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Die Wahrheit · 1925-07-17 · Heft 28 (17.7.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 28 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 28 Bolschewismus?" Es ist erstaunlich, was antisemitische Blätter ihren bedauernswerten Lesern alles vorzusetzen wagen. Das Wort „Tscheka" ist eine Abkürzung von „Tschreswitschainaja Kommissija" (außerordentliche Kommission), wie derj amtliche Titel des revolutionären Blutgerichtes in Moskau lautet. Es gibt keinen „russisch-jüdischen Jargon", sondern ein sogenanntes Jiddisch, welches von allen Ostjuden gesprochen wird und aus dem mittelhochdeutschen Dialekt,1 durchsetzt mit hebräischen und slawischen Elementen, besteht. In dieser Mundart endigen alle Infinitiva auf „—en", wie im' Deutschen. Ein Verbum „tschekitj" kann also in der Sprache der Juden nicht existieren. .JRitual schlachten" heißt bei den Juden der ganzen Welt „schjchten" vom hebräischen „schachat", mit deutscher Endung. Möglich, daß die Russen vom Substantiv Tscheka in neuester Zeit ein Verbum „tschekitj" gebildet haben, aber dann bedeutet es, „von der Tscheka behandelt werden". Was das mit „koscher" zu tun hat ist unverständlich, ebenso unbegreiflich ist es, seit wann polnische Katholiken, Letten und Chinesen darauf versessen sind, nur koscher geschlachtetes Fleisch zu essen. Seit 1922 heißt die Tscheka übrigens „Gospu", eine Abkürzung ihres neuen amtlichen Titels -Gosudarstwennoje policejskoje Uprawlenij" (Reichspolizeiverwaltung). Seit damals haben offenbar die Herren von der Tscheka aufgehört, koscher zu essen. Ein bedeutsamer Wendepunkt ün der -Weltgeschichtel Während des ,russisch-japanischen Krieges leistete sich der selige Wippchen den Witz, die Identität der Japaner mit den Juden zu beweisen, da die japanische Hauptstadt „Tokio" heiße, was nichts anderes als das hebräische Wort für Blasen der Posaune am jüdischen Neujahrstag sei. Die russische antisemitische Presse gründete auf diese „Entdeckung eines berühmten deutschen Gelehrten" eine schwere Anklage gegen das „Weltjudentum", das sich ggen das russische Reich verschworen habe. Das jüdische W-rbum „tschekitj" ist ein würdiges Seitenstück zu diesem ..Tokio". Dimitri Bulaschow. Ein erhebendes Beispiel. Die Landesrabbinerschule und Landeslehrerpräparandie in Budapest wurden ursprünglich von der im Jahre 1849 auf die ungarischen Juden ausgeworfenen Kriegskontribution errichtet. Beide Anstalten blicken nunmehr auf eine lange und glänzende Vergangenheit zurück und bilden den Stolz der ganzen ungarischen Judenschaft. Der Judenfonds hatte aber bei weitem nicht ausgereicht, die beiden Anstalten zu erhalten, und so gab der Staat Jahre hindurch beträchtliche Zuschüsse. Es war nun ein großer Schrecken, als die Regierung plötzlich erklärte, sie leiste diese Zuschüsse nicht mehr in der erforderlichen Höhe; fast die Hälfte davon, 720 Millionen Kronen jährlich, müßten die Gemeinden aufbringen. Die erste Rate dieser Summe, 180 Millionen Kronen, müßte bis 15. Juli <L J. sichergestellt sein. Die Landeskanzlei berief eine Enquete ein, in der sämtliche Gemeinden zur Beisteuer aufgerufen wurden, die einzeln festgesetzte Quote sollte in 5%igen Raten eingezahlt werden. Das alles ging glatt durch. Die) im Gebiete der Hauptstadt befindlichen drei Gemeinden, die Pester, Ofner und Alt-Ofner Gemeinde nahmen fredwillig Leistungen auf sich. Nun läuft die Nachricht ein, daß die Pester Gemeinde allein 90 Millionen auf sich genommen und schon eingezahlt habe. Die anderen Gemeinden tun ein Gleiches und der Betrag ist schon vor dem Termin vom 15. Juli gesichert gewesen. Gewiß ein erhebendes Beispiel. Und was geschieht demgegenüber in Wien? Das Religionslehrerseminar ist heuer richtig von der Gemeinde Wien übernommen worden. Aber die Israelitisch-theologische Lehranstalt? Die braucht niemand. Ihre Professoren können hungern oder sich anderen Geschäften widmen. Gerade ist man daran, ihre Bücher und Handschriften ins Ausland zu verkaufen. Und das in einer Gemeinde, die selbst ihren Ober- und sechs andere Rabbiner aus dieser Anstalt hat. S. K r a u s s. Die Lage der Juden in Bagdad hat sich in letzter Zeit erheblich verschlechtert, was vor allem dem Umstand zuzuschreiben ist, daß die den Juden gegenüber altes eher als freundlichen Araber die Zügel der Regierug nunmehr voll- Jvommen an sich gerissen haben. Schikanen] und Verfolgungen aller Art haben die Juden dort zu erdulden. Es ist kein Kläger und kein Richter vorhanden, de? für die Rechte der jüdischen Bevölkerung eintreten würde. Bei Ueberfällen auf Juden, welche leider an der Tagesordnung sind, werden oft die Deberfallenen und Ausgeplünderten obendrein noch bestraft, während die Uebeltäter straffrei bleiben. Trotz der Verschlechterung der äußeren Lage hat sich das innere religiöse Leben der in Bagdad und Umgebung wohnenden Juden intensiviert und besonders tragen die Schulen der A11 i a n c e Israeli te Universelle 'dazuf bei, der dortigen jüdischen Jugend eine eingehende allgemeine und religiöse Erziehung in europäischem Sinne zuteil werden zu lassen, wodurch das geistige Niveau der dortigen Judenschaft allmählich gehoben wird. Zu den Eigenheiten und frommen Uebungen der Juden in Bagdad gehören die Pilgerfährten zu den Gräbern der Propheten, die hier, im früheren Babylon, gelebt und gewirkt haben. Das Grab des Propheten Jecheskel findet sich in der Nähe von Divania und trägt einen hohen Turm, der „Jecheskel-Turm" genannt wird. In Kurna soll sich die letzte Ruhestätte des Propheten Esra befinden, während an anderen .Stellen die Gräber von Daniel, Micha und Asar j a gezeigt werden. Besonders zur Zeit des Schwuausfestes ziehen Hunderte jüdischer Familien zu diesen Gräbern, die in der Nähe der Gräber unter1 freiem Himmel kampieren und an diesen heiligen Stätten das Fest der Gesetzgebung feiern. Ein bemerkenswertes Abstimmungsergebnis. Zum Haushalt des deutschen Reichsministeriums des Innern hatten die großen bürgerlichen Parteien den Antrag gestellt, den Kirchen und Synagogen 1,200.000 Reichsmark für kulturelle Zwecke zu bewilligen. Dieser Antrag wurde mit den Stimmen der Deutschnationalen, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten, der Bayerischen Volkspartei und der jetzt 15 Mann starken Deutschvölkischen Partei gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Die eigentümliche Tatsache, daß die Völkischen für eine Geldzuwendung an die jüdischen Synagogen stimmten, hat nicht allein in parlamentarischen Kreisen, sondern im ganzen Reiche berechtiges Aufsehen hervorgerufen und mannigfache Erklärungsversuche werden von Politikern und Journalisten für dieses auffällige Verhalten der Deutschvölkiscben Fraktion unternommen. Wir behalten uns vor, in einem späteren Zeitpunkte die Ursachen und Wirkungen dieses sehr merkwürdigen Ereignisses eingehender zu erörtern, sobald die fernere Politik der „Deutschvölkischen Freiheitspartei" erkennen läßt, ob es sich hier nur um eine Zufallabstimmung oder um ein Ereignis von symptomatischer Bedeutung handelt. Heute wollen wir zur Information unserer Leser bloß die Anschauungen wiedergeben, welche der sozialdemokratische, politisch außerordentlich gut unterrichtete „Vorwärts" über diese Angelegenheit hegt, wobei wir allerdings einen entsprechenden Vorbehalt machen zu müssen glauben. Der „Vorwärts" meint, „es werde jetzt klar erkennbar, daß bei der Versöhnung der Ludendorff, Gräfe und Strasser der Antisemitismus geopfert wurde, der selbst den Völkischen zu dumm geworden ist." Von anderer unterrichteter Seite wird der Ansicht Ausdruck gegeben, die Völkischen, die sich als die Garde Hindenburgs gerne präsentieren, hätten eingesehen, daß sich ein Radauantisemitismus mit dieser ihrer vermeintlichen Stellung nicht verträgt und hätte darum beschlossen, für einige Zeit mit arttisemfitischen Demonstrationsschritten zurückzuhalten! Im bayerischen Landtage wurde ebenfalls der Zuschuß für den Verband israelitischer Kultusgemeinden in der Höhe von 50.000 Mark für 1914, von 60.000 Mark für 1925 mit 13 gegen 12 Stimmen genehmigt. Hier stimmten jedoch die Deutschvölkischen gemeinsam mit den Kommunisten, Sozialdemokraten und Deutschnationalen dagegen. Aus der palästinensischen Nationalversammlung. Die gegenwärtig in Jerusalem tagende Nationalversammlung der palästinensischen Juden (Assefat Hariiw-charim) hat nach dem Auszuge der orthodoxen Abgeordneten das neue Wahlgesetz angenommen und beschlossen, die Neuwahlen zur Nationalversammlung noch vor dem 14. Zionistenkongreß stattfinden zu lassen. Die Misrachisten und anderen orthodoxen Gruppen der Assefat Haniw-charim, die während der Debatte über das Frauenrecht die Tagung der Nationalversammlung verließen und sich in einer Sondertagung zu einer Nationalversammlung der unabhängigen orthodoxen Juden konstituierten, beschlossen, Wahlen für eine Nationalversammlung orthodoxer Juden abzuhalten. Die provisorische Nationalversammlung wählte aus ihren Reihen einen provisorischen Nationalrat. (Waad leumi). der als das repräsentative Organ der orthodoxen Juden die Wahlen vorbereiten und leiten wird. Es wurde ferner beschlossen, zum 14. Zionistenkongreß eine eigene Abordnung zu senden, die die Forderungen der palästinensisch-orthodoxen Judenheit vertreten wird. Der Sabbath in christlicherj Beleuchtung. Fr. Lenka v. Koeber in Leipzig schreibt in der „C.-V. Ztg." über den

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