e 1 d. „Die Wahrheit" feiert am heutigen Tage das Fest ihres vierzigjährigen Bestandes und zugleich das Jubiläum ihres fünfjährigen Erscheinens unter der gegenwärtigen Redaktion. In unserem Leitartikel, der den mühsamen Weg autzeigt, den das Blatt bis zum heutigen Tage zurückgelegt hat, ist insbesondere das Stück des Weges beschrieben, das wir in den letzten fünf Jahren durchschritten. Es ist eine schöne, wahrhaft jüdische Pflicht, an unseren Festtagen derer zu gedenken, die diese Tage nicht miterleben konnten. Eine gleiche ehremvolle Pflicht will die derzeitige Leitung der „Wahrheit" erfüllen, wenn sie in folgenden Zeilen zunächst derer wehmütig gedenkt, die ihr in schweren Tagen treue Helfer waren und die wir an diesem Tage der Freude vermissen müssen* Sind diese Worte vielleicht allzu persönlich gefärbt, so ist der Grund darin zu suchen, daß diese Toten mir besonders nahe gestanden sind und ich ihr Hinscheiden deshalb doppelt schmerzlich empfunden habe, da sie mir nicht nur liebevolle Berater, sondern auch treue Führer am Beginne meiner schriftstellerischen Laufbahn gewesen sind. * * * Von zwei Männern also will ich sprechen, beide um das Judentum hochverdient, weil sie sdch seiner in schwersten Zeiten angenommen und es geschützt hatten. Der eine war Dr. Josef S. Bloch, der einstige Floridsdorfer Kreisrabbiner und österreichische Reichsratsabgeordnete. In semer ausgezeichneten „Oesterreichischen Wochenschrift" sah unser Herausgeber das geeignete Vorbild für die neue „Wahrheit'; in diesem Sinne sollte unser Blatt geführt werden. Dr. Bloch selbst aber weilte zu dieser Zeit bei seinem opferfreudigen Bruder in Amerika, wo er auch geistes- und körperrüstig seinen 70. Geburtstag feierte, und deshalb war es mir erst später gegönnt, ihn persönlich kennenzulernen. Eine Gelegenheit ergaben die Besprechungen der ersten beiden, im Jahre 1922 erschienenen Bände seiner „Erinnerungen aus meinem Lebe n", der letzte Band, der wohl*der interessanteste sein dürfte, ist leider noch immer nicht veröffentlicht Im Gegensatz zu anderen jüdischen Blättern, die dieses Memoiren werk wohl als „überholt" ansahen, hatte „Die Wahrheit" den beiden Bänden in rascher Aufeinanderfolge eingehende Rezensionen gewidmet, die Dr. J. S. Bloch, den die Haltung der übrigen Zeitungen schwer kränkte, sehr erfreuten. Denn der Unvergeßliche hatte wohl von bereits abgelaufenen Zeitläuften gesprochen, aber damit bezweckt, aus den unerschöpflichen Born der politischen Erfahrung, die er sich in langen Jahren angeeignet, seinen Nachfolgern Lehren und Ratschläge für den weiteren Kampf um die Ehre des jüdischen Namens zu geben. Hatte Bloch gegen einen Rohling, dessen Charakterlosigkeit noch größer war als seine Unwissenheit, gegen Deckert, der. was erbärmliche Gesinnung und Tücke anbelangt, seinen Vorgänger weit in den Schatten stellte, und gegen die Schurken Briman und Paulus Meyer, die Handlanger der beiden, zu kämpfen, so wogte ein gleicher Kampf gegen womöglich noch ruchlosere Gesellen in der Gegenwart und für diesen wollte Bloch durch die glänzende Schilderung seines dem Dienste des Judentums geweihten Wirkens richtunggebend sein. Deshalb hatte „Die Wahrheit" die Absichten, die Dr. Bloch mit der Herausgabe seiner Memoiren verfolgte, am besten zum Ausdrucke zu bringen geglaubt, indem sie den Wert der beiden Bücher darin erblickte, daß seine Zeiten „ihre Reflexe in der Gegenwart zeigen; denn noch immer spuken Rohlinge und Deckerts he-

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