Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 31 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 3t ■ Von Woche zu Woche Die jüdische Hygiene-Ausstellung in Düsseldorf. Am 8. v. M. fand in Berlin eine Versammlung sämtlicher Mitarbeiter an der jüdischen Abteilung der großen Düsseldorfer Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen statt. Fast alle Mitarbeiter aus Berlin, aus ganz Deutschland und aus Deutschösterreich waren erschienen. Das Programm der Ausstellung und der Anteil der einzelnen Abteilungen (Religionsgesetz. Jüdischer Stamm, Wohlfahrtspflege in Deutschland, Durchwanderung und Auswanderung, Siedelungen) wurden endgültig festgelegt. Außerdem wurden die Wege zur Aufbringung der großen Mittel, die die Ausstellung erfordert besprochen. Amtsantritt. Freitag, den 3. Juli, trat der neugewählte Oberkantor des Margarethner Tempels. Herr Israel Katz. sein kantorales Amt an. Das festlich beleuchtete Gotteshaus konnte die Zahl der Erschienenen kaum fassen. Nach dem Minchagebe'te, das der 80jährige Kantor Ph. Bassel zum Vortrag brachte, geleitete der vollzählig erschienene Vorstand mit dem Präsidenten Dr. Petö und dem Bethausvorstand Desider W o 11 n e r an der Spitze den neuen Oberkantor zu seinen Sitz und nach dem feierlichen und eindrucksvollen Vortrag des Szeu Roschechem durch den vom Dirigenten Weiß geleiteten Chor richtete der Obmann Dr. Petö an den Neugewählten innige Worte des Willkommens, worauf Oberkantor Katz mit dem überaus stimmungsvoll vorgetragenen Ma-towu sein Amt antrat. Seine herrliche Tenorstimme kam zur vollen Geltung und die schöne Vortragsweise, die vornehme Art der liturgischen Leistung machten tiefen und nachhaltigen Eindruck auf das große Auditorium. Unter diesem bemerkte man Deputierte der Wiener Tempelvereine, so den Bethausvorstand des I. und II. Bezirkes Herrn Siegmund Ernst, für die Leopoldstädter Tempelfreunde Herrn Oskar T o n e 11 o und den Chefredakteur Herrn Ludwig Hirschfeld, in Vertretung des Oesterreichischen Kantoren-Vereines Herrn Oberkantor Fischer, ferner war der Tempelverwaltcr Alax Schwager, Prof. Nasche und zahlreiche Berufsgenossen des neuen Oberkantors erschienen. Trauung. Sonntag, den 2. August fand im großen Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Viktor Hohenberg mit Fräulein Julie Theumann. der Tochter des Herrn Komm.-Rates Alois und seiner Gattin Berta Theumann statt, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald und Herr Oberkantor Heinrich Fischer in feierlicher Weise fungierten. Todesfälle. Aus Arad erreicht uns erst jetzt die traurige Nachricht daß der dortige Oberkantor, Herr David Kohn, vor kurzem im 91. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Der Verblichene verbrachte volle 68 Jahre in Arad und hatte noch vor zwei Jahren am Schewuoth-Feiertag jugendlich und frisch fungiert. In Austerlitz hatte er die ersten drei Jahre seines Amtes gewaltet, es sind demnach 71 Jahre, die <er im Dienste des Allmächtigen gewirkt hatte. Das Begräbnis dieses Kantorennestors fand am 19. v. M. statt, und zwar aus dem Tempel, wo er so lange den Namen Gottes verherrlichte. Der Tempel" erwies sich als zu klein, sogar die Geistlichen fremder Konfessionen, sowie die Stadtrepräsentanz und Militär waren erschienen. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner Dr. Drechsle r aus Temesvär, da der Arader Rabbiner Dr. V a g v ö 1 g y i sieh auf Urlaub befand. Die Orgel präludierte des Verstorbenen unvergeßliche Lieder „Usseschuwoh". „Uweschofor godol". später Teile aus „Tall" und sein ..Thoraausheben" wie „Kolnidre". Einer der Vorsteher, Herr Dr. Johann Bing, sang ein Trauerlied und der Chor die Trauergesänge. Den Joschewbesseser stimmte der Oberrabbiner an und auf dem Friedhofe nahm im Namen der Gemeinde deren Präses Herr Dr. Heinr. Schütz vom Verblichenen ewigen Abschied. Am Grabe stimmte Herr Heller den Hazur Tomid an, der Oberrabbiner hielt eine Gedenkrede und dann übergab man den Leichnam der Erde, wo er neben seiner Frau und seinem Vater, dem berühmten „Chonel Chasen", zur ewigen Ruhe gebettet wurde. Am Freitag abends hielt der inzwischen auf die traurige Kunde zurückgekehrte Oberrabbiner Dr. Vagvölgyi ein Requiem ab; es wurde mit dem „3-Wochen-Lcho-dodi" Sulzer begonnen, worauf der Oberrabbiner eine ergreifende Trauerrede hielt. Sonntag, den 26. v. M. ist in A111 e n g b a c h der Professor der Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst Emil Stern im 48. Jahre gestorben. Professor Stern hat seine Ausbildung am alten Wiener Konservatorium genossen. Nachdem er die Studien vollendet hatte, war er einige Jahre als Kapellmeister an Operetten- und Opernbühnen tätig, bis er eine Berufung als Lehrer für Klavier an die Anstalt erhielt, der er seine Ausbildung verdankte. Durch mehr als zwei Jahrzehnte wirkte Emil Stern in mustergültiger Weise als Professor. Seine ungewöhnliche musikalische und pädagogische Befähigung, die liebevolle Sorgfalt, die er der Individualität jedes seiner Schüler widmete, und sein vorbildliches kollegiales Verhalten erwarben ihm in gleich hohem Maße die Dankbarkeit der Schüler wie die Wertschätzung des Professorenkollegiums. Professor Stern empfand seine Lehrtätigkeit nicht als Beruf, sondern als Lebensaufgabe. Diese Auffassung und der tiefe sittliche Ernst, der ihn erfüllte, gaben seiner Persönlichkeit das Gepräge. In der Theaterwelt hat sich Professor Stern durch seine Operette „Altwien" bekannt gemacht, deren Musik er nach Lannerschen Motiven geschaffen hatte. Das Werk erlebte seinerzeit am Carl-Theater 300 Aufführungen und behauptet sich seit fast eineinhalb Jahrzehnte auf dem Spielplatze der Operettenbühnen. In Professor Stern, der unvermählt starb, betrauern Regierungsrat Julius Stern und die Inhaber der Firma Schiff und Stern, die Herren Maximilian und Friedrich Leopold Stern, ihren Bruder. Das hohe Ansehen, das der Verblichene wegen seiner Rechtschaffenheit allgemein genoß, kam so recht durch die große Beteiligung beim Leichenbegängnisse, das Mittwoch, den 29. Juli stattfand, zum Ausdruck. In tiefergreifender Weise hielt Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald einen Nachruf und würdigte gebührend die vortrefflichen Eigenschaften des Verewigten. Die kantorale Funktion Herr Oberkantor Heinrich Fischer unter großer Assistenz. Montag, den 27. v. M., starb im 67. Lebensjahre Herr Markus Fischer, Vorsteher des Mariahilfer Tempelvereines. Der Verblichene entstammte einer angesehenen Prager Familie. Seit dem Jahre 1920 war er, der für alle Fragen, welche die jüdische Oeffentlichkeit beschäftigten, ein außerordentlich reges Interesse hatte und der sich auch um den Mariahilfer Tempelverein als langjähriges, treues Mitglied große Verdienste erworben hatte, Vorstandsmitglied des Vereines. In dieser Eigenschaft hat der Verstorbene dem Verein, dem er vom Herzen zugetan war, außerordentlich wertvolle Dienste geleistet. An dem am 26. v. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse nahmen außer der Familie ein großer Kreis von Freunden, sowie Abordnungen vieler Korporationen, welchen der Verstorbene angehört hatte, teil, darunter auch von der B. B. und „Union deutschösterreichischer Juden", in deren Vorstand er lange Jahre verdienstvoll gewirkt hatte, In seiner Rede zeichnete Rabb. Prof. Dr. D r o b i n s k y das Lebensbild des Verewigten in meisterhafter Weise. Im Namen des Tempelvorstandes hob dessen Präsident Herr Dr. Jakob Engel die Verdienste Markus Fischers um den Verein hervor und versicherte, daß ihm ein dauerndes Angedenken gewahrt bleiben werde. Es sprachen noch für die Kultusgemeinde Herr Kommerzialrat Bernhard B u c h w a 1 d, sowie Vertreter verschiedener Korporationen. Freitag, den 31. Juli wurden die irdischen Ueberreste des Herrn Eduard Schwarz zur ewigen Ruhe bestattet. Eine überaus zahlreiche Trauergemeinde, darunter Vertreter der verschiedenen Korporationen, gab dem allseits hochgeschätzten Manne die letzte Ehre. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t. Er betonte in beredten 'Worten die faszinierende Persönlichkeit des Dahingeschiedenen, seinen unbeugsamen Charakter als Angehöriger seiner 'Gemeinschaft, sein Pflichtbewußtsein und seine Herzensgüte als Helfer und Berater der leidenden Menschheit. Herr Baurat Wilhelm K e m p 1 e r hat dem Vestorbenen im Namen des Kultusvorstandes warme Worte gewidmet. Er wies darauf hin. daß Herr Eduard Schwarz in den Jahren 1912 bis 1919 dem Kultusvorstande angehörte und vom Jahre 1915 bis 1919 Mitglied des Vertreterkollegiums war. Im Kultusvorstande beschäftigte er sich mit ökonomischen Agenden hauptsächlich charitativer Art. Ganz Besonderes aber leistete der Heimgegangene für die Heimstätte für verlassene Kinder. Eduard Schwarz, der der Kaufmannschaft angehörte, zeichnete sich durch ein ganz besonders liebenswürdiges, konziliantes und menschenfreundliches Wesen aus, dem es zuzuschreibenn war. daß er wohl sehr viel Freunde, aber keine Feinde hatte. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Heinrich Fischer. Werbet Abonnenten für „Die Wahrheit"!