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Die Wahrheit · 1925-06-26 · Heft 25 (26.6.1925) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 25 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25 DIE WAHRHEIT kann man nicht zwei Väter haben, aber wir sind Kinder von Vater und Mutter; ist das Deutschtum für uns der Vater, so ist das Judentum die Mutter, oder umgekehrt Wenn er den Keren hajessod ablehnt, so übersieht er, daß wir deutschen Juden die Verpflichtung haben, jüdische Solidaritätsgedanken nicht von uns zu weisen, daß wir schon im Interesse des Deutschtums die Fäden mit Palästina nich zu zerreißen haben wie denn auch Hunderte angesehener deutscher Christen für den Palästina- Gedanken eingetreten sind. Darüber mag man so oder anders denken, jedenfalls halte ich Naumann — und das habe ich ihm direkt ins Gesicht gesagt — für einen jüdischen Schädling, einen Mann, der noch seine Ghetto-Eierschalen nicht losgeworden ist, der sich an die deutschen Christen anschmeißt und dabei Stolz und Selbstbewußtsein einer sozialen oder Stammesgruppierung verleugnet, der zu denen gehört, die ihrer Väter nicht gern gedenken. Er gehört jder Gruppe an, die ich aufs tiefste verachten würde, wenn ich deutscher Christ wäre." Die „Wahrheit" hat stets die Anschauungen Naumanns und seiner Anhänger entschieden abgelehnt und die Bestrebungen der alldeutschen Chauvinisten im jüdischen Lager als durchaus unjüdisch scharf verurteilt. Anläßlich der Gründung dieses merkwürdigen deutschnationalen Vereines in Wien hielten wir es für wichtig, nochmals diese unsere Stellungnahme zu betonen, wenn wir auch überzeugt sind, daß die W i e n-e r Jude n für deutschen Nationalismus nicht viel übrig haben. Nietzsche über denj Antisemitismus. Von den vielen Auslassungen Nietzsches, in denen er u. a. von der „deutschen antijüdischen Dummheit" spricht, von den Werten, für die „Europa den Juden dankbar zu sein habe" usw., sei hier nur eine Stelle angeführt, die zur Genüge zeigt, wiej sehr die chauvinistischnationalistischen antisemitischen Schreihälse und Hetzer, die im Krieg Nietzsche auf ihren Schild hoben, wohl daran tun würden, durch gelegentliches Nachschlagen in den Schriften des also mißbrauchten Denkers ihre Begriffe auch in Punkto Antisemitismus etwas zu revidieren. Aber gewiß, sie wollen es gar nicht. Darum muß es von anderer Seite geschehen. Im Anschluß an seine Betrachtung „Der europäische Mensch und die Vernichtung der Nationen" legt Nietzsche folgende Anschauung an den Tag: „Das ganze Problem der Juden ist nur innerhalb der nationalen Staaten vorhanden, insofern hier überall ihre Tatkräftigkeit und höhere Intelligenz, ihr in langer Leidensschule von Geschlecht zu Geschlecht angehäuftes Geist- und Willenskapital in einem neid- und haßerweckenden Maße zum Uebergewicht kommen muß, so daß die literarische Unart fast in allen jetzigen Nationen überhand nimmt — und zwar je mehr diese sich national gebärden —. die Juden als Sündenböcke aller möglichen öffentlichen und inneren Uebelstände zur Schlachtbank zu führen. Sobald es sich nicht mehr um Konservierung von Nationen, sondern um die Erzeugung einer möglichst kräftigen europäischen Mischrasse handelt, ist der Jude als Ingredienz ebenso brauchbar und erwünscht als irgend ein anderer nationaler Rest." An derselben Stelle heißt es später: „Trotzdem möchte ich wissen, wie viel man bei einer Gesamtabrechnung einem Volke nachsehen muß, welches, nicht ohne unser aller Schuld, die leidvollste Geschichte unter clen Völkern gehabt hat, und dem man den edelsten Menschen (Christus), den reinsten Weisen (Spinoza), das mächtigste Buch und das wirkungsvollste Sittengesetz der Welt verdankt. Ueberdies: in den dunkelsten Zeiten des Mittelalters, als sich die asiatische Wolkenschicht schwer über Europa gelagert hatte, waren es jüdische Freidenker, Gelehrte und Aerzte, welche das Banner der Aufklärung und der geistigen Unabhängigkeit unter dem härtesten persönlichen Zwange festhielten und Europa gegen Asien verteidigten; ihren Bemühungen ist es nicht am wenigsten zu verdanken, daß eine natürlichere, vernunftgemäßere und jedenfalls unmythische Erklärung der Welt endlich wieder zum Siege kommen konnte und daß der Ring der Kultur, welcher uns jetzt mit der Aufklärung des griechisch-römischen Altertums zusammenknüpft, unzerbrochon blieb. Wenn das Christentum alles getan hat, um den Okzident zu orientalisieren, so hat das Judentum wesentlich dabei geholfen, ihn wieder zu okzidentalisieren: was irj einem bestimmten Sinne so viel heißt, als Europas Aufgabe und Geschichte zu einer Fortsetzung der griechischen zu machen." In der „Morgenröte". Kao. 205, schließt Nietzsche seine Betrachtungen über das „Volk Israel" mit folgenden Worten ab: „Und wohin soll auch diese Fülle angesammelter großer Eindrücke, welche die jüdische Geschichte für jede jüdische Familie ausmacht, diese Fülle von Leidenschaften, Tugenden, Entschlüssen, Entsagungen, Kämpfen. Siegen aller Art, — wohin soll sie sich ausströmen, wenn nicht zuletzt in große geistige Menschen und Werke! Dann, wenn die Juden auf solche Edelsteine und goldene Gefäße als ihr Werk hinzuweisen haben, wie sie die europäischen Völker kürzerer und weniger tiefer Erfahrung nicht hervorzubringen vermögen und vermochten, wenn Israel seine ewige Rache in eine ewige Segnung Europas verwandelt haben wird: dann wird jener siebente Tag wieder einmal da sein, an der der alte Judengott sich seiner selber, seiner Schöpfung und seines auserwählten Volkes freuen darf, — und wir Alle, Alle wollen uns mit ihm freuen!" Die Gemeindewahlen in Paris ergaben für die jüdische Bevölkerung die traurige Tatsache, daß kein jüdischer Repräsentant in die Gemeindevertretung gewählt worden war. Antisemitismus und Buchhandel. Schon oft wurden in Buchhändler- und Autorenkreisen Klagen laut, daß das offizielle Fachblatt des deutschen Buchhandels, das in Leipzig erscheinende „Börsenblatt" einer antisemitischen Richtung huldigt. Gleichsam als Auftakt zur Jahrhundertfeier des Börsenvereins der Buchhändler veröffentlicht das Börsenblatt einen Artikel eines Herrn Perschmanrc in Würzburg über! den „Fall Bettauer". Darini heißt es: „Sehr auffallend ist, daß bei allem, was an Pornographie offen oder heimlich angeboten wird, der jüdische Ursprung ganz gewaltig überwiegt und in umgekehrtem Verhältnis steht zu der jüdischen Einwohnerzahl Deutschlands. Und bedauerlich ist. daß von jenen ihrer Rassegenossen, von denen der Volksmund spricht, es gäbe „auch anständige darunter," bis heute auch nicht ein einziger sich berufen gefühlt hat, nachdrücklich diesen Auswurf der Menschheit von sich abzuschütteln." Zufällig bringt das Börsenblatt vor diesem Artikel einen anderen redaktionellen Angriff gegen ein „Pornographisches Blatt", das von einem unzweifelhaft arischen Verleger herausgegeben wird. Der Inhaber des alten Heine-Verlages Hoffmann und Campe schreibt in der C. V.-Zeitung: „Daß große Teile des Buchhandels mit der Kulturschande des Antisemitismus behaftet sind, zeigt dieser Vorfall leider nicht zum ersten Male. Dieser Haltung entspricht auch, daß das Börsenblatt von der Verurteilung des Verlegers Fritsch zur Zahlung der Auslobung von 10.000 Papiermark wegen gefälschter Tal» mudübersetzung noch mit keiner Zeile berichtet hat, während es sonst jedes kleinste Vorkommnis aus dem Buchhandel sofort in Sperrdruck meldet." Tusnelda-Köpfe. In der „Osterbotschaft der Hermannssöhne" ist unter anderem zu lesen, daß die Shimmv- und Negertänze von den Juden, dem „Auswurf fremder Wüsten", übernommen worden wären. Nun die zigarettenrauchenden Frauen kann man preisgeben. Deutsche Frauen und Jungfrauen, kehret zur langen Pfeife zurück! (Zurück, marsch, marsch!) Auch der Shimmv ist nicht unbedingt zu verteidigen. Kehren wir wieder zum urgermanischen (und vor hundert Jahren aus Frankreich} eingeführten) Walzer zurück. Aber der Bubikopf.... Was nutzen die längsten Haare, wenn sie auf einem kurzen Verstand wachsen . . . Wer hätte das gedacht! Ein antisemitischer Professor namens Friedrich Beuge hat in einem dicken Buche den Nachweis geführt, daß das Alte Testament eine große Fälschung ist. Es wurde zu Beginn unserer Zeitrechnung zusammengestellt. Das wird ja immer heiterer! Am Ende sind wir mitsamt Vater Abraham, Isaak und Jakob auch nur eine Erfindung. Natürlich eine jüdische Erfindung. In Alexandrien hat sich, wie „Ar^hives Israelites" melden, vor kurzem ein Vorfall ereignet, welcher berechtigte Empörung in der dortigen jüdischen Gemeinde hervorgerufen hat. Die alexandrinischen Juden, meistens reiche sephardische Kaufleute, schicken ihre Kinder, wie dies im Orient oft der Fall ist, in die christlichen Kongregationsschulen, um ihnen eine höhere allgemeine Bildung zuteil werden zu lassen, als' es in den Elementarschulen der Fall ist. Jüngst nun hat im College Sainte- Catherine ein Klosterbruder namens Lionce bei der Erklärung des Katechismus in Anwesenheit einer großen Zahl jüdischer Schüler das Ritualmordmärchen zur Sprache gebracht und erklärt, daß die Juden Christenblut zu rituellen Zwecken verwenden. Er ließ sogar einen Schüler aus einem alten Buche die Geschichte von der Ermordug eines christlichen Knaben durch Juden vorlesen. Die jüdische Gemeinde von Alexandrien hat sofort bei der Direktion der Klosterschule Schritte gegen den Lehrer unternommen, jedoch ohne Erfolg. Daher gewinnt die Strömung der alexandrinischen Judenschaft immer mehr Anhänger, welche dahin geht, eigene jüdische Schulen in Alexandrien zu errichten, um die Kinder im Geiste der jüdischen Lehre erziehen zu können und nicht der Obhut judenfeindlicher Lehrer anvertrauen zu müssen.

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