Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 25 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064022-3064046--13771-3081294- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 25 DIE WAHRHEIT Seite 11 lieiiische Studenten hielten gemeinsam eine Protestversammlung ab und beschlossen, den polnischen Konsul in Triest auf das Treiben der Hetzer aufmerksam zu machen und ihn zu ersuchen, sämtliche Konsulate in Italien zu veranlassen, daß sie weitere antisemitische Ausschreitungen der polnischen Hetzer unmöglich machen. Sämtliche italienische Zeitungen veröffentlichten die Protestresolution und tadelten in schärfster Form die Ausschreitungen der polnischen Antisemiten. Der polnische Generalkonsul erwiderte in einem Schreiben, er habe nicht genug Worte der Entrüstung über das Verhalten jener „entarteten Personen". Verschiedene italienische Organisatoren zeigten den Fall bei den polnischen Behörden an, diese drückten ihre schärfste Entrüstung über diesen in Italien ungewöhnlichen Fall nationaler und religiöser Intoleranz aus. Der Rektor der Universität Padua sprach einer Studentenabordnung gegenüber seine Genugtuung darüber aus, daß der hässliche Vorfall in der Aula eine so einmütige Verurteilung gefunden hat. Der Verein der katholischen Studenten, der Universität Padua drückte den jüdischen Studenten sein Mitgefühl und seine Sympathie aus. Streichholzschachtel und Polizei. Die humoristische Zeitschrift „Der Drache" in Leipzig erzählte jüngsthin folgende wahre Begebenheit aus Leipzig: „Bei den strengen Juden ist es üblich, daß am Pessachvorabend alle herumliegenden Brotkrümel gesammelt und verbrannt werden, damit das hohe Fest keine Spuren gesäuerten Brotes vorfinde. Auch ein in der Hallischen Straße 130 wohnender Israelit hatte diesen frommen Brauch geübt, hatte aber so spät begonnen, daß der Sonnenuntergang, das Merkmal des Anbruchs des Pessachs, ihn überraschte, als er die Krumen wohl gesammelt, aber noch nicht dem Feuertode überantwortet hatte. Da er am Pessach auch mit Feuer nichts zu tun haben durfte, übergab er die Streichholzschachtel mit den Brotresten der Portiersfrau seines Hau-, ses und bat sie, die Verbrennung vorzunehmen. Aber die Portiersfrau mißtraute. Ihr ahnte Schauerliches. Sie lief zur Nachbarsfrau und erzählte von dem seltsamen Auftrage. Und die Nachbarsfrau hatte schon „allerlei" gehört und bestärkte das Mißtrauen. Da verständigten die beiden die Polizei und die Polizei ließ die Streichholzschachtel abholen. Auf der Wachstube ging man daraufhin unter Anwendung und Beachtung ausgedehnter Sicherungsmaßnahmen unter Benutzung von Pincetten und Nadeln an die vorsichtige Oeffnung der Schachtel. Die Herren von der Polizei fanden Brotkrumen in ihr. Für jeden wahrhaft Deutschen erhebt sich aus dieser buchstäblich wahren Geschichte, die in Leipzig geschehen ist, die berechtigte Frage, welche besondere jüdische Gemeinheit wohl dahinterstecken mag, daß die Schachtel weder Dynamit noch Schlimmeres enthielt." Die Völkischen gegen den Alldeutschen Verband. In der „Mecklenburger Warte", dem Organ des Herrn v. Graefe-Goldebee, das die Deutschnationalen Mecklenburgs in vorbildlicher Weise aufspaltete, befindet sich die Besprechung der Broschüre eines Major Dinklage, in der es u. a. heißt: ..Wo stehen die schlimmsten Feinde der deutschvölkischen Bewegung? Dinklage beantwortet diese Frage mit dem Nachweis, daß sie im völkischen Lager selbst" zu suchen sind! Wenigstens mittelbar. In erster Linie ist hier der Alldeutsche Verband zu nennen, der mit Millionen der Deutschvölkischen Freiheitspartei in den Rücken fällt, der von jeher, seitdem er unter der Führung von Justizrat Claß steht, eine ganz unklare Rolle gespielt hat. Aber für wen arbeitet der Alldeutsche Verband, wenn nicht für das völkische Deutschtum? Er arbeitet in jesuitischem und jüdisch-freimaurerischem Belange! Es muß die in Mecklenburg allerdings schon lange zu einem kleinen Häuflein zusammengeschrumpften Anhänger des Verbandes besonders interessieren, die Wege kennen zu lernen, die ihre Führer gehen. Aus Amerika haben sie die Mittel, von amerikanischen Logen das Geld, mit dem sie die deutsche wirklich völkische Bewegung bekämpfen, und hinter dem ganzen steckt der römische Jesuitismus, der seit 1916/17 mit seinen geschworenen Feinden, den Juden, in den Freimaurerlogen Frieden auf Kosten des Deutschtums geschlossen hat. Hier hat der Deutsche seinen wirklichen Feind zu suchen, in den beiden -Mächten, welche den Krieg gewonnen haben und augenblicklich in der ganzen Welt regieren. Aber das traurigste an dieser Sache ist, daß sich Deutsche, die sich völkisch nennen, dazu hergeben, die Geschäfte dieser internationalen Banden zu besorgen und den deutschen Völkischen in den Rücken fallen." So schlimm hatten wir uns die Bekämpfung der rechtsradikalen Strömungen untereinander nicht vorgestellt. Eigentlich müßten sich nun noch ein paar rechtsradikale Parteien bilden, die allerdings dann „ü b e r v ö 1 k i sch" wären. Von Woche zu Woche Vor den XIV. Zionistenkongreß. Freitag, den 19. d. M., nachmittags, fand im Hotel Imperial ein Presseempfang des Zionistengongresses statt. Es waren die Vertreter sämtlicher Wiener Tagesorgane sowie die Mitglieder des Syndikates und der Union der auswärtigen Presse, des Syndikates der österreichischen Zeitungskorrespondenten und Berichterstatter der jüdischen Presse des Inlandes und des Auslandes erschienen. Den Vorsitz führte der Leiter des Bureaus des XIV. Zionistenkongresses Herr Dr. R. M. G e 1 b e r, der nach den einleitenden Begrüßungsworten ein sehr instruktives Referat über den organisatorischen Aufbau des Kongreßbureaus, die im Zusammenhang mit dem Kongreß geplanten Konferenzen und Veranstaltungen, über die Zionistische Organisation und deren Hauptgruppierungen und die Zusammensetzung des Kongresses erstattete, den die österreichische Regierung mit dem größten Entgegenkommen unterstützt, indem sie außer Visaerleichterungen auch Fahrtermäßigungen und sonstige Förderung gewährt. Herr Oberrabbiner Prof. Dr. H. P. C h a j e s. Präsident des Zionistischen Aktionskomitees, besprach sodann den Aufbau der Zionistischen Organisation, deren Merkwürdigkeit und Einzigartigkeit er in dem freiwilligen Zusammenfinden sämtlicher Schattierungen des jüdischen Volkes erblicken will. Auf die wichtigsten Probleme des Kongresses übergehend, erwähnte Oberrabbiner Dr. Chajes zunächst die Frage des Budgets als die wichtigste wie in jedem Parlament. „Die wesentlichen Einnahmen sowohl für Erziehung, landwirtschaftliche Kolonien, Kredite für Bautätigkeit usw. deckt der Keren Hajessod (Palästinaaufbaufonds). Als zweiter wichtiger Fonds ist der Keren Kojemeth Lojisrael, der ausschließlich dazu dient, Land anzukaufen. Wir müssen uns klar werden, wieviel wir für den Palästinaaufbau und für den KKL für das nächste Jahr erwarten. Bei uns handelt es sich nicht um) Steuern, sondern um freiwillige Beiträge. Neben der Frage des Budgets sind' die Fragen der Innen- und auswärtigen Politik von Bedeutung." Die erstehen behandeln wir im Leitartikel dieser Nummer ausführlich, von den letzteren besprach Redner zunächst die Frage der Araber. „Die Araber, die in der Nähe der jüdischen Kolonie leben, stehen mit den Juden in freundschaftlichen Beziehungen, wodurch aber noch immer die politischen Beziehungen zwischen Juden und Araber nicht geklärt sind. Die zweite Frage ist das Verhältnis zur englischen Mandatarmacht. Wir haben keinerlei Grund daran zu zweifeln, daß die englische Regierung heute genau so wie im Jahre 1917 an der Balfour-Deklaration festhält. Diese Tatsache ändert auch nicht die Ernennung Feldmarschalls Plumer zum High Commissienar Palästinas. Wir haben uns im vorigen Jahre darüber zu beklagen gehabt, daß die Mandatskommission des Völkerbundes der Organisation gegenüber nicht das entsprechende Wohlwollen gezeigt hat. Dieses Verhältnis hat sich jetzt zu unseren Gunsten geändert. Es ist unsere Pflicht, die in der Mandatskommission sitzenden Menschen, die über Palästina urteilen, genauest zu informieren. Dem Vatikan gegenüber sind wir machtlos, weil wir keine direkten Beziehungen zu ihm haben. Es wäre von großer Bedeutung, wenn wir dem -Vatikan erklären könnten, daß das Aufblühen Palästinas weder der katholischen noch anderen Religion Schaden bringen könnte." Schließlich erwähnte Redner die in einigen Zeitungen gegen den Zionistenkongreß ' eingeleitete Hetze, „die eine berechtigte Beunruhigung in zionistischen Kreisen hervorruft. Zwar .wird die österreichische Regierung alle Vorsichtsmaßnahmen treffen, um die Würde des Kongresses zu schützen, wir wünschen jedocho daß die Oeffentlichkeit nach außen hin die Ueberzeugung hat, daß wir keine Geheimnisse haben; wir suchen nur eines: „Wie erlöst man die Menschen?" Nach dieser Rede, die mit Bejfall aufgenommen wurde, berichtete der Pressechef des Kongresses Herr Dr. Hugo Herrmann über die Organisierung des Pressedienstes. Der Empfang hatte drei Stunden gedauert. Generalversammlung. In der am 10. Juni d. J. stattgefundenen Generalversammlung des ..Oesterreichischen Kantorenverbandes" wurden gewählt: Präsident Isid. Löwit: 1. Vizepräsident: Jakob Schleifer, 2. Vizepräsident: Josef Schlesinger: Schriftführer: Emanuel Fränkl: Kassier: Armin Stift. Vorstandsmitglieder: Matthias M a t y a s, M. B. Kaufmann, Rudolf K o g a n, Simon W e i ß, J. L. Mülle r, J. P o s t o 1 o w, Josef Z e 11 n i k, Josef Grob. Revisoren: M. H ar e n d o r f. H. K h u n e r. Der Präsident, Oberkantor Isidor L ö w i ( erstattete den Rechenschaftsbericht über die