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Die Wahrheit · 1925-07-03 · Heft 26 (3.7.1925) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 26 (3.7.1925)
Date
1925-07-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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*HEIT Deuiscüßsfemidilscbc Wocbeoscbrlft fflr fadlsdie Interessen Alf tiem BefDlätt; ^erdffenllK&nngen der „Union demsciwsierrtioiisdier Judor Redaktion und Administration: Wien «*«s«w>«e«**r«»*Me SS*. - Fernruf «-2-1» 35SBB XL1. Jahrgang Wien, 3. Juli 1925 Nummer 26 Der Kampf um die Jewish Agency. Diese Frage wird, wie in der letzten Nummer an dieser Stelle ausgeführt, den XIV. Zionistenkongreß in erster Linie zu beschäftigen haben. Obwohl in dieser Angelegenheit bereits ein bindender Beschluß des Aktionskomitees vom vorigen Jahr vorliegt, nach dem die Exekutive zu Verhandlungen mit den Nichtzionisten zwecks deren Eintritt in die Agency ermächtigt wird, beginnt in den zionistischen Kreisen ein Kampf gegen die Politik der jetzigen Exekutive. Wir glauben zwar kaum, daß der Kongreß einen Beschluß des Aktionskomitees desavouieren kann, und sind vielmehr der Meinung, daß der Kongreß die Konstituierung der Agency wohl aufschieben, aber nicht aufheben kann. Immerhin würde ein solches Aufschieben gleichbedeutend sein mit der Demission Weizmanns, die, wie Felix W e 11 s c h in der Prager „Selbstwehr'" sehr richtig bemerkte, gerade in dem Teil der Presse prophezeit wird, die von seiner Mission nicht Kenntnis nehmen wollte. Wenn heute auch Nichtzionisten zu diesem Problem Stellung nehmen, so bedeutet das keine Einmischung in fremde Angelegenheiten. Denn wenn der Kongreß wirklich, wie Oberrabbiner Prof. Dr. H. P. C h a j e s beim Presseempfang erklärte, die Vertretung des ganzen jüdischen Volkes ist (was wir zwar nicht anerkennen, wozu wären denn dann die Verhandlungen zum Eintritt in die Agency?), so dürfen wir uns das Recht anmaßen, uns mit seinen Problemen nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv zu befassen. Die Grundlage für die Jewish Agency bildet Art. 4 des Palästinamandates (vgl. Nr. 2, 1925, „Zionist. Probleme"). Absatz 2 dieses Artikels lautet: „Die zionistische Organisation . . . soll . . . Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der jüdischen Heimstätte zu helfen." Dr. W e i z m a n n hatte, wie gemeldet, bereits im Vorjahre mit den hervorragendsten Persönlichkeiten /der amerikanischen Nichtzionisten Besprechungen, die zu einer mächtigen Kundgebung dieser Persönlichkeiten für den Aufbau Palästinas und für die Mitarbeit in der Agency führten. Am 1. März 1925 trat in Anwesenheit Dr. Weizmanns wieder eine derartige Konferenz unter Vorsitz Louis M a r s h a 11 s zusammen, die unter anderem beschloß, daß die Konferenz ein Organisationskomitee einsetze, das aus zwölf nicht der Zionistischen Organisation angehörigen Mitgliedern bestehen soll, das aber mit der Zionistischen Organisation zusammenarbeiten soll, zu dem Zwecke, eine volle Beteiligung des amerikanischen Judentums an der Jewish Agency im Einherbeizuführen, und daß dieses Komitee seine Arbeit klang mit den folgenden Richtlinien führen soll: a) es soll auf die Schaffung und Anerkennung einer Jewish Agency im Sinne des Mandates hinarbeiten, die aus einem Council und einem Exekutivkomitee besteht, in welchen beiden Körperschaften nichtzionistische Vertreter verantwortlicher amerikanisch-jüdischer Organisationen in dem im folgenden festgelegten Verhältnis vorhanden sein sollen; b) in den Council der so gebildeten Jewish Agency sollen 50 Prozent der Mitglieder von der Zionistischen Weltorganisation entsandt werden und 50 Prozent von nichtzionistischen Körperschaften, die bereit sind, im Sinne des Mandates mit der Jewish Agency aktiv zusammenzuarbeiten; c) von den nichtzionistischen Mitgliedern des Council der Jewish Agency sollen 40 Prozent Vertreter des amerikanischen Judentums sein; d) 50 Prozent desjenigen Exekutivkomitees, das zur Ausführung der Arbeiten der Jewish Agency gewählt werden wird, sollen von der Zionistischen Weltorganisation bestellt werden und 50 Prozent von dem Council, der aus den nichtzionistischen Körperschaften, die an der Verantwortlichkeit der Jewish Agency teilnehmen, zusammengesetzt ist; e) das Recht der Mitglieder des Council und des Exekutivkomitees der Jewish Agency, durch Stellvertreter abzustimmen, soll anerkannt werden; ferner daß eine Zusammenkunft den Vorschlag in genaue Erwägung ziehen soll, den Keren Hajessod (Palästina-Gründungsfonds) zu einem Instrument der Jewish Agency in Bezug auf jene finanziellen Angelegenheiten zu machen, die in den Aufgabenkreis der Agency fallen, und für die Zusammenfassung der verschiedenen öffentlichen und philantropischen Bestrebungen, die zum Unterschied von wirtschaftlichen Uniernehmungen auf den Aufbau Palästinas zielen." Weiters haben sich bereits der Board of Deputies und die Anglo Jewish Association in England, ferner nichtzionistische Kreise in Deutschland und aonderen Ländern zur Mitarbeit bereit erklärt. Die Beschlüsse der amerikanischen Konferenz haben bereits das Bild, das die Agency bieten soll, skizziert. Von ihren 150 Mitgliedern sollen 75 Zionisten und 75 Nichtzionisten sein; von den letzteren stellen 40 Prozent die amerikanischen Nichtzionisten. Wir wollen uns nun mit der Frage des Wesens und Zweckes der Agency beschäftigen. Der Zweck der Agency ist durch Art. 4 des Mandates gegeben. Sie ist eine öffentliche Körperschaft, die die Aufgabe hat, die Verwaltung Palästinas in allen Angelegenheiten zu beraten und mit ihr zusammenzuarbeiten, die die Errichtung der jüdischen Heimstätte und die Interessen der jüdischen Bevölkerung in Palästina betreffen. Sie ist also eine öffentliche (keine völkerrechtliche) Körperschaft und ein Zweckverband. Daher sind also alle Deutungen falsch, die in ihr eine politische Körperschaft sehen, die die staatsbürgerliche Situation der Juden in ihren Heimatländern gefährden könnte, ebenso aber auch die Auffassung, daß durch sie das jüdische Volk Subjekt des Völkerrechtes geworden sei.

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