Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 27 (10.7.1925)
- Date
- 1925-07-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 DIE WAHRHEIT Seite 5 ist das russische Volk mit der Herrschaft seiner christliche . . . Die Angehörigen der jüdischen Rasse Bolschewisten zufrieden. Die Bauern, 95% der ganwerden überdies einer erbitterten und schonungszen Nation, erfreuen sich des Besitzes des ganzen losen Propaganda der kommunistischen Partei, die Bodens und dem Väterchen Zaren, der Dynastie und gegen jede Religion, aber vor allem dem Adel weinen sie keine einzige Tränenach. Nur gegen die jüdische gerichtet ist, ausgesetzt, wenn der Steuereinnehmer kommt, pflegt der Bauer Besonders den Kampf gegen die jüdische Religion aufzubegehren. Aber die bolschewistische Regieführt der kommunistische Orden mit dein unglaubrüng scheint in der Einhebung der Steuern bei den liebsten Mittel« und mit einem Zynismus, der jeden Bauern eine eigene Technik eingeführt zu haben, so Menschen, der für Ehrfurcht empfänglich ist, daß die Unzufriedenheit auf ein Minimum herabgeschaudern macht . . drück* wurde. Als die Regierung eine Zeitlang un- Wenn die Antisemiten in Deutschland und in ter der Bauernschaft kommunistische Kommissare Oesterreich zur Macht gelangen würden, sie könneinsetzte, die die Qesinnuingstreue der Bauern kon ten wahrscheinlich gegen Juden und Judentum nicht trollieren sollten, und die Bauern sie einfach en masse' ärger wüten. Zwischen Tschekisten und Antisemiten niederzumetzeln anfingen, beeilte sich die Regiebesteht eine nähere Verwandtschaft als zwischen rung, diese seltsame Institution abzuschaffen, und Kommunisten und Juden, sofort kehrte wieder .Friede ein. - Die Opfer des Systems sind die Städter, aber diese bilden in Rußland eine verschwindende Minorität und es kann nicht davon die Rede sein, daß sie sich gegen die Bolschewistenherrschaft auflehnen. Unter der städtischen Bevölkerung sind es d i e Juden, die am schwersten unter dem Kommunismus der Bolschewisten gelitten haben, nämlich als Angehörige des Mittelstandes und der freien Berufe, denen jede Lebensmöglichkeit in Rußland abgeschnitten ist und denen nichts übrig bleibt, als auszuwandern oder Hungers zu sterben. Axel de Vries, Chefredakteur des „Revaier Boten", schreibt in seinem Buche „Die Sowjet-Union nach dem Tode Lenins" (Reval 1924) unter anderem folgendes: „Der kommunistische Orden hat den Kampf gegen die jüdische Bourgeoisie geführt wie gegen die während Fabian, der bekannte Pazifist, uns eine Biographie des hervorragenden Philosophen und Pädagogen F. W. Försters gibt. (Schwetschke.) — Im „Trümmerfeld Europa" (Franz Schneider, Berlin) zeigt uns Oskar Blum den Zusammenbruch der europäischen Kultur. Alle Gebiete: Kunst, Literatur, Politik werden entsprechend dargestellt und die Ausführungen durch charakteristische Illustrationen belegt. In „Deutschland, Frankreich, England" (Erich Reiß, Berlin) projiziert Harden seine „Köpfe" ins Große. Statt der Individualitäten spricht er diesmal über diese drei Kollektivpersönlichkeiten, wobei allerdings Deutschland schlecht wegkommt. Ein interessantes Kulturbild aus dem alten Rom verdanken wir dem Herausgeber des „Abend" CarlColbert. In seinem „BankundBörsen Spieler vor zweitausend Jahren" (Oskar Wöhrle, Konstanz a. B.) schildert er auf Grund seiner historischen Forschungen die Verhältnisse, wie sie zur Zeit Ciceros und der Blüte Roms geherrscht haben, die Entwicklung dieser Verhältnisse u. a. Das Wiener Publikum, das im „Abend" bereits einige Kostproben aus diesem Werke erhalten hat, wird gerne danach greifen. Ein gleiches gilt unter denselben Umständen von der Broschüre „Der Krieg im Jahre 1930" (Verlag der Neuen Gesellschaft, Berlin-Hessenwinkel) von General Schönaich. Mit visionärer Kraft und prophetischer Eindringlichkeit entwirft der Verfasser hier ein Schreckensbild des mit allen Mitteln der Technik geführten Zukunftskrieges zwischen Deutschen und Franzosen, Die Schilderung wirkt wahr und gerade darum so erschütternd. Sie wird Gegner und auch die Befürworter des Krieges ^um Nachdenken zwingen und ihnen verständlich machen, weshalb dieser bekannte General durch den Weltkrieg zum Vorkämpfer einer anderen Art der Beilegung von Streitigkeiten unter den Völkern wurde. In kulturhistorischem Sinne begrüßenswert ist schließlich die Sammlung „Geschichte in Anekdoten" von Friedrich Wendel (J. H. Dietz, Berlin), die wenige, aber charakteristische Anekdoten jeder Zeit zusammenstellt, um ein entsprechendes Bild von ihr zu geben. Friedrich Engels und der Antisemitismus. Der 100jährige Geburtstag von Ferdinand Lassalle hat die Aufmerksamkeit der Welt auf diesen einen Begründer des Sozialismus gelenkt. Es ist bekannt, daß er als Jude geboren und als Jude gestorben ist. Aber auch der große Theoretiker des Sozialismus Karl Marx ist jüdischen Blutes. Dagegen stammt der Dritte aus diesem 'Kreise, der Mann, der sein Leben lang in treuester Freundschaft zu »Karl Marx gestanden hat und der nach dem Tode der Beiden lange Jahre hindurch der anerkannte Führer der Sozialdemokratie gewesen ist, aus einer urgermanischen Fabrikantenfamilie des unteren Rheines. Er hat durch sein ganzes Leben die größte Treue Karl Marx bewahrt, und das hohe Lied dieser Freundschaft muß auch alle die menschlich bewegen, die sonst der Gedankenwelt des Sozialismus ablehnend gegenüberstehen. Kein Wunder, daß man in der Zeit, als die Stöckersche Bewegung ihre Hochflut erreichte, ihn angriff und ihn sogar verdächtigte, selbst Jude zu sein. Können es sich ja auch heute noch viele Leute »licht vorstellen, wenn eine aufrichtige Freundschaft Menschen von verschiedener Rasse verbindet. Nach dem Tode der Kampfgenossen der alten Generation war es wiederum ein Jude, der Engels nahestand: Viktor Adler. Der einzige, der von Wien an sein Sterbebett gerufen wurde. Die Herausgabe des Briefwechsels dieser beiden ist ein verdienstvolles Werk, das der Vorstand der österreichischen Sozialdemokratie auf sich genommen hat. In ihm finden wir den Wiederabdruck eines Briefes, den Friedrich Engels im Jahre 1890 an einen leider nicht zu ermittelnden Empfänger in Wien gerichtet hat. Der Brief erschien in dem genannten Blatte am 9. Mai des erwähnten Jahres mit dem ausdrücklichen Zusatz, daß für seine Veröffentlichung die Genehmigung des Schreibers und des Empfängers vorliegt. Wir glauben, daß dieser Brief auch heute noch nach 35 Jahren der Menschheit mancherlei zu sagen hat und möchten darum einiges aus ihm mitteilen; zumal es gegenwärtig Arbeiter gibt, die in vollkommener Verkennung der Situation sich antisemitischen Strömungen in die Arme warfen. In dem Briefe also heißt es folgendermaßen: „Ob sie aber mit dem Antisemitismus nicht mehr