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Die Wahrheit · 1925-06-19 · Heft 24 (19.6.1925) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 24 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 24 nicht für Rumänien allein, sondern für die ganze Menschheit darstellen. In Ungarn laufen überwiesene Meuchelmörder frei herum, ohne daß gegen sie die Anklage erhoben wird. Im Osten von Ungarn jedoch befindet sich ein Land, in dem der Mord sogar noch verherrlicht wird. Sportklub JHakoah". Die Wiener Fußball-Meisterschaft geht ihrem Ende zu und Sieger im heurigen Jahre ist zum ersten Male ein jüdischer Sportklub, „Hakoah" Es ist dies eine nicht genug zu würdigende Tat Wiener Juden, die das Märchen, daß der Jude für Sport und Hygiene nichts übrig hat, zunichte »machten und gegen zwölf erstklassige christliche Vereine die Führung an sich rissen. Dabei ist die „Hakoah" im Wiener Fußballsport erst ein junger Verein, dessen Gründungsjahr auf 1909 zurückreicht. Sie hat sich in den ersten Jahren ihres Bestandes rasch emporgearbeitet, vor wenigen Jahren ist sie in die erste Klasse gekommen, hat allerdings hier nur eine mittelmäßige Rolle gespielt. Voriges Jahr gelang ihr der große Wurf durch Besiegung einer erstklassigen englischen Professionalmannschaft auf Wiener Boden und durch einen Rekordsieg über dieselbe in London („Hakoah"—„Westham United" 5:0). Von da ab schlugen sie als Vertreter des im kontinentalen Sport führenden Oesterreich zu wiederholtenmalen die Standard-Mannschaften der Nachbarstaaten, so die Slavia, Sparta u. v. a. und konnten sich in der Meisterschaft in der Herbstsaison bereits an erster Stelle placieren, die sie mit ungemeiner Energie und Zähigkeit selbst dann zu verteidigen wußten, als von ihren Gegnern mit allen, auch unerlaubten Mitteln unter der Parole: „Die Juden dürfen die Meisterschaft nicht gewinnen!" gekämpft wurde. Die Spieler, die bei der Erringung der Meisterschaft mitgewirkt haben und an den meisten Kämpfen teilnahmen, wollen wir hier namentlich festhalten. Es sind dies: Fabian (Tor), Scheuer, Gold, Grünfeld. Wagner (Verteidigung), Guttmann, Pollak, Fried. Heß (Halves), Nemes, Häusler, Grünwald, Eisenhof er, Schwarz und Katz (Stürmer). Das Marienbader Schachturnier endete mit dem Siege der hervorragenden jüdischen Schachmeister Aron Niemzowitsch und Akiba Rubinstein, welche an der Spitze der Preisträger gelangt sind. Niemzowitsch stammt aus Livland. lebt derzeit in Kopenhagen und nahm als Vertreter Dänemarks am Turnier teil. Er zeichnet sich durch die Originalität seiner Spielweise aus. R u b i n s t e i n, welcher mit Niemzowitsch den ersten und zweiten Preis teilt, stammt aus Lodz und ist einer der hervorragendsten jetzt lebenden Positionsspieler und Schachtheoretiker. Trotz schweren körperlichen Leidens erzielte er glänzende Erfolge. Reti und Tartak o w e r, welche den fünften und sechsten Preis teilten, sind ebenfalls Juden. Vorsicht ist die Mutter der Weisheit. Einer der wüstesten antisemitischen Hetzer in der tschechoslowakischen Remiblik ist der nationalsozialistische Abgeordnete Jung, mit dem auch wir uns schon wiederholt beschäftigt haben. In letzter Zeit hat dieser Gesinnungsgenosse und persönliche Freund Hitlers sich in seiner politischen Betätigung eine merkwürdige, vielbeachtete Zurückhaltung auferlegt, über deren wahre Ursachen die Prager „Tribuna" folgendes zu berichten weiß: ,.In politischen, besonders deutschnationalen Kreisen erregt die Zurückhaltung, die in der letzten Zeit in der Öffentlichkeit der bekannte hakenkreuzlerische Aufwiegler Herr Abg. Jung an den Tag legt, eine gewisse Verwunderung. Er hetzt nicht, wenigstens nicht öffentlich, gegen die Republik und die Reeierung und die Schärfe seines Angriffes ist mehr gegen die Deutschnationalen als gegen etwas anderes gerichtet. Wir können verraten, was die Ursache dieser ungewohnten Zurückhaltung des Herrn Jung ist. Herr Jung ist seinem bürgerlichen Berufe nach Staatsbahnrat in Troppau und als solcher steht ef vor der Prüfung in der Staatssprache. Herr Jung weiß, daß er sie kaum bestehen würde und so bemüht er sich mittels seiner Stellung als Abgeordneter auf Minister Strihrnv dahin zu wirken, daß er die Prüfung nicht machen muß. da er eigentlich keinen Dienst versieht. Der Herr Eisenbahnnrnister hat auch hier den Vorteil der Koalition nicht außeracht gelassen. Er antwortete Herrn Jung ausweichend, wedpr mit ja. noch mit nein, und so hält er ihn gewissermaßen in Schach. So geschah es. daß der stürmischeste der Aufwiegler verstummt ist. Wenigstens bis heute." Merkwürdige FeVlame. Die ..Deutsche Arbeiter-Presse" ersucht in ihrer Nummer vom 13. Juni die Volksgenossen ,.d r i n gen d s t". die Vorlesungen Prof. Othmar Spanns .J3ie Irrlehren de«; Marxismus" als . ordentlicher (!) oder außerordentlicher (!) Hörer" zu inskribieren. Erstens »st die Propaganda für eine akadenrsche Vorlesung in einer Zeitung wohl ein Novum. zweitens würden wir 'es für notwendiger halten, die Leser der ..Deutschen ATheiter-Presse" gründlich über die „Irrlehren des Nationalsozialismus" aufzuklären als über die des „Marxismus". Selbst Prof. Spann, der ein bekannter, wohl national eingestellter Volkswirtschaftler ist, hat es sicherlich nicht nötig, daß eine Zeitung vom Range der „D. A. P." für den Besuch seiner Vorlesungen Reklame treibt und dürfte auf die „ordentlichen" Hörer aus dem Leserkreise dieser Zeitung gerne verzichten, zumal ihr „außerordentliches" Interesse für seine Vorlesungen erst heute knapp vor Schluß des Semesters zutage tritt. Hindenburg und der Antisemitismus. In Presseorganen der Bayerischen Volkspartei war zu lesen: „Amerikanische Reisebüros haben noch kürzlich vor der Reise nachBayern gewarnt, weil dort die Fremden ausgebeutet werden würden und insbesondere ihre Sicherheit nicht gewährleistet sei. Eine Züricher Zentrale widerrät die Fahrt nach Bayern wegen der dort herrschenden Judenhetze. Wie gefährlich politische Abenteurer der wirtschaftlichen Wohlfahrt weiter Kreise werden können, beweist die durch die Presse gegangene Mitteilung, daß das Wieder auf tauchen Hitlers In der Bürgerbräuversammlung zur unverzüglichen Abreise von 40 Fremden aus einem einzigen oberbayrischen Kurort führte. Diese Tatsachen müßten der Staatsregierung Anlaß geben, den sattsam bekannten, groben politischen Unfug, der sich für Bayern so nachteilig erwies, mit starker Hand zu unterdrücken. In Bayern muß wieder jeder ohne Unterschied der Rasse und der Nation unbelästigt sein Geld verzehren können; es bieten sich noch Möglichkeiten genug, die Ostjuden und andere unerwünschte Elemente fernzuhalten. Die Hakenkreuzjünglinge müssen, wenn nötig, durch ernsthafte Argumente belehrt werden, daß es eine Eselei ist, die Juden, die ihr Geld in Deutschland verdienen, zu zwingen, daß sie es außerhalb des Landes verbrauchen. Der Kunsthandel liegt in München darnieder und der Absatz im Kunstgewerbe stockt. Da und dort ist der Gedanke aufgetaucht, München sei bei der Einreise in das bayerische Hochland zu umfahren. Das kann nicht so weitergehen." Auch bei Ostjuden darf man nicht generalisieren. Alles Generalisieren führt zur Ungerechtigkeit. Es gibt unter Ostjuden Menschen, die jedem Gemeinwesen zu Nutzen und Ehre gereichen. Was sagt der neue Reichspräsident dazu? Vor einigen Jahren hatte ein Mitglied des Hauptvorstandes des „Zentralvereins" Gelegenheit, sich mit Feldmarschall v. Hindenburg zwanglos mehrere Stunden zu unterhalten. Dabei hat Hindenburg Aeußerungen getan, die auch in unserer Frage an der Vornehmheit seiner Gesinnung keinen Zweifel lassen. Insbesondere fielen die Sätze: „Ich habe gegen keine religiöse Richtung irgendeine feindliche Stimmung. In allen Parteien und religiösen Richtungen gibt es gute und schlechte Menschen." Auch bei den O&tjuden! Und in der sogenannten „Osterbotschaft", die Herr v. Hindenburg vor einigen Wochen erließ, heißt es ausdrücklich: „Wenn diese Pflicht mir nun gebietet, auf dem Boden der Verfassung, ohne Ansehen der Parteien zu wirken, so soll es an mir nicht fehlen." Die Borkumhymne, das bekannte antisemitische Trutzlied, das bisher in Deutschland wegen seines aufreizenden Inhaltes an öffentlichen Orten weder gespielt, noch gesungen werden durfte, kann nunmehr von der Badekapelle wohl gespielt, der Text des Liedes aber darf nicht gesungen werden, nachdem das Preußische Oberverwaltungsgericht das diesbezügliche Verbot aufgehoben hat. Genanntes „Lied" besingt nach der Melodie „Wir halten fest und treu zusammen" die Schönheiten der Insel Borkum und schließt nach jeder Strophe mit dem Refrain: „Doch wer dir naht mit platten Füßen — Mit krummer Nas' und Haaren kraus — Soll deinen Strand niemals genießen — Er muß hinaus, er muß hinaus!" Bei dieser Gelegenheit sei an eine köstliche Erzählung aus dem unerschöpflichen Born jüdischen Humors erinnert, die mit der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts verzweifelte Aehnlichkeit hat. In einer jüdischen Gemeinde sind A. und B. sich spinnefeind; namentlich hat es A. darauf abgesehen, seinen Gegner B. fortgesetzt zu kränken. So oft er ihm begegnet, singt er die Worte des bekannten Ama 1 e-k-Abschnitts, der am Sabbat Sochaur in allen Synagogen verlesen wird und das Andenken an Amalek, den bekannten ältesten Judenfeind, im Gedächtnis festhalten soll, und zwar mit der überlieferten Melodie. B. ist natürlich wütend darüber, daß sein Gegner ihn mit Amalek auf gleiche Stufe stellt, und läuft zum Kadi. Nachdem der Richter über Sinn und Bedeutung des Wortes „sochaur" aufgeklärt ist, fällt er ein Urteil, das dem A. den Gebrauch des Wortes untersagt. A. folgt gehorsam diesem Urteilspruch, er weiß sich aber zu helfen: bei jeder Be-

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