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Die Wahrheit · 1925-06-19 · Heft 24 (19.6.1925) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 24 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 24 DIE WAHRHEIT Seife 1 aber wirklich Geist, Gesittung und Bildung des Hakenkreuzlertums spiegelt. # * * Am Grabe Somogyis, dem sich zu nähern der Witwe und dem Sohne des Ermordeten von Polizisten verwehrt wurde, rief ein sozialdemokratischer Abgeordneter: „Die Wahrheit ist unterwegs!". Sie ist sogar länger als fünf Jahre auf dem Wege und der mächtige Schutzherr der Rassenschützler in Ungarn bemüht sich krampfhaft, sie noch weiter von der Erreichung ihres Zieles abzuhalten. Nun erst sieht man, wie weise Horthy daran getan, als er sich schwerhörig stellte und allen versteckten Angriffen, die ihn als Urheber des Mordes an den beiden Redakteuren bezeichneten, unerschütterliches Schweigen entgegensetzte. Seitdem Horthy sich in einer schwachen Stunde das Zugeständnis abzwingen ließ, seinen gewesenen Minister Beniczky der Pflicht der Amtsverschwiegenheit zu entheben, wird er die Geister, die er entfesselte, nicht mehr los. Selbst die Männer, die ihm beistehen wollten, werden ihn, sobald sie das Wort für ihn ergreifen, immer tiefer in den Abgrund ziehen. * * * Der erbittertste Feind Horthys hätte ihm keinen tödlicheren Hieb versetzen können, als es der Abgeordnete Szilagyi tat, der im Parlamente unter dem Schutze der Immunität gegen den Grafen Bethlen die Anklage erhob, er habe die ganze Sache angezettelt, weil er'Reichsverweser werden wolle! Er bezeichnete Bethlen geradezu als den einzigen Schuldigen. Ob und wie sich der ungarische Ministerpräsident gegen diesen Vorwurf wehren wird, ist seine Sache, sicher aber ist, daß der Abgeordnete Szilagyi durch diese Art seines Eintretens für Horthy an den berühmten Elefanten erinnerte, der eine lästige Fliege von dem Kopf seines Herrn vertreiben wollte und dabei nur die kleine Ungeschicklichkeit beging, ihm auch den Kopf zu zerschmettern. * * * * Die verderblichste Rede für Horthy hat aber niemand anderer als Horthy selbst gehalten. Der huldigenden Deputation, die vor ihm erschien, erklärte er in seiner Antwort: Schleichwege seien nie seine Art gewesen, er würde nie leugnen, was er getan. „Hätte ich in jenen Zeiten im Interesse meines Vaterlandes und meiner Rasse es für nötig gehalten, zu strafen, hätte ich es auch getan." Können die Feinde Horthys nicht von dieser Rede behaupten, daß sie verzweifelt einem Geständnisse ähnlich sieht? Sie verrät in ihrer Kopflosigkeit den Verzweifelnden, der sich verraten und verloren glaubt. Der Reichsverweser scheint sich darüber klar zu sein, daß selbst ein König nur auf gesetzlichem Wege durch die Anwendung gesetzlicher Mittel strafen darf, wenn er als Richter und nicht als Verbrecher betrachtet werden will. Da er dieser richtigen Einsicht so unglückselig Ausdrucke-gab, können seine Gegner die Antwort Horthys für ihre Zwecke ausbeuten. _ Ego. Bei unseren Brüdern in New York. Von Chajim Bloch. (Fortsetzung.) Daß die Mischehe eine .Loslösung vom Stammesiganzen uinid ein Verschwinden in die fremde Religion beinhaltet — wie oft hört man gleichzeitig mit der Eheschließung oder später von einer Anoahme des Christentums [seitens des jüdischen Bräutigams oder der Braut — muß nicht erst gesagt werden. Die zahlreichen Mischehefälle haben das New Yorker Judentum, soweit es ein Interesse an dem Fortbestand' des Judentums hat, aufgerüttelt. Das Problem „Mischehe" macht den leitenden Männern schwere Sorge und man fragt sich, wohin dieser Weg führen werde. Spät, aber doch, haben nun einige besonnene Reformrabbiner die Gefahr erkannt, die dem Judentum von innen droht, und daß dieses Uebel geeignet ist, die Grundfesten des Judentums zu erschüttern. Wenn die Hoffnung nicht täuscht, so scheint nach dieser Richtung eine wichtige Wendung einzutreten. Der Anfang ist gemacht worden, um der weiteren Ausbreitung dieser zersetzenden Krankheit einen Damm zu setzen. Den Reigen eröffnete Rabbi Dr. Nathan K r a s s, Prediger am Emanuel-Tempel. Er kündete für den 2. März einen Vortrag über die Mischehe an und das Thema lockte tamsende Menschen, Männer und Frauen, auch aus der christlichen Gesellschaft herbei. Einige hundert Menschen konnten keinen Einlaß mehr finden. Krass sprach sich entschieden gegen die Mischehe aus. Nicht aus nationalen, sondern aus religiösen Gründen. Das für Juden geltende Verbot, mit einem Andersgläubigen eine Ehe zu schließen, hat ausschließlich ein religiöses Motiv. Er führte den Beweis, daß, sobald der nichtjüdische Mann oder die Frau die jüdische Religion annimmt, das Verbot hinfällig wird. Hingegen erblicken freidenkende nationalistisch gesinnte Juden kein Hindernis, mit einer Niehtjüdin eine Ehe zu schließen. Daß die meisten Mischehen keinen glücklichen Verlauf haben, ist in dem Umstände zu suchen, daß sogar in dem freisinnigen jüdischen Menschen Spuren von Religiosität versteckt sind, die in gewissen Augenblicken durch bewußte und ganz ahnungslose Auswirkungen, zum Vorschein kommen. Das Publikum lauschte Krass' Ausfühntnge mit großem Interesse und der Vortrag wird hoffentlich seinen Zweck nicht verfehlen. Einige Monate später, am 15. Mai, benützte auch Rabbi Stephen S. W i s e, der radikalste unter den Reformrabbinern in New York — ich komme auf ihn in den weiteren Schilderungen noch zurück — die Gelegenheit, bei dem anläßlich seines fünfzigjährigen Jubiläums zu seinen Ehren veranstalteten Bankett in scharfen Worten die Mischehe zu geißeln; er sagte, er werde im Kampfe gegen jene Juden, die ihre Kinder zum Traualtar in den Kirchen führen, nicht ermüden. Zeichen der Zeit! (Fortsetzung folgt.) - >.i 's- T i . >f. T h /!-' 1; :l. i ,1 5 A JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. 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