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Die Wahrheit · 1925-06-26 · Heft 25 (26.6.1925) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 25 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 DIE WAHRHEIT Seite 5 mit welchen reaktionäre und nationalistische Politiker es von (Jen Demokratien des Westens trennen wollen. Mit welchen Schwierigkeiten diejenigen heute noch in Deutschland zu kämpfen haben, welche eine Verständigung zwischen dem großen deutschen und dem mächtilgen amerikanischen Volke anbahnen wolleiT, beweist .eine Besprechung, mit welcher der bereits genannte Apostel des amerikanischen! Automobilköniiigs eine Schrift F. O. von Winklers über Amerika itm „Hammer" empfiehlt. In dliieser heißt es unter anderem: „Der Verfasser der Schrift öffnet denjenigen Deutschen die Augen, die da gläubigen Herzens noch immer auf die Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika hoffen. An der Hand eines ausgezeichneten Beweismaterials widerlegt er die irrige Ansicht. Die veröffentlichten Briefe, Pressestimmen reden eine beredte Sprache. Haß klingt uns aus jeder Zeile entgegen, unversöhnlichster, zügelloser Haß. — Mögen die Ausführungen besonders unseren unverbesserlichen Pazifisten eine Lehre sein!" In dieser Weise also wird von gewissenlosen Hetzern andauernd Mißtrauen verbreitet und eine Verständigung unmöglich gemacht! Insbesonders müßte die Jugend in fortschrittlichem und demokratischem Geiste erzogen und ihr frühzeitig Verständnis auch für anderer Völker Art und Sitte beigebracht werden. Statt dessen sehen wir, daß ein Teil der Jugend, und zwar gerade die gebildeteren Kreise, durch Schlagworte wie „arischer Geist", „nationaler Sozialismus" usw. zum Kampfe gegen die eigenen Volksgenossen aufgehetzt werden. Wie soll das Verständnis für anderer Völker Wesen Wurzel fassen können? Aber nicht die Jugend allein, weite Volksschichten müßten erst in demokratischem Sinne erzogen werden, soll Deutschland nicht bloß de jure, sondern auch d e f a c t o eine Demokratie sein. Hören wir, was zu dieser Frage eine andere bemerkenswerte amerikanische Stimme sagt: „Erziehung ist die wichtigste Grundlage der Völkerverständigung" schreibt Dr. William Shepherd, der berühmte Historiker der Columbia-Universität in New-York im „Feuerreiter", einer beachtenswerten deutschen Zeitschrift, deren Streben es ist, die Wege eines kulturellen Fortschrittes im Sinne evolutionärer Höherentwicklung dem deutschen Volke zu weisen: „In dieser Hinsicht kommt der Intelligenzklasse die natürliche Führung zu. Wenn sie sich über die Staaten hinweg zur Beseitigung der Mißverständnisse zusammenschließt und so jenes geistige Niveau schafft, auf dem die Menschen einsehen, daß es über den Interessen der einzelnen und der Nationen Interessen der ganzen Menschheit gibt, dann ist der Weg zum Erfolg der Menschheit gegeben. Nur durch die Macht der Erziehung, der Intellektualisierung, die erst eine aufgeklärte und aktive internationale öffentliche Meinung schafft, können die organischen Kräfte der Menschheit tatsächlich geistig und praktisch in Wirksamkeit treten." Vor allem sind die Juden, welche sowohl im deutschen als auch im amerikanischen Volke eine hervorragende geistige Stellung einnehmen, berufen, diese Völker einander näherzubringen und die Bande der Freundschaft wieder anknüpfen zu helfen, die seit dem Kriege zerrissen sind und leider noch immer nicht in dem Maße erneuert wurden, als es im Interesse beider Völker gelegen wäre. Damit werden sie nicht nur diesen beiden Völkern einen großen Dienst erwiesen haben, sondern auch ihrer geschichtlichen Sendung, die darin besteht, die Völker zu verbinden, gerecht worden sein. Von diesem hohen Ziel werden die Juden sich durch niemanden abhalten lassen, weder von Henry Ford jenseits noch durch die Hakenkreuzler diesseits des Ozeans. Die deutschen Schweizer und die deutschen Juden. Die Zeitschrift des deutschen Sprachvereines hat in ihrem Blatte vom 16. Dezember 1924, Nr. 12, eine Schweizernummer herausgegeben. Sie hat den Zweck, bei den Nichtdeutschen das Verständnis für das Wesen des Deutschschweizers und dessen Zugehörigkeit zum deutschen Volke zu wecken. Besonders deutlich und verständlich wird das Wesen des Deutschschweizers in einem Aufsatze über „Gottfried Kellers Deutschtum" von August Steiger aus Küsnach bei Zürich dargestellt. Wegen später zu ziehender Schlußfolgerungen geben wir die Einleitung dieser Abhandlung wörtlich wieder: „Wenn von Gottfried Kellers Stellung zu Volkstum und Staat die Rede ist, pflegt man aus seinem Gedichte „Gegenüber" die schönen Verse anzuführen: Wohl mir, daß ich dich endlich fand, Du stiller Ort am alten Rhein, Wo ungestört und ungekannt Ich Schweizer darf und Deutscher sein! Man betont dabei gerne das sonst unscheinbare Bindewörtchen „und", aber vor diesem „und" dürfen wir ein anderes Wörtchen nicht überhören, das dabei etwas unterdrückt wird: Das Hilfszeitwort „darf". Was man „darf", dazu braucht es eine besondere Erlaubnis, oft geradezu eine Gnade, und auch unserem Dichter am Rhein müssen die Umstände besonders günstig sein. Strom und Wald und Falkenflug genügen ihm nicht, einsam muß er sein, „ungestört", damit er nicht z. B. durch die Aussprache des Deutschen oder durch seine Sitten an die Unterschiede erinnert wird. Und „ungekannt" muß er auch sein; denn wüßte ein Landsmann von seiner Liebe zu Deutschland, er würde ihm hochverräterische Geshinung vorwerfen, und wüßte ein Reichsdeutscher von seinem starken schweizerischen Staatsgefühl, er würde ihn wohl darob auslachen. Es klingt etwas von einem Zwiespalt aus diesen Versen; der Dichter muß schon darunter gelitten haben, daß er oft n i c h t „Schweizer darf und Deutscher sein". Er ist sich eben der Doppellheit deutlich bewußt, die sonst in der Seele des Deutschschweizers schlummert, und von der der Reichsdeutsche meist doch nur die eine Hälfte ganz versteht, der Welschschweizer nur die andere und der Franzose gar keine. Der Schweizer kann nicht wie der Reichsdeutsche oder der Franzose in stolzer Einfachheit sagen: „Ich bin Deutscher" oder „Je suis Francais." Will er sein Wesen ganz ausdrücken, so braucht er zwei Wörter, die er je nach dem Zusammenhang so

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