Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 23 (12.6.1925)
- Date
- 1925-06-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nt. 23 DIE WAHRHEIT , ummiz^ Seite 3 welche sie mit sich bringt, entspricht vollauf dieser Höhe. Israel ist vor den Nationen hochbevorzugt, aber darum auch bestimmt, sie zu Teilnehmern zu machen an dem Besten, was es selbst von Gott empfangen hat." Mit der Herausgabe dieses Werkes hat der Verband sich ein unvergängliches Verdienst erworben. Es ist wie kein zweites geeignet, den Feind, insofern er belehrbar ist, zu entwaffnen, den Freund zu bestärken, uns Juden selber eine bessere Kenntnis und ein tieferes Verständnis der Lehren unserer Religion zu vermitteln. Man kann ihm nur die größte Verbreitung wünschen. Ein vorzüglich gearbeitetes Register erleichtert die Benutzung. Der Zusammenbruch. Eine verdiente Sühne haben nunmehr unerhörte und systematische Hetzereien gefunden, welche von Seiten mehrerer Kultusangestellter und vor allem von dem derzeitigen Präsidenten des Verbandes der Kultusangestellten, dem Religioslehrer Jos. Pick gegen den Kultusvorstand selbst und gegen seinen ersten Sekretär Guido Fuchsgelb bereits seit längerer Zeit betrieben werden. In Wort und Schrift wurden Funktionäre der Gemeinde grundlos und in leichtfertigster Weise beleidigt und Menschen, welche ihr. Bestes im Dienste der jüdischen Gemeinde geleistet haben und noch leisten, durch haltlose Verleumdungen und Beschuldigungen auf das tiefste gekränkt und in ihrer Ehre herabgesetzt. Ja, diejenigen, welche sich zur ..Wahrung der Interessen der Kultusangestelten" berufen fühlten, gingen so weit, in „Wahrung dieser Interessen" den Vorstand selbst der Korruption und der Mißwirtschaft, insbesondere in den Wohltätigkeitanstalten zu zeihen, die schwersten Beschuldigungen, die gegen eine öffentliche Körperschaft überhaupt erhoben werden können. Gleichzeitig wurden gegen den ersten Sekretär der Kultusgemeinde Guido Fuchsgelb schwere Anwürfe erhoben, gegen einen Mann, dessen Verdienste um die Kultusgemeinde gewiß anerkannt sind. Dieser wurde in einer öffentlichen Versammlung vom Religionslehrer Josef Pick beschuldigt, „daß er aus gewinnsüchtigen Motiven dem Vorstande falsche Berichte vorlege", ja sogar von ihm behauptet, „daß der ganze Vorstand unter seinem Diktat stehe". Es wurde von den Gesinnungsgenossen Picks auch eine eigene Zeitung gegründet, die sich „Die jüdische Gediesem Werke auch eine Darstellung der gesamten Geschichts¬ und Staatsphilosophie vom Altertum bis Marx geliefert. Eine solche zusammenfassende Darstellung und die Behandlung der Fragen, Nation, Gesellschaft, Staat usw., war notwendig in einer Zeit, wo Staat und Nation als Probleme der Weltanschauung wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt sind. Wohltuend berührt den Leser die völlig objektive Darstellung, die für den Autor keineswegs leicht war. Denn ein Werk über seine soziologischen Ansichten hat weder Mars noch Engels geschrieben. So mußten die verschiedenen Aeußerungen zu diesem Thema aus den einzelnen Abhandlungen, Buchkritiken, Zeitungsartikeln und Briefen herausgesucht werden, die meistens in aphoristischer Fassung polemischen Zwecken dienten und daher nicht das in Frage kommende Thema von allen Seiten behandelten. Diese fragmentischen Stellen hat Cunow zusammengefügt und uns so eine einheitliche Darstellung der Marxschen Sozialphilosophie geschenkt, deren Form und Inhalt gleicherweise meisterhaft genannt werden können. — „Moderne Gedanken über Staat und Erziehung bei Plato"14) findet Kurt Sternberg. Piatos Aktualität liegt in der gleichen historischen Situation eines sittlichen Niederganges, die die gleiche Fragestellung bedingt. Heute wie damals gilt es, den Weg zum Idealismus zurückzufinden. Daß Plato uns dabei behilflich sein kann, erkennen wir, wenn wir sehen, wie unsere Probleme auch ihn beschäftigt haben. In diesem Sinne wird das Büchlein wertvolle Anregungen geben. — Von R. Hoenigswald ist er- ") Dr. Walter Rotschild, Berlin 1924, II., Auflage 1924, Mk. 3.—, Mk. 4.80. meinde" nennt und sjch damit beschäftigt, eben diese „Jüdische Gemeinde" in den Kot zu zerren. Besonders heftig waren1 die Angriffe, welche das genannte Blatt gegen den Sekretär Fuchsgelb richtete und es ist bezeichnend, daß man dieses Blatt den Kindern des angegriffenen Beamten zuschickte, um den Vater in den Augen seiner Kinder herabzusetzen. Josef Pick behauptete stets, schwerwiegendes Beweismaterial zu besitzen, auf welches^ sich seine Beschuldigungen stützen und daß er öffentlich den Beweis für seine Behauptungen erbringen wolle. Hierzu wurde ihm nun im Gerichtssaale Gelegenheit gegeben und die Oeffentlichkeit. die ein Recht darauf hat, zu erfahren, was in der Repräsentanz der Wiener Judenheit geschieht, hat nunmehr volle Klarheit erhalten. Der Prozeß endigte mit dem Zusammenbruch aller Lügen und Verleumdungen und Religionslehrer Josef Pick wurde zu drei Tagen strengen Arrest verurteilt. Donnerstag, den 4. Juni 1925, hatte sich nämlich Oberlandesgerichtsrat Dr. Fuchsig des Strafbezirksgerichtes I in fortgesetzter Verhandlung mit der Ehrenbeleidigungsklage zu beschäftigen, welche sechs Mitglieder des Wiener Kultusvorstandes, und zwar der Präsident Prof. Dr. Pick, die ehemaligen Vizepräsidenten Dr. Friedmann und Kauders sowie die Herren Kommerzialrat Markus, Direktor Epler und Börsenrat Glück, ferner der erste Sekretär der Kultusgemeinde Herr Guido Fuchsgelb gegen den Religionslehrer Josef Pick angestrengt hatten. Die Klage gründet sich auf einen Vorfall, welcher sich bei einer Kultuswählerversammlung der Ortsgruppe III. der „Union deutschösterreichischer Juden" abgespielt hat. Religionslehrer Pick., dessen scharfe oppositionelle Stellung gegen den bisherigen Kultusvorstand bekannt war, besuchte ohne Einladungskarte und ohne Mitglied der „Union" zu sein, die nur für Mitglieder zugängliche Versammlung dieses Vereines. Als er darauf aufmerksam gemacht wurde, daß diese Versammlung nur für Mitglieder bestimmt sei, sagte er laut und in erregtem Tone: ..Ich bin hergekommen, um Ihnen zu sagen, daß der Kultusvorstand vollständig korrupt ist, daß dort Mißwirtschaft herrscht und daß die Vorsteher unter dem Diktat des Sekretärs Fuchsgelb stehen,' der ihnen falsche Berichte vorlegt, um daraus Vorteil zu ziehen." Der wegen dieser Beleidigungen Geklagte machte sich erbötig den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen anzutreten. In der für zwei Tage anberaumten Verhandlung, zu welcher 60 Zeugen geladen und 25 Akten herbeigeschafft worden waren, sollten nun die „Korruptionsfälle" eingehend besprochen werden. Diese sogenannten Korruptionsfälle, welche die Stichhältigkeit der inkriminierten Aeußerungen beweisen sollten, waren ebenso lächerlich wie bei den Haaren herbeigezogen; sie erstreckten sich über einen Zeitschienen Hobbesl und d^e Staatsphilosophid15) Hobbes Bedeutung Hegt nicht nur in der Opposition gegen das Alte, historisch Gewordene. Er hat auch auf die Folgezeit befruchtend und bestimmend eingewirkt. Vor allem mit seiner Staatslehre und dem darin mit aller Schärfe geführten Kampf für Glaubens- und Gewissensfreiheit. Spinoza folgt ihm auf diesem Wege, aber auch in der Rolle, die er in der Erkenntnistheorie dem Begriffe der Bewegung einräumt. — In deutscher Ausgabe ist die Metaphysische Staatstheorie1*) des Engländers L. Th. Hobhouse erschienen. Das Ziel, das dem Herausgeber dieses 1918 im Urtext erschienenen Werkes vor Augen schwebte, ist durch die Worte des bekannten Staaterechtlers Prof. Stter-Somlo in der Vorrede charakterisiert. „In Deutschland ist die Erkenntnis der wissenschaftlichen polirischen Literatur des Auslandes wenig verbreitet So hat man hei uns von der Mentalität des Auslandes in Bezug auf politische Grundfragen, soweit sie Ausgangspunkt für ernsthaftes Denken und Ergebnis wissenschaftlicher Forschung, praktischer Einstellung und Zielsetzung ist. in weiten Kreisen keine deutliche Vorstellung." So ist das vorliegende WeTk als erstes einer Reihe gedacht, die uns die fremden Politiker zugänglich machen sollen. — Neue Dokumente der politischen Anschauungen des Freiherrn von Stein gibt Erich Botzenhart unter dem Titel „Staatsgedanken"17) heraus. AlsOuellen hat der Herausgeber die bisher unveröffentlichten Geschichts- 15) Ernst Reinhardt, München. 16) Felix Meiner, Leipzig 1924. Mk. 5.—. ") Ossiandische Buchhandlung, Tübingen 1924, Mk. 3.50, Mk. 5.—.