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Die Wahrheit · 1925-07-10 · Heft 27 (10.7.1925) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 27 (10.7.1925)
Date
1925-07-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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sie oft in treuester Freundschaft verbunden waren, an dieser Stätte geforscht und gelehrt haben. Was ein Zuckerkandl, ein Neumann, ein Gersuny und ein Oser geleistet haben — um nur eine Fakultät herauszuheben —, was die Namen Freud, Ehrmann, fiayek und Schnitzler für die österreichische Wissenschaft bedeuten, braucht weiter nicht dargelegt zu werden. Um so mehr muß eine Entschließung abgelehnt werden, die sich speziell gegen jüdische Studenten richtet. Fürchtet sich die deutsche Studentenschaft tatsächlich vor einer „Ueberfremdung der Hochschulen" — wie der schöne Ausdruck lautet — dann, aber nur dann könnte man sich mit einer Beschränkung in der Zulassung ausländischer Hörer einverstanden erklären, welche Beschränkung sich selbstverständlich gleichzeitig gegen alle ausländischen Studenten richten müßte. Zu einer solchen das Prestige Oesterreichs im Auslande sehr schädigenden Maßregel hegt aber derzeit nicht die geringste Veranlassung vor. Kein deutscher Student wird dadurch, daß andersnationale Studenten gleichzeitig an deutschen Hochschulen studieren, in seiner Lernfreiheit irgendwie behindert oder gar in seiner Entfaltungsmöglichkeit gehemmt. Hingegen wird es infolge der hohen Studiengebühren und sonstigen Taxen, welche ausländische Studenten zu entrichten haben, den Hochschulen ermöglicht, den Professoren höhere Einkünfte zu sichern und' den einzelnen Hochschul-Instituten größere Subventionen zukommen zu lassen, was sicherlich ebenso im Interesse der Professoren wie der deutschen Studenten ist. Es handelt sich aber den deutschen Studenten gar nicht um eine generelle Zulassungsbeschränkung ausländischer Hörer, sondern, wie aus Antrag 5 deutlich hervorgeht, um die ausländischen Hörer jüdischen Glaubensbekenntnisses. Der geforderte Numerus clausus ausländischer Juden soll ftuf die erste Etappe auf dem Wege zur Einführung des Numerus clausus für inländische jüdische Studenten sein, denn das ist es, was die antisemitischen Studenten Vor allem anstreben. Die Einführung der v,Studentennationen" war ebenfalls ein Versuch — allerdings ein Versuch mit untauglichen Mitteln — die Staatsgrundgesetze via facti im Sinne der „völkischen Belange" zu korrigieren-. Darum betonen wir heute nochmals, und werden nicht aufhören zu betonen: /irgendeine die Lernfreiheit lüdischer Studenten einseitig, beschränkende Maßregel wird auf den erbitterten Widerstand der gesamten. Judenschaft Oesterreichs stoßen, die es "nie und nimmer zulassen wird, daß ihre Söhne anders behandelt werden als andere. He e hs c h ü 1 e r. Wir haben nichts dagegen, daß in bezug auf die geistige Reife die strengsten Anforderungen an alle diejenigen "gestellt werden, welche sich in die Matrikel unserer Hochschulen eintragen lassen wollen, wir sind insbesondere auch dafür, daß im Interesse des Ansehens unserer Hochschulen die Studienvorschriften und Prüfungen entsprechend verschärft werden, doch was wir entschieden zurückweisen müssen, ist jede Maßregel, die sich speziell gegen jüdische Hörer richtet, in gemeinsamem Wettstreit wollen die jüdischen Studenten mit ihren nichtjüdischen Kommilitonen um die edelsten Güter der Menschheit ringen, um Wissen, Kultur und Bildung! ErnwW, Feuilleton Politische Bücher. (Schluß.) Ein besonders interessantes Kapitel der Geschichte behandelt Wolfgang Windelband in seinem Werke „Die auswärtige Politik der Großmächte 1494—1919*3). Das Geschehen von vier Jahrhudnerten unter einem einheitlichen Gesichtspunkt zu betrachten, darzustellen und zu gestalten, in diesem Geschehen die Grundlage für unsere heutige politische Situation herausarbeiten, das erfordert ebenso gründliche Beherrschung der historischen Materie als literarische Gestaltungsfähigkeit und vor allem den konstruktiven Blick des Politikers. Der Autor vereinigt diese Fähigkeiten in glücklichster und ungemein lebendiger Weise. Der Kampf um die Vormachtstellung, in dem erst Spanien, dann Frankreich Sieger waren, die Veränderung der Machtverhältnisse zugunsten Englands finden hier eine hervorragende Darstellung, in der besonders die Zusammenhänge der Entwicklung trefflich herausgearbeitet wurden. Wenn zwischen Politik und Geschichte innere Zusammenhänge in dem Sinne bestehen, daß die Geschichte dis Schule der Politiker sei, so ist hier für den praktischen Politiker ein Lehrbuch ersten Ranges geschaffen worden. Aber auch dem, der -einen Schlüssel zur Zeitgeschichte sucht, wird das Werk willkommen sein. Als eine fortlaufende Fortsetzung zu diesem Werke kann die Zeitschrift „Europäische Gespräche""), Monatshefte für auswärtige Politik, betrachtet werden, die der bekannte Völkerrechtslehrer Prof. A. Mendelssohn-Bartholdy herausgibt. Allmonatlich werden hier die aktuellen Hauptprobleme einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Veröffentlichung von Dokumenten, eine reine Bibliographie und eine periodisch erscheinende Zeittafel bilden eine wertvolle Ergänzung dieser hochinteressanten Zeitschrift. Mehr in geopolitischer Richtung orientiert ist die Zeitschrift „W e 11 p o 1 i t i k und Weltwdrtschaf t"*5), die von Alfred Ball und Arthur Dix herausgegeben wird. Der« „Einführung in das Stu* dium der Weltwirtschaft"46) ist ein Buch von A. Sartorius von Waltershausen gewidmet, das vor allem dem Studenten zugedacht ist. (Ein Repetitoriüm in Frage und Antwort ist aus diesem Grunde beigegeben.) Zwei Hauptteile, ein historischer und ein theoretischer, führen in den großen Problemkreis« ein, die in ihrer glänzenden Darstellung eine über den Rahmen einer Lehrschrift hinausgehende Beachtung verdienen. „Die Wirtschaft als Gesamtprozeß und die Sozialisierun g"47) ist der Titel des neuesten Buches des bekannten Führers der Sozialdemokratie und ehemaligen Staatskanzler Dr. Karl Renner. Renner, der uns bisher nur als Autor staatsrechtlicher Werke bekannt war, hat hier eine Art „Vorlesungen" über theoretische Nationalökonomie herausggeben. Vor allem der Umstand, daß Marxens „Kapital" für die heutige Zeit, auch Stil und Darstellung nach, immer „ungenießbarer" wird, hat Renner bewogen, eine Art sozialistische Volkswirtschaftslehre zu schreiben. In ungemein lebendiger Weise hat er sich seiner nicht leichten Aufgabe entledigt. Die Persönlichkeit des Autors, die Aktualität des Themas, und nicht zuletzt die geradezu luxuriöse Ausstattung werden dem Buch bald viele Freunde werben. Als Gegensatz zu dem Rennerschen Werk, das Marxens Ideen unserer Zeit wieder näher bringen soll, ist die von Rudolf Kohler besorgte Auswahl der „Schriften zur Staatsphilosophi e"18) von Adam Müller zu nennen, die diesen hervorragendsten der politischen Romantiker einem weiten Kreise zugänglich machen will. Nach hundert Jahren wendet man sich wieder in stärkerem Maße den Ideen der theologischen Staatsauffassung zu, die erst in den Fünfzigerjahren durch den Juden Stahl in die M) Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, M, 10.- ") Ibid. Quartal M. 3.—. *5) R. Oldenburg, München, Quartal M. 5.—. 48) Lehrschriften des Athenaeum, Füssen a. Lech. *7) I. H. W. Dietz Nachfolger, Berlin, Ganzleinen M. 10.- *8) Theatiner-Verlag, München, M. 4.—, geb. M. 5.—f

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