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Die Wahrheit · 1925-07-17 · Heft 28 (17.7.1925) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 28 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 28 DIE WAHRHEIT Seite 9 urteilten deutschen Studenten jüdischen Glaubens ist, sondern vor allem deshalb, weil gerade wir Juden, die durch Jahrhunderte hindurch die Opfer einer fanatisierten und grausamen Justiz waren, am besten verstehen, was es heißt, auf erlogene Beschuldigungen und Verleumdungen hin verurteilt und bestraft zu werden. Früher hat man um der „Religion" willen die Menschen umgebracht und des „Christentums" wegen die Scheiterhaufen angezündet, jetzt ist es der Klassenkampf, welcher abermals unschuldige Opfer fordert, und der ideale Gedanke des Sozialismus wird von den russischen Machthabern mißbraucht, um ihre Greueltaten zu decken. Der Numerus clausus auf der Konferenz der Völkerbundligen, Auf der Warschauer Konferenz der Völkerbundligen kam es bei einer Sitzung der Minoritätenkommission zu einer bewegten Debatte über die Frage des Numerus clausus. Anwesend waren unter anderen auch die Vertreter Polens. Rumäniens und Ungarns, also jener Staaten, in welchen diese Frage aktuell ist. Als nämlich Professor Aulard als Berichterstatter des zum Studium der Numerus clausus-Frage eingesetzten Unterausschusses energisch gegen die Beschränkung der Lernfreiheit jüdischer Studenten in gewissen Staaten auftrat, kam es zu einer erregten Wechselrede, an welcher sich vor allem die Vertreter der an der Numerus clausus-FTage interessierten Staaten beteiligten. Schließlich beantragte Prof. Aulard. einen aus zwei Teilen bestehenden Resolutionsentwurf dem Plenum der Konferenz zur Beschlußfassung vorzulegen. Der Entwurf, dessen erster Teil mit allen Stimmen gegen die der ungarischen Delegation und dessen zweiter Teil einstimmig angenommen wurde, hat folgenden Wortlaut: 1. Die Versammlung, getreu dem einstimmig in Lyon gefaßten Beschluß, bezüglich des Regimes des Numerus clausus, das heißt, eines dem Grundsatz der Gleichberechtigung zuwiderlaufenden Regimes, erachtet sich nicht genügend aufgeklärt über die seit der Fassung des obgenannten Beschlusses erzielten Ergebnisse. Indessen stellt sie mit Bedauern fest, daß das Regime des Numerus clausus noch in Ungarn und anderwärts besteht. Sie erfährt mit Befriedigung, daß in Polen ein allgemeines Abkommen zwischen der Regierung und der jüdischen Mehrheit zustandegekommen ist und daß hierdurch jede Eventualität der Einführung des Numerus clausus ausgeschlossen erscheint. Die Versammlung beschließt, die Untersuchung über die Ergebnisse ihrer Resolution fortzusetzen und beauftragt den Unterausschuß, ihr in der nächsten Tagung einen Bericht zu erstatten. 2. Die Versammlung spricht den Wunsch aus. daß alle vom Sekretariate der Uaion gesammelten Informationen betreffend den Numerus clausus und die Lage der Juden im allgemeinen vorher mit Quellenangabe den betreffenden Vereinigungen mitgeteilt werden, damit diese ihre Bemerkungen machen. Der Generalsekretär wird ersucht, einen regelmäßigen Bericht über den Antisemitismus in allen europäischen Ländern zu erstatten, der parallel auch den Tatsachen gewidmet ist, die sich auf den Numerus clausus beziehen. Der Unglücksfall von Vöslau. Der in weiten Kreisen bekannte und geschätzte Wiener Baumeister Ing. Emanuel Kaufmann wurde vor einigen Tagen das Opfer eines entsetzlichen Eisenbahnunglücks. Der auf so tragische Weise ums Leben gekommene Baumeister war eine Zierde der Wiener Judenheit und stets bestrebt, jüdische Handwerker in jeder möglichen Weise zu fördern. Wo sich ihm auf seinen zahlreichen Bauten hierzu Gelegenheit bot, beschäftigte er jüdische Professionisten, deren Fleiß und Tüchtigkeit er immer zu schätzen wußte. — Der Unglücksfall spielte sich folgendermaßen ab: Als Ing. Kaufmann auf dem Perron der Station Vöslau auf den nach Wien fahrenden Lokalzug wartete, wurde er von dem durchfahrenden Schnellzug Triest—Wien erfaßt, unter die Räder geschleudert und vor den Augen seiner Gattin zermalmt. Der Augenzeugen dieses schrecklichen Unglücks bemächtigte sich eine große Erregung und viele Fahrgäste umringten den diensthabenden Beamten, einen jungen Bahnadjunkten, welchen sie mit Vorwürfen überhäuften und tieshalb für das Unglück verantwortlich machten, weil er keinerlei Maßregeln zum Schutze des Publikums getroffen habe. Der Stationsleiter konnte sich jedoch, nach Angabe vieler Augenzeugen, nicht anders gegen die schweren Vorwürfe verteidigen als durch den Ausspruch: „Die Juden sollen besser acht geben". Es ist höchst begreiflich, daß das durch das furchtbare Ergeignis ohnedies in höchster Erregung befindliche Publikum, das zum Teil aus Juden bestand, durch diese Worte in ungeheure Erbitterung versetzt wurde, und es hätte nicht viel gefehlt und der Bahnadjunkt wäre von den erbitterten Fahrgästen tätlich angegriffen worden. Eine Anzahl Augenzeugen des Unglücksfalles und seines traurigen Nachspiels erstattete gegen den Stationsleiter die Anzeige bei der Generaldirektion der Bundesbahnen und diese sah sich veranlaßt, folgende Erklärung abzugeben: Was den bedauerlichen Unglücksfall betrifft, dem der Wiener Baumeister Ing. Kaufmann zum Opfer gefallen ist, stellt die Generaldirektion der Bundesbahnen fest, daß den diensthabenden Beamten keinerlei Verschulden an diesem Unglücksfall triift, da er vor Ankunft des Schnellzuges dem Publikum „Achtung" zugerufen habe. Was eine angebliche Aeußerung des diensthabenden Beamten politischen Inhalts betrifft, so wird diese nicht nur in Abrede gestellt, sondern der genannte Beamte befand sich, als der Vorfall zu politischen Kontroversen führte, im Station$bureau. Diese Darstellung des Vorfalles steht allerdings, mit den zahlreichen übereinstimmenden Aussagen einwandfreier Zeugen desselben, die nach wie vor an ihrer ursprünglich gemachten Aussage festhalten, in Widerspruch und es ist zu hoffen, daß die eingeleitete Untersuchung die Angelegenheit klären wird und, falls irgend eine Verfehlung festgestelll werden sollte, die schuldtragenden Beamten einer i exemplarischen Bestrafung zugeführt werden. Erholung — keine Politik. Der Bitte an unsere Leser, uns im Interesse ihrer Glaubensgenossen alle Orte und Sommerfrischen bekanntzugeben, von deren antisemitischem Charakter sie Kenntnis haben, ist in reichlichem Maße entsprochen worden. Unter den diesbezüglichen Zuschriften finden sich aber auch solche, die Belanglosigkeiten ungeheuer aufbauschen. So berichtet uns z. B. ein] Einsender, daß am Sonntag vormittags zum Konzert in einem von Juden stark besuchten Kurort mehrere Herren mit einem Hakenkreuz auf der Promenade erschienen. Daß dieses Verhalten gegen jede Vernunft ist, wird man nicht bestreiten können, bedeutet aber einen schwachen Trost. Aber was haben wir Juden damit zu tun? Diese Frage soll jetzt beantwortet werden: J ed e r. de r ins Bad reist, handle nach dem Grundsatz, dort nur Erholung und Ruhe zu suchen! Das scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein. Aber, wer die Dinge kennt, weiß, daß gegen dieses so schrecklich einfache Gebot zu ort und zu schwer verstoßen wird. Der Grund dafür ist in der indischen Ueberemofindlichkeit zu suchen. Unser Gefühl geht leider allzu häufig mit uns durch. Also ..Ruhe ist die erste Bürgersuflicht". hat unseren Freunden im Bade als Richtschnur zu gelten. Mir ist es ungeheuer gleichgültig, ob der Herr auf Nummer 12 ein Frontkämpferabzeichen am Rocke trägt. Und wenn der Jüngling auf Nummer 18 aller Welt kund und zu wissen tut, daß er mit 18 Jahren nur auf das Hakenkreuz schwört, so denke ich wie der alte Berliner: ,.Laß' das Kind" usw. Nichts ist verkehrter, als in jedem solchen Abzeichen einen Beweis glühender Judenfeindschaft zu sehen. Selbst wenn es wirklich so sein sollte, daß mein Gegenüber es darauf absteht, mich zu ärgern, sn werde ich ihm den Gefallen nicht tun. Denn auf meine Dummheit wartet er ia nur. Wenn er merkt, daß ich auf seine Herausforderung nicM weiter eingehe, dann wird er von selbst damit aufhören. Es bedeutet wahrhaftig keinen „Schneid", iedem. dem es Snaß macht, mich anzurempeln, zu zeigen, daP ich mir „nichts gefallen lasse". Das lassen sich besonders die Söhne unserer Freunde sresagt sein, die ihre Väter ms Bad begleiten und sich vi-cUeicht so die Langeweile vertreiben wollen. Wo aber iudenfeindliches Treiben planmäßig u^d nachhaltend zu beobachten ist. da besinne man keine . Badenolitik" nu* eigene F?nsf, sondern wende sich nn die kompetenten Stellen. Wie oft hat schon eigenmächtiges Vorgehen, dis sicher <rut gemeint war. schweren Schaden gestiftet. Zusammenfassend ist zu sagen: Disziplin und P u h o sind die Voraussetzungen, unter denen wir aller Schwierigkeiten Herr werden können. Die ..koschere" Tscheka. Durch die völkische Presse geht jetzt eine Notiz über die russische Tscheka.' in der diesmal ausnahmsweise nicht, wie gewöhnlich, gelogen wird, dieses Rlutgencht bestehe a"s Juden, sondern es wird der Wahrheit gemäß angegeben. Polen. Letten und Chinesen seien Pichter und Henker (der Löwenanteil der deutsch-baltischen Edelleute und der — Russen wird verschwiegen). Zum Schlüsse der Not'z steht einr» Bemerknnsr. wonach vom Worte ..Tscheka" ein Verbum .tschekitj" existiere, das im russischjüdischen Jargon bedeute: „ein Tier auf bestialische Weise töten, damit es koscher erescblachtet sei". „Das Blut auf grausame Weise aus vielen Wunden des Körpers auslaufen lassen, alle Völker zu .tschekitj' — ist das nicht das Ziel des

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