Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 31 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite S bit WAtffiaffif brechen, sprießen. Die „Reichspost" tut so, als ob sie keine Ahnung von der Existenz dieser Wien verpestenden Presse hätte, keine Ahnung von der unseligen verderbenibringendien Hetze, die dla's Lebenselement dieser antJsemtitiscihen Zeitungen bMet. Der Ingrimm der „Reichspost4' richtet sich gegen die freisinnigen Zeitungen im allgemeinen urnd insbesondere gegen jene, die der hakenkreuzlerischen Presse entgegentreten und sie werden für die Mordatmosphäre verantwortlich gemacht, unter der Wien leidet. Nicht der wird als Brandstifter gezeichnet, der das verheerende Feuer legt, sondern der, der es löschen möchte. Aber was bedeutet diese Verdrehung der Tatsachen gegenüber dem Versuche der „Reichspost", selbst die hakenkreuzlerischen Ueberfälle im Stadtpark einfach abzuleugnen? Die Juden, behauptet sie, seien es gewesen, die Händel suchten! Es sei erwiesen, daß die Hakenkreuzler keinen Ueberfall organisiert oder auch nur geplant hatten! Das ist auch so erwiesen wie die Behauptung der „Reichspost", daß jüdische Sozialisteniführer die Ermordung des unglücklichen Mbhapel fein ausgeklügelt hätten. Das offizielle Communique der Polizei hatte ausdrücklich festgestellt, daß der Ueberfall im Stadtpark sorgfältig geplant und sorgfältig ausgeforscht worden war, wofür auch der Umstand zeugt, daß die antisemitische Horde mit der Ausführung des Planes bis zum Abzüge der Polizisten aus dem Stadtpark gewartet hatte. Daß die liberalen Blätter für diese schmachvollen Ausschreitungen kein wohlwollendes Schweigen aufbrachten, wird von der „Reichspost" als Zeichen der jüdischen Solidarität gedeutet, die alle Klassengegensätze überwindet, sobald es sich um jüdische Interessen handelt. Merkt die „Reichspost" wirklich nicht, daß sie sich selbst ins Gesicht schlägt, wenn sie es nur im jüdischen Interesse gelegen findet, daß skandalöse Exzesse, von denen übrigens Juden und Nichtjuden betroffen wurden, verurteilt werden? Gegen das Toben der hakenkreuzlerischen Presse findet die „Reichspost" kein verdammendes Wort, aber für ihre Kolporteure, die Tag für Tag Anlaß zu den häßlichsten Exzessen gaben, tritt sie herzhaft ein. Nicht diese machen sich, wenn sie mit eiserner Stirne, höhnisch lächelnd und schreiend just einieim Jud*en z. B. den „Eisernen Besen" aufdrängen wollen, der Provokation schuldig, sondern der Jude, der diese berechnete und bezahlte Aufdringlichkeit zurückwies. Die „Reichspost" — dieses Kompliment können wir ihr nicht versagen — steht nicht auf einer so niedrigen Stufe der Intelligenz, um nicht ganz genau zu wissen, wer in diesem Falle der Provokateur ist. Ließe sie sich von christlicher Gesinnung und nicht von antisemitischem Solidaritätsgefühl leiten, dann schriebe sie nicht, es sei „eine heuchlerische und verlogene Fiktion, wenn behauptet wird, der Verschleiß antisemitischer Zeitungen in Vierteln, die vorwiegend von Juden bewohnt werden, sei eine Provokation." Wer hat dies behauptet? Kein Jude wäre so dreist oder so verrückt, den Verschleiß eines antisemitischen Blattes zu stören, aber er braucht es sich nicht gefallen zu lassen, daß ihm ein hierfür bezahlter Bursche das. Blatt demonstrativ fest ins Auge schlägt. Das alles weiß die „Reichspost" gerade so gut wie wir und sie mag sich noch so hartnäckig dumm stellen, in diesem Falle glauben wir es ihr nicht. Wie krampfhaft die „Reichspost" es vermeidet, die Kreise der Hakenkreuzler auch nur mit einem Hauche zu stören, kann man aus der Stellungnahme des Blattes zum Zionistenkongreß erfahren. „Wir sind nicht geneigt," schreibt die Zeitung, „den Kongreß als jüdische Machtkundgebung aufzufassen, denn wir wissen, daß Wien zufolge seiner geographischen Lage und seiner Unterkunftsmöglichkeiten für diesen Kongreß besonders gute Vorbedingungen bietet." Sehr richtig und sehr vernünftig. Sollte man aber nicht meinen, daß die „Reichspost" bei dieser Auffassung es nicht vermeiden könnte, wenigstens mit einem Worte die hakenkreuzlerischen Brandreden und Brandschriften zurückzuweisen, die gerade wegen des Zionistenkongresses gegen die Juden in Wien die furchtbarsten Drohungen ausstößt? Vergebens sucht man dieses Wort der Zurückweisung. Das wäre christlich, aber nicht antisemitisch und die „Reichspost" legt offenbar mehr Gewicht darauf, als antisemitisches Blatt zu gelten. Die Haltung der „Reichspost" gegenüber den Hakenkreuzlern muß selbst in den gläubigsten Juden das Bedauern wecken, daß Wien kein ehrliches — christliches Blatt hat. Judenreine Sommerfrischen. Manieren eines Bürgermeisters. Vorige Woche hat das Wiener Montagsblatt „Der Morgen" von dem schlechten Besuche der österreichischen. Sommerfrischen gesprochen und die geradezu katastrophalen Folgen geschildert, welche diese Erscheinung für alle am Fremdenverkehr interessierten Kreise nach sich ziehen muß. „Der Morgen" hat auch die Ursachen für das fast vollständige Ausbleiben der Sommergäste in den österreichischen Kurorten eingehend besprochen, welche in den hohen Preisen, den schlechten hygienischen Zuständen und den sonstigen Schikanen, welchen die Fremden ausgesetzt sind, gesucht werden müssen und hat das in den österreichischen Alpenländern leider vorhandene Hakenkreuzunwesen als einen Hauptgrund dafür angeführt, daß zahlreiche österreichische Sommerfrischen leer stehen, während die italienischen und schweizerischen Erholungsstätten derart -überfüllt sind, daß in vielen buchstäblich kein Bett aufzutreiben ist. Womit widerlegt nun die in Qmunden erscheinende „Neueste Post" die Ausführungen des Wiener Montagsblattes, welches sind die Argumente der Zeitung, deren Redakteur der Gmundener Bürgermeister Dr. Thomas selbst ist? Die Antwort, welche dem Berichterstatter des „Morgen" erteilt wird, lautet: „Judenbengel!" So spricht der Bürgermeister eines Ortes, dessen Kurgäste zum größten Teil Juden sind. Zur Beachtung! Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint in verstärktem Umfange Montag, den 17. August als Festnummer zum 40jährigen Bestände unserer Zeitung.