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Die Wahrheit · 1925-06-26 · Heft 25 (26.6.1925) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 25 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT abgelaufene dreijährige Wahlperiode. Er erwähnte in chronologischer Folge alle für den Verein belangreichen Ereignisse dieser Zeit und konstatierte mit Genugtuung ein stetiges, wenn auch durch die Ungunst der Zeitverhältnisse bedingtes langsames Fortschreiten auf allen die Interessen des Vereines berührenden Gebieten. Wenn auch noch viel zu tun übrigbleibe, so meinte er, doch konstatieren zui können, daß der Verein in der abgelaufenen Periode durch sein selbstloses und erfolgreiches Eintreten für die Förderung wichtiger Kultusangelegenheiten, wie z. B. durch die zugunsten des Wiederaufbaues und der Ausgestaltung des großen Leopoldstädter und des Tempels in der Turnergasse abgehaltenen Konzerte es verstanden hat, sich sowohl bei der Kultusgemeinde, als bei den Tempelvorstehungen jenen Rang zu gewinnen, der ihm von Rechtswegen zukommt und der Verein wird heute als Standesbehörde der Kantoren von allen kompetenten Stellen betrachtet und geachtet In Erfüllung einer dem Vorstande nach den Statuten obliegenden Pflicht hat derselbe, in Ermangelung einer eigenen Kantorenschule, im Laufe des Winters einen Zyklus von wissenschaftlichen Vorträgen veranstaltet, für die es gelang, die Mitwirkung des Herrn Dozenten Dr. Hugo Stern und des Herrn Oberkantor J. L. Müller zu gewinnen, von denen der erstere zwei gehalt- und lehrreiche Vorträge abgehalten! hatte, während Oberkantor Müller in zwei interessanten historischen Exkursionen die Aufmerksamkeit der Zuhörer in höchstem Maße zu fesseln verstand. Redner dankte beiden Herren für ihr uneigennütziges Entgegenkommen, wie auch dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien für die stets bereitwillige Ueberlassung der Säle und Lokalitäten zur Abhaltung der Sitzungen und Versammlungen. Schließlich sprach Präsident Oberkantor Löwit den Vorstandsmitgliedern des Vereines für ihre Unterstützung seiner Person inj der Führung des Vereines;* speziell dem Kassier, Herrn Kantor Stift für die mustergültige Führung seines Amtes Dank und Anerkennung aus. Nachdem hierauf von Herrn Kassier Stift erstatteten, beifällig aufgenommenen Kassaberichte und dem Berichte der Revisoren, wird dem Vorstande mit Stimmeneinhelligkeit das Absolutorium erteilt und die Neuwahlen mit obigem Ausgang vorgenommen. Brautausstattungsverein für Töchter jüdischer Kleingewerbetreibender, Wien IL, Gr. Schiffgasse 3. Obiger Verein veranstaltet Sonntag, 28. Juni im Etablissement „Praterfee" (Prater Hauptallee) um 4 Uhr nachmittags ein S o m m e r- F e s t Musik einer erstklassigen Kapelle und verschiedene Belustigungen mit anschließendem Tanz im Freien. Eintritt 1 Schilling. Das Reinerträgnis fließt dem Pfands zur Ausstattung armer, würdiger Bräute zu. Dem Andenken Rabbiners Dr. S. Friedmann. Am 28. Mai •d. J. jährte sich zum erstenmale der Todestag des in Wien verstorbenen Rabbiners Dr. Simon Friedmann. Er wirkte fast ein Menschenalter hindurch in der Stadt Lublinitz in Oberschlesieh und mußte! nach Abtretung dieses Gebietes an Polen als Flüchtling in Wien Unterkunft finden. Hier lebt seine Tochter die Gemahlin des Rabbiners im X. Bezirke, Herrn Dr. A. L. Mandel, die im Vereine mit ihrem Gatten alles dazu beitrug, 4ie letzten Lebensjahre des greisen Mannes zu verschönern und ihm die deutsche! Heimat, an der er mit ganzem Herzen hing, durch ein trautes Wiener Heim zu ersetzen. Die Juden der Gemeinde Lublinitz sind durch die dortigen Verhältnisse gezwungen worden, gleichfalls den Wanderstab zu ergreifen, aber sie haben ihres geliebten und geschätzten Rabbiners, der bis zürn Schlüsse bei ihnen ausharrte und mit seiner Glaubensstärke ihre Hoffnung auf eine neue Existenz bekräftigte, nicht vergessen. Sie haben sich ihres Rabbiners erinnert, der ihr Lehrer war, der ihnen in Freud und Leid voranleuchtete, um den sich die ehemals stattliche Gemeinde scharte und haben für einen würdigen Grabstein gesorgt, der nun auf dem von der israelitischen Kultusgemeinde Wien gestifteten Ehrengrabe aufgestellt wurde. Dieser hochherzige Akt der Pietät beweist, welch großer Achtung sich Dr. Friedmann erfreute. Man schätzte ihn nicht allein als Rabbiner, er war ein in Deutschland und weit darüber hinaus bekannter Gelehrter, dessen Schriften bei den Juden der ganzen Welt durch ihre tiefgründige Auffassung und geistreiche Interpretation geschätzt waren. Sein Ruf als Gelehrter und Rabbiner war weit über Deutschlands Grenzen bekann und als er, aus der Heimat vertrieben, in Wien Wohnsitz nahm, war er auch hier Gegenstand der Wertschätzung seitens seiner Wiener Kollegen, Verwandten und Freunde! Willy Stignitz. Eine Warnung der Wiener Kultusgemeinde. Die Wiener Israelitische Kultusgemeinde übermittelte dem I. T. A.-Vertreter den folgenden Aufruf: Trotz wiederholter ernster und eindringlicher Warnungen nehmen jüdische Auswanderer aus Polen ihren Weg noch immer in großer Zahl über Wien, in der irrigen Meinung, hier leichter Auswanderungszertifikate zu erhalten als in ihrer Heimat, obzwar auch das hiesige Palästinaamt außerstande ist, diesen Zureisenden solche Einwanderungszertifikate zu beschaffen. Diese Durchwanderer bleiben hier oft in der trostlosesten Lage stecken, sind den größten Widerwärtigkeiten ausgesetzt. Es ergeht daher nochmals an die geehrten Redaktionen der jüdischen Blätter und an die jüdischen Gemeinden und Organisationen in Polen die allerernsteste Mahnung und Bitte, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß Auswanderer, die nicht schon von Haus aus im Besitz von Zertifikaten sind, unter allen Umständen den Weg über Wien meiden mögen;, da ihrer hier nur die bitterste Enttäuschung und großes Elend harrt, insbesondere sie die sofortige Ausweisung gewärtigen müssen, gegen welche weder die Kultusgemeinde noch andere jüdische Körperschaften ihnen Schutz zu bieten vermögen. Kriegerdenkmal-Einweihung der Innsbrucker Kultusgemeinde. Am 24. Mai fand in Innsbruck am städtischen Friedhof (Israelitische Abteilung) die feierliche Einweihung des neuen Kriegerdenkmales zu Ehren der gefallenen, in Innsbruck beerdigten jüdischen Soldaten statt. Zu dieser ernsten, würdigen Feier hatten sich folgende Ehrengäste eingefunden: Als Ver- " treter der Landesregierung Hofrat Präsident Grabmayer, des Stadtmagistrates Präsidialchef Rat S i m a t h, Deputationen der 6. Brigade der alten österreichischen Armee, des Roten Kreuzes und des Schwarzen Kreuzes. Die Feier eröffnete der Präsident des jüdischen Wohltätigkeits verein es Chewra Kadischa Herr Wilhelm Adler mit einer Begrüßung der erschienenen Ehrengäste und führte weiters aus, daß es der jüdischen Kultusgemeinde schon lange eine Herzenssache war, den im Weltkriege Gefallenen ein würdiges Denkmal zu errichten und daß nun endlich dank den Bemühungen aller Angehörigen der Kultusgemeinde die Aufstellung eines solchen Denkmales gelungen ist. Landesrabbiner Dr. Link hielt anschließend eine längere, ergreifende Rede und erwähnte, daß die Juden Schulter an Schulter mit ihren Kameraden gekämpft, Leid und Freud mit ihnen geteilt haben, um den Beweis zu erbringen, daß sie nicht nur gleichberechtigt sein wollen, sondern auch gleichwertig sind. 63 jüdischen Helden sei dieses Denkmal errichtet; 89.000 jüdische Gefallene gab es im Weltkriege, von denen kein Lied singt, kein Heldenbuch erzählt. Nach seiner Rede trat Landesrabbiner Dr. Link an das Denkmal heran und sprach em kurzes Gebet für die Gefallenen. Als Vertreter der alten österreichischen Armee sprach nun Feldmarschall-Leutnant Ell mar und gedachte der unermeßlichen Leiden aller jener, die trotz größter Entbehrungen, oft hungernd und dürstend, dem feindlichen Trommelfeuer ausgesetzt, mit herrlichem Mut nicht zögerten, sich den feindlichen Sturmkolonnen entgegenzuwerfen, den Tod vor Augen. Den gefallenen Kameraden zur Ehrung legte der Redner einen Blumengruß zu Füßen des Denkmales. Hierauf legte im Namen der Angehörigen der 6. Brigade General N e u h ä u s e r mit einigen warmen Worten einen prächtigen Kranz auf die Erinnerungsstätte. Nach einigen Worten des Herrn D u b s k y, der das Denkmal dem Schutze der Gemeinde Innsbruck empfahl, schloß die erhebende Feier. Das neue israelitische Kriegerdenkmal, nach den Entwürfen des Architekten Spindel von der Firma Linser ausgeführt, erhebt sich in der Mitte der Westmauer des jüdischen Friedhofes. Das Mittelstück des Denkmales bildet ein hochragender, schlanker Obelisk aus kararischem Marmor, der die Widmung der Chewra Kadischa für die Gefallenen trägt, zu beiden Seiten des Obelisks tragen zwei Flügeltafeln in der gleichen Höhe die Namen der 63 gefallenen jüdischen Krieger. Links und rechts des Denkmales« liegen die schlichten, mit Namenstafeln versehenen, mit Frühlingsblumen geschmückten Grabstätten der Soldaten. *J m UM /\ 1 JCf) Kleider-,Pelze-u.Gummimäntel-Fa ■ L\ ■ IWl jt\ \f Wt' W\. Zentrale: Detailverkauf: ß 1 1• 1TI1 1 M Mm* A » Wien IL, Glockengasse 24 Wien IL, Taborslrc

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