Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 22 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 22 DIE WAHRHEIT Seite II und begleitete dasselbe spät abends nach Hause. Auf dem Rückwege wurde er von drei Sigurantzaagenten überfallen und in dem Momente, als er in ein Wirtshaus flüchtend die Türklinke niederdrückte, auf ganz kurze Distanz niedergeschossen. Kommunistische Proklamationen waren natürlich sofort zur Stelle, die nach Angabe der Mörder die Erschießung rechtfertigen sollten. Den Uebeltätern ist selbstverständlich nichts geschehen, sie befinden sich alle auf freiem Fuße. Inzwischen jedoch tritt immer mehr die Unschuld des Erschossenen zutage. Es hat sich ein nichtjüdischer Augenzeuge dieses Verbrechens namens Varzaru gemeldet, der gesehen hat, wie die Sigurantzaagenten dem bereits Leblosen kommunistische Manifeste in die Taschen schoben. In gleicher "Weise verfuhr man auch bei der im Hause Neichins vorgenommenen Hausdurchsuchung; man schickte nämlich die einzige Person, die sich im Zimmer befand, um Wasser und zeigte ihr bei der Rückkehr angeblich in einem Buche Neichins gefundene kommunistische Dokumente. Bendit Neichin ist unschuldig.ermordet worden. Das ruchlos .vergossene Blut bleibt ungesühnt. Auf dem Friedhof in Kischinew gibt es viele Märtyrergräber, in welchen sich die sterblichen Reste der beim letzten Pogrom grausam abgeschlachteten Juden befinden; ein neues Märtyrergrab ist nunmehr hinzugekommen; dort ruht Bendit Neichin, ein armer, unschuldig hingemordeter Judenknabe. Eine jüdische Mutter aber trauert um ihren Liebling, wie Rachel um ihre Kinder trauerte. Empfindliche Bestrafung eines antisemitischen Hetzers. Artur Herbert Wollnzihn ist unseren Lesern besonders aus seiner Tätigkeit bei Richard Kunze her bekannt. Wollnzihns Tätigkeit fand ihren Abschluß in einer Anzahl von Strafverfahren, von denen das eine, wie bekannt, wegen Verleumdung der jüdischen Aerzte mit drei Monaten Gefängnis endete; weitere Verfahren schweben noch. Eines dieser Verfahren fand vor einigen Wochen seinen Abschluß vor dem Privatklagerichter des Amtsgerichtes Charlottenburg, ein anderes vor dem Schöffengericht Berlin-ScHöneberg. Wollnzihn hatte sich bemüßigt gefühlt, einen Herrn Perl aus dem unerschöpflichen Vorrat seiner Verleumdungsmaschine mit Unrat zu bespritzen, indem er behauptete, Herr Peri habe ein beträchtliches Vermögen aus einem Absteigequartier erworben. Für diesen deutschsozialen Humor hatte aber Herr Perl kein Verständnis, sondern klagte wegen Beleidigung. Selbstverständlich war es Wollnzihn nicht möglich, einen Wahrheitsbeweis anzutreten — deshalb machte er den Versuch, seine Verantwortung für die inkriminierte Behauptung zu leugnen. Aber auch dieses „Kneifen" gelang ihm nicht. Sogar sein Herr und Meister Richard Kunze mußte in der Hauptverhandlung bekunden, daß Wollnzihn die Verantwortung für diese Verleumdung trage. Das Gericht verurteilte den biederen Recken zu 100 Mark Geldstrafe oder zehn Tagen Gefängnis. In Schöneberg hatte er sich wegen Beleidigung des Rechtsanwalts Foerder (Breslau) zu verantworten. Diesem hatte er nachgesagt, er habe sich an einem Täuberischen Ueberfall beteiligt, und ihn außerdem mit Schimpfereien übelster Art überschüttet. Ausdrücke, wie „Chuzpe", „nomadisierendes Asiatenvolk", „Gesindel" waren dabeü noch mäßig. Herr Wollnzihn hielt sie jedenfalls nicht für beleidigend. Staatsanwaltschaft und Gericht dachten darüber freilich anders. Sie erwogen, daß Wollnzihn schon wiederholt wegen Beleidigung hart bestraft war und daß diese Vorstrafen auf ihn nicht den mindesten Eindruck gemacht hatten. Er wurde daher wegen übler Nachrede und Beleidigung in zwei Fällen mit drei Monaten Gefängnis bedacht. Sorgen des „Eisernen Besen". Der „Eiserne Besen" beschäftigt sich in seiner Nummer vom 22. Mai mit einem Interate der „Wahrhsit", in welcher der bekannte Wiener Restaurateur S. Mayersohn die Eröffnung eines Zweig- . betriebes in Bad Hall, Steyrerstraße 38, ankündigt Wenn auch der Umstand, daß ein Hakenkreuzblatt gine jüdische Restauration seinen Anhängern zur besonderen Beachtung empfiehlt, für den Restaurateur gewiß sehr schmeichelhaft ist, so dürfte dieser doch auf Besucher aus den Kreisen der Leser des „Eisernen Besen" schon deshalb gerne, verzichten, weil er diese Zweigstelle seiner Restauration auch zu dem Zwecke eröffnete, um die zum Kurgebrauch in Bad Hall weifenden Juden davor zu schützen, in Gastwirtschaften speisen zu müssen, von deren Wänden ihnen vieleicht aufreizende Plakate entgegengrinsen und in welchen sie etwaigen Belästigungen antisemitischer Art ausgesetzt wären. Uebrigens wird der Zustrom neuer Kurgäste, die nunmehr Gelegenheit haben werden, in gewohnter Weise zu speisen, dem Kurorte nur zum Vorteil gereichen. Sonöer.-flngebol Ides ■ Warenhauses,. I Brüder Schiffmann ™-47 t™ II., TaborstraBe 48 z*l*™» i Unerreicht billig« Kauf gelegt nheit! Nachstehend einige Beispiele: Waochuraren Blaudruck..........per Meter K 9.800 Cotton de Lene......., . . 12.500 Wasch-Kreton........, , , 12.300 Jackenfutter.......... , , 21.000 Etaminet 115 cm breit....., , , 12.000 Etamine, in allen Farben ♦ „ , . 7.900 S€ldcn-aofll,140cmbr.,alleFarb. , , , 3S.OOO Damenwäsche Garnituren! Hemd and Hose......K 39.000 Garnituren» Handajour gest.......„ 75.000 Damenhemden.....• 28.000,25.000 „ 19.800 Damengarnituren (Hemd» Hose u. Nadith.)» 90.000 Miederleibehen.......•••••• 9.800 Seidenjumper...... 125.000, 750)00 , 99.000 Schafurolljaeken •.........„ 90.000 Leinemnaren la Webe........per Meter 11.000. 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