Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 25 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Deutscbösferrelclilsclic woc&aistiirltt iflr füdlstiie laleressoi im «an Beiblatt. VcrOlfeiiflidiQEigeH äer »Union teofscbOsieiTeMiisdier Jutfar Redaktion und Administration: Wien HL, HielmeaMM IS, — Pmuraf 42-2-1S XLI. Jahrgang Wien, 26. Juni 1925 Nummer! 26 Das Torspiel. Am 18. August beginnt in Wien der für 10 bis 12 Tage anberaumte XIY. Zionistenkongreß, an welchem voraussichtlich 12.000 Personen, zionistische Delegierte aus allen Ländern, teilnehmen werden. Abgesehen von den Vorkonferenzen, Kongreßtagungen und Sitzungen der einzelnen Ausschüsse, sind eine große Reihe gesellschaftlicher und sportlicher Veranstaltungen, wie zum Beispiel eine Separatvorstellung im Wiener Hofoperntheater sowie eine jüdische Olympiade geplant. Eine P alästinaausstellung wird die bisherigen Erfolge der jüdischen Aufbauarbeit im heiligen Lande veranschaulichen und den kommerziell an Palästina Interessierten Gelegenheit geben, Produkte des Landes und der gewerblichen Tätigkeit kennenzulernen. Die Wiener Judenheit, die an allen Ereignissen, die das Judentum bewegen, st§ts regsten Anteil genommen hat, wird auch die in ihrer Vaterstadt veranstaltete Tagung der Vertreter der zionistischen Organisationen mit Interesse verfolgen, zumal auch den nichtnationalen Juden die Probleme des Wiederaufbaues Palästinas nicht gleichgültig sein können. Sie wird daher den Vorgängen auf diesem Kongreß entsprechende Aufmerksamkeit entgegenbringen sowie sie auch die Vorgänge innerhalb der zionistischen Organisation, welche demselben vorausgehen, mit Interesse beobachtet. Eines der wichtigsten Probleme des Zionismus ist die bereits im Palästinamandat vorgesehene Schaffung der JewishAgencyals einer Organisation sämtlicher am Aufbau Palästinas interessierten Juden. Diese soll eine Vereinigung sowohl der zionistisch und national orientierten als auch jener nichtzionistischen und nichtnationalen Juden sein, welche dem Aufbau Palästinas sympathisch gegenüber stehen. Dieser Zweckverband, der der englischen Regierung in Palästinaangelegenheiten als beratendes Organ zur Seite stehen soll, wird derzeit ausschließlich durch Zionisten repräsentiert, und nun zieht sich die Frage nach der Heranziehung auch der Nictitzionisten wie ein roter Faden durch alle Beratungen der Zionisten, zumal die Ermöglichung des Eintrittes der Nichtzionisten eine Frage des Bestandes der Jewish Agency überhaupt ist. Die Schaffung der politischen Voraussetzungen für den Eintritt nichtnationaler Juden in diese Vereinigung nannte der Präsident des zionistischen Aktionskomitees Oberrabbiner Prof. Dr. H. P. C h a j e s auf einer unlängst stattgehabten Pressekonferenz mit Recht das Hauptproblem der „innere n" Politik des Zionismus und äußerte sich diesbezüglich folgendermaßen: „Anläßlich der Eröffnung der Universität in Jerusalem hat es sich gezeigt, daß t a tsächlich das ganze Judentum mit dem Aufbau Palästinas geht, auch jene Teile, die aus religiösen, sozialen und politischen Gründen der zionistischen Organisation nicht angehören. Wie fassen wir ausschließlich für die Zwecke 'des Aufbaues diese Menschen zusammen? Das ist die wichtige Frage der Jewiish Agency, die in der letzten Zeit so Viel erörtert wird." In klarer Erkenntnis dieser Sachlage hat sich der derzeitige Leiter der zionistischen Organisation Professor Dr. Chaim Weizmann bemüht, den Eintritt der Vertreter der nichtzionistischen Judenheit in die Jewish Agency herbeizuführen, und zu diesem Zwecke langwierige Verhandlungen, namentlich mit dem Vertreter der amerikanischen Judenschaft Louis M a r s h a 11 geführt, welche insofern von Erfolg gekrönt waren, als dieser die Bereitwilligder amerikanischen Juden erklärte, bei Wahrung ihres prinzipiellen Standpunktes in die Jewish Agency einzutreten, wenn gewisse Bedingungen erfüllt würden. Hierdurch hat silch Weizmann ein großes Verdienst um die Palästinasache erworben, da er durch die Hinaushebung aller mit dem Wiederaufbau von Erez Jisroel zusammenhängenden Fragen aus der Sphäre der Politik gerade die finanziell tragfähigsten jüdischen Kreise, die bisher aus politischen Gründen dem Aufbauprojekt ablehnend gegenüber gestanden sind, für Palästina gewonnen hat. Dieser große Erfolg Weizmanns und seiner Mitarbeiter wird leider durch eine nicht unbeträchtliche Bewegung innerhalb der zionistischen Partei aufs schwerste gefährdet, die dem Eintritte von Nichtzionisten in die Jewish Agency heftigen Widerstand entgegensetzt. Die Vertreter dieser Anschauung haben sich unter der Führung von Ing. Robert Stricker aus Wien, des ehemaligen Ministers für jüdische Angelegenheiten in Litauen S o l ow e i t s c h i k umü des Sejm dep utierten Grünbaum zu einer „Konferenzgemeinschaft radikaler Zionisten" vereinigt und führen einen erbitterten Kampf nicht nur gegen die Politik der jetzigen Exekutive, sondern bedauerlicherweise auch gegen die Person Professor Weizmanns, dessen Sturz sie herbeiführen wollen. Das Programm, welches die „radikalen" Zionisten auf ihrer Beratung in Berlin aufgestellt haben, gipfelt in drei Forderungen: „1. Stärkung der Organisation und Ausbau ihrer Organe aus der Erkennt-