Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 22 (5.6.1925)
- Date
- 1925-06-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 DTE WAHRHEIT Seite 5 Im sechsten Abschnitt des Teweles-Buches wird der große Einfluß Spinozas und Moses Mend'elsohns auf des Dichterfürsten Schaffen aufgezeigt. Insbesondere vom ersteren hatte Goethe stets mit größter Bewunderung gesprochen unld ihn als dem' größten Christen nach Christus bezeichnet; er hatte ihn seinen Heiligen genannt, wollte nach Spinozas Lehre seinem Geist die Ewigkeit verschaffen. Er sprach von sich als Spinozas leidenschaftlichen Schüler, seinen entschiedensten Verehrer, er fühlte sich ihm sehr nahe, obgleich Spinozas Geist viel tiefer und reiner sei als der seinige. Die Abschnitte IX—XIII behandeln Goethes zahlreiche jüdische Bekannten, die wir hier nicht alle aufzählen können, aber es ist keiner unter ihnen, aus dem nicht warme Herzlichkeit strählte. Nicht wenige von ihnen sind natürlich deutsche Literaten hohen und niederen Ranges, so Michael Beer, dessen einaktiges Trauerspiel „Der Paria" Goethe in Weimar aufführen ließ. Der hier ebenfalls erwähnte Ernst Raupach, der Autor von „Müller und sein Kind" ist u. W. kaum Jude, vielmehr Sohn eines Pastors; zu diesem Irrtum dürften T. wohl die Vornamen Benjamin Salomon verleitet haben. An Musikgrößen gehörte zu Goethes Kreis Felix Mendelssohn, dessen Spiel der Olympier mit Ergriffenheit lauschte und der so viele herzliche Worte des Dichters in nicht minder herzliche Klänge umformte. Auch tat ihm das Verständnis der gebildeten Jüdinnen Rahel Levin und Henriette Herz für seine Dichtungen wohl. Im letzten Abschnitt wird ein Ausblick auf das angeblich „jüdische Zeitalter" gegeben, das (nach Chamberlain) nach Goethes Tod anbrach. Vielleicht kam er deshalb zu dieser Bezeichnimg, weil „an jener großartigen, noch nicht vollendeten Goethe-Renaissance allerdings den „jüdischen Goethe-Philologen" einiges Verdienst nicht abzusprechen ist. Eine lange Reihe von tüchtigen, geistreichen Biographen wendet ihren ganzen Fleiß, ihre ehrliche Begeisterung, ihre volle Sachkenntnis auf das Lebensbild des Dichters: Bielschofsky, Ludwig Geiger, Richard M. Meyer, Eduard Engel, Simmel, Ludwig Gundolf; die Reihe ist geführt von dem Engländer Lewes und wird abgeschlossen von dem alle überragenden Dänen Georg Brandes. Alle sind mit wahrer Liebe dem größten Geist des deutschen Volkes ergeben, ohne daß auch nur einer von ihnen den allseitigen Meister zu kleinlichem Parteigetriebe zu mißbrauchen wagte." Auf der anderen Seite aber ist dies geschehen. Wir verweisen nur auf die Hetzschrift von Max Maurenbrecher „Goethe und die Juden", die von Teweles leider nicht beachtet wurde. Um zu beweisen, welche Kluft zwischen diesen beiden gähnt, wollen wir das Schlußergebnis beider hier mitteilen : 1 (fdles Hergestellt unter Aufsicht des Ew. Oberrabbiners S. Fürst Zur Herstellung von Suppen mit und ohne Einlagen, zur Verbesserung von Suppen, Saucen und Gemüsen I&OTGASSE-1 Teweles: „Wir haben den großen Dichter und Menschen von der Kindheit bis ins höchste Greisenalter begleitet, wir haben gesehen, wie er von jugendlicher Spottsucht, die sein menschliches Mitgefühl nicht zu unterdrücken vermochte, von dem mit seinen dichterischen Werken verwobenen stofflichen Interesse, von der Objektivität des Weltgeschichts- und Naturforschers, von der Abneigung sich zum wärmsten Empfinden, zu uneingeschränkter Anerkennung erhob, ohne auch nur im leisesten mehr ein Gefühl der Fremdheit zu verspüren." Maurenbrecher: „Blicken wir auf die ganze Reihe von weit über hundert Stellen zurück, die wir im ganzen in dieser Arbeit zusammengestellt haben, so ergibt sich noch einmal die Grunderkenntnis, daß Goethe in seiner Beurteilung des Judentums nicht geschwankt und daß er sich durch den liberalen Geist der Zeit, durch die „Humanitätssalbaderei" und durch die Gedanken der französischen Revolution nicht im geringsten darin hat irremachen lassen, das jüdische Volk zwar als etwas Bedeutendes, aber auch als etwas Fremdartiges in Jeder, der das vortreffliche Buch Teweles liest, in dem des großen Weimaraners reinstes Menschentum wiederstrahlt, wird erfahren, wo die Wahrheit liegt. Und er wird mit Teweles den Wunsch hegen, der dessen ausgezeichnetes Buch abschließt: Möchte die Losung Goethes in alle deutschen Herzen dringen und allen Haß verlöschen machen! Möchte doch im Sinne Goethes die Entscheidung von Lessings weisem Richter der Nation heilig und wert bleiben: Es eifre Jeder seiner unbestochenen Von Vorurteilen freien Liebe nach! ]AC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., TaborsrraÖe 44