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Die Wahrheit · 1925-08-07 · Heft 31 (7.8.1925) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 31 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31 DIE WAHRHEIT Seite 3 „Vita Italliä" kämpft die „Rfvista de MHano". Ihr Hauptarigiuiment ist wie bei unseren deutschen Antisemiten, daß zu viele Juden in Italien wären, und darüber ninaus, was für uns niiiciht zutrifft, daß man sie in jeder, Regierungsstelle fände unld daß ihr Einfluß auf dien Lauf dies politischen Lebens größer wäre, als es dem Verhältnis übrer Zahl entspricht. Die Kamipftaktik dies Schlachtrufes geigen dte Freimaiuirer ist bezetohineuld für diese antiiseimJiti'schen Gruppen. Denn dia die Jüden, die fast alle der höheren Mittelklasse angehören, sich gegen den Kleriikaismius in verständlicher Opposition befinden, bleibt ihnen nur die .Wahl zwischen Sozialdemokratie unid FialsidhÜisttius. Und dlileise Juden besitzen daher in der Freimaurerloge den einzigen Weg, der ihnen offen ist. Das Bemerkenswerte dieser antisemitischen Bewegung ist* alber, daß sie ohne Erfolg arbeitet, denn außer MiuissöMnii Selbst sfad fast a 1 f e F aschistenf ü'hirer Juden, eine Tatsache, die außerhalb Halens wenig bekannt ist. Auch Herr Fiinzi, Mussolinis Innenimiini'sterr und 'die stärkste Stütze dies Kabinetts, Jst Jude und als solcher allgemein bekannt. Auch der bekannteste Sprecher des Faschismus Samuel B e 11 i n i ist Jude. Andere bekannte jüdische Faschistenführer sind Angelo 0 lv e 11 i und O r i o s. Frau Margarete S a r f o t i, die Chefredaktrice von Mussolinis Blatt, ist gleichfalls Jüdin. Ihr Mann ist ein bekannter faschistischer Führer. Frau Sarfotti gilt als hervorragende Journalistin und man sagt, daß sie auf Mussolini viel Einfluß besitzt. Mussolini selbst ist gegenüber den Juden ohne jedes Vorurteil. Und da diese Einstellung bekannt ist, haben die antisemitischen Zeitungen nichts erreicht. Man hört nicht auf sie. Und so gibt es zwar antisemitische Blätter, aber keine antisemitische Bewegung in Italien. Eine andere Ursache! des Fehlschlages der antisemitischen Bemühungen entbehrt nicht der Groteske. Diese Ursache ist 'die Verbindung mi!t den deutschen Antisemiten. Die Stellung, die Mussolini den( Juden gegenüber dnnalhim, 'Wieb nicht ohne Folgen auf die Einstellung 'der. itafonfeichen Publizisten. Preoiosii fand nicht genug Hilfskräfte, und um seine Propaganda fortsetzen zu können, bat er die deutschen Antisemiten um Mitarbeit. Das aber wirkte in Italien verstimmend. Denn die 'deutschen Antisemiten sind zugleich auch als Nationalisten bekannt und als Gegner Italiens. Vor allem aber wiandten sie ihre von Deutschland bekannte Taktik auch! in Italien/ aln und das betrachtete man als Einmischung in Angdegenfoieiiten, die sie nichts angingen,. Außerdem erinnerten sich die Italiener, daß ihr größter militärischer Mißerfolg, die Katastrophe ^von Casparetti, ihnen von den Deutschen zugefügt wordlen war und nicht von' den Oesterreichern. Dadurch wurden selbst die Italiener, die wenig günstig vom dien Juden dachten, zu Gegnern der ^antisemitischen Richtung Preciosis. Ganz abgesehen davon aber ist die soziale Stellung 'der Juden Italiens so stark, daß die Antisemiten nichts Nennenswertes unternehmen können. Sie silrtd mit dem politischen wie dem. wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Leben aizu eng verbiwi'dien. Die D e p u t i e r t e n k a m m e r besitzt 35 jüdische Mitglieder. Im dliplomatischen und! im Konsular dienst gibt es 40 J ude n, unt e r ihnen me hrereGeneraikonsuln. Jüdische Universitätsprofessorenzählt Italien ungefähr 840 und eine ganze AnzaiM besitzt höhe Posten in der Armee und) Marine, im Zivildienst und in der Justiz. Trotzdem aber die besten politischen Köpfe der italienischen Juden sich mit dem Faschismus Mentifizieren, ist es gleidhwöhil Tatsache, daß die drei Führer (der sozialistischen Partei gleichfalls Juden »sind: Musati, Treves und Madiglioni. Die Antisemiten haben diese Tatsache oft benutzen wollen, um Mussolini! davon zu überzeugen, daß die Opposition von den Judlen ausginge. Aber Mussolini antwortete darauf, daß nicht alle Juden darunter leiden sollten, weil zufällig drei von ihnen die Opposition führten. *Auch der König von Italien ist als Judenifreund bekannt und rateressiert an jüdischen Fragen. Mussolini fantdi also eime den Juden freundliche Tradition vor und (hielt es für das klügste, sie fortzusetzen. Denn die einflußreiichien jüdischen Politiker, Staatsmänner und Journalisten, Intellektuellen und Künstler in der Opposition zu wissen, das ihätte ihm wohl eine ganze Menge zu schaffe» gegeben. Öer Gewährsmann 'Schließt: Auch die italienischen Juden waren politisch klug genug, die angebotene Freundschaft anzunehmen. Antisemitismus im Konversationslexikon. Von Rabbiner Dr. B. Jakob, Dortmund. Das Konversationslexikon ist das Orakel für jeden, der über irgendein e n G e g e n s t a n d' d e s W i s s enis eine zuverlässige o f i e! n t i e r e n d e Belehr u n g s u c h t. Für den völkischen Antisemitismus, der planmäßig darauf ausgeht, die ganze deutsche Bildung müt seinem Geiste zu dlu>rchdlrIngen, muß es daher von besonderer Bedeutung sein, sich auch dieses überaus wichtigen Bildungsmittels zu 'bemächtigen, öder er kann es als einen Triumph betrachten, wenn seine Gedanken bereits. so allgemein geworden sind, daß sie hier einen Niederschlag gefunden Waben. Leider ist diesem Prozeß nunmehn auch das sonst mit Recht gerühmte MeyerscheKonversationslexiikon verfallen. Bin Beweis dafür ist der Artikel „A n t is e m i t is m u s" in der neuesten Auflage von 1924. Wir legen nicht nur geigem seine Tendenz entschieden Protest ein, sondern müssen uns auch gegen die unwissenschaftliche, oberflächliche Behandlung verwahren. Der Artikel beginnt mit dem Satze: „An ti% semitismus, Gegnerschaft gegen die Juden ausras sä sehen Gründeinseitens ihrer Wirtsvölker." Wir wollen uns nicht bei dem schlechten Deutsch aufhalten, das allein würde schon die Vermutung rechtfertigen., daß der Verfasser in die Schule der Völkischen gegangen ist. Noch deutlicher aber tritt dies aus der Behauptung hervor, daß die Gegnerschaft lediglich auf „rassische

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