Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 29 (24.7.1925)
- Date
- 1925-07-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Ich erspare mir die Schilderung der Panik, von der vieäe hunderte unsöhaildüge, tagsüber schwer arbeitende Menschen durch das bodenlos rohe und niederträchtige Vorgehen einer brüllenden Rotte von Lausbuben ergriffen wurden, von Ind^duen, dei ihr Minus an Gehirnsubstanz durch ein Plus an Stimmaufwand und1 Roheit anzugleSichen suchen. Alle döese Detais, ebenso wie dlas Viersagen der Wache sind Ihnen wohl besser bekannt als irgend einem anderen. Ich will auch nicht die Frage auf werfen, ob der Teutone, der mir in reckenhafter Weise von rückwärts den Schlag mit dem Gummiknüttel versetzte, in der absoluten Finsternis sicher war, einen Juden zu treffen, und dies nicht ebenso gut einem Arier hätte geschehen können oder geschehen ist. Es ist dies ein relativ nebensächliches, sagen wir hakenkreiuiz-¥asislen theoretisich-tec;hniSdnies Prob l ern , nebensäöh'lieh desih!a!b, weifl diese ganze Sache von vornherein überhaupt keame Rassen- oder Konffiesisionsfraige, sondern einfach eine Frage dies Staatsgrundgesetzes ölst. (Den traurigen Helden gegenüber als Argument anzuführen; (Daß es außerdem auch edne Frage dlerj Z i v i 1 i s a t f o <a' und der guten Sitte ist, bin Mi rfidhit Idealist genug.) Eben dieses Staatsgrundgesetz gewährleistet aber jedem Bürger nicht nur den Schutz seines Eigentums, sondern ebenso natürlich den seiner Gesundheit, seines Lebens und seiner Ehre. Darüber aber, daß uns dieser in der letzten Zeit, und speziell der erwähnten Seite gegenüber in nicht genügendem Maße zuteil wurde, sind sich alle Faktoren einig. Ebenso pfeifen die Gründe dieser relativen Schutzlosigkeit die Spatzen von allen Dächern. einen wirren Strudel sich verlieren, sondern in ein imposantes Meer auslaufen läßt! — Man kann hier nicht mehr begreifen, wie in dieser Richtung noch Höheres geleistet werden soll; wir fühlen, daß der Kulminationspunkt derselben im eigentlichen Sinne erreicht worden ist, und so wie das größte Genie sich zersplittern würde, wollte es in der eigenen Richtung Beethovens, dessen letzte Symphonie nicht einmal zu überbieten, sondern nur von da aus weiterzugehen suchen, so erscheint es unmöglich, in der Richtung, die Meyerbeer auf den letzten Grenzpunkt führte, noch weiter fortschreiten zu wollen." „Wir müssen bei der Ansicht verharren, daß sich diese letzte Epoche der dramatischen Musik mit Meyerbeer geschlossen habe, daß nach ihm so gut wie nach Händel, Gluck, Mozart, Betthoven, das für die jedesmalige Periode erreichte fdeal als vollendet und als nicht mehr zu überbieten zu betrachten sei. sondern daß die Zeit in ihrer rastlosen Schöpfungskraft eine neue Richtung hervorbringen muß, in der dasselbe wieder zu leisten sein würde, was jene Heroen geleistet haben. Jedoch — noch lebt er ja und steht in der Fülle seiner Kraft — greifen wir deshalb nicht vor, erwarten wir, welches Neue seine Genius noch gebiert!" Unvermittelt nun soll hier folgen, was Wagner im Jahre 1850 — nur acht Jahre später — über Meyerbeer veröffentlicht hat. In der Broschüre „Das Judentum in der Musik" heißt es:. .....Die Besorgung dieser Täuschung — (nämlich das Publikum über seine Langeweile hinwegzutäuschen) — hat nun jener berühmte Opernkomponist zu seiner künstlerischen Lebensaufgabe gemacht. Es ist zwecklos, den Aufwand künstlerischer Mittel näher zu bezeichnen, deren er sich zur Erreichung seiner Lebensaufgabe bediente: genug, daß er es, wie wir aus dem Erfolge ersehen, vollkommen verstand, zu läuschen, und dieses namentlich damit, daß er jenen von uns näher charakterisierten Jargon seiner gelangweilten Zuhörerschaft als modern-pikante Ansprache aller der Trivialitäten aufheftete, welche ihr so wiederholt oft schon in ihrer natürlichen Albernheit vorgeführt worden waren. Daß dieser Komponist auch auf Erschütterungen und auf die Benutzung der Wirkung von eingewobenen Gefühlskatastrophen bedacht war. Sie, Herr Präsident, erfreuen sich ob Ihrer Objektivität und strengen Rechtlichkeit allseits der höchsten Wertschätzung. Ich kann daher ohne Umschweife das Thema von vornherein von der konfessionellen Frage extrahieren, sondern einfach als das P o 1 i t i k u m behandeln, das es (leider!!) ist. Es muß objektiv gesagt werden, daß uns mit den schönsten, beststilisierten Polizei-Communiques und mit der Aufstellung großer Bereitschaften etc. nur sehr problematisch geholfen ist und geholfen werden kann, so lange diese Frage ein Politikum und nicht einfach eine Frage der Ordnung und Sicherheit darstellt. Damit, daß, wie am Freitag, post festum, nachdem Dutzende von Menschen verletzt und verprügelt,, hunderte in Angst und Schrecken versetzt worden sind, ein paar Dutzend atemloser Wachleute herbeieilen und einige der ärgsten Radaubrüder, die schon infolge ihrer jugendlichen Unreife und natürlichen Dummheit immer nur Werkzeug, niemals Inspiratoren des Skandals sein können, festnehmen, ist sehr wenig erreicht. Diese Art der Intervention gleicht so ziemlich der Tätigkeit des Mannes, der sich, während sein Haus in hellen Flammen steht, noch schnell mit der Konstruktion eines verläßlich funktionierenden Feuerlöschapparates beschäftigt, in der Zwischenzeit aber sein Haus abbrennen läßt. Damit, daß man einige der uns' größtenteils von der Tschechoslowakei mit Freuden übeiiassenen Wokurkas und Wondraks, die, ihrer „Mentalität" entsprechend, im Wiener Stadtpark Teutoburgerwald spielen, festnimmt und einsperrt, während die „geistigen" Führer und wahrhaft Verantwortlichen, frei und ungestört, zum Teil im Schutz ihrer Immunität, ihrem schmutzidarf niemanden befremden, der da weiß, wie notwendig dergleichen von Gelangweilten gewünscht wird; daß hier in ihm seine Absicht aber auch gelingt, darf denjenigen nicht wundern, der die Gründe bedenkt, aus denen unter solchen Umständen ihm alles gelingen muß. Dieser täuschende Komponist geht sogar so weit, daß er selbst täuscht, und dieses vielleicht ebenso absichtlich, als er seine Gelangweilten täuscht. Wir glauben wirklich, daß er Kunstwerke schaffen möchte, und zugleich weiß, daß er sie nicht schaffen kann: um sich aus diesem peinlichen Konflikte zwischen Wollen und Können zu ziehen, schreibt er für Paris Opern und läßt diese dann leicht in der übrigen Welt aufführen, — heutzutage das sicherste Mittel, ohne Künstler zu sein, doch Kunstruhm sich zu verschaffen. Unter dem Druck dieser Selbsttäuschung, welche nicht so mühelos sein mag, als man denken könnte, erscheint er uns fast gleichfalls in einem tragischen Lichte: das rein Persönliche in dem gekränkten Interesse macht die Erscheinung aber zu einer tragikomischen, wie überhaupt das Kaltlassende, wirklich Lächerliche, das Bezeichnende des Judentums für diejenige Kundgebung desselben ist, in welcher der berühmte Komponist sich uns in bezug auf die Musik zeigt." .....Hätten die näher erwähnten beiden jüdischen Komponisten in Wahrheit unsere Musik zu höherer Blüte gefördert, so müßten wir uns nur eingestehen, daß unser Zurückbleiben hinter ihnen auf einer bei uns eingetretenen organischen Unfähigkeit beruhe: dem aber ist nicht so . . ." Aus einer Anmerkung hierzu: „. . . Den Anhängern Mendelssohns ist jener famose Opernkomponist ein Greuel: sie empfinden mit feinem Ehrgefühl, wie sehr er das Judentum dem gebildeten Musiker gegenüber kompromittiert, und sind deshalb ohne alle Schonung in ihrem Urteil . . ." .....Solange die musikalische Sonderkunst ein wirkliches organisches Lebensbedürfnis in sich hatte, bis auf die Zeiten Mozarts und Beethovens, fand sich nirgend ein jüdischer Komponist: unmöglich konnte ein diesem Lebensorganismus gänzlich fremdes Element an den Bildungen dieses Lebens teilnehmen . . ." Dem Musikhistoriker möge es überlassen bleiben, vom Jahre 1842 zum Jahre 1850 die Brücke zu schlagen.