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Die Wahrheit · 1925-06-19 · Heft 24 (19.6.1925) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 24 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 24 DIE WAHRHEIT Seite H gegnung mit B. unterläßt er das ominöse Wort und brummt, ohne Text, mit geschlossenen Lippen, die Melodie allein. Unwahrheiten unglaublichster Art leistet sich die „Deutsche Arbeiter-Presse" in einem in ihrer letzten Nummer erschienenen Artikel „Der jüdische Sturm auf die Hochschulen". Wenn es Menschen gibt, die das glauben, was die „Deutsche Arbeiter-Presse" /zusammenschreibt, dann 'wahrlich hatte der Erfinder der „Protokolle der Weisen von Zion" nicht so unrecht, wenn er dem „Oberweisen" folgende Worte in den Mund legt: „Ihr primitiver Verstand macht die Nichtjuden unfähig, scharf zu beobachten \ind richtig zu analysieren" (Prot. XV, 15). Sollte der Fälscher der Protokolle die Wiener Nationalsozialisten gekannt haben? Die „Deutsche Arbeiter- Presse" möge uns einen jüdischen Anschlagkasten zeigen, in welchem auch nur ein abfälliges Wort über Nichtjuden zu finden ist, sie möge uns einen jüdischen Studenten zeigen, welcher einem Arier auch nur das Geringste getan hat. Oder waren es gar jüdische Studenten, welche jüngst ihre arischen Kollegen aus den.Hörsälen vertrieben haben? Worin besteht also der jüdische Sturm auf die Hochschulen? Besteht er etwa darin, daß ein völkischer Professor an der Technischen Hochschule während seiner Vorlesung Hetzreden gegen Republik und Judentum hält, die der Rektor der Technik selbst nicht anders als „derb" und „burschikos" bezeichnen kann? Wir erkennen aus diesen Lügen und Verdrehungen, daß die „Deutsche Arbeiter-Presse" die Ausschreitungen der hakenkreuzlerischen Studenten an den Hochschulen nicht anders rechtfertigen kann, als indem sie die Wahrheit direkt auf den Kopf stellt. Wenn verhetzte und irregeleitete Studenten sich Gewalttätigkeiten und Ausschreitungen jüngst haben zu schulden kommen lassen, so ist dies sicherlich sehr bedauerlich und dem Rufe unserer Hochschulen abträglich. Wenn die „D. A. P." aber nachträglich noch lügt, dann ist das gemein und abscheulich. Kol-Nidre vor Gericht. Bei einer Berufungsverhandlung vor dem rumänischen Gerichtshofe in Czernowitz wurde dieses am Jom-Kippur-Eingangi vorgeschriebene Gebet vor die Richter gebracht, und zwar handelte es sich um folgendes: Em Organ der rumänischen Staatspolizei'beging Erpressungen an Juden und wurde; deshalb #u einer Kerkerstrafe von zwei Monaten verurteilt. Gegen dieses Urteil ergriff der Angeklagte die Berufung und sein Verteidiger plädierte für die Freisprechung des Angeklagten, indem er die Glaubwürdigkeit der in erster Instanz vorgenommenen jüdischen Zeugen bestreitet. Zum Beweise hierfür behauptete der antisemitische Verteidiger, daß das Kol-Nidre-Gebet die Juden der Eide entbinde und ihnen gestatte, falsche Eide zu schwören. Aus diesem Grunde bat er, das Zeugnis der Juden gegen einen Nichtjuden zu verwerfen und' den Angeklagten freizusprechen. Das Kol-Nidre-Märchen wurde von berufener Stelle schon so oft und so schlagend widerlegt, daß wir es für unnötig halten, weiter darauf? einzugehen; den nichtjüdischen {Verleumdern unseres Glaubens sei jedoch ein für allemal folgendes gesagt: Ein falscher Eid gehört nach der jüdischen Lehre zu den schwersten Verbrechen, welche unsere Thora kennt und, wer einen Meineid begeht, versündigt sich gleichzeitig gegen zwei der zehn Gebote; erstens gegen das III. Gebot: Du sollst den Namen Deines Gottes nicht für falsches anrufen (lau sisso es schem adonoj elauhecho laschow. 2. B. M. Kap. 20/7); zweitens gegen das IV. G e b o t : Du sollst nicht aussagen wider Deinen Nächsten als falscher Zeuge (lau saanebereacho edscheker. 2. B. M. Kap. 20/13). Auf den Meineid war demgemäß im jüdischen Staate die Todesstrafe gesetzt und es ist klar, daß die Lithurgie keines der zehn Gebote, welche die Grundpfeiler unserer Religion sind, auch nur im entferntesten einschränken, geschweige denn aufheben kann. Wer dies dennoch behauptet, versündigt sich gerade gegen jenes Gebot dessen Uebertretung er den Juden zum Vorwurfe macht: Du sollst nicht verleumden . . . Weiße Mäuse fressen ihre eigenen Jungen auf, wenn diese von Menschen mit der bloßen Hand berührt wurden. Diese interessante naturwissenschaftliche Tatsache! teilt Herr Paumgartten in einem „Wesen der Sozialdemokratie" betiteltem Leitartikel des „Michel" vom 17. Wonnemond mit, in welchem sich der Verfasser außer mit det Aufzucht! weißer Mäuse auch mit dem Gegensatze zwischen arischer und jüdischer Weltanschauung beschäftigt, ohne auf das „Wesen" der Sozialdemokratie näher einzugehen. „Was haben weiße Mäuse", werden unsere Leser fragen, „mit Ariertum oder Judentum zu schaffen, oder inwiefern berühren diese niedlichen Nagetiere das Wesen der Sozialdemokratie?" Der Verfasser genannten Artikels, welcher in der Züchtung arischer Rassen ebenso bewandert zu sein scheint, wie in .der Aufzucht weißer Mäuse, gibt hierauf folgende Antwort: „Die Berührung mit der menschliehen Hand nimmt dem Tierchen an der berührten Stelle seinen eigenen Geruch und gibt ihm dafür eine Portion menschlichen Geruches. Hierdurch wird das Junge sozusagen umgeduftet (!) und daher für die Mäusenasen fremd, feindselig. Diese Wesenfeindlichkeit führt nun bis zur Vernichtung des geruchlich genommen aus seiner Familie ausgetretenen Stammesgenossen." Welchen Schluß zieht hieraus der Mäuseforscher für seine eigenen Rassengenossen? Nicht etwa, daß die Arier ihre eigenen Kinder, falls dieselben mit Juden in Berührung gekomrnen sind . . . (Der Gedanke ist nicht auszudenken), sondern, „daß ein Arier, der seinem Ariertum entsagt und zum Beispiel jüdische Wesensart annimmt (also „umgeduftet" wird, D. Red.), aus der Familie der Arier — und, was damit gleichbedeutend ist, überhaupt von derWelt — zu tilgen sei, denn er kann nicht als seine eigene Wesensverneinung weiterleben, da das Judentum die grundsätzliche Verneinung alles Arischen ist." Wir glauben, _daß der Verfasser dieses zoologisch-politischen Traktates in seinen Schlußfolgerungen doch etwas zu weit gegangen ist und daß man die gesellschaftlichen Einrichtungen, wie sie bei den weißen Mäjjsen herrschen, nicht so einfach auf die arische Gemeinschaft übertragen kann. Immerhin dürfte auch mancher rassenbewußter Arier vor solchen Konsequenzen zurückschaudern, zumal „die Austilgung aus der Familie der Arier gleichbedeutend ist mit der Tilgung von der Welt überhaupt." Und dennoch behauptet der arische Mäuserassentilgungsforscher weiter: „Diese Wahrheit ist so ungeheuer einfach, und für den schwächsten Kindskopf verständlich (nämlich: Arier + Nichtarier 0, D. Red.), daß es nur mit der grenzenlosen Denklmfähigkeit minderwertiger Gehirne zu erklären ist, daß Tausende deutscher Volksgenossen sich zur — Sozialdemokratie bekennen." Es ist somit nach Ansicht des in der Zoologie sd vorzüglich unterrichteten Verfassers allen arischen Rassenzüchtern ein probates Mittel in die Hand gegeben, um tiefgehende Weltanschauungs- und Rassengegensätze ebenso einfach wie gründlich auszumerzen. Sie müßten sich nur das Verhalten der grausamen Mäusepapas vor Augen halten, die, wenn es das Rasseninteresse erfordert, sogar ihre eigenen Kinder auffressen. Jüdische Kulturleistungen. Einen interessanten Beitrag zu dem Kapitel „jüdische Kulturleistungen" entnehmen wir einem Bericht über den 9. Kongreß für experimentelle Psychologie, der Ende April in München stattfand, und zwar aus dem „V ö 1kischen Kurier" vom 30. April. Es heißt da wörtlich: „Außerdem konnte man deutlich die zwei wichtigsten Denkrichtungen, die heute die geistige Physiognomie Europas bestimmen, die Phänomenologie E. Husserls (Deutschland) und den I n t u i t i o n i s m u s H. B e r g s o n s (Frankreich), in ihren Grundlinien wahrnehmen." Auch die Sperrungen sind genau dem „Völkischen Kurier" entnommen. Also, die zwei wichtigsten Denkrichtungen, die heute die geistige Physiognomie Europas bestimmen, gehen von — Juden aus, und auch Deutschlands Anteil an der Bestimmung der geistigen Physiognomie Europas stammt von einem deutschen — Juden. Alles nach dem „Völkischen Kurier". Die „Beweiskraft" des Faschismus. Die deutschvölkische Schimpfbewegung steht am Ende ihrer „K r a f t." Nachdem Herr Fritsch in einem Prozeß mit dem Bankhaus Warburg einen ganz jämmerlichen Rückzug antreten mußte, bereitet er seine „Mitbürger völkischen Glaubens" auf die kommende Niederlage in seinem Revisionsprozeß vor und erzählt: „Für alle diese Umstände konnte ich nun vor Gericht schlagende Belege — meist aus jüdischen Quellen — beibringen, die meine gegenteilige Auffassung bestätigten. Die Kläger stellten sich aber auf den Standpunkt: „bedrucktes Papier besitze nach der Prozeßordnung vor Gericht keine Beweiskraft". Und das Gericht scheint geneigt, diese Auffassung zu teilen und alle literarischen Nachweise über Wesen, Ziele und Handlungen des Judentums als nicht vorhanden ablehnen zu wollen." Der Fritschismus, wie neuerdings die antisemitische „Philosophie" Theodor Fritschs genannt wird, ist mehr als naiv. Fritsch möchte also einem republikanischen Gericht zumuten, antisemitische Fälschungen, die mit eiserner Stirn als „jüdische Quellen" bezeichnet werden, in einem Proz/eß gegen „I h n" für bare Münze zu nehmen, und das Gericht geneigt machen, die antisemitische Auffassung eines notorischen Fälschers zu teilen.

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