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Die Wahrheit · 1925-07-10 · Heft 27 (10.7.1925) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 27 (10.7.1925)
Date
1925-07-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4__ DIE WAHRHEIT Nr. 27 ris 1922, S. 160, Fußnote) folgendes: „Nachdem die Deutschen in die Krim eingerückt waren, wurde ich von den vielen russischen Offizieren gebeten, mich für den jüdischen Kommissär S1 u t z k i zu verwenden, da er mehr als einen Offizier aus den Händen der vertierten russischen Matrosen gerettet hatte." Die verhaßteste Institution der Bolschewisten ist unzweifelhaft das blutige Revolutionstribunal, die „Tscheka", oder wie sie sich jetzt offiziell benennt, „Gospur". Die Tscheka hat unter den Gegenrevolutionären zahlreiche Opfer gefordert, die nicht nur getötet, sondern auch grausam gemartert wurden. Wenn einmal das russische Volk an den Bolschewisten Rache nehmen wird, so werden das zuerst die Tausende und Tausende von Familien tun, deren Mitglieder in den unterirdischen Räumen der Tscheka verschwunden sind. Nun, an der Spitze derselben stand der Pole Dzierzynski, zugleich Mitglied des Rates der Volkskommissare, und sein Vertreter war ein anderer Pole namens Rudolf M e n s h y n s k i, Sohn eines Generals der russischen Armee und1 Adjutanten des Zaren. Der erstgenannte Pole hat den Ruf, ein ins Riesenhafte vergrößerter St. Just zu sein, er hat mehr Bluturteile unterschrieben als je ein Mensch vor ihm io Rußland. Die Tscheka von Moskau ist voll von polnischen Beamten. Unter den führenden Geistern dieser Anstatt zeichnen sich besonders die Letten aus, und zwar als Henkersknechte; als Untersuchungsrichter fungieren auch Deutsche, darunter baltische Barone und1 deutsche Damen. Man lese darüber das von den nichtbol- Der Autor, der als deutscher Vertreter bei den Brest-Litowsker Friedensverhandlungen zu einer etwas fragwürdigen Berühmtheit geworden ist, bringt hier eine Kritik der Kriegführung und Diplomatie, die es stets versäumt hätten, günstige Situationen entsprechend auszunützen. Hofmanns Buch heute auf seine Richtigkeit in all seinen Details zu überprüfen, ist ausgeschlossen. Das Faktum aber, daß stets solche Verfehlungen gegen die Kriegs- und Staatskunst von deutscher Seite begangen wurden, ist bekannt. Nur Ludendorff hat bisher davon keine Notiz nehmen wollen und ihm würden wir diese interessante Publikation besonders empfehlen. Die dem Umsturz in Ungarn folgende Zeit weiß uns B ö h m glänzen! zu sch:lcern. „Im Kreuzfeuer zweier Revolutionen" stand er auf verantwortlichem Posten, als Kriegsminister im Kabinett Karolyi und als Oberkommandant der Roten Aimee während der Kommune. Seine fast romanartige Darstellung wird wertvoll unterstützt durch Veröffentlichung eines reichen Archivmaterials. Akte, Telegramme u. ä. erweisen die Richtigkeit der Behauptungen des Autors, und da wohl auf lange Zeit hinaus die ungarischen Archive schweigen werden, werden Böhms Mitteilungen zu den wichtigsten Publikationen zu zählen sein. Die Folgezeit in Ungarn wird entsprechend betrachtet in dem Werke von Boroviczenyi „Der König und sein Reichsverweser". Diese Publikation dürfte Herrn Horthys Beifall schwerlich finden. Denn der Autor entlarvt den Ursupator, der bei der Rückkehr seines königlichen Herrn alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um ihn zum Verlassen des Landes zu zwingen. Das Buch, das seinem Inhalt und seiner Darstellung nach einem spannenden Detektivfilm ähnelt, läßt auch im politischen Gegner wahres Mitgefühl für jenen unglücklichen Mann empfinden, der ohne sein Verschulden entwurzelt fern der Heimat zu Grunde ging. Eine berühmt-berüchtigte Persönlichkeit Amerikas und ihre erfolglose politische Betätigung findet ihre Darstellung in dem Buche „Die staatsmännischen Experimente Henry Fords" von P. L. L o c h n e r, zu dem Maxim G o r k i die Einleitung geschrieben hat. Ford, sicher eine der interessantesten Personen (Persönlichkeiten?) Amerikas, halb sehewistischen Russen im Sommer 1922 zu Berlin herausgegebene Saanmelbuch „Tscheka", von dem eine, leider verkürzte deutsche Ausgabe erschienen ist. Man findet da sehr zahlreiche jüdische Namen, aber nur unter den Opfern. Unter den Tätern sind kaum drei oder vier jüdische Namen, von deren Trägern aber die verhältnismäßig harmlosesten Dinge berichtet werden. Warum sollte sich die Rache der Russen ausgerechnet gegen die Juiden und nicht gegen die anderen richten? Der antisemitische ArtikeKschreiber jedoch sieht es anders: „Stürzt der Bolschewismus", so versichert er, „so kommt es zu der unvermeidlichen elementaren Volkserhebung, die sich in erster Linie gegen die Juden richten wird, und dann geht's ums Leben." Man sieht förmlich, wie seine Stirn sich verfinstert in Sorge um die armen Juden. Er ^möge sich trösten. Eigentlich drückt er sich nicht logisch aus. Die elementare Volkserhebung müßte ja zuerst ausbrechen, um den Bolschewismus zu stürzen, aber diese elementare Volkserhebung kommt nicht und will1, nicht kommen. Trotz der ungeheuren Propaganda der russischen und der mit ihr verbündeten internationalen Reaktion. Man muß schon so stupid sein wie das Gros der antisemitischen Leser, um ernstlich zu glauben, daß die Bauernschaft Rußlands nicht die physische Macht hat, die Bolschewistenführer, die ja angeblich sämtlich Juden sind, mit einem Ruck hinwegzufegen, dieselbe Bauernschaft, däe in der guten alten Zeit auf einen Wink der Polizei; nach Herzenslust Blutbäder unter den Juden anrichtete, die Tausenden von Juden das Leben kosteten. In Wahrheit Phantast, halb Präsidentschaftsprätendent, wäre ein dankbares Objekt für einen psychologischen Roman. Seine politische Tätigkeit, die bei uns erst durch die unter seinem Namen herausgekommene ._.Selbst"biographie und den „Internationalen Juden" unangenehm bekannt wurde, hat schon während des Krieges sich ebenso originell wie erfolglos „bewährt". Seine. Idee eines „Friedensschiffes" wird hier entsprechend kritisch dargestellt, wobei sich der Autor als genauer Kenner der amerikanischen Verhältnisse erweist. — ..Vom Kaiserreich zur Republik" ist der Titel eines zweibändigen, im Malik-Verlag, Berlin, erschienenen Werkes, das von einem extrem sozialistischen Standpunkt den deutschen Umsturz historisch und soziologisch darstellt. Der Autor Robert Müller, in hervorragender Stellung zu jener Zeit tätig, verfügt naturgemäß über eine völlige Kenntnis der Tatsachen, die bisher nqch unbekannt waren. In seiner Stellung als Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates hat wohl kaum ein zweiter die Möglichkeit gehabt, alle; Phasen der Revolution so mitzuerleben, wie er. — In ähnlicher Weise hat das Werk des deutschen Vizekanzler Friedrich Payer „Von Beth mann- Holl weg bis Ebert" (Frankfurter Sozietätsdruckerei) seine besondere Bedeutung. Der Autor, ein hervorragender Politiker und aktiver Staatsmann, befaßt sich mit derselben Frage wie Müller, nur daß er alles mit den Augen des demokratischen Politikers, also ruhiger, gesehen hat. Im Sinne der historischen Objektivität ergänzen sich diese beiden Bücher aufs trefflichste. — Die geheimen Rüstungen der reaktionären Gruppen schildert Leo Lania in „Gewehre auf Reisen" (Malik- Verlag, Berlin); eine Sammlung „Briefe eines Soldaten" (Rascher & C i e., Zürich) wird der pazifistischen Tendenz wertvolle Dienste leisten Kaniowski „Verschwörer und Revolutionäre", ein sozialistisches Werk (Neuer Deutscher Verlag, Berlin), scheint durch schlechte Uebersetzung aus dem Polnischen an Wert zu verlieren; J. d'Armees: „Masaryk, Proletarier, Professor, Präsident" (Schwetschke, Berlin)_. gibt uns eine Biographie dieses hervorragenden Staatsmannes,

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