Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 28 (17.7.1925)
- Date
- 1925-07-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 28 Von Woche zu Woche An die geehrten Mitglieder der Union deutschösterreichischer Juden. Als unbesoldeter Kassier der Union Deutschösterreichischer Juden obliegt mir die Sorge um Aufrechterhaltung des Budgets; ich muß jeden Monat die Gehalte für das Personal zur Stunde bereithalten, alle Spesen, wie Miete, Licht, Telephon, Porto u. v. a. auf den Tag pünktlich erlegen, nur die Beiträge unserer werten Mitglieder müssen oft und oft eingemahnt werden, was wieder unnütze Spesen und Arbeit verursacht, zu der denn doch der Kassier nicht herangezogen werden sollte. Wenn man die Liste derer durchgeht, die den so minimalen Jahresbeitrag noch schuldig sind, so gewinnt man den Eindruck, daß es nur Uebersehen bei deri meisten Herren sein muß; der Erlagschein wird einfach in den Papierkorb geworfen und der Kassier kann sich weiter kümmern, wie er seinen Verpflichtungen nachkommt Wohl weiß ich, daß es schwere wirtschaftliche Zeiten sind, aber die Organisation muß weiter aufrecht stehen," heute ist sie wichtiger denn je und erst wenn der eine oder der andere jetzt z. B. von einer Sommerfrische hört, wo es Juden verbotenist, länger wie drei Tage zu verbleiben, dann erinnert eT sich vielleicht doch der Union deutschösterreichischer Juden, die in allen solchen Fällen eingreift um dem verletzten Gesetz Geltung zu schaffen. Ich will nicht sagen, daß, wer rasch gibt, doppelt gibt, aber wer rasch zahlt, erspart mir als Kassier doppelte Arbeit, und um das möchte ich recht sehr gebeten haben. Mit kollegialem Gruße: Moriz Oesterreicher. N. B. Der Jahresbeitrag i& pro 1925 4 Schilling. Bund jüdischer Frauen Deutschösterreichs. Der Vorstand des Bundes teilt mit, daß er eine Adoptionszentrale für jüdische Kinder und jüdische Pflegeeltern errichtet hat, geleitet von den Damen: Fränze Bischofswe r d e r, Rat S e i d 1 e r und Selma Klaar. Nur schriftliche Mitteilungen erbeten an Frau Fränze Bischofswerder, I., Neutorgasse 15/8. Schlußprüfung. Zu unserem Berichte über die Schlußprüfung der Schüler und Schülerinnen der Sprach- und Bibelschule des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", Wien IL, Pazmanitengasse 6, wäre nachzutragen, daß zu dieser 16. Jahresprüiing der Bibelschule nebst dem erwähnten Präsidium erschienen waren: die Herren Obmannstellvertreter Architekt Reiser, Diamant, Ehrenfeld, Knopf, Körner, Leenmann, Nathansohn, Singer und S. Wachsmann samt Gemahlin. Wie jedes Schülerfest, so wurde auch dieses von dem überaus verdienstvollen Gründer der Bibelschule, dem Obmann des Schulkommitees S. Adler, mit einer herzlichen und sinnreichen Ausprache eröffnet. Stockerau. Kürzlich fand hier die jährliche Schulschlußfeier der jüdischen Jugend im) hiesigen Tempel statt. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Professor Frankfurter nahm die Prüfung vor und hielt dann an die Prüflinge eine zündende Ansprache, die auch in den Herzen der anwesenden Eltern und zahlreich erschienenen Gäste ungeteilten Widerhall fanden. Für Stockerau war dies nach langer Zeit, insbesondere für jene, denen Judentum und Religion gleich heilig sind, ein wahrer Festtag. Se. Ehrwürden sei hiermit auch auf diesem Wege Dank und Anerkennung ausgesprochen. Oberkantorswahl. Nach geraumer Vakanz der erledigten Oberkantorstelle hat der Vorstand des Tempelvereines Margarethen den Herrn Israel Koloman K a t z, den Oberkantor der Miskolczer Kultusgemeinde, mit Stimmeneinhelligkeit zum Oberkantor gewählt. Die glänzenden Stimmittel, der siegreiche Tenor, die Meisterung der Liturgie sichern dem Tempel in der Person des von Oberkantor Fischer empfohlenen Oberkantors eine unbestreitbar vorzügliche Kraft. Herr Oberkantor Katz tritt seine Stellung am l. August an. 70. Geburtstag. Ami 28. Juni beging im engsten Familienkreise Frau R o s a 1 i e Bauer, die verehrte Gattin, des allgemein bekannten Oberkantors Jakob Bauer, Begründer und Ehrenpräsidenten des Kantorenvereines, ihren 70. Geburtstag. Die Redaktion der „Wahrheit" schließt -sich den zahlreichen Gratulanten auf das herzlichste an. Todesfälle. Donnerstag, den 2. Juli wurde die plötzlich verstorbene Frau Rosa E r b e r, Gattin des Kultusvorstehers Herrn Hermann Erber in Klosterneuburg, unter überaus großer Beteiligung der jüdischen und christlichen Bevölkerung von Klosterneuburg zu Grabe getragen. Die Verstorbene, die durch Jahrzehnte dem Vorstande des jüdischen Frauenvereines angehörte, hat sich durch ihr freundliches Wesen unzählige Anhänger und Freunde erworben, was bei ihrem Begräbnisse klar zu Tage getreten war. Religionslehrer Steiner würdigte in einem tief ergreifenden Nachrufe die Verdienste der Verstorbenen, ihre Vorzüge und ihre Leistungen als Hausfrau, Gattin und Mutter und sprach in sinnigen Worten die Teilnahme der Gemeinde aus, die sich dem Kultusvorsteher und seiner Familie zuwendet. — Unter überaus starker Beteiligung fand Freitag, den 3. Juli das Leichenbegängnis des gewesenen Gemeinderat.es und Präsidenten der früheren Kultusgemeinde Floridsdorf, Medizinalrat Doktor Jakob König, statt. Unter den Trauergästen bemerkte man Stadtrat Weber, Gemeinderat Kloß, Hofrat Bauer, Großindustrieller Mauthner-Markhof mit Gemahlin, Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. O r n - j& t e Ii n„ Kujtusvorsteher W e i n i n g e;r, gewesenen Kultusvorsteher Moritz Schwarz, Obmann des Tempelvorstandes und der Bezirkskommission Gabriel Dukes und viele andere. In der Trauerhalle würdigte RabbineT Dr. Rosenmann dem Verstorbenen in einer tiefempfundenen, gedankenreichen Rede als vorzüglichen Menschen, glaubenstreuen Juden und hilfsbereiten Arzt und verwies darauf, daß Dr. König vermöge seiner integren Persönlichkeit selbst während der Hochflut des Antisemitismus allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung sich erfreuen konnte. Vizepräsident Dr. Ornstein überbrachte die Trauerkundgebung der Wiener Kultusgemeinde, Dr. M. Ticho gab dem Schmerz des Tempelvorstandes und der Bezirkskommission des 21. Bezirkes Ausdruck. Medizinalrat Dr. Ruß nahm im Namen des Aerzteverbandes von dessen Ehrenmitglied Abschied und Professor Nasche sprach für die zahlreichen Freunde und im Namen der Bezirkskrankenkasse Sekretär J i z d a, der hervorhob, daß Medizinalrat Dr. J. König sich stets als Freund der Arbeiterschaft bewährte. Die kantoralen Funktionen versah erster Kantor Groß in erhebender Weise. Rheinlandkundgebung des Centraivereines. Der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat am Sonntag, den 28. Juni, im Rahmen einer Westdeutschen Verbandstagung seine Mitglieder zuj einer Kundgebung für Rheinland und Deutschtum in das Kölner! Opernhaus eingeladen, das von fast 2000 Teilnehmern dicht gefüllt war. Der Vorsitzende des linksrheinischen Landesverbandes, Herr Bernhard F e i I c h e n f e 1 d, begrüßte die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, der Kölner jüdischen Gemeinde, sowie die Mitglieder des Hauptvorstandes und die übrigen Führer des Centraivereines. Diejieutschen Juden, .sagte er, ließen sich trotz des Judenhasses ihre Liebe zum deutschen Vaterland nicht schmälern oder gar rauben. Nach dem Vortrag eines Prologs von Emil Blumenau durch den Schauspieler Fred Alexander, ergriff der Direktor des Central Vereins, Dr. Holländer, das Wort und führte aus, die deutschen Juden haben sich immer mitverantwortlich gefühlt für die Entwicklung der deutschen Gesamtkultur. Sie nehmen auch an dieser Jahrtausendfeier iri treuer Liebe zu Vaterland und Religion, zu Glaube und Heimat teil. Gemeinderabbiner Dr. Adolf Kober (Köln), der die Festrede hielt, sagte: Wenn) eineinhalb Jahrtausend und mehr Jahre Wohnens auf eigenem Boden, wenn Kulturgemeinschaft, wenn Kampf um den Heimatboden Heimatrechte gewähren, dann besitzen die rheinischen Juden dieses Recht. In. einstündiger Rede gaB, Rabbiner Kober eine Uebersicht über die Geschichte der rheinischen Juden. Vorträge. Im Bethausverein Migdasch me'at, Wien IL, Kleine Schiffgasse 8, finden Samstag um 5 und halb 7 Uhr nachmittags religiös-wissenschaftliche Vorträge statt. JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale:: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien U., Toborstrafte «-a