Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 27 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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&eite 6 t)IE WAHRHEIT Nr. 27 Unglück als Gutes anrichten werden, muß ich Ihnen zu bedenken geben. Der Antisemitismus ist das Merkzeichen einer zurückgebliebenen Kultur und findet sich deshalb auch nur in Preußen und Oesterreich, respektive Rußland.1) „ Es ist in Preußen der Kleinadel, das Junkertum, das 10.000 Mark einnimmt und 20.000 Mark ausgibt und daher den Wucherern verfällt, das in Antisemitismus macht, und in Preußen und Oesterreich ist es der dem Untergang durch die großkapitalistische Konkurrenz verfallene Kleinbürger, Zunfthandwerker und Kleinkrämer, der den Chor dabei bildet und mitschreit. Wenn aber das Kapital diese Klassen der Oesellschaft vernichtet, die durch und durch reaktionär sind, so tut es, was seines Amtes ist und tut ein gutes Werk, einerlei, ob es nun semitisch oder arisch, beschnitten oder getauft ist..... In ganz Nordamerika, wo eis Millionäre gibt, deren Reichtum sich in unseren lumpigen Mark, Gulden oder Franken kaum ausdrücken läßt, ist unter diesen Millionären nicht ein einziger Jude, und die Rothschilds sind wahre Bettler gegen diese Amerikaner. Und selbst hier in England ist Rothschild ein Mann von bescheidenen Mitteln, zum Beispiel gegenüber dem Herzog von Westminster. Selbst bei uns am Rhein, die wir mit Hilfe der Franzosen den Adel vor 95 Jahren zum Lande hinausgejagt und uns eine moderne Industrie geschaffen haben, wo sind da die Juden? Der Antisemitismus ist also nichts anderes als eine Reaktion mittelalterlicher, untergehender Gesellschaftsschichten gegen die moderne Gesellschaft, die wesentlich aus Kapitalisten und Lohnarbeitern besteht und dient daher nur reaktionären Zwecken, unter scheinbar sozialistischem Deckmantel. Er ist eine Abart des feudalen Sozialismus und damit können wir nichts zu schaffen haben . . . Dazu kommt, daß der Antisemitismus die ganze Sachlage verfälscht. Er kennt nicht einmal die Juden, die er niederschreit, sonst würde er wissen, daß hier in England und in Amerika, dank den osteuropäischen Antisemiten, und in der Türkei, dank der spanischen Inquisition, es tausende und abertausende jüdischer Proletarier gibt; und zwar sind diese jüdischen Arbeiter die am schlimmsten Ausgebeuteten und die AUerelendsten. Außerdem verdanken wir den Juden viel zu viel. Von Heine und Börne zu schweigen, war Marx von stockjüdischem Blut. Lassalle war Jude. Viele unserer besten Leute sind Juden. Mein Freund Viktor Adler, der jetzt seine Hingebung für die Sache des. Proletariats im Gefängnis in Wien abbüßt, Eduard Bernstein, Paul Singer, einer unserer besten Reichstagsmänner — Leute, auf deren Freundschaft ich stolz bin — sind alle Juden! Bin ich doch selbst von der „Gartenlaube" zum Juden gemacht worden, und allerdings, wenn ich wählen müßte, dann lieber Jude als Herr von. London, den 19. April 1890. Friedrich Engels." ') Leider hat seitdem der Antisemitismus auch in Amerika Fortschritte gemacht, wobei ihm die Pamphlete, die die deutschen Antisemiten in reicher Fülle veröffentlichen, die Wege gebahnt haben. Was Friedrich Engels hier sagt, das verdiente immer wieder betont zu werden, wenn Arbeiter glauben, daß der Kapitalismus in seinen schlimmsten Auswüchsen eine jüdische Angelegenheit ist.. Wir dürfen stolz sein, daß ein Mann von den sittlichen Qualitäten eines Friedrich Engels ein solches Urteil über Juden und Judentum hat. Dr. Willy Cohn. Arische Weltanschauung. Als nach dem Zusammenbruche Deutschlands im Weltkriege alteingewurzelte Ueberzeugungen ins Wanken gerieten und mit dem Sturze der Monarchie auch das ganze autokratisch-dogmaliisch4 Lehrgebäude zusammenbrach, welches deutsche Philosophen, Pastoren und Professoren aufgerichtet hatten, um den diversen politischen Bestrebungen der regierenden Familien und den imperialistischen Machtgelüsten der militärischen Kreise die nötige „ethisch-moralische" Grundlage zu liefern, da mußte eine neue Weltanschauung zurechtge.zimmert werden, welche den geänderten .politischen Bedürfnissen besser entsprach als die in einem Meer von Blut untergegangene Anschauung von dem „deutschen Wesen, an dem die Welt hätte genesen sollen". Die Wogen des Nationalismus gingen gerade damals sehr hoch und die jungdeutsche nationalreligiöse Bewegung sah es als wichtigste Aufgabe an, den in manchen Gehirnen entstandenen luftleeren Raum mit einer echt „arischen" Weltanschauung anzufüllen, sich der Fesseln des Judentums und auch, des Christentums zu entledigen und vor allem die altgermanische U r r e 1 i g i_o n wieder anzunehmen. Bereits in einer früheren Nummer dieses Blattes wurde auf die „umwälzenden" Entdeckungen Franz. von Wendrins hingewiesen („Enthüllungen und Entdeckungen", Wahrheit Nr. 2211925). In diesem Zusammenhange seien auch Otto Siegfried Reuters „Rätsel der Edda" aus der Flut von Schriften, welche sich mit der arischen Urreligion beschäftigen, herausgehoben, weil es der Verfasser unternimmt, den „weitreichenden)* Zusammenhang zwischen dem :Alten Testament und der Edda aufzudecken. Das Organ der neureligiösen Bewegung, deren Ziel die Wiedereinführung des germanischen! Wotans- und Götzenkultus ist, trägt den stolzen Titel „Deutsche Freiheit" (Monatsschrift für arische Gottes- und Welterkenntnis) und wird von Rudolf John Gorsleben, dem eifrigen Propagator der Ur-Religion, im „Sturm"- Verlag zu Hannover herausgegeben. Wenn wir uns hier.eingehender mit den Anschauungen, wie sie in genannter Monatsschrift vertreten werden, beschäftigen, so geschieht dies deshalb, weil sie wieder einmal beweisen, wie sehr, fanatischer Rassenhaß den gesunden Menschenverstand zu trüben in der Lage ist. Folgen wir also dem großen Weisen John Gorsleben „auf den noch unbekannten, nie betretenen Wegen zu den heiligen Quellen des alten germanischen Weistums, indem wir den gemeinsamen Schlüssel zu Mythos und Märchen in der deutschen Sprache aufzufinden versuchen." „Wir müssen nur einmal ein Gesetz", meint Gorsleben, „das bei der Entzifferung^der ägyptischen (!) Hieroglyphen so wichtige Dienste geleistet hat, auch auf die deutsche Sprache anwenden: Die Grundbedeutung der Lautzeichen ergibt sich aus ihrer Einordnung in ein bestimmtes Zahlensystem, das zugleich die tiefsten Geheimnisse der Urreligion in seinem Zahlenrhythmus umschließt . . ." „Vielleicht erleben wir es noch," fügt der Sprachformer hinzu, „daß als eine der Quellen der ägyptischen Priesterweisheit die unerhörte Kühnheit (?) jener nordischen Seefahrer sich enthüllt, die uns in den schwedischen Felsbildungen ein so rätselhaftes Zeichen ihrer Tätigkeit hinterlassen haben." Vertiefen wir uns also ein wenig in die „Geheimnisse des Weisen von Hannover"! Ar Adler Gleichnis der Sonne, daher Arier; Sonnen- oder Gottesmann. Gottmensch und Arier ist also ein und dasselbe. Hieraus ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit, daß der Schöpfer des Christentums nie ein Jude gewesen sein kann. Denn es wäre undenkbar, daß Gott seinen Sohn in eines Juden Leib erschaffen hätte statt in seinem Ebenbilde, im arischen, das heißt göttlichen Menschen.