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Die Wahrheit · 1925-07-03 · Heft 26 (3.7.1925) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 26 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 DIE WAHRHEIT Nr. 26 Welches ist nun die Aufgabe dieses Zweckverbandes? Derartige wirtschaftliche und kulturelle Institutionen zu gründen, die In kürzester Zeit die Schaffung eines sozial und geistig gesunden jüdisch-hebräischen Siedlungsgebietes ermöglichen. Das kann aber heute nicht Privatinitiative allein ermöglichen. Vor allem muß eine gesunde Landwirtschaft als Grundbedingung einer gesunden Volkswirtschaft gegründet werden. Der Boden darf aber nicht als Spekulationsobjekt mißbraucht werden; es wird also nach modernen bodenreformerisdien Prinzipien, die auf den alten biblischen beruhen, der Boden Gemeineigentum der Gesamtheit werden müsesn. Für die ersten Jahre werden den größtenteils mittelständischen oder mittellosen Siedlern Kredite gewährt werden müssen. Sonst werden die Immigranten sich wieder in den Städten konzentrieren und irgend eine Kleinkrämerei beginnen und so die Siedlung schädigen. Erez Jisroel muß produktiv und nach Möglichkeit autark werden. Und dazu sind auf Jahre hinaus große Mittel nötig. Erwähnt sollen! hier nur werden das Sanitätswesen, das Schulwesen, die Universität u. a., die die Juden Palästinas heute natürlich nicht allein erhalten können. In unserer Artikelserie „Zionistische Probleme" haben wir diese Fragen ausführlich behandelt. Nun drängt die wirtschaftliche Situation zu einer großen Kolonisation. Das Einwanderungsverbot Amerikas, der wirtschaftliche Pogrom Polens und anderes haben zu einer großen Einwanderung geführt, die sich nicht nur im Wachsen der Städte, sondern auch im Steigen der Bodenpreise bemerkbar macht. Jeder Quadratmeter Land kostet morgen beträchtlich mehr als heute. Und so verteuert sich eine nationale Kolonisation von Tag zu Tag. Eine derartige Großkolonisation kann natürlich die Zionistische Organisation nicht allein führen und sucht Bundesgenossen in ihrer Arbeit. Das heißt kein Teil gibt etwas von seiner Weltanschauung preis, sondern verbündet sich bei völliger Gleichachtung zum gemeinsamen Werke. In diesem Sinne hat die Zionistische Vereinigung für Deutschland zum Punkte der Agency folgendes Kongreßprogramm veröffentlicht: Die erweiterte Jewish Agency ist die gegenwärtige organisatorische Form der vor Jahren eingeleiteten Bündnispolitik. Nachdem die Frage der Erweiterung der Jewish Agency grundsätzlich bereits entschieden ist, soll bei derpraktischen Ausgestaltung auf die Berücksichtigung folgender Punkte Wert gelegt werden: 1. Die Jewish Agency, deren Repräsentant heute die Zionistische Organisation ist, soll durch den Hinzutritt von Palästinafreunden erweitert werden, die nicht Mitglieder der Zionistischen Organisation sind. Voraussetzung für die Teilnahme'an der Jewish Agency ist die Anerkennung der Balfour- Deklaration. 2. Prinzipiell sollen Mitglieder der Agency nur Vertreter von Gruppen und Organisationen sein. Da die tatsächlich vorhandenen Unterschiede in der Struktur der Judenheit eine einheitliche Regelung des Wahlmodus nicht zulassen, muß eine Gewähr dafür geschaffen werden, daß hinter den Mitgliedern der Jewish Agency die charakteristischen Gruppen und Organisationen der Judenheit ihres Landes stehen. 3. Nur solche Gruppen haben das Recht des Eintritts in die Jewish Agency, die materiell zum Aufbau Palästinas beitragen. Es muß die Garantie geschaffen werden, daß Rechte und Leistungen miteinander in Einklang stehen. 4. Alle organisatorischen Einrichtungen der erweiterten Jewish Agency sollen einen provisorischen Charakter tragen. Die endgültigen Formen können sich erst aus den Erfahrungen der Zusammenarbeit ergeben. Dieser provisorische Charakter ist gerade dann festzuhalten, wenn mit dem vollen Gelingen des Planes der Erweiterung der Jewish Agency zu rechnen ist Der Palästina-Aufbau wird neue wertvolle Freundegewinnen, den endieMöglichkeit einer ihrer Bedeutung entsprechenden Eingliederung in die neue Organisation offen gehalten werden muß. Aus diesem Grunde sind kurze Wahlperioden erforderlich. 5. Die Rechte der Zionisten als Mitglieder allgemeiner jüdischer Organisationen, insbesondere des Keren Hajessod, dürfen dadurch keine Einbuße erfahren, daß die Zionistische Organisation ihrer Bedeutung entsprechend in der erweiterten Jewish Agency eine besondere Berücksichtigung erfährt. Es liegt jedoch im Sinne der Erweiterung der Jewish Agency, Politische Bücher. (Fortsetzung.) Ein Werk, das größtes Interesse beansprucht, ist der „Unsaubere Friede"35) des Franzosen Alcide Ebray, der, als Diplomat für seine Ausführungen erhöhte Aufmerksamkeit fordern darf. Als Teil einer Trilogie „Durch Wahrheit zur Wiederversöhnung" Hegt dem Buche die Tendenz zugrunde, mit der Schuldfrage gründlich aufzuräumen. Es gab keine Schuldigen, es war Verhängnis und Schicksal, das die Staaten in das Blutbad tünemriß. Und so muß es zu einem „sauberen Frieden" kommen, zu einer Revision der Verträge. Scharf wird die französische Politik gegeißelt, die zu einer diplomatischen und moralischen Isolierung Frankreichs führen muß. Das Buch Ebrays muß wirksamer sein als! alle deutschen Werke. Denn die Persönlichkeit und Stellung des Autors, das umfassende historische und völkerrechtliche Material, das seine Argumentationen wirksam unterstützt, werden auf ieden klardenkenden Menschen größten Eindruck machen. — Mit der Politik als Gegenstand der Philosophie befaßt sich der bekannte ehemalige italienische Unterrichtsminister Benedetto Croce in seinen „Grundlagen der Politik".86) Das Verhältnis von Politik und Ethik wird erörtert, die politischen Parteien als philosophische Phänomene besprochen, die Theorien der Politik von Machiayelli bis zu den jüngsten.' kritisch dar- *) Verlag für Kulturpolitik, München 1925. gestellt. Wer die Fragen des politischen Alltags tiefer geistig durchdringen will, wird an Croce einen guten Führer finden. Ebenso wertvoll ist das Werk von Hans Kohn „Die politische Idee des Judentums"36). In drei Teilen, das Wesen, das Werden, die Lehre, entwickelt Kohn die politischen Gedanken des Judentumes, die sich in drei Begriffskreisen kristallisieren: In dem des Bundes, des Menschen und des Reiches. Kohns Buch gehört wohl zu den wichtigsten Erscheinungen der letzten Zeit über Judentum und behalten wir uns an anderer Stelle edine eingehende Würdigung vor. — Politische oder besser rechtsphilosophische Fragen finden in den Werken von Mausbach, „Naturrecht und Völkerreell t"37) und Schilling „Das Völkerrecht nach Thomas von Aquin" eine eingehende Behandlung. Als Teile der von der „Kommission für christliches Völkerrecht" herausgegebenen Sammlung „Das Völkerrecht" weisen die beiden Werke eine besondere Färbung auf; sie wollen das Völkerrecht moralphilosophisch begründen. In) letzter Zeit hat von katholischer Seite Dr. Sedpel in zwei Vorträgen zu dieser Frage Stellung genommen und in der Frage des Primates, des Staats- oder Völkerrechtes1 dem letzteren den Vorrang eingeräumt Diese katholische Ansicht vom Völkerrecht beruht auf der patristischen Naturrechtslehre, die in Thomas von Äquin ihren Höhepunkt erreicht. Durch den Völkerbund sind diese Fragen aufs neue aufgerollt worden und mag die Beleuchtung von dieser Seite besonderes Interesse verdienen. Diesem Problemkreis verwandt ist das Thema, das der bekannte Soziologe Alfred Weber in seinem neuesten in Fach- -«!; : ' i'hi&lilfcllifl ») Meyer & Jessen, München 1924, 250 Mk. 37) Herder'sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg.

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