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Die Wahrheit · 1925-06-26 · Heft 25 (26.6.1925) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 25 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 DIE WAHRHEIT Seite 3 datarmacht und zum Völkerbund u. v. a. m. wird auf diesem Kongresse erörtert werden. Trotz dieser alles eher als erfreulichen Auspizien, unter welchen der XIV. Zionistenkongreß zusammentritt, stellt die Abhaltung desselben eine Notwendigkeit dar, da im Interesse der Zionisten sowie auch im Interesse aller nichtzionistischen Kreise endlich Klarheit über die künftige Politik' des Zionismus geschaffen werden m u ß. Amerikanische Stimmen. Von Dr. Franz Josef Weiss. Der für Deutsichland so unglückliche Ausgang des Weltkrieges war zum Teil eine Folge des mangelnden Verständnisses, welches das deutsche Volk den Ansichten und Stimmungen anderer Länder, insbesondere Amerikas, entgegengebracht hatte. Vom Beiginn des Krieges bis zum Eintritt der Vereinigten Staaten in denselben bewies jeder neue außenpolitische Fehlschlag, wie sehr man sich über die öffentliche Meinung des Auslandes getäuscht hatte, die man von Grund aus verstanden zu haben glaubte. Man war sich über die Wirkungen, die Worte und! Handlungen berufener und unberufener Personen im Auslande auslösen mußten, durchaus nicht im Klaren, und so mußte das schlechte Verständnis, dasmaßgebende deutsche Kreise für das Ausländ' hatten, mit Notwendigkeit auch zu einem mangelnden Verständnis des Auslandes für das deutsche Volk führen. Noch,heute, elf Jahre nach Ausbruch des Weltkrieges, ist es in dieser Hinsicht nicht viel besser geworden und auch die Lehren und Enttäuschungen des letzten Jahrzehntes scheinen Botanik. Zoologie einerseits, Ethnographie und Folklore anderseits, Kunst und Bildung, Volkswirtschaft und Politik werden hier von ersten Fachleuten behandelt. Ebenso sorgfältig ist die Auswahl der 185 Bilder getroffen. Landwirtschaft. Volksleben, Architektur und Technik sind hier vertreten. Von besonderem Interesse ist für uns eine Aufnahme eines Hofes des Eisenstädter Ghettos und die Photographie des ersten Benzinautomobils von Siegfried Markus im Technischen Museum. Frei von jeglicher aufdringlicher Tendenz wirkt das Werk wohltuend als Symbol eines genesenden Oesterreich. — Das Land der Vergangenheit und der Zukunft wird in „A11 v a t e r N i l"31) von Prof. Dr. Chr. Eckert und „FahrtenundRitte durch die La Plata-Staaten und Chil e"32) von Wickenburg kulturpolitisch dargestellt. Eckert will uns eine Vorfrühlingsfahrt durch das Land Tuthankamens und den Sudan schildern. Aber aus jeder Zeile spricht die treffliche Beobachtungsgabe des Sozialwissenschaftlers. Während heute fast alle Bücher über Aegypten im Zeichen der Ausgrabungen stehen, wird uns hier auch eine eingehende Darstellung ^er politischen Situation geliefert, ohne das erstere zu vernachlässigen. Es war sicher nicht leicht über einen Gegenstand lesenswert zu schreiben, wenn das sachliche Interesse an ihm durch andere ausführlichere Beschreibungen befriedigt ist. Daß dies gelungen ist war die Kunst des Autors, dem wir von der ersten bis zur letzten Zeile mit gespanntester Aufmerksamkeit folgen. Das Land der Zukunft und, wie wir unter dem Eindrucke der Lektüre des Werkes sagen wollen, das Land der Superlative zeigt uns in interessantester Weise Ernst Wickenburg Argentinien, Paraguay, Uruguay und Chile, vier Namen, die für uns meist nur philatelistische Associationen auslösen, gewinnen hier Farbe und Gestalt. Ritte durch die Pampa, das ganze wirtschaftliche und soziale Leben dieser Länder, die noch völlig untervölkert sind und von deren Größe wir uns keine Vorstellung machen können (Flußbreite 40 km!), werden uns hier anschaulich und lebendig geschildert. 31) Ä. Marcus & E. Weber, Verlag, Bonn 1924, M. 5.—. 3S) Verlag für Kulturpolitik, München 1924. nicht viel gefruchtet zu haben. Es liegt eine gewisse Tragiikomik darin, daß gerade jene Kreise, welche sich allein für „national" halten, alles tum, um ei« besseres Verständnis des Auslandes für Deutschland zu erschweren und durch ihre Worte und Handlungen den deutschfeindlichen Politikern aller Staaten die Waffen in die Hand geben, um Deutschlands Ansehen herabzusetzen. Die Voraussetzung einer politischen Verständigung jedoch ist gegenseitiges besseres Verständnis, ebenso wie die Erkennt- . nis der wirtschaftlichen Zustände und ökonomischen Bedürfnisse eines Landes die wichtigste Bedingung für das Zustandekommen intensiver Handelsbeziehungen ist. Von größter Wichtigkeit in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht ist heute für Deutschland vor allem ein eingehendes Verständnis für die Verhältnisse der Vereinigten Staaten, die durch ihre räumliche Ausdehnung, dfe Verschiedenartigkeit ihrer Bevölkerung und ihre im Vergleich mit Europa so völlig im Fluß befindlichen sozialen und kulturellen Verhältnisse einer einsichtsvollen Beurteilung und einem gründliichen Verständnis nicht geringe Schwierigkeiten in den Weg legen. Dieses Verständnis sucht nun eine von Doktor Friedrich Glaser und A. F. Wiener herausgegebene Zeitschrift „Amerikanische Stimmen" (Atlantic Book and Art Corporation, New York und Leipzig) dadurch zu vermitteln, daß sie die bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft in ihrem Blatte zu Wort kommen läßt. Ohne Vorurteil und Voreingenommenheit für eine Partei oder irgendwelche private Interessen wollen die Herausgeber ein umfassendes und vollständiges Verständnis des materiellen Das Buch gewinnt durch die Absperrung der Vereinigten Staaten erhöhte Bedeutung und soll auch jeder» wirtschaftlich Interessierten empfohlen sein. — Ein Bild des heutigen Mexiko gibt uns Landenberger in seinem „Wanderjahre in M e x i k o".33) Das Werk weiß uns in jeder Hinsicht Interessantes zu berichten. Kulturgeschichtlich und ethnographisch wertvolle Detail über die Einwohnerschaft, die durch eine Jahrhunderte alte schlechte Verwaltung nicht eine wirkliche Kultur entwickeln kann; von der alten Kultur der Urbewohner. von den Denkmälern einer großen Vergangenheit, erzählt uns der Autor, ebenso wie er uns wirtschaftlich ein getreues Bild des Landes gibt. Von einer Auswanderung nach Mexiko, das ja bereits eine große deutsche Kolonie besitzt und mit Deutschland wertvolle Handelsbeziehungen unterhält, rät der Verfasser ab. Doch nicht nur in dieser zweckhaften Betrachtung ist das Buch anregend. Rein geographisch, ein Wanderbuch, schildert uns der Autor geradezu plastisch die eigenartigen Reize des Landes, die er durch eine große Zahl von Photographien^lustriert. Und bei dieser Schilderung weiß er so liebenswl^ig zu erzählen, daß wir oft an Ejchendorff, manchmal an Keller erinnert werden. Diese Universalität des Buches wird ihm ^freunde aus allen Kreisen werben. — Efn Gleiches kann man mit Fug und! Recht von dem interessanten Wanderbuche „Argentinien" von Alfons Goldschmid tM) behaupten, das auf einer Argentinienreise des bekannten Volkswirtschajtlers entstanden ist, die er dorthin unternahm, um an den Universitäten Cordoba, Santa Fe, Rosario. La Plata und Buenos Aires Vprlesungen über Wirtschaft und Wirtschaftslehre zu halten. Wie in seinem „Moskau 1920", gibt der Autor nur eine Schilderung von Land und Leuten, ohne Berücksichtigung seiner wissenschaftlichen Forschungen: diese verspricht er uns für später und man kann darauf gespannt sein; ist doch schon das vorliegende Buch mit hinreißendem Schwung geschrieben. __ (Fortsetzung folgt) 33) F. A. Brockhaus, Leipzig, geb. Mk 8.50. M) Ernst Rowohlt, Berlin.

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