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Die Wahrheit · 1925-07-30 · Heft 30 (30.7.1925) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 30 (30.7.1925)
Date
1925-07-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. 30 sellschaftlichen Stellung oder seines großen Vermögens bei den Regierenden und den Machthabern Einfluß und Ansehen genoß, und diese in den Fällen der Not zugunsten der Juden geltend machte. Dieser Sch'tadlan of old hatte etwas Aristokratisches, um nicht zu sagen Plutokratisches an sich und hielt es gewöhnlich für überflüssig, sich zunächst bei seinen Schützlingen nach deren Bedürfnissen zu erkundigen, oder gar sie zur Mitarbeit an ihrem eigenen Wohl heranzuziehen» Der Sch'tadlan wußte gewöhnlich nicht nur alles allein, er wußte auch alles besser. Der American Jewish Congress ruht dagegen auf breitester demokratischer Grundlage. Sein Schöpfer und Führer gehört zu den angesehensten Männern in der Union, aber nicht nur bei den Regierenden und Machthabern, sondern zuvörderst bei den schaffenden und arbeitenden Kreisen seiner Mitbürger weit und breit durch das ganze Land. Es kommt oft vor, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer ihm ihre Streitigkeiten zur Schlichtung vorlegen und sich seinem Schiedsrichterspruch unbedingt fügen. Es ist selten der Fall, daß Nichtjuden einen jüdischen Rabbi so hoch in Ehren halten, also einen jüdischen Mann, der weder eine einflußreiche Stelle im Staate bekleidet, noch über Geldschätze verfügt. Dr. Wise wirkt lediglich durch die Kraft seiner Persönlichkeit. Er vereinigt in sich ein jüdisches Herz mit einem jüdischen Kopf. Seine erst vor kurzem mit großer Energie begonnene Arbeit für die Verbreitung des Ackerbaues unter der jüdischen Jugend Amerikas zeigt, welch hohes Verständnis er für die sozialwirtschaftUchen Bedürfnisse des jüdischen Volkes hat. Sicherlich ist er der geeignetste Mann, die amerikanische öffentliche Meinung über die Judenfrage in Polen aufzuklären und ihre universelle Bedeutung ins rechte Licht zu stellen, ihre Bedeutung nicht nur für die Gesamtjudenheit — Polen nimmt ja in dieser Beziehung die Stelle des ehemaligen Zarenreiches ein — sondern auch ihre Bedeutung für Amerika und seine Finanzkreisa Dr. Wise ist aber auch der Mann, sich über die Lage in Polen nicht vom Standpunkte dieser oder jener Partei, sondern objektiv und sachlich zu unterrichten. Glossen. In einem Wienler Blatte wurde neulich der Witz erzählt, wie ein Jude einem spöttischen Geistlichen zur Antwort gibt, daß einmal ein Jude, der sich einbildete, er könne ein Gott werden, tatsächlich dieses Ziel erreicht habe. Das erwähnte Blatt, das freisinnigen, ' aber keineswegs jüdischen Tendenzen dient * hätte dies nicht besser als durch die Wiedergabe dieses „Witzes" beweisen können. Ein „jüdisches" Blatt wüßte es, daß es mehr als eine Geschmacklosigkeit sich zu schulden kommen läßt, wenn es seinen Lesern Anekdoten auftischt, die die religiösen Empfindungen der Christen verletzen können. Die Ansicht hierzu lag dem Blatte sicherlich ferne, aber .das schützt es nicht vor dem Vorwurf, in diesem Falle einen bedauernswerten Mangel an Vorsicht verraten zu haben. Auch Witze müssen unter Umständen ernstgenommen werden. * * * Die Gesellschaft jugendlicher Prager Skandalmacher, die kürzlich die Besucher einer klerikalen Versammlung mit den Rufen „Nieder mit dem Nuntius Margotti", „Nieder mit den Juden" in die Flucht jagten, scheint offenbar mehr Gewicht auf den Skandal als auf Logik zu legen. Was hat der Nuntius mit den Juden zu schaffen? Was hat die Begeisterung für Hus mit dem Abscheu vor den Juden zu tun? Oder denkt jemand bei diesem Anlasse in gutem Sinne an die zahllosen Juden, die als Opfer religiöser Intoleranz den Feuertod erlitten? . . . Die Bemühungen der Volksverhetzer, alles Böse, das in der Welt sich ereignet, auf Konto der Juden zu stellen, hat, nach einem bekannten Scherzwort schon zu der Vermutung Anlaß gegeben, daß die Juden vielleicht Schuld an dem Erdbeben in Japan waren. Aber daß die Stellungnahme des Papstes zur Husfeier in Prag mit den Rufen „Nieder mit den Juden!" begrüßt wurde, ist kein Scherz, sondern bitterer Ernst. * * # Ein hübsches Schandstück antisemitischer Verlogenheit leistet sich der „Hammer", der bei Besprechung der Greuel in Rußland bemerkt : „Hat eine einzige jüdische Zeitung auf der ganzen* Erde, die sonst von Humanität und Toleranz triefen, über diese jüdischen Greuel auch nur ein Wort der Mißbilligung geschrieben?" O, diese elenden Eskamoteure! Trotz des unwiderleglichen Nachweises, daß die bolschewistischen Führer , zum überwiegenden Teile Nichtjuden sind, trotz der Tatsache, daß gerade Juden es sind, die in Rußland am furchtbarsten unter diesen Greueln leiden, wird der Bolschewismus einfach zu einer Judensache gestempelt, zu einer Bewegung, die ausschließlich jüdischen Charakter habe. Nach dieser infamen Verdrehung kann man dann allerdings den „jüdischen" Zeitungen den Vorwurf machen, daß sie nicht die „jüdischen" Greuel mißbilligen. Sie brandmarken nur die bolschewistischen Schandtaten. Ego.. Zum Sommeraufenthalt. An unsere Glaubensgenossen! Die Sommersaison ist in vollem Gange. Männer und Frauen iüdischen Glaubens meiden die Stadtluft, beziehen oder haben bereits mit ihren Familien Kurorte und Sommerfrischen bezogen, wo sie von den Strapazen des städtischen Lebens für einige Zeit Erholung suchen und Kräfte sammeln für den neuen Kampf um Dasein. Nun weiß man ja, daß die Bevölkerung, unter die sich die Stadtflüchtigen niederlassen, nicht immer ein besonders freundliches Benehmen gegen unsere Glaubensgenossen an den Tag legt, wenn sie sich auch öffentlich nicht als judenfeindlich bekennt. Zuweilen kommt es da zu Vorfällen, die eine Intervention unseres zum Schutze des Judentums bestehenden Vereines erheischen. Wir bitten demnach alle jene, die über ein judengegnerisches Verhalten der Einwohner solcher Ortschaften ernstliche Gründe zu Beschwerden haben, uns oder der Redaktion der „Wahrheit" rechtzeitig den Sachverhalt in objektiver Darstellung zur Kenntnis zu bringen, damit wir in der Lage sind, sofort die Wege zur Abstellung von Widerwärtigkeiten gegen unsere Glaubensgenossen einschlagen zu können. Das Sekretariat der „Union deutschösterreichischer Juden". IBBillllllllllBHllBlIBBBBlBIIIBBIBIHllll Zur Beachtung! Der Verband der Fachpresse (Fachschriftsteller-Verband) bringt zur Kenntnis, daß sich die Herstellungskosten aller Zettungen durch die anfangs Juli stattgefundenen wesentlichen Lohnerhöhungen in den Buchdruckereien, aber auch durch die enorme Verteuerung der Papierkosten sehr gesteigert haben. Schon im Laufe der früheren Monate dieses Jahres mußten die Fachzeitungsherausgeber den Buchdruckereien wiederholt Zuschläge bewilligen und auch erhöhte Papierpreise bezahlen. Alle diese Umstände bedingen eine Erhöhung der Abonnement- und Insertionspreise und bittet der unterzeichnete Verband, die notwendig gewordene Verteuerung der Abonnement- und Insertionspreise aller Fachblätter freundlichst zur Kenntnis nehmen zu wollen. Verband der Fachpresse (Fachschriftsteller-Verband).

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