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Die Wahrheit · 1925-07-24 · Heft 29 (24.7.1925) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 29 (24.7.1925)
Date
1925-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 DIE WAHRHEIT Seite 5 gen Handwerk nachgehen können, ist gar nichts getan. Das Uebel liegt ganz wo anders, muß an ganz anderer Stelle angepackt werden. Tatsache ist, daß weite Kreise der Bevölkerung das Qefühl, daß ein wirklich energisches, solche Vorgänge ein für allemal ausschließendes Vorgehen der Polizei gewissen Hemmungen „von oben" ausgesetzt ist, nicht unterdrücken können, daß dieses Gefühl, ob mit oder ohne Grund, auch auf Seite der Hakenkreuzler selbst zu bestehen scheint. Sonst ist es einfach unerklärlich, daß unsere auf der ganzen Welt als glänzend organisierte bekannte Polizei, die während des Umsturzes geradezu Uebermenschliches geleistet hat, nunmehr nicht in der Lage sein sollte, mit einer als politische Partei überhaupt nicht ernst zu nehmenden Gruppe von Windjacken- Rowdys endgültig fertig zu werden. Es drängt sich hier der Wunsch auf, es möge nur ein Bruchteil der Energiemengen angewandt werden, wie sie bei anderen Gelegenheiten gehanühabt wurden. Es soll gewiß nicht die Schwierigkeit Ihrer Stellungnahme übersehen werden, in einem Lande, dessen Justiz unter der Verwesung des Herrn Waber steht, der gemeinsam mit einem Walter Riehl Volksversammlungen abhält, in einer Republik, deren Regierung ihre geistigen Impulse aus — Vorarlberg bezieht und am liebsten jeden Oesterreicher uniform mit einem Kropf versehen und geistig kastrieren möchte. Aber schließlich wird die geographische Tatsache, daß die Stadt Wien bis dato noch immer in Mitteleuropa liegt und nicht so ohne weiters auf den Balkan versetzt werden kann, nicht zu ändern sein, auch wenn die Herrschaften am Schillerplatz imstande sein sollten, ihr Maul noch stärker aufzureißen, als es gegenwärtig der Fall ist. Herr Piräsidteot! Es handelt sich jetzt niibht um den! bevorstehenden Zioristenkonigreß, roteht nur um diie' interniatiionialle Blamage, dler unser Ohnedies nicht übertrieben geachteter Staat durch eine lächerliche Minorität ausgesetzt ist, es handelt sich klipp und klar um die Frage, ob Sie und die Polizei in der Lage sind, uns unser primitivstes Staatsbürgerrecht, das Recht auf Ruhe, Ordnung und Sicherheit, zu gewährleisten oder nicht. Nicht mehr und nicht weniger. Wir überschätzen die Bedeutung der nationalsozialistischen Partei keineswegs. Scheinbar muß es auch solche Käuze geben. Mögen ihre Herren Kolporteure ruhig die unbegreiflicherweise als „Zeitungen" bezeichneten Delirien feilbieten, die ja ohnedies kein normaler Mensch liest, dies aber ruhig und ohne zu provozieren. Mögen die wackeren Wotanssöhne weiterhin ihre rassenreine Dummheit am Biertisch entladen und Phrasen dreschen, so viel sie wollen. Das Rad der Weltgeschichte dreht sich ja doch nach vorne und ist durch Lausbübereien bestimmt nicht aus dem Gang zu bringen. Aber die Hetze zu Mord und Gewalt, komme sie von welcher Seite immer, sei sie hinter den Kulissen durch noch so hochmögende Herrschaften unterstützt, muß ein Ende nehmen, ein für allemal. Die Wesensart unseres Volkes ist eine durchwegs gute und aller Gewalt abhold, wir sind ein Kulturvolk, haben trotz aller Erniedrigungen und Leiden noch immer den Ruf eines solchen. Hunderttausende arbeitende und friedfertige Menschen, die dem Staat gegenüber s t e t s i h r e P f 1 i c h t erfüllt haben, erwarten, daß er nun ihnen gegenüber die seine erfülle. Und Millionen ohne Unterschied der Konfession und politischen Richtung blicken auf Sie und Ihr Handelnunderwarten von Ihnen die Bestätigung der Tatsache, daß sich Oesterreich vom- Bulgarien eines Zankow, vom Ungarn eines Horthy immerhin noch ein ige if maßen unterscheidet. Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner besonderen Verehrung und Hochachtung Adolf Reimann. Die Stellnngder Juden im deutschen Reich. Anläßlich der Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden fand in Berlin am 22. Juni eine überaus zahlreich besuchte Versammlung statt, welche sich zu einer mächtigen Kundgebung der deutschen Judenheit gestaltete. Besonders tief war der Eindruck, welchen die Rede des bekannten deutschen Politikers Reichsminister a. D. Professor Dr. Hugo P r e u ß auf die Versammlung machte und die wir nachfolgend auszugsweise bringen. Zunächst wegen der Person des Vortragenden, der als Rechtsgelehrter, Schöpfer der Weimarer Verfassung und einer der Führer der Deutschen Demokratischen Partei eine hervorragende Stellung im Reiche einnimmt, dann aber auch aus dem Grunde, weil wir unsere Leser kaum besser über die politische Einstellung des deutschen Judentums zum modernen deutschen Nationalstaat unterrichten zu können glauben, als indem wir jenem Manne das Wort erteilen, welcher gleichzeitig ein wahrhaft bedeutender deutscher Jude als ein ebenso hervorragender jüdischer Deutscher ist. Es ist klar, daß sich die Anschauungen Professor Preuß' nur auf reichsdeutsche Verhältnisse beziehen und auf die Verhältnisse der österreichischen Juden, infolge ihrer besonderen politischen Einstellung, bedingt durch die in unserer Republik allgemein herrschende Mentalität, nicht in vollem Maße Anwendung finden können. Es scheint fast, daß zwischen Deutschen und Juden eine besondere Schicksalsverkettung vorhanden ist. Nachweislich seit mindestens anderhalb Jahrtausend leben diese „Fremdlinge" auf deutschem Boden. Es gibt glaube ich, auf der Erde 15 Millionen Juden.. Von denen leben etwas über eine halbe Million in Deutschland, aber für ungefähr 10 Millionen ist deutsch die eigentliche Muttersprache, für zwei Drittel der Juden, die die Erde bewohnen. Da sind vielleicht mystische Zusammenhänge, und wenn es das Schicksal des. Judentums vielfach gewesen ist, fremd unter den Völkernl herumgestoßen zu werden, Feindschaft auf allen Seiten zu finden, — was wir als Juden in Vergangenheit und Gegenwart erlebt haben, das haben wir als Deutsche in den letzten Jahren und Jahrzehnten fast in derselben Weise erlebt. Man sollte meinen, wenn man vom Aberglauben nicht loskommt, auoh in politischen Dingen den Menschen als ein vernunftbegabtes Wesen zu betrachten,

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