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Die Wahrheit · 1925-06-26 · Heft 25 (26.6.1925) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 25 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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\ Seit» 2 DIE WAHRHEIT Nr. 25 nis, daß der Zionismus nach wievor Träger des Palästinaaufbaues ist und bleibt; Wahrung der Souveränität des Kongresses als Ausdruck des organisiertenjüdischenVolkswillens. 2. Führungeiner zielbewußten nationalen Politik und entschiedene Zurückweisungaller VersuchezueinerAbschwächung der Balf our deklarati on. 3. Sicherung der nationalen Prinzipien des Palastinaaufbaues und Bekämpfung aller Versuche der Einführung eines philantropischen Kolonisationssystems." Begründet werden diese Forderungen im Aufrufe im wesentlichen damit, daß nach Ansicht der „radikalen" Zionisten die bisherige „verhängnisvolle Einstellung" zu einer „Schwächung der politischen Position des Zionismus" und „Bedirohumg des nationalen Charakters des Palästinawerkes" geführt hat. Denn „Zionismus bedeute nicht die Ueberführung jüdischer Emigranten nach Palästina, sondern hat eine seiner stärksten Wurzeln in dem Wil I e n zur fundamentalen Umgestaltung des jüdischen Lebens, ebensosehr in seiner nationalkulturellen wie auch in seinen wirtschaftlichen Formen. Hierfür sei unerläßliche Voraussetzung das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Palästina und die Verhinderung eines jeden Versuches der administrativen Bevorm u n d u n g." Es ist klar, daß ein solcher Radikalismus mit Notwendigkeit nicht nur zur Abstoßung aller in schwierigen und langwierigen Verhandlungen für Palästina gewonnenen nichtzionistischen Kreise führen muß, sondern auch eine Spaltung der zionistischen Partei unvermeidlich macht. Die Erfüllung Feuilleton [iBPl Politische Bucher. (Fortsetzimg.) Was ist heute das Minderheitenrecht? Auf diese Frage geben zwei Neuerscheinungen Antwort, auf die hier ausdrücklich hingewiesen werden soll. Vor allem „Das geltende jüdische Minderheitenrecht" von Georg L a n d a u e r.37) Die vorliegende hochinteressante Studie ist nicht so sehr vorn zionistischen Standpunkte bemerkenswert, als durch glänzende historische Darstellung der Entwicklung des jüdischen Minderheitsrechtes und dadurch, daß sie das völkerrechtlich ungeheuer komplizierte Gebiet der Judenfrage aufrollt und eingehend behandelt. Das Buch hält mehr, als sein Titel verspricht. Es zieht auch die Palä«tinafrage in den Bereich seiner Untersuchung. Nicht zustimmen können wir dem Autor in seiner Auffassung, daß das jüdische Volk heute Subjekt des Völkerrechtes geworden sei. Bei einer neuen Auflage, die wir wohl bei dem Interesse, das das Werk beansprucht, erwarten dürfen, wird eine Darstellung des faktischen Zustandes (des politischen, nicht juristischen), der Verwaltungspraxis usw. nachzutragen sein. Ebenso wäre auch de lege ferenda mehr zu sagen. Jedenfalls ist das Werk für jüdische Historiker und Politiker unentbehr«- lieh. Eine allgemeine umfassende Darstellung gibt Professor Th. Ruyssen, der Generalsekretär der Union der Völkerbundliga in „Les minorites nationales d'Europa et la Gneue Mondiale".28) In einer großangelegten Arbeit werden uns hier 27) Teubner, 1924, Mk. 14.—. 28) Les Presses Unversitaires des France, Paris, Frcs. 12.—. der Forderung der radikalen Zionisten, für welche diese, wie es in ihrem Aufrufe heißt, „den Kampf mit allen Mitteln aufzunehmen entschlossen sind4', würde dem Gesamtjudentum und dem Aufbauwerk in Palästina uneinbringlichen Schaden zufügen. Aus diesem Grunde wenden sich alle einsichtigen und weitblickenden Zionisten, denen Weltpolitik über Parteipolitik steht, entschieden gegen eimen solchen Radikalismus und bezeichnend ist, was Dr. Kurt Blumenfeld, der Präsident der zionistischem Veire'iinigung für "Deutschland, in (einem „Die neue Opposition" überschriebenen Artikel in Nr. 46 der Berliner „Jüd. Rundschau" hierüber sagt: „Der Versuch, die eigene Unzulänglichkeit durch eine allgemeine Politik der zionistischen Organisation zu erklären, wird nur dort Erfolg haben, wo man es unterlassen hat, einen Kreis wirklich über alle Fragen der Bewegung und desAufbaues informierter und zionistisch durchgebildeter Menschenzu schaffen." Dies alles deutet darauf hin, daß es ■ auf dem XIV. Zionistenkongreß zu einer Entladung der gewitterschwangeren Atmosphäre kommen wird und die Heftigkeit der Diskussion, welche bereits heute in der zionistischen Presse über die Frage der Jewish Agency geführt wird, läßt es als sicher erscheinen, daß die Verhandlungen auf dem Kongresse sehr stürmisch verlaufen werden. Nicht allein die Frage der Jewish Agency, sondiera auch noch manch andere Probleme von entscheidender Bedeutung, welche Dr. Chajes als Probleme der „äußere n" Politik des Zionismus bezeichnet hat, halten die Gemüter in Aufregung. Die Frage der Stellung der palästinensischen Juden zur arabischen Bevölkerung dieses Landes, das Verhältnis zur englischen Manalle Probleme dargelegt. Die historische Entwicklung der Frage, die geographisch-politische Situation, das Problem der Nation wird entsprechend behandelt. Ebenso kommt die allgemein-rechtliche Frage nicht zu kurz. Leider wird das Souveränitätsproblem, ebenso die rechtstheoretischen Grundlagen nicht eingehend behandelt und weicht Ruyssenscheinbar wie die anderen Autoren auf diesem Gebiete dieser Frage aus. Dennoch erhielten wir hier ein sehr instruktives Bild der Minderheitenfrage. Der Hinweis auf diese beiden Bücher möge viele anregen, sich mit der für uns Juden so wichtigen Frage zu beschäftigen, damit der bei uns so häufig zu findende Dilettantismus sein Ende finde. — Die höchst interessanten Erinnerungen einer Persönlichkeit, die vor wenigen Tagen wieder tot gemeldet wurde. Raisulis, des Sultans der Berge"29), sind vor kurzem in deutscher Uebersetzung erschienen. Schlauheit und Mut, Raffinement und Idealismus paaren sich in diesem eigenartigen Araberscheik, der jahrzehntelang den Spaniern den Aufenthalt in Marokko verleidet hat. Diese Erinnerungen sind nicht nur vom politischen Standpunkt aus höchst interessant, sie bilden ein kulturhistorisches Dokument ersten Ranges. In .Raisuli ist das sich gegen die westliche Zivilisation wehrende Morgenland verkörpert. Es ist ein Buch vom Untergang des Morgenlandes. Dies wird in unserer Zeit, die wieder nach dem Osten ausschaut, dem reich illustrierten Buche weite Verbreitung sichern. — Im Zeichen des geistigen Wiederaufbaues steht die Herausgabe des Prachtwerkes: „Oesterreich in Wort und Bild" von Professor Dr. Karl Brockhausen30), das in jeder Beziehung als eine Höchstleistung zu werten ist. Als erster Band einer Monographienreihe kommt hier das gesamte kulturelle Leben Oesterreichs zur Darstellung, Geographie und 2fl) K. F. Köhler, Leipzig, 1924, Ganzleinen Mk 5.—. •10) F. Schneider, Wien I., Seilergasse 4. S 14.—.

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