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Die Wahrheit · 1925-07-24 · Heft 29 (24.7.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 29 (24.7.1925)
Date
1925-07-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 29 B Wahrheiten vom Tage H Die Hetze gegen den Zionistenkongreß. Die antisemitische Presse aller Schattierungen, allen voran die „Deutsche Arbeiterpresse" und die „Deutschösterreichische Tageszeitung", setzen alles daran, um den XIV. Zionistenkongreß, welcher am 18. August in Wien stattfinden soll, dadurch unmöglich machen, daß sie immer wieder Alarmmeldungen über die Aufschiebung, bzw. Verlegung des Kongresses an einem anderen Ort bringen, um durch solche bewußte Unwahrheiten das Vertrauen der Oeffentlichkeit zu erschüttern. Trotzdem der Beweggrund dieser nun schon längere Zeit betriebenen Hetze jedem mit der Kampfesweise der antisemitischen Presse Vertrauten klar sein muß, sieht sich das Kongreßbüro gezwungen, um jede irrige Auffassung bereölts kn Keimie zu ersticken, diezidiert zu erklären, daß der XIV. Zionisten-Kongreß nach wie vor am 18. August in Wien stattfindetunddaßderPlaneinerAufschiebung oder Verlegung desselben niemals erörtert wurde und auch weiter nicht erörtert wird. Von Seiten der Regierung und Polizei ist der Kongreßleitung volle Garantie bezüglich der ungestörten Abhaltung des Kongresses geboten worden. Der Schutz gegen den Hakenkreuzterror. Mit Rücksicht auf die sich in letzter Zeit in erschreckender Weise häufenden Exzesse, welche durch Hakenkreuzler hervorgerufen wurden, hat die Polizeidirektion besondere Vorkehrungen zujn Schutze des Publikums gegen weitere Ausschreitungen getroffen, um Vorfälle, wie sie sich jüngst im Stadtpark ereignet haben, unmöglich zu machen. Das diesbezügliche Communique der Polizeidirektion hat folgenden Wortlaut: „Die jüngsten Vorfälle im Stadtpark, die von einer kleinen Gruppe jugendlicher, der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei Oesterreichs angehörenden Personen hervorgerufen wurden, sind geeignet, den guten Ruf Wiens empfindlich zu schädigen. D i e P o 1 i z e idirektioh wird jeder Wiederholung gleichartiger Vorgänge mit allen gesetzlichen Mitteln und mit Anwendung der größten Strenge entgegentreten. Es ergeht daher an die in Betracht kommenden Vereine und Organisationen, ebenso wie an Eltern und Vormünder die eindringliche Mahnung, die ihrer Obhut anvertrauten Jugendlichen von der Teilnahme an solchen Vorgängen zurückzuhalten. Die entsprechenden polizeilichen Vorkehrungen zur Verhinderung derartiger nicht genug zu tadelnder Vorkommnisse sind getroffen. Die Sicherheitswache wurde angewiesen, allen Versuchen, die öffentliche Ruhe zu stören, mit den schärfsten Mitteln, eventuell auch mit Waffengebrauch, entgegenzutreten.. Alle an solchen Exzessen beteiligten Personen werden verhaftet, die Schuldtragenden polizeilich mit dem gesetzlich zulässigen Höchstausmaße von vierzehn Tagen Arrest bestraft und überdies in allen durch das Strafgesetz und die Strafprozeßordnung gerechtfertigten Fällen dem Strafgerichte eingeliefert werden." Von den im Stadtpark exzedierenden Hakenkreuzlern wurden 12 auf frischer Tat ertappt und 11 zur Abbüßung der höchsten zulässigen Polizeistrafe von 14 Tagen Arrest dem Polizeigefangenhaus eingeliefert. Nach Abschluß der polizeilichen Erhebungen werden dieselben unter gleichzeitiger Anzeige an die Staatsanwaltschaft im Sinne der §§ 83 und 85 des Strafgesetzes dem Landesgerichte überstellt. Gleichzeitig' 'hat der Staatsanwalt die dieswöchentliche Ausgabe der ..Deutschen Arbeiterpresse" wegen einer als Leitartikel abgedruckten aufreizenden Rede des Obmannes der nationalsozialistischen deutschen Arbeiter- Partei, Walter Gattermayer, beschlagnahmt und deren Kolportage bei Strafe verboten. Gattermayer wird wegen dieses Aufsatzes von der Pressestaatsanwaltschaft verfolgt, und zwar wegen Religionsstörung, wegen Aufreizung der Behörden, wegen Schmähung einer Religionsgemeinschaft und wegen Gotteslästerung. Er dürfte demnach vor ein Schwurgericht gestellt werden. Hoffentlich werden diese energischen Maßregeln dem schamlosen Treiben der Hakenkreuzler ein Ende bereiten. Ein endgültiger und allseitiger Schutz gegen den Terror der Nationalsozialisten wird aber nicht zu erzielen sein, solange die im Verborgenen wühlenden Rädelsführer,' Welche halbwüchsige Jugendliche zu all diesen Ausschreitungen und Gewalttaten anstiften, unschädlich gemacht sind. Denn sie sind die eigentlichen Urheber aller Uebelstände. Der Sieg über die Menschlichkeit. In Innsbruck haben hakenkreuzlerische Studenten gegen Frauen, Frieden und Freiheit demonstriert. Die Frauenliga für Frieden und Freiheit, eine internationale Vereinigung'von Frauen, die Krieg, Menschenhaß und Unterdrückung bekämpfen wollen, hatte nämlich nach Innsbruck eine Tagung einberufen, zu welcher edeldenkende und menschlich empfindende Frauen aus allen Ländern gekommen waren. Diese Tagung war natürlich den Innsbrucker Hakenkreuzlern ein Dorn im Auge, zumal es unabsehbare Folgen nach sich ziehen müßte, wenn die Bestrebungen dieser Frauen von Erfolg gekrönt wären und wahrer Friede und wirkliche Freiheit bei allen Völkern der Erde einziehen würde. Denn dann gäbe es keinen Platz für nationalsozialistischen Chauvinismus, Rassenhaß und Kriegsgeschrei und die Hakenkreuzler sowie auch die Kriegshetzer aller übrigen Völker hätten ihre Existenzberechtigung verloren. Also mußte dieser Kongreß mit allen Mitteln (und die „Mittel" der Hakenkreuzler sind ja zur Genüge bekannt) verhindert werden. Daß es sich hier um Frauen handelte, ficht stolze arische Jünglinge nicht im geringsten an, zumal es hier um die Verteidigung der höchsten Güter nationaler Beschränktheit und bodenständiger Vertrottelung geht. Und so zogen die furchtlosen Recken frisch, fromm, fröhlich, frei gegen Frauen, Frieden und Freiheit zu Felde. Es gelang ihnen, die Frauenversammlung zu sprengen. Um weitere Zwischenfälle zu vermeiden, hat nun die Regierung des „heiligen" Landes Tirol eine in Aussicht genommene zweite öffentliche Versammlung einfach verboten und um Ruhe und Ordnung zu wahren, „Frieden" und „Freiheit" aus Innsbruck abgeschafft. Wenn man sie hauch über das Verhalten der hakenkreuzlerischen Helden, die auf wehrlose Frauen losgingen, nicht wundern kann, haben sie doch schon oft genug bewiesen, daß man sie nicht als Angehörige der zivilisierten europäischen Menschheit betrachten kann, so muß doch die Stellungnahme der Tiroler Behörden berechtigtes Aufsehen hervorrufen. Abgesehen davon, daß ein solches Vorgehen jedem internationalen Brauche widerspricht und d?s Ansehen unserer Republik im Auslände aufs tiefste herabsetzt, so ist es noch aus folgenden Gri'mden vollkommen unerklärlich. Erstens haben die Tiroler den Ruf.'gut christlich gesinnt zu sein, und müßten daher schon aus diesem Grunde alle Bestrebungen aufs wärmste fördern, welche Menschheitsverbrüderung und Völkerversöhnung zum Ziele haben, umso mehr, als vielleicht kein Land im Kriege mehr gelitten hat als das Land Tirol, das so viele seiner tapferen Söhne betrauert. Zweitens hat der unglückliche Ausgang des Krieges "eben vielen anderen Deutschen auch zahlreiche Tiroler in Fremdherrschaft gebracht und es wäre daher ebenso ein Gebot der Klugheit wie eine Forderung des wahren nationalen Empfindens gewesen, gerade jene Frauen zu unterstützen, die ihre schwache und doch so starke Stimme erheben, um gegen Haß und Unterdrückung lauten Protest einzulegen. Vielmehr ist das Gegenteil hiervon eingetreten. All diese Gründe haben Hie Irmsbrucker Behörden nicht veranlassen können, dem Frauentag Schutz und Beistand gegen die hakenkreuzlerischen Pnufliolde zu gewähren. Gewalt und Roheit haben also in Innsbruck über Freiheit und Frieden triumphiert. Trauernd verhüllt die Menschlichkeit ihr Antlitz und das Hakenkreuzbn.nncr al-^r weht stolz auf den Trümmern der Moral und des gesunden Menschenverstandes. Die Sinnesverwirrung. Es lebte einst ein jüdischer Ratenhändler namens R i s c h e 1 e s. Trotzdem er nicht mit Glücksgütern gesegnet war und eine Frau und sieben unmündige Kinder zu ernähren hatte, war er doch glücklich und zufrieden. Da kam eines Tages ein Mann zu ihm, der hieß Georg Kleibel. Dieser bat unseren Ratenhändler, er möge ihm verschiedene Sachen, Kleider, Schuhe und dergleichen, die er dringend benötige, verkaufen und versprach, da er den hierfür notwendigen Betrag nicht auf einmal erlegen könnte, das Entgelt für die verkauften Sachen in Raten zu entrichten. Hierauf unterschrieb er einen Schuldschein über den Betrag von 3 Millionen Kronen und nahm die erstandenen Bedarfsgegenstände mit sich. Doch Georg Kleibel hielt sein Versprechen nicht ein und, so oft die Frau des Ratenhändlers zu

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