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Die Wahrheit · 1925-08-07 · Heft 31 (7.8.1925) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 31 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seke 6 die Wahrheit Nr. 31 giösem Boden stehende Organisationen bildeten, u. a. eine Vereinigung misrachistischer Bauarbeiter „Olim Benim". Diese Vereinigung übernahm vor kurzem den Bau eines Hauses in Tel Awiw. Kaum hatte die Arbeit begonnen, so erschienen eine Anzahl von der A. A. 0. angehörenden Arbeitern, erklärte, diese Arbeit sei ihnen von der A. A. 0. übertragen und versuchten, als die Misrachileute sich dadurch nicht irremachen ließen, diese mit Gewalt zu vertreiben. Es kommt zu Schlägereien, die Polizei greift ein, und es erfolgt eine gerichtliche Verhandlung, in der die sozialistischen Störenfriede zu Arreststrafen verurteilt werden. Fast zu gleicher Zeit spielt sich in H a j f a ein ähnlicher Vorgang ab. Dort wird zurzeit ein Ein wander eriieim gebaut; der Bau wurde einem privaten Bauunternehmer übergeben, bindung setzte. Kaum hatten Mitglieder dieser Organisation die ATbeit aufgenommen, so erschienen Sendliinge der A. A. O., um sie zu verjagen. Es kam zu Zusammenstößen, Verwundungen usw. Ausdrücklich sei bemerkt, daß es sich in diesen Fällen nicht etwa um eine Lohnunterbietung handelte — die festgesetzten Tariflöhne wurden genau eingehalten — sondern der A. A. G. sind anderweitige Organisationen, zumal wenn solche auf religiösem Boden stehen, ein Greuel, und sie sucht sich ihrer mit allen Mitteln zu entledigen. Selbstverständlich haben sofort nach dem Eintreffen dieser Nachrichten Bemühungen eingesetzt, um den drohenden Bruch zu vermeiden; es besteht kaum ein Zweifel daran, daß diese Bemühungen auch von Erfolg begleitet sein werden. Steht doch der 14. Zionistenkongreß unmittelbar vor der Tür und ist doch die zionistische Leitung viel zu klug, um nicht zu wissen, welch lähmenden Einfluß auf ihre Arbeit in der gesamten Welt eine in Palästina eintretende Spaltung ausüben würde. Man kann also damit rechnen, daß der Riß durch ein paar wohlklingende Resolutionen, unverbindliche Versprechungen usw. auch diesmal überkleistert werden wird. An der grundsätzlichen Bedeutung der ganzen Angelegenheit wird durch das vorauszusehende Kompromiß nichts geändert. Die Ideologie des Zionismus ist gegründet auf die Tatsache der Existenz eines jüdischen Volkes, das gleich allen anderen Völkern, durch Gemeinsamkeit seiner Abstammung, seiner Geschichte, seiner Sprache — Jiddisch und Hebräisch — usw. sich eben als Volk dokumentiert. Die seit 2000 Jahren fehlende Gemeinsamkeit des Bodens führte zu dem Postulat der Wdedererwerbung Palästinas zunächst in der Form einer „öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte". Von dem Judentum, das heißt von der j indischen Religion ist in deT Theorie des Zionismus nur nebenbei die Rede. Sie ist ihm ein Teil der jüdischen Kultur, ein Teil, der neben anderen Faktoren Einfluß auf Art und Entwicklung des jüdischen Volkes ausübte,, aber nimmermehr sein innerstes Wesen ausmacht So kommt der Zionismus dazu, die Religion zur Privatangelegenheit des einzelnen zu degradieren. Im Gegensatz zu dieser seiner Theorie hat der Zionismus in der Praxis, in dem Kampfe der religiösen Anschauungen, der das Judentum der Gegenwart durchzieht, fast überall Partei ergriffen. Er hat dies änstinktmäßig fast stets zugunsten der konservativen Anschauungen getan. Alle anderen Richtungen im Judentum sind darin einig, daß die jüdische Religion, das heißt das jüdische Gesetz es war, das aus der Sklavenherde Aegyptens ein Kulturvolk schuf und durch den Wandel der Jahrtausende erhielt Sie sind auch einig darin, daß von einem jüdischen Volke nur insofern und insoweit die Rede sein kann, als die jüdische Religion die Grundlage bildet. Der Zionismus kann das nicht anerkennen, ohne sich selbst aufzugeben. Da indessen Gründe der Taktik sehr stark gegen die Ausmerzung des religiösen Momentes sprechen, so hat er den Ausweg gefunden, wenigstens für Europa das jüdische Gesetz, dem er den Eingang verwehren mußte, durch eine Hintertür, als Bestandteil der jüdischen Kultur und der geschichtlichen Entwicklung des jüdischen Volkes, wieder einzuschmuggeln. Auf diesem Umwege ist es ihm möglich geworden, im Kampfe gegen den jüdischen Liberalismus auf rituellem und kulturrellem Gebiete ebenso nachdrücklich für die Aufrechterhaltung der alten Formen einzutreten, wie dies von seiten der Orthodoxie geschieht Das Bedeutsame der vorstehend geschilderten Ereignisse in Palästina liegt darin, daß sie dies Doppelspiel für die Zukunft unmöglich machen. Mögen auch auf dem bevorstehenden Zionistenkongreß, wie in Palästina selbst, durch einen von uns schon als wahrscheinlich bezeichneten Kompromiß die gegenwärtigen Differenzen aus der Welt geschaffen werden, so liegt es doch in der Natur der Sache, daß sie bald wieder um so stärker auftreten müssen. In Palästina handelt es sich eben nicht nur um synagogale und Kultfragen, sondern um die Kardinalfrage: Soll innerhalb der der jüdischen Gesamtheit gewährten Autonomie das moderne Recht oder das jüdische Gesetz zur Geltung gelangen? Bei unseren Brüdern in New York. Von Chajim Bloch. (Fortsetzung.) Während meines Aufenthaltes in New-York erschienen zwei Bücher, die das Judentum zum Gegenstand hatten und bei Juden und Nichtjuden großes Interesse erweckten. Ida Sterling, eine christliche Dame, verfaßte ein Werk „Der Jude in der Zivilisation", in welchem sie den großen Anteil der Juden an allen Kulturerrungenschaften und auf dem Gebiete der Sozialwirtschaft, wie auch ihre Leistungen für die Menschheit nachweist. Der Antisemitismus erscheint ihr einfach lächerlich. Auf Anregung Hermann Bernsteins, des bekannten Journalisten und Herausgebers der „Jewish Tribüne", wurde zu Ehren der Verfasserin ein Festmahl veranstaltet, zu welchem mehrere Führer des New-Yorker Judentums gekommen sind. Bernstein führte in seiner Begrüßungsrede aus, daß Miß Sterling den Dank des amerikanischen Judentums verdient, weil sie den klaren Beweis geliefert habe, daß es ein Unsinn ist, das Gesamtjudentum für die Verfehlungen eines Einzelnen verantwortlich zu machen. Es sprachen noch Rabbi Samuel Schulmann, Adolf 'S. Ochs, Herausgeber der „Times", Advokat Jona G. Goldstein und Frau Rebekka Kohut. Miß Sterling war von der inr zuteilgewordenen Ehrung außerordentlich gerührt und dankte in herzlichsten Worten. Das zweite Buch trägt den seltsamen Titel „Haunch, Paunch and Jowl", deutsch soviel als „Keule, Wanst und Backe"! Es stellt die Lebensbeschreibung eines feisten Gauners voll Zynismus dar, aber in einer Offenheit, die Rousseaus „Confessions" erreicht. In der ersten Zeit war der Name des Autors unbekannt und man zerbrach sich den Kopf, um ihn zu erraten. In der Einleitung hieß es, daß der Verfasser einer der bekanntesten Richter und gleichzeitig Führer des amerikanischen Judentums gewesen war. Der Verfasser — er entpuppte sich später als der begabte junge Schriftsteller Samuel Ornitz — stellt ein Bild des New-Yorker Judentums auf der Lastside, dem Ghetto New-Yorks, dar. Er verursachte einen heftigen Sturm in der Gesamtpresse, für und gegen, und zwei der bekanntesten Rabbiner New Yorks, Samuel Schulmann und Stefan S. Wise, griffen das Buch in ihren Sonntagspredigten an. Ich hatte eine große Freude, als ich einige Wochen später Mr. Ornitz zufällig — im Hause meines Freundes Harry Schneidermann — kennen lernte. Ornitz schilderte mir die Beweggründe, die ihn zur Abfassung seines Werkes, das soviel Staub

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