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Die Wahrheit · 1925-07-10 · Heft 27 (10.7.1925) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 27 (10.7.1925)
Date
1925-07-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 DIE WAHRHEIT Seite 3 Wer beherrscht Sowjet-Bußland? Von Dimitri B u 1 a s c h o w. Natürlich niemand anderer als die Juden! . . . „Die Juden haben ihre Karte auf die bolschewistische Gewalt und auf die von dieser vorbereitete Wettrevolution gesetzt", heißt es in einem der .blutrünstigen Artikel, die von Zeit zu Zeit durch die großen antisemitischen Zeltungen gehen und die dazu dienen, die antisemitischen Stimmungen und Strömungen nicht einschlummern zu lassen. Die erste Etappe auf dem Wege zur Weltrevolution wird natürlich Deutschland sein. Und da die Juden die hauptsächlichen Träger der Weltrevolution sind, so kann diese von Deutschland nur abgewendet werden, wenn man die Juden nach dem Rezept der-Deutsch-Völkischen behandelt. „Juden bilden die Hauptmenge der Kommissare, unter deren Willkürherrschaft das Volk seufzt", heißt es in dem Artikel weiter. Noch vor einem oder zwei Jahren verwechselten die antisemitischen Blätter, auf die Unwissenheit ihrer Leser spekulierend, Kommissare mit Volkskommissaren, welcher Titel in Sowjetrußland nur den achtzehn Mitgliedern des regierenden Kabinetts zukommt, während das einfache „Kommissar" jeden Beamten und Angestellten der Regierung bezeichnet. Es hieß nun, daß die Mehrheit des regierenden Kabinetts von Juden gebildet werde, während in Wirklichkeit höchstens zwei Juden dem Kabinett angehörten, ebensoviel wie zeitweise den Kabinetten von Brüssel, Paris oder London, und doch haben praktische Politik eingeführt wurde. Wenn wir auch heute weit davon entfernt sind, die Notwendigkeit einer theologischen Grundlage der Staatswissenschaften und der Staatswirtschaft anzuerkennen, so ist doch die geistige Situation wieder den Ideen der Romantiker näher als je. Die äußere Ohnmacht, in der heute nicht nur die Besiegten sich befinden, führt notwendigerweise zu einer Verinnerlichung. Und aus dieser äußeren Parallelität folgt die Aehnlichkeit des Denkens. In diesem Sinne mag die recht glückliche Auswahl Gelegenheit zur Vertiefung und Auseinandersetzung1 geben. Ein schwieriges Problem der modernen Politik behandelt Camillo Morocuti in seinem „Europa und die völkischen Minderheit e n"*9). Der Autor, Arzt im deutschen Grenzgebiet Jugoslawiens, kennt die unerträgliche Lage der Minderheiten aus eigener Anschauung und bemühte sich, eine paneuropäische Lösung des Minderheitsproblems zu finden. Die Terminologie des Autors, Nationalismus immer als Chauvinismus anzusehen und daher jedesmal mit ihm gleichzusetzen, scheint uns unzulänglich, wie überhaupt die Unterscheidung zwischen Volk und Nation nur geeignet ist, die Begriffsanarchie auf diesem Gebiete zu verstärken. Inhaltlich und in seinen Forderungen stimmen wir mit dem Autor völlig überein. Nur scheint es uns merkwürdig, daß in der Tabelle, in der die Zahlenstärke der einzelnen Minderheitsvölker angegeben ist, die Juden weder bei Polen noch bei Rumänien angeführt sind. Und so ist bei Polen eine unaufgeklärte Differenz von 1,8 bei Rumänien von 27,6 Millionen. Wenn der Autor behauptet, daß die Juden sich in den meisten Staaten der Staatsnation angeglichen haben, so ist dies vielleicht anderswo, nicht aber in den beiden genannten Fällen richtig. Sonst ist die Schrift sehr beachtenswert und verdient als Flugschrift weite Verbreitung. Dem Privatmann wie dem im öffentlichen Leben Stehenden werden die Juristischen Taschenbücher in gleicher Weise willkommen sein. Das von Adamovich herausgegebene „Verfassungsrech t"50) ist der beste Führer durch unser Staatsgebäude, dessen historisches Werden kurz skizziert wird und dessen heutige Form wir ') Eugen Diederichs, Jena, M. 1.50. diese letzteren Kabinette den Bolschewismus aufs heftigste bekämpft. Ueber die Zahl der jüdischen Beamten und! Angestellten der Sowjetregierung habe ich, gestützt auf amtliche Daten und Zahlen, in meiner Schrift „Bolschewismus und Judentum1' (fünfte Aullage. Berlin 1925, Philo-Verlag) ausführlich berichtet. Daß aber diese jüdischen Kommissare nicht schlimmer sein dürften als die anderen, bezeugen sogar Ausländer. Es möge hier die Stimme einer Französin Odette Keun wiedergegeben werden. Sie schreibt in ihrem Buch „Sous Lenine. Notes d'une femme deporte Russie par les Anglais" (Paris 1925, S. 251 ff.), wo sie ihren Leidensweg durch die bolschewistischen Tschekas schildert: „Ich lege Gewicht darauf, hier zu betonen, daß ich während meiner ganzen Reise durch ganz Sowjetrußland folgendes konstatiert habe: die gebildetsten, gerechtesten und zivilisiertesten unter den Kommissaren waren durchwegs Juden, die gewalttätigsten und unwissendsten echte Russen, die ignobelsten, tückischesten, prahlsüchtigsten und vom Instinkt am meisten zu polizeilichen Spürhunden geschaffenen waren die Pole n." Es ist nicht einzusehen, warum der Zorn des „empörten" Volkes sich gerade gegen die Juden richten sollte. Dr. D. S. P a s m a n i k, ein unversöhnlicher Feind der jüdischen Bolschewisten, einer der vielen jüdischen Führer, die in der „weißen" Armee des General Wränget an hervorragender und gefährlicher Stelle Dienste taten, erzählt in seinem Fuche: „Die russisch- Revolution und die Juden" (in russischer Sprache, Pain allen Teilen kennen lernen. Eine systematische Darstellung des „Oesterr. Privatrechtes"so) gibt Wolff, die einen Ueberblick über das Wichtigste vermittelt. Durch das Vermeiden aller unnötigen juristischen Ausdrücke und die Darstellung nach dem materiellen Inhalt gewinnt das Werk. Ferner sei hier noch auf die „S o z i a 1 p h y s i k"51) hingewiesen, die uns eine Menge interessanter Tatsachen und Belehrungen bringt. Eine Reihe instruktiver Illustrationen machen das Werk noch brauchbarer. Als politisches Testament dürfen wir die letzte Schrift Julius O f n e r s autfassen. „Das soziale Rechtsdenke n"51^ enthält die Maximen, die er sich in seiner langjährigen Praxis als Anwalt und Abgeordneter gebildet hat. Wir wollen schließlich noch eine Reihe von Neuerscheinungen summarisch behandeln, die sich zum Großteil mit der Politik der Gegenwart befassen oder von Politikern der Gegenwart herrühren. Eine für die künftige Geschichtsschreibung besonders wichtige Quelle bilden die Memoirenwerke des Verlages für Kulturpolitik in München. Auf einige dieser Publikationen haben wir in diesen Spalten bereits hingewiesen, hier seien noch einige entsprechend gewürdigt. Wohltuend wirkt, daß der Verlag völlig objektiv und untendenziös an die Herausgabe dieser Memoiren geschritten ist. unter denen wir die Aufzeichnungen von Persönlichkeiten der Rechten und Linken finden. „C h a o s" nennt der Sekretär des Feldmarschalls Conrad Hötzendorf. Nowak, den Zusammenbruch der Mittelmächte. Er hat jedes einzelne Stadium miterlebt, weiß daher ungemein viel interessante Details zu berichten. Nowaks Aufzeichnungen werden besonders bemerkenswert sein als Ergänzung und Gegenbild zu gewissen tendenziösen Publikationen von reichsdeutscher Seite, unentbehrlich bei Lektüre des Hötzendorfschen Werkes. Dieses Chaos war das Ende eines „Krieges der versäumten Gelegenheiten", den General Hofmann behandelt. 5") Hölder-Pichler-Tempsky. Wien. 51) Frank-Verlag, Stuttgart. 32) F. A. Perthes, Gotha.

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