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Die Wahrheit · 1925-07-10 · Heft 27 (10.7.1925) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 27 (10.7.1925)
Date
1925-07-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. & DIE WAHRHEIT Seite 7 „Das alte Testament ist aber eine Fälschung, insoferne es nicht eine Offenbarung Gottes, sondern eine vielstückige Sammlung von guten und schlechten, falschen und echten Ueberlieferungen ist". Den Beweis für diese Behauptung ist uns Gorsleben vollständig schuldig geblieben, er dürfte sich auch kaum aus der Entzifferung alter Runenzeichen und sprachnrythologischen Studien erbringen lassen. „Es ist alles", sagt er, „nur kein geistiges Eigentum der Juden, wenn man von den Einschiebungen und Umarbeitungen absieht, welche schriftgelehrte Fälscher (?) vornahmen, um dem Ganzen den Eindruck einer einheitlichen jüdischen Ueberlieferung zu geben." Daß Gorsleben auch die Evangelien für eine Fälschung hält, sei nur nebenbei erwähnt. „Der Stammvater der Arier heißt übereinstimmend in den alten Sagen und Mythen Man oder Manu; das ist „Mann", was aber keineswegs gleichbedeutend ist mit „Mensch". Mensch kommt von Gemensche, Gemansche Mischung. Mischen, Manschen und Menschen sind naheverwandte Begriffe (mit einem Worte: Mischmaschmensch) Mann und Mensch sind daher eigentlich Urgegensätze. Erst in jener Zeit, als sich die „Götter", auch Asen genannt, mit den Tieren, vorgeschichtlichen Affenreihen, mischten, entsteht das Gemische, der Mensch (Wahrlich, eine schöne Religion!) Die „Götter" sind es, die „Goten" (Ostgoten vielleicht?) und Guten, die seit Millionen Jahren diese Erde besiedelten und die Menschenrassen erzeugten, indem sie diese aus dem Tierischen durch Beimischung ihrer Göttlichkeit heraushoben. Alsbald gereute es die Götter aber, die Menschen gezeugt zu haben und sie trachteten darnach, sie zu verderben. Aber es war zu spät. Wohl gingen die Vorweitriesen, die Bastarde zwiscihen Göttern und Tieren waren (eine neue entwicklungsgeschichtliche "Entdeckung von fundamentaler Bedeutung!) zugrunde, aber ihr Blut durchsickerte Generation auf Generation, die Mischlinge nehmen überhand und aus ihnen wurden Zwerge und Riesen (siehe: „Gullivers Reisen"!), die Niederrassen der Neger, Mongolen, Semiten (!) und Indianer". In dieser Tonart geht es dann lustig weiter! „Die\ Juden sind die Joten der Edda (wer denn sonst?) die i.Fresser und Dürste.r", die Stoffwanen, die sich die Ausgewähltheit angemaßt (!) haben, durch die Fälschung der alibabylonischen Schriften .unter Esra und Nehemia, die nun das Alte Testement heißen, die aber selbst die Trümmer uralter arischer (?) Berichte sind, wie die Forschung längst nachgewiesen! hat." Gorsleben beweist ferner, daß es im Anfang nur eine Sprache auf der Erde gab, und daß diese — selbstverständlich — die arische Sprache war. „Alle Sprachen der Welt sind Dialekte der einen Ursprache und das Deutsche ist die älteste Tochter derselben. Aus der deutschen Sprache allein sind daher alle Sprachen d.er Welt zu i erforschen und in ihre Bestandteile zu zerlegen". In welcher Weise dies geschehen kann, möge ein willkürlich herausgegriffenes Beispiel zeigen: Am Anfange war das Wort. Im Worte „Wort" steckt die Wurzel „Ur". Daher ist „Urda" der; Name der ersten Nonne, mit anderen Worten des „Werdens". Gott sprach, heißt es in der Genesis, und es „ward" nämlich das „Wort": or, ur, ar sind ursprachliche Begriffe für das Licht, die Sonne und damit wieder für das Werden. „Or" heißt auf hebräisch ebenfalls „Licht"* „Jehi or" —• es „ward" Licht verrät demnach einerseits den „arischen" Ursprung der Bibel anderseits den göttlichen Ursprung der Arier. (Quod erat demonstrandum!) „Mehr und mehr veraffen die Menschen", sagt Gorsleben und fast wäre man versucht, dieser Anschauung des arischen Urg.öttermenschenrassenmischungsforschers zuzustimmen. „Die heutigen Menschenrassen sind Herabentwicklungen aus der Vermischung der Götter mit den Tieren und dem Ergebnis dieser Vermischung, den Halbtieren oder* Halbmenschen". Gorsleben ist auch in der Lage, „den exakten wissenschaftlichen" Nachweis zu erbringen, nicht nur für die Richtigkeit seiner „Mischmaschtheorie" sondern sogar für die Wertigkeit der verschiedenen Menschenrassen untereinander. Er stützt sich hierbei sowohl auf die „Ergebnisse neuester Blutuntersuchungen" sowie auf eigene Beobachtungen. Was erstere betrifft, stellt er fest, daß die Untersuchungen Dr. Karl Brucks „über die Komplementbindungsmethode im Blutreaktionsverfahren" den Nachweis erbracht haben, daß die einzelnen Menschenrassen in verschiedenen Abstufungen der Blutverwandtschaft zum Orang-Utan stehen. Am weitesten entfernt von den Menschenaffen ist der Holländer als Vertreter der arischen Rasse, eine Stufe tiefer steht der Mittelländer, zwei Stufen tiefer der Mongole und noch zwei Stufen tiefer der Malaie, welcher noch fünf Stufen vom Orang-Utan entfernt ist. Als zweite Stütze für seine neueste Abstammungstheorie führt Gorsleben einen anatomischen Beweis an: „Der Australier, der Botokude, steht nicht am Anfang einer Entwicklung (wie es etwa auf Grund der Darwinschen Evolutionstheorie anzunehmen wäre. Anm.), sondern er ist ein Restprodukt aus göttlicher und tierischer Vermischung („Vermenschung!"), wie sich aus seinem Körperbau ergibt. Der Arier hingegen weist in seinem Skelett-Schädel- und Gliederbau keine der tierischen Reste mehr auf, die den Körper des Niederrassenmenschen (also des Nichtariers!) bestimmen. Noch heute können reine Arier nicht klettern, während Niederrassen (Mongolen, Semiten, Malayen usw.j noch heutü wie die Affen auf Bäumen klettern können, Zehen, Füße, Schienbein und.Wadenbein haben die Stellung wie im Skelett der Kletterer. Sie steigen geradezu einen Baum hinauf! Lehrer seien darauf aufmerksam gemacht, daß gute Kletterer immer schlechter Rasse sind**. Der neuen {„Deutsche Gesellschaft .für Rassenpflege}", die an der Wiener Universität, wie bereits in diesem Blatte erwähnt wurde, eifrige Propaganda für ihre Bestrebungen entfaltet, bietet sich hier ein ungemein fruchtbares Gebiet wissenschaftlicher Forschung und es ist anzunehmen, daß wir in kürzester Zeit bereits weittragende Beobachtungen ähnlicher Art werden erfahren können. „Eine neue Wissenschaft (!) tut sich vor unseren Augen auf", sagt Gorsleben am.Schlüsse seiner. Abhandlung über „arische Urreligion": „Wir haben den Schlüssel zu unserer Vergangenheit gefunden und nicht nur das, sondern auch den Schlüssel zu einer neuen, vielfach begründeten (!) Weltansicht". Wir aber können den Schlüssel nicht finden, der uns das Rätsel erklärt, daß vollsinnige Menschen so etwas schreiben können, und daß es Deutsche gibt, welche einen solchen Unsinn lesen und leider auch glauben. Sicher ist, meint Gorsleben, daß unsere ge- ^chichtliche, sprachliche und religiöse Erkenntnis sich ungeahnt vertiefen wird. „Niemand vermag noch ganz die Folgen zu übersehen", sagt er, „welche sich aus diesen noch gärenden Gedanken ergeben." Die Folgen „dieser gärenden Gedanken" können, so glauben wir, doch schon einigermaßen „übersehen" werden. Sie lassen sich, wenn man die geistige, moralische und politische Entwicklung verfolgt, die ein Teil der deutschen Jugend und vor allem der Hochschuljugend in den letzten Jahren durchgemacht hat, leider nicht „übersehen". Hoffen wir, daß sich die deutsche Jugend bald freimacht von den Verirrungen einer übertriebenen Germanenschwärmerei und eines verbohrten Rassenhasses und zurückfinde zu jener wahren „Weltanschauung*', welche große Denker und Dichter dem deutschen Volke gewiesen haben! Dr. W. Glossen. Der „Weitkampf' zitiert in seiner jüngsten Nummer wieder einmal das den Antisemiten so sympathisch klingende Wort Momrasens, daß das Judentum in der alten Welt ein „Ferment der nationalen Dekomposition" gewesen sei. Nun, Mommsen, dem für diese Aeußerung großmütig der Titel des Großmeisters der römischen Geschichtsschreibung von den Völkischen verliehen wird, wäre sicherlich der historischen Wahrheit nicht nahegetreten, wenn er ergänzend bemerkt hätte, daß das Judentum zu allen Zeiten auch sein reichliches Kontingent zu den konservativsten Elementen der Welt beigesteuert hat. Aber lassen wir das. Mommsen gebührt sicherlich unter allen Umständen höchste Beachtung. Und so möchten wir dem „Weitkampf', der sich so freudig auf die Autorität Mommsens stützt, in Erinnerung bringen, was dieser große Historiker zur Charakteristik der Antisemiten zu sagen wußte. Da

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