Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 28 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 DIE WAHRHEIT Seite 11 Sabbath.^ „Hier liegt wohl das Kernstück des jüdischen Glaubens! und Erlebens: dieser Sabbath, an dem jedes Werk ruhen muß, an dem alle Arbeit stille steht und es nichts gibt, als ein Versenken in Gott, gründliches Studium der Bibel und der Lehrbücher, die so viel Weisheit vermitteln, um den äußeren Geschehnissen des Daseins unbekümmert gegenüberzustehen. Der Nichtjude, soweit er gewlillt ist, das Leben des orthodoxen Juden objektiv und ohne Vorurteil anzusehen, erkennt in diesem einen Tag der Hingebungj an das Zeitlose eine Quelle der Kraft und Selbstzucht Wieviel persönlicher Vorteil fällt für den gläubigen Juden fort, wenn er am Sabbath sein Geschäft schließt, denn der gesetzliche Feiertag bleibt ihm ja doch noch als Abstrich von seinem Verdienst. Bisher) war mir das noch niemals zum Bewußtsein gekommen. Bei strengreligiösen Christen gibt es wohl auch eine Heiligung des Sonntags, aber es ist dann immer noch kein Tag der geistigen Arbeit, wie ihn der Sabbath darstellt." „Die Weisen von Zion" in Bulgarien. „Die Weisen von Zion" sind nun auch nach Bulgarien gekommen. Sie haben zollfrei den; Weg" über die Grenze/ genommen und streuen ihre Unkrautsamen in den Bergen und Tälern des Balkans aus. Sie sind zur rechten Zeit! .zum Gebrauch iri Bulgarien fertiggestellt worden und haben fruchtbaren Boden gefunden. Dafür haben die einheimischen Antisemiten gesorgt Und nun werden sie aucH — ihrem Werte! entsprechend — zu so schamlos billigen Preisen hingeworfen, daß jeder, auch Bauer und Bandit des Balkans, sie beglückt hinnehmen kann. Die deutschen Antisemiten dürfen einen traurigen Erfolg verzeichnen. Ein deutscher Richter!' In der Zeitschrift ,JDer Drache" wurde ein Dokument veröffentlicht, daß der Landgerichtsrat Schnauder in Leipzig sich also geäußert hat: „Die: Juden seien unser Untergang", außerdem habe er „Angst um seine Kinder, da Juden doch bekanntlich Kinder morden, vor allen Dingen haben sie es auf blonde Kinder mit blauen Augen abgesehen." Auf eine Beschwerde der Ortsgruppe des C. V. in Leipzig beim Justizministerium ging folgende Antwort ein: „Landgerichtsrat Schnauder ist zu dem von Ihnen erwähnten Artikel in der Wochenschrift1 „Der Dracne" gehört worden. Nach seiner Auslassung erscheint zwar das fragliche Gespräch in der Erklärung der Frau Glück nicht ganz richtig wiedergegeben. Es trifft! aber zu, daß Landgerichtsrat Schnauder der Frau Glück gegenüber eine Aeußerung getan hat, die einen für das Judentum verletzenden, haltlosen Verdacht ausdrückt. Wenn es sich dabei auch! uni ein privates Zwiegespräch unter vier Augen! handelte, so bedauert doch das Justizministerium das Vorkommnis sehr und hat dies deni Landgerichtsrat Sehn, zu erkennen gegeben. Ministerium der Justiz gez. Bünger." — Die Fragen sind berechtigt: Eignet sich ein Mann, der fähig ist, solche unerhörte Aeußerung zu tun, zum Richter? Kann ein solcher Richter in einem Prozeß, an dem ein Jude beteiligt ist oder bei welchem ein Jude Angeklagter ist ein objektives Urteil fällen? Judenreine Sommerfrischen. Wir bringen unseren Lesern abermals eine Anzahl judenreiner Sommerfrischen zur Kenntnis und teilen gleichzeitig mit, daß sich in diesen Orten gut organisierte Ortsgruppen des Antisemitenbundes befinden': Mattersee: Laut einstimmigem Gemeirideratsbeschluß vollkommen judenrein. Neumarkt am W a 11 e r s e e. Seek i rch eri. Seeham bei Mattersee. Mittersill im Pinzgau. Laut GemeinderatsbesicMuß judenreini. Tarn's weg im Lungau. Laut Gememderatsbeschliuß juidenrein. Theater, Kunst u. Literatur CfQUQS Der Handschlag (Tkijes khaf) ist der Name eines Films aus dem jüdischen Leben, welcher derzeit im Ferdinandskino gegeben wird. Darstellungen und Inhalt, Regie und Aufnahmetechnik machten diesen Film zu einen der besten dieser Saison, die ausgezeichneten Originalaufnahmen aus Wilna und Warschau, in welchen Orten sich die Handlung abspielt, sowie die lebenswahren Bilder aus dem Leben und Treiben der dortigen Judenschaft sind an sich schon sehenswert Das ergreifende Spiel der Hauptdarstellerinnen Estera und Ida Kaminska, Mutter und Tochter, wird sicherlich auch jene erschüttern, die keine Freunde jener allzu großen Sentimentalität sind, welche ein Charakteristikum des Ostjudentums im allgemeinen und der jüdischen Schauspieler im besonderen ist. Die „Rheinland-Nummer" der C. V.-Zeitung ist eine reichhaltige Festschrift anläßlich der 1000jährigen Zugehörigkeit der Rheinlande zu Deutschland. In zahlreichen ausgezeichneten Artikeln schildert sie die Geschichte der Judenheit in den Rheinlanden von den ältesten Zeit an. Eine Anzahl gelungener Bilder illustriert den historischen Teil und bringt einen anschaulichen Beweis dafür, daß die Juden ein uralter Teil der rheinischen Bevölkerung sind, da sie wahrscheinlich schon zur Römerzeit ins Land gekommen waren. Mannigfache Schicksale erlebten sie dort; trotz vielfacher, oft blutiger Verfolgungen hielten sie fest an ihrem Glauben und ihrer Heimat, die durch viele Jahrhunderte ein Mittelpunkt jüdischen Lebens und jüdischer Gelehrsamkeit war, was sich bis in unsere Zeit fortsetzt Viele hervorragende Männer, die zu Deutschlands Ruhm und Ehre gewirkt, entstammen der rheinischen Judenheit, die sich stets als gut deutsch gefühlt hat. Viele noch erhaltene Altertümer zeugen für ihre uralte Kultur und die Jahrtausendausstellung in Köln erregt in ihrer besonderen Abteilung „Juden und Judentum im Rheinland" durch deren reichen Inhalt das rege Interesse aller Besucher. Der kleine Herder. Wer vermutet, daß es sich hier einfach um ein verkürztes großes Konversations-Lexikon handeln könnte, täuscht sich gänzlich. „Der Kleine Herder" ist ein vollkommen neuer Typ eines einbändigen Nachschlagewerks, und jede Seite beweist, wie er von Grund auf eigens erdacht und ausgearbeitet ist. Was dieses verblüffend vielseitige, klare und genaue Werk charakterisiert ist vor allem seine Einstellung auf die praktischen Bedürfnisse. Es ist im vollsten Sinne ein brauchbares, ein für jedermann nutzbares Buch, ein Auskunfts-, Beratungs- und Erklärungs-Buch für alle Gegenstände, Dinge, Kenntnisse, für alle Fragen, Bedürfnisse, Erkundigungen, für alles Wissenswerte des täglichen Lebens. 50.000 alphabetisch geordnete Artikel und 4000 Bilder und Tafeln sowie eine große Reihe von Aufsätzen und lusammenstellungen über Gegenstände von besonderer Wichtigkeit (Bienenzucht Briefmarken, Buchführung, Deutsche Literatur, Deutschtum im Ausland, Fleckenbeseitigung, Gemüsebau, Handarbeiten, Hausapotheke, Hausgarten, Heilpflanzen, Erste Hilfe bei Verletzungen und Lebensgefahr, Konserven, Betrachten von Kunstwerken — um nur ein paar solcher „Rahmenartikel" zu nennen) ergeben ein Buch von nützlichster Eigenart. Jedermann, jung und alt, wird es besitzen wollen, welchem Beruf und Stand er auch angehört Keiner wird unbefriedigt bleiben — denn jedem Bedürfnis zu dienen, ist ja das mit eineT Unsumme von Arbeit erstrebte und erreichte Ziel. „Der Kleine Herder" ist das notwendige Buch für Geschäft Schule und Haus, oder wie er selbst sich nennt, „Das Nachschlagebuch für alles, für alle". Der Preis (für den ersten Halbband: In solidem, licht- und reibechtem Leinenband 15 G.- M., in elegantem Halbfranzband 20 G.-M.) ist der Leistung und der edlen und dauerhaften Ausstattung gegenüber als sehr mäßig zu bezeichnen. Der Kauf des ersten Halbbandes verpflichtet zur Abnahme auch des zweiten. Wer den ersten Halbband vor Erscheinen des zweiten gekauft hat erhält diesen zum gleichen Preis. Nach Ausgabe des zweiten Halbbandes bleibt Preisänderung für das ganze Werk vorbehalten. IROTGA5SE-1 Dr. M. WUNDERMANN und FRAU gratulieren herzlichst ihrem Freunde Dir. Dr. C. BAUMGARTEN zu seiner PROMOTION