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Die Wahrheit · 1925-07-03 · Heft 26 (3.7.1925) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 26 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 26 In eigener Sache. In ihrer letzten Nummer brachte die „Jüdische Gemeinde" unter der Chiffre: Herrn I. Charakterfest, folgende Briefkastennotiz: „Der Herausgeber der Mischeberach-Zeitung hat sich zu Beginn der Wahlkampagne dem Lehrer Josef Pick angebiedert und wollte in das ,Wahlkomitee für soziale Tätigkeit' unter der Bedingung eintreten, daß er in die vorderste Reihe der Kandidaten dieser .Hetzer' gestellt würde, wofür er seine Zeitung in den Dienst des Kampfes gegen den Vorstand und Fuchsgelb stellen wollte. Lehrer Pick hat aber die Arbeitsgemeinschaft mit diesem Herrn rundwegs abgelehnt. Herr Hirschfeld war nicht faul und ging zu den Unionisten und bat sie, ihn in die Kandidatenliste aufzunehmen. Eine kurze Zeit war er bereits auf der Liste, leider haben sich die Unionisten, Agudisten und Zionisten eines anderen besonnen und haben ihn — aussiglahnt." Hierauf sandte der Rechtsanwalt des Chefredakteurs unseres Blattes folgende § 23-Berichtigung an die „Jüdische Gemeinde" : 1. Unwahr ist, daß sich Herr Hirschfeld dem Lehrer Josef Pick zu Beginn der Wahlkampagne angebiedert hat; wahr ist vielmehr, daß er dies weder zu diesem Zeitpunkte, noch späterbin getan hat. vielmehr lediglich1 einmal im Auftrage der -Union" eine Unterredung mit Herrn Pick behufs einer friedlichen Verständigung und Vermeidung eines Wahlkamnfes zwischen den Parteien hatte. 2. Unwahr ist. daß Herr Hirschfeld in das Wahlkomitee für soziale Tätigkeit unter der Bedingung "eintreten wollte, daß er in die vorderste Reihe der Kandidaten dieser ..Hetzer" gestellt würde, wofür er seine Zeitung in den Dienst des Kampfes geeen den Vorstand und Fuchsgelb stellen wollte, wahr ist vielmehr, daß er von allem' Anfang an im Wahlkomitee der ..Union" gesessen! ist, sich niemals um den Eintritt in das Wafilkomitee für soziale Tätigkeit bewarb und niemals für seine Aufnahme in dieses Wahlkomitee die Dienste seiner Zeitung gegen den Vorstand und Herrn Fuchsgelb 'anbot. 3. Unwahr ist demnach. daR Herr Pick eine Arbeitsgemeinschaft mit Herrn Hirschfeld rundwegs abgelehnt hat: wahr ist vielmehr, daß ihm dieser eine solche gar nicht angeboten .hat. 4. Unwahr ist. daß Herr Hirschfeld zu den Unionisten ging und sie bat. ihn in die Kandidatenliste aufzunehmen, wahr ist vielmehr, daß er von dem „Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels", in dessen Namen er als geschäftsführender Vizeobmann des Vereines! mit einem Bevollmächtigten der .,Union" Verhandlungen gepflogen hat, für eine) Kandidatur in Vorschlag gebracht wurde. indische Volk seit .langem besessen hat. Diese von Jakir Husa»"n und Alfred Ehrentreich besorgte Auswahl eibt uns einen Einblick in die Gedankenwelt Ghandis. die oft verblüffende Ähnlichkeit mit der jüdischen aufweist. Das ,.lo bechajil. welo bekoach. ki beruach" ist ja die politische Maxime Ghandis geworden. Aus diesem Grunde ist für uns diese Botschaft besonders interessant. Eng verwandt mit dem Fragenkreis der Politik ist die Geschichte. Auch hier haben .wir einige hervorragende Neuerscheinungen zu erwähnen. An erster Seile -,die Sensation", die ..Grundlinien der Weltgeschichte"42) von H. G. Wells. Von Wells, der vielen bisher als Autor spannender Romane bekannt war. haben wir vori einiger Zeit ein Kapitel ans seiner -Kurzen Weltgeschichte" gebracht, durch das wir Wells als Geschichtsphilosöphen kennenlernten. Nun ist die deutsche Ausgabe seiner1 „Grundlinien" erschienen, auf d«e der Meister der detitschen historischen Schule. Ernst Troeltsch. als erster mit Nachdruck hingewiesen hat. Er hat sich auch für die ganz neue, uns anfänglich fremd anmutende Geschichtsbetrachtung sehr warm eingesetzt. Wir, die wir an Ranke und Kamprecht geschult sind, finden uns wohl nicht so bald zurecht. Denn nicht Staaten. Dynastien, Kriege sind es. auch nicht die Persönlichkeiten, die den Stoff der Geschichtsschreibung abgeben, sondern die Zeitalter, die Nationen und Rassen, die Menschheitsentwicklung wird in den Vordergrund der Betrachtung gestellt. Das Nebeneinander der Verlag für Sozialwissenschaft, Berlin, S. 36. Ganzleinen, 670 Seiten, s 5. Unwahr ist, daß Herr Hirschfeld - eine kurze Zeit bereits auf der Liste stand und dann von den Unionisten, Agudisten und Zionisten „aussiglahnt" wurde, wahr ist vielmehr, daß er nie auf der Kandidatenliste der „Union" stand und daher auch nicht aus ihr gestrichen werden konnte, sondern aus eigenem Antrieb und privaten Motiven die vom „Verein der Tempelfreunde" lediglich in Aussicht - genommene Kandidatur abgelehnt hat. * Der Angriff der „Jüdischen Gemeinde" hat uns nicht überrascht. Wußten wir doch, daß dieses die Interessen der Kultusangestellten angeblich verteidigende Blättchen auf den Artikel in der vorletzten Nummer unseres Blattes in irgendeiner Form reagieren/würde. Doch daß die Antwort in einer solchen, von jeder seriösen Zeitung verpönten Form ausfallen würde, konnten sich wahrscheinlich auch diejenigen nicht vorstellen, welchen das Niveau des genannten Blattes Anlaß zu den schwersten Befürchtungen gegeben hat. Wir gestehen es offen: Wir haben allerdings eine sehr schlechte Meinung von der Tätigkeit der „Jüdischen Gemeinde" gehabt, aber so schlecht war sie trotz alledem nicht. Statt einer sachlichen Erwiderung auf unseren Artikel, welcher im wesentlichen eine Wiederholung des Verhandlungsberichtes war, folgen persönliche Angriffe auf unseren Chefredakteur, welche ebenso gemein wie erfunden sind. Die „Jüdische Gemeinde" hat uns schon oftmals in der von?hr gewohnten Weise angerempelt, wie ja überhaupt ihr Schaffens- und Lebenszweck das Schipipfen zu sein scheint, ohne daß wir es für notwendig befanden, auf die kindischen Anwürfe dieses unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinenden Blättchens überhaupt nur zu reagieren. Daran hinderte uns die Würde unseres Blattes i*nd der Respekt vor unseren Lesern. Die „Jüdische Gemeinde" nennt die „Wahrheit" eine ..Mischeberach-Zeitung"' und glaubt damit einen eanz besonders euten Witz (entsprechend dem Geschmack ihres Herausgbers) gemacht zu haben. Wir hielten es für überflüssig, uns gegen diese ..Beleidigung" zu verteidigen, möchten jedoch nur ganz nebenbei bemerken, daß es immerhin noch anständiger und ehrenvoller ist, im lokalen Teil des Blatte Mischeberachs an verdienstvolle Leute zu erteilen, als die canze Zeitung mit ungerechtfertigten, an den Haaren herbeiVezogenen Angriffen und mit sogenannten sensationellen ..Enthüllungen" zu füllen. Nun aber,-da sich diese Enthüllungen und Angriffe mit der Person unseres Chefredakteurs befassen, sieht sich in dessen Abwesenheit zunächst die Redaktion gezwungen, dazu Stellung zu nehmen. Aus der oben wiedergegebenen Berichtigung sreht die Sachlage genügend klar hervor. Dennoch sei zur Aufklärung unserer Leser noch folgendes gesagt: alten Darstellung muß der organischen Einheit der neuen weichen. So wird aus der Weltgeschichte Menschheitsgeschichte, in der die trennenden Grenzen der Staatsgebilde verschwinden, in der vor allem die vielen Bindungen der Vöker hervortreten. Eine derartige historische Betrachtung .mag gerade in dem Augenblick besonderen konstruktiven Wert haben, da«eine pessimistische Geschichtsdarstellung, wie sie Spenfler vertritt, in weitere Kreise dringt. Und wir wollen mit Troeltsch hoffen, daß die optimistisch-synthetische Auffassung Wells in der Welt diese stärker werbende Kraft besitzen werde. — Eine ..Griechische Geschichte im Pahmen der Altertumsgeschichte"M) hat Ulrich Wilcken geliefert, deren Vorzug vor^ allem darin liegt, daß sie Griechenland nicht isoliert, sondern, wie der Untertitel sagt, im Rahmen der Altertumsgeschichte betrachtet. Wohltuend wirkt die geschlossene Darstellung, did neben der bis Augnstns geführten politischen Geschichte auch Wirtschaft und Kultur in entsprechender Weise berücksichtigt. Das Buch ist Geschichte im besten Sinne. — Ebenso wie auf dem Gebiete der Volkswirtschaft hat der Verlag Meiner auch eine Sammlung ..D?e Geschichtswissenschaft der Gegenwart" herausgegeben. Der erste Band enthält sieben Selbstdarstellungen, und zwar sind es Below, Dopsch. Finke. Goetz, Kaindl, Leh- , mann und Steinhausen. Für diese Sammlung gilt dasselbe, was wir bei Besürechung der „Volkswirtschaftslehre der Gegenwart" gesagt haben. (Schluß folgt.) - ... u< |: -jin^!j!T| M) R. Oldenbourg, München.

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