Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 24 (19.6.1925)
- Date
- 1925-06-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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■n—M—■■■»——'■■■wii—■■■■■■■!!«■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■—■■■« Veröffentlichungen | der „Union deutschösterreichischer Juden" —MM»»«MiiiiiiiMttMMnmnMtMw»MiwM«t«imMn«tMim«mn«Mi"—m—————— Wien IX. Berggasse 4 Postsparkassen - Konto Nr. 9464 Telephon Nr. 19-2-77 Die patentierte Lüge. Eigentlich hat sie noch nicht das ihr gebührende Patent erlangt, die Lüge der „Deutschen Arbeiter- Presse". Aber der obrigkeitliche Bescheid wird nicht lange auf sich warten lassen. Wer sich so regelmäßig in Erfindungen und Verleumdungen boshaftester Art gegen die Juden ergeht, wie das genannte Blättchen, besitzt unter allen Umständen ein Recht darauf, auf solche Geisteswerke ein Patent sich geben zu lassen. Heute sind wir wieder in der unangenehmen Lage, wegen einer allerdings noch nicht patentierten, aber permanenten Lüge mit diesem Sumpforgan uns befassen zu müssen. Wir tun es ungern, allein es muß geschehen, damit man neuerdings zur Ueberzeugung gelange, mit welchen niederen Mitteln diese Hetzbrüder gegen unsere Glaubensgenossen vorgehen. In seiner Nummer vom 18. April d. J. brachte das Morastblättchen folgende Notiz: „Ein Ritualmord in Budapest?" „Ganz klein und versteckt hat kürzlich, knapp vor den jüdischen Feiertagen, das „daitsch" geschriebene „Pester Journal" die Meldung gebracht, daß das zehnjährige Töchterchen eines Konstabiers, Marie Gergely, spurlos (!) verschwunden ist." Die „Union deutschösterreichischer Juden", die stets auf dem Qui viv£ steht, hat es selbstredend nicht unterlassen, der Sache nachzuforschen, wiewohl sie schon vom Hause aus die Meldung mit Recht hätte in den Kreis jener niederträchtigen Lügen verweisen können, die tausendmal in die Welt gesetzt und ebensooft als gemeine Verleumdung stigmatisiert werden. Die Leitung der „Union" hat sich unverzüglich nach Kenntnisnahme der Notiz an den Oberfiskal der Israelitischen Kultusgemeinde in Budapest, Herrn Dr. Gabor Weiss, um Aufklärung gewendet, der seinerseits bei den kompetenten Budapester Stellen sofort Erhebungen über den Gegenstand einleiten ließ. Das Resultat derselben äußert sich in folgendem Dokument der Budapester Polizeidirektion: (Uebersetzung aus dem Ungarischen.) Königlich Ungarische staatliche Polizeidirektion Budapest. Nr. 62117 11/1925 Gegenstand: Ansuchen der Pester Israelitischen Kultusgemeinde in Angelegenheit des Verschwindens der Maria Gergely. 10.000 K-Stempel Bescheid. Infolge Ihres Ansuchens beglaubige ich auf Grund der stattgefundenen Erhebungen amtlich, daß der staatliche Polizist Andreas Gergely (I., Budaörsgasse 74) am 24. März bei der Oberstadthauptmännschaft die Meldung erstattet hat, er habe seine Tochter Maria Gergely, geboren zu Kondor, 11 Jahre alt, römisch-katholisch, Volksschülerin, am 22. März, zirka 5 Uhr nachmittags, zum Schuhmacher Janos Erhardt (I., Hegyaljagasse 21) geschickt, damit sie bei demselben einen Geldbetrag verlange. Das Mädchen ging tatsächlich zu dem erwähnten Schuhmacher und erzählte dort, daß ihr Vater mehrere Gäste zu Hause habe und bat ihn, bei ihm übernachten zu dürfen. Sie fand daselbst Unterkunft und am nächsten Tage früh entfernte sie sich von Jonas Erhardt mit der Bemerkung, nach Hause zu gehen. Seither fehlte jede Spur von ihr. Gelegentlich der weiteren Nachforschungen nach der gesuchten Maria Gergely wurde diese am 25. März, nachts halb 1 Uhr, in der Nähe des Hauses Rakoczygasse 68 gefunden und auf die Polizeistation des VII. Bezirkes gebracht, woselbst sie ihrem Vater übergeben wurde. Dies erlaube ich mir der Gesuchstelle hiermit bekanntzugeben. Budapest. 2. Juni. (Stempel des Polizeistrafexpedits) Der Oberrat .... (Name unleserlich.) Wie wird sich ■nun die Hakenkreuzlersthnme zu dieser niederschmetternden Aufklärung benehmen? Es ist überflüssig, auf den Tatbestand, wie er sich aus dem vorliegenden Bescheide ergibt, hinzuweisen. Die kleine Marie Gergely, die man gewaltsam als Opfer eines Ritualmordes hinstellen wollte, befindet sich natürlich am Leben und steht unter dem Schutze ihres Vaters, eines staatlichen Konstabiers. Die Geschichte von dem angeblichen Ritualmord ist demnach, wie sich zeigt, erstunken und erlogen. Das Schönste aber an der ganzen Sache ist doch das Faktum, daß der Schumacher Janos Erhardt gar kein Jude ist! Also ein doppelter Reinfall der „Arbeiterpresse". Wie sich nun der genannte Niehtjude zu der großartigen Meldung über den ihm angedichteten Ritualmord verhalten wird, kann nicht Gegenstand unserer Sorge sein. Charakteristisch bleibt die Historie immerhin. Sie beweist wieder, wie die antisemitischen Schnüffeleien jedesmal in die schmählichste Verleumdung ausarten. Und das ist ja das wahre Geschäft der Hakenkreuzler und ihres Gelichters. Davon leben sie und dafür werden sie auch bezahlt. Die „Arbeiterpresse" und die ihr ähnlich gesinnten Schundblätter sollten sich diese Meisterschaft in lügenhaften Erfindungen endlich patentieren lassen. Das ist unbedingt Notwendigkeit. Das muß geschehen, wir bestehen darauf! Und so hoffen wir denn, ehebaldigst im Amtsblatt der „Wiener Zeitung" die Ankündigung von der „patentierten Lüge" der Judenfresser finden zu können. Ph. L—w. .mMMMMMMMMm Prrffl^ta. An die werten Mitglieder der „Union deutschösterreichischer Juden"! In der Del e gierten Versammlung am 18. Mai wurde der Mitgliedsbeitrag für das laufende Jahr von S 3.— auf S 4.— erhöht. Wir bitten daher, sowohl den Nachtrag als buch tfle eventuellen Rückstände uns recht bald zukommen zu lassen. Das Sekretariat der „Union deutschösterr. Juden". ■ (^^^^^^^ W