Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 31 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 die Juden in England so eingelebt und dem Lande Dienste erwiesen, daß Cromwell, als er im Interesse Englands die Verbannung für die Juden aufhob, nicht etwa ein fremdes Volk in ein ihm fremdes Land brachte, sondern eine bereits vorhandene Lage sanktionierte. „Jewish Guardian" belegt diese Behauptungen mit Tatsachen und Daten. Zionisten — und andere. Die nachstehende Fabel sei zu besonderer Nutzanwendung für den Herrn Polizeipräsidenten Schober erzählt. Eines Tages sagte Lampe, der Hase, zu seiner Lebensgefährtin: „Ich habe aus sicherer Quelle, daß morgen hier in der Gegend eine Fuchsjagd abgehalten wird. Laß uns deshalb mit den Kindern nach einem anderen Revier verziehen!" Da lachte die Häsin: „Du bist wohl nicht ganz gescheit, was kümmert uns die Fuchsjagd, wir sind biedere Hasen und nicht aus Reineckes * Geschlecht." Vater Lampe . aber, der kein heuriger Hase war, erwiderte: „Lerne du mich das Menschengesindel kennnen. Es braucht nur einer aufzustehen, dem meine Nase nicht gefällt, und zu rufen: „Seht dort den semitischen Fuchs, drauf und dran, und wir haben die ganze Meute hinter uns her." Womit angedeutet sein soll, daß mit den dreißigtausend, fünfzigtausend, hunderttausend Zionisten, man weiß ja hie recht, denn sie vermehren sich unter der arischen Schreibfeder wie die steifleinernen Kerle Falstaffs, im Reisemonat August' auch andere Fremde nach Wien kommen, darunter möglichenfalls Südslawen, Italiener, Alpenbewohner, also alle, die zur Gruppe der dinarischen Rasse gehören und judoide Gesichtsmerkmale aufweisen: dunkle Augen, schwarzes Bart- und Kopfhaar und Krummnasen. Wie bald könnte es das* geschehen, daß einer von den Lumpenkerlen, die für reichliches Handgeld und Freitrunk. zu jeder Schandtat bereit sind, in seinem Uebereifer sich hinreißen läßt, den einen oder den anderen der so unglücklichen Fremden zu verkeilen. Die Folge wäre nun, daß die Gesandten jener Staaten, deren Bürger eine solche Kostprobe der Wiener Kultur und Gastfreundschaft genossen haben, mit der Regierung Ramek in einen nichts weniger als ungenehmen Notenwechsel treten würden. Wenn also der Herr Polizeipräsident Schober es mit seinem Amt und seinem Worte ernst nimmt, so wird er nicht nur die Zionisten, sondern auch die anderen zu schützen wissen, letzten Endes aber auch jenes unglückselige Gemachte, das als deutschösterreichische Republik angesprochen wird. Wahrheit und Dichtung. Spät kommt sie, aber sie kommt doch! Nämlich die neue Nummer der „Jüdischen Gemeinde", welche zur Freude ihrer unzählbaren Leser nach langer Zeit wieder erschienen ist. Offenbar hat Herr Religionslehrer Pick, der die Seiten dieses Blattes mit seiner Weisheit füllt, so lange Zeit gebraucht, um die richtige Antwort auf unseren Aufsatz vom 3. Juli zu finden. Sie ist auch danach ausgefallen. Während nämlich die von uns eingesandte Berichtigung, deren Inhalt in der vorliegenden Nummer des genannten Blattes abgedruckt ist, durch einwandfreie Zeugen bestätigt werden kann und nicht durch solche, welche vor Gericht teils umfallen, teils je nach Bedarf gleichzeitig mehrere Aussagen bereit haben, sind die einzigen Argumente des Herrn Religionslehrer in dem auf unsere Berichtigung folgenden Artikel, der sich wieder mit der Person unseres Herausgebers beschäftigt, neue Beschimpfungen und Verleumdungen. Wir halten es für unter unserer Würde, auf die gemeinen Anwürfe dieses Blattes näher einzugehen, zumal dieselben bereits durch unsere Darstellung vom 3. Juli 1925 im Voraus widerlegt worden sind, doch ist es unsere Pflicht gegenüber der jüdischen Oeffentlichkeit, in kurzen Umrissen den Charakter eines Biattes und seines geistigen» Inspirators zu skizzieren, der sich herausnimmt, über journalistische Anständigkeit zu sprechen. Herr Pick spricht von „W eltanschauun g". Seine eigene Weltanschauung wird, glauben wir, am besten charakterisiert durch die richterliche Erkenntnis vom 4. Juni 1925, durch welche er wegen Verleumdung zu drei Tagen strengen Arrest verurteilt wurde. Eine andere Weltanschauung hallen die Leser aus seinem Blatte nicht schöpfen können. — Herr Pick spricht davon, „daß man für seine Weltanschauung auch Opfer bringen müsse". Meint er hierbei materielle Opfer, wie sie die Folge einer Disziplinierung sind, oder solche der persönlichen Freiheit, wie sie eine Arreststrafe mit sich" bringt? — Ferner spricht Herr Pick von „Nutznießern des Judentums". Bringt vielleicht die „Jüdische Gemeinde" ihre Inserate gratis oder sind es nur ideale Motive, die die Herausgeber dieses Blattes veranlassen, in eben derselben Nummer die Bezahlung der rückständigen Abonnementsbeträge von den Lesern zu fordern? Ist es reinster Idealismus, wenn das „sozialistische" Organ sich an kapitalistische Kreise wendet, um Unterstützungen für den ,Preßfonds" zu erhalten? — Allerdings scheint der Kampf, den die „Jüdische Gemeinde" für diese ihre Weltanschauung führt, ein sehr opferreicher zu sein, da er Herausgeber und Redakteure in großer Zahl verschlingt. Zuerst zeichnete der „Verband der Angestellten der israelitischen Kultusgemeinde" als Herausgeber, auf diesen folgte nach kurzer Zeit Herr Josef Grob und Herr Religionslehrer Pick. Ersterer wurde auch „Chefredakteur" des Blattes, was den Lesern in der Nummer vom 15. Mai in großartiger Aufmachung kundgetan wurde. Nach 14 Tagen verschwindet auch dieser neue Redakteur sang- und klanglos von der Bildfläche, welches Ereignis die Leser des Blattes erst durch eine a nd e r e Zeitung erfahren mußten. Sodann übergibt auch Religionslehrer Pick seine Rechte als Herausgeber und Eigentumer dieses Blattes an Herrn S t e i u b a c h. der bis dahin bloß als „Verantwortlicher" fungiert hatte. Vorsicht ist die Mutter der Weisheit und die des Herrn Pick besteht darin, sich weitere Opfer für seine Weltanschauung zu ersparen. — Was schließlich die „I n d o 1 e n z" betrifft, welche in genanntem Artikel den Juden zum Vorwurfe gemacht wird, so ist hierauf nur folgendes zu erwidern. So indolent ist das Judentum doch nicht, daß es ein Blatt lesen würde, dessen alleiniger Daseinszweck im Lügen, Beschimpfungen und Verleumden zu bestehen scheint. Erew Tischo b'Aw in den Gemeindetempeln. Wir erhalten folgende Zuschrift5: Löblichef Redaktion! Ich bitte Sie um Aufnahme folgender Zeilen: Der Gottesdienst, der am Tischo b'A w im großen Leopoldstädter Tempel abgehalten Wierde, dürfte wohl auf alle Tempelbesucher den tiefsten Eindruck gemacht haben. Dies ist das Verdienst des Oberkantors Heinrich Fischer, der in meisterhafter Weise die Klagelieder zum Vortrage brachte. Seine warme. trauerumflorte Stimme, die ergreifende Art seines Gesanges hat in erschütternder Weise den Schmerz und die Trauer zum Ausdrucke gebracht, der Israel an diesem ununheilvollen Tage seiner Geschichte bewegt. Bedauerlicherweiseweise wurde der Beginn des Abendgottesdienstes mit 7 Uhr fstgesetzt, also mindestens eine volle Stunde zu früh. Dies hatte zur Folge, daß eine große Anzahl gerade der frömmsten Glaubensbrüder, welche das Fasten am Tischo b'Aw für eine religiöse Pflicht halten und daher ihre Abendmahlzeit vor dem Gottesdienste einnehmen, zu einer Zeit in den Tempel kamen, als der Gottesdienst bereits seinem Ende nahe war. Diese ganz unverständliche Zeiteinteilung, welche auch im Seitenstettentempel beobachtet wurde, hat daher bei vielen Tempelbesuchern Ärgernis hervorgerufen. Ja es sieht fast so aus, als ob man bei der Festsetzung der Gebetstunden nur auf die B e q u e m l i c h k e i t derer Rücksicht genommen hätte, welche nicht fasten und daher noch rechtzeitig zum Abendessen kommen wollen, nicht aber auf die Bedürfnisse jener nicht geringen Zahl von Bethausbesuchern, die sich, einem vielhundertjährigen Brauche entsprechend, am Tage der Zerstörung des Tempels jeglicher Speise enthalten. Daß eine israelitische Gemeinde vor allem den Bedürfnissen der religiösen Juden Rechnung tragen sollte, diese Selbstverständlichkeit scheint man an maßgebender Stelle manchmal zu vergessen, gebender Stelle manchmal zu vergessen. Z. V. Nachwort, der Redaktion: Indem wir dieser Beschwerde Raum geben, müssen wir feststellen, daß tatsächlich in der Festsetzung der Gebetstunden ein bedauerlicher Irrtum unterlief. &GMC£ \-ßOTf^A S^F 1 JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik ^Zentrale: Detailverkauf: Wien D.» Glockengasse 24 Wien IL, Taborsrraße 44