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Die Wahrheit · 1925-05-29 · Heft 21 (29.5.1925) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 21 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 ümwmssm Nr. Si Von Woche zu Woche ■ Eine erfreuliche Nachricht. Der Bürgerschule der Talmud Thora wurde das staatliche Oeffentlichkeitsrecht verliehen. Die Wiener Talmud-Thora- Schule besteht seit dem Jahre 1849. Sie war ursprünglich eine Bibelschule. Allmählich wurde sie aber ohne Vernachlässigung der jüdischen Disziplinen zu einer fünfklassigen Knabenvolksschule ausgebaut. Diese Volksschule erhielt bereits im Jahre 1867 das staatliche Oeffentlichkeitsrecht. Seither haben die Vorstände des Schulvereines vielfach große Anstrengungen gemacht, die Knabenvolksschule für das ganze schulpflichtige Alter auszubauen. Jedoch vergebens. „Höchst bedauerlich ist es," schreibt in einem Aufrufe vom Jahre 1879 der Vorstand, dem damals Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, Heinrich Berger, Dr. Gustav Kohn unter anderen angehörten, „daß in unserer Gemeinde gegenüber diesem Institute die tiefste Apathie besteht. Unsere wiederholten Einladungen, Aufrufe und Kundgebungen verhallen, die Schulprüfungen bleiben unberücksichtigt, die Generalversammlungen erhalten keine Teilnahme.' Um die Jahreswende sind die Aussichten für die Schaffung einer Bürgerschule etwas besser geworden. „Durch die von der löblichen israelitischen Kultusgemeinde in munifizenter Weise gewährte Subvention von jährlich 8000 FL, sind wir dem Ziele unseres Strebens, die Kreierung einer dreiklassigen Bürgerschule nähergerückt," schreibt der Vorstand im Jahre 1900. Zu der Schaffung einer Bürgerschule fehlte ihnen doch der Mut. „Leider können wir doch nicht an die Ausführung dieser Idee schreiten, da wir ohne tatkräftige Unterstützung unserer Glaubensbrüder nicht imstande sind, die jährlichen Kosten einer Bürgerschule aus unseren Mitteln zu bestreiten," lautet der Beschluß des Vorstandes im selben Jahre. So bedeutet das Schuljahr 1924/25 in der Geschichte der Talmud-Thora-Schule einen Wendepunkt. In diesem Schuljahre hat die vor drei Jahren ins Leben gerufene Bürgerschule jenen Ausbau erreicht, der den Anspruch auf Erteilung des Oeffentlichkedtsrechtes berechtigt. Tatsächlich wurde nun mittels Dekrets des Bundesministeriums für Unterricht das Oeffentlichkeitsrecht für die Bürgerschule IL, Malzgasse 16, bereits für dieses Schuljahr erteilt worden. Es werden wohl noch manche Lücken der Lehrmittelsammlung sowie der Lehrer und Schülerbibliothek zu füllen sein, aber das Fundament ist da und das jüdische Wien kann mit Stolz auf die Erweiterung seines ältesten Schulwerkes durch eine so wichtige Anstalt blicken. Barmizwahieiern. Samstag, den 16. Mai, fand im Pazmanitentempel dieBarmizwahfeier des Studenten Leo Kar mann, Sohn des Herrn Alexander Karmann und seiner Gattin Helene, geb. Steinhardt, statt. Der Vortrag des Konfirmanten löste bei allen Anwesenden besonderes Entzücken aus; er ist ein Schüler des Herrn Julius Chaitzer. Samstag, den 23. d. M., fand im Bethause Wiedner Hauptstraße 83, die Barmizwahfeier des Studenten Ernst Fuchs, Sohn des bekannten Wiener Großkaufmannes Max Fuchs und seiner Gattin Cäcilie geb. Neu mann, statt Die überaus große Beteiligung an dem schönen Familienfeste dokumentierte die Beliebtheit, deren sich Herr Max Fuchs, der gleichzeitig Vorstand des Bethaus- und Talmud-Thora-Vereines ist, in weiten Kreisen wegen seiner Wohltätigkeit erfreut. Unter den Festgästen bemerkte man Herrn Bethausvorsteher S. Ernst, Herrn Dr. A. Engel, Medizinalrat Dr. R.Feldmann u.a.m. Der Konfirmand trug die Paraschah mit viel Verständnis in traditioneller Weise vor. Herr Professor Dr. A. Weiner hielt eine zu allen Herzen gehende Festrede, in der er den Barmizwanten aufforderte, im Sinne seiner Eltern dem Judentum allezeit treu zu bleiben, was dieser auch vor der Thora gelobte. Den schönen Anlaß benutzte Herr Max Fuchs wie auch sein älterer Sohn A r p a d zu Spenden für verschiedene wohltätige Institutionen. Trauungen. Sonntag, den 24. d. M., 3 Uhr, fand im großen Leopoldstädter Tempel die Trauung des anmutigen Fräuleins Grete Lurion, Tochter des vielbekannten Herrn Maxim Lurion und seiner Gattin Hanny mit Herrn Aladar Stern, Sohn des durch seine humanitären Bestrebungen bestbekannten Herrn Emil Stern und seiner Gattin Berta statt. Der festlich dekorierte Tempel konnte kaum die aus allen Gesellschaftskreisen Erschienenen fassen. Den Trauungsakt vollzog in würdiger; und überaus erhebender Form Herr Rabb. Dr. Max Grunwald, der in seiner glänzenden Rede die Verdienste der allerseits hochgeschätzten Eltern des Brautpaares würdigte, ein Nachhall zu den schönen Worten, dl« Herr Rabb. Dr. Bauer, als Lehrer) der Braut bei der Zeremonie; der „Bedeckung" an die Braut richtete.! Der im Lichterglanz erstrahlende Tempel bot ein fesselndes Bild, in dessen Rahmen Herr Oberkantor Fischer seine mustergültige gesangliche Funktion vollzog. Der verstärkte Chor mit Prof. Jos. H o 1 z e r, der, wie kaum einer, das Cello meisterte^ fand ein volles Echo in den. Herzen des andächtig lauschenden Auditoriums. Das große Etablissement des allgemein geschätzten Herrn und Frau Lurion ward in einen Hymenhain umgewandelt und vereinigte die vielen Hunderte von Freunden, Gratulanten des Brautpaares. Eine Jubelouvertüre des Hausorchesters eröffnete den Festabend, Sänger Körner leistete Eminentes, dem launigen Ton des Prof. Nasche voll Witz und Geist schlössen sichl viele Redner zur Verherrlichung des Brautpaares an. Unter tausend Glückwünschen trat das; junge Paar seine Hochzeitsreise an. 1 — Am 24. Mai fand in Baden bei Wien die Trauung des Herrn Siegmund Offner, Sohn des Herrn Generaldirektor Josef und Frau Fanny Offner, geb. Bloch, mit Fräulein Käthe Delmonte aus Hamburg statt. Die Trauung wurde im engsten Familienkreise gefeiert Oberrabbiner Reich nahm die Trauung vor und hielt eine Rede, deren gefühlsvoller Inhalt den familiären Geist, der in beiden Häusern herrscht, besonders hervorhob. 70. Geburtstag. Am 30. d. M. feiert Herr Julius F r e u d e r, der über 30 Jahre dem Vorstande der Achduth Israel angehört und langjähriges Mitglied der Bezirkskommission IL ist, seinen 70. Geburtstag. Es steht zu erwarten, daß diese beiden Körperschaften, wie auch die vielen anderen, denen Herr Freuder seine bewährten Kräfte lieh, den frommen, um das Judentum verdienten Mann an seinem Geburtstage ehren werden. Todesfälle. Am 17. Mai starb im 16. Bezirk nach längerem Leiden Frau Regina Pattner geb. Robitschek, GattiH des allgemein geachteten Goldkettenerzeugers Herrn Benjamin P a 11 n e r. Die Verblichene, welche sich wegen ihrer vortrefflichen Charaktereigenschaften wohlverdienter Achtung erfreute, war seit Jahren im Verein „Kinderfreunde" zur Bekleidung armer Schulkinder als Vorstandsdame tätig und wurde erst im Vormonate in Würdigung ihrer großen Verdienste zum Ehrenmitgliede ernannt. Das Leichenbegängnis fand Dienstag, den 19. Mai, am Zentralfriedhofe unter großer Beteiligung statt Nachdem Herr Oberkantor Kogan mit Chor die rituellen Trauergesänge zum Vortrag gebracht hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. Bach einen tiefergreifenden Nachruf, in welchem er die Entschlafene als musterhafte Gattin, liebevolle Mutter und Wohltäterin würdigte. . Für den Verein der Kinderfreunde sprach der Obmannstelivertreter Herr Gottlieb D r a b herzliche Worte des Dankes und Abschiedes. Hierauf wurden die Irdischen Ueberreste dieser wahrhaft edlen Frau zur letzten Ruhestätte geleitet. Ehre ihrem Angedenken. G. H. — Sonntag, den 17. d. M., wurde der Kaufmann Heinrich Schön unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. An der Bahre trauert seine Frau und Kinder. Die kantoralö Funktion wurde vom OberkantoT H. Fischer versehen, di* Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Bach. Die Chewra-Kadischa war durch Herrn David Stark vertreten. Maskir-Andachten am Schewuothfeste. Zur Vermeidung: des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur „Haskarah" veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien am diesjährigen Schewuothfeste, Samstag, den 30. Mai, um 6 Uhr früh, im Stadttempel, L, Seitenstettengasse 4, undim Leopoldstädter Tempel, IL, Tempelgasse 5, sowie um %9 Uhr vormittags im Olympia-Saale, L, Rothgasse 9, anläßlich der Maskirandachten feierliche Gottesdienste. Kundmachung! Das Rabbinat der israelitischen Kultusgemeinde Wien bringt folgendes zur Kenntnis: Falls aus de» unter Aufsicht des Rabbinates stehenden Fleischbänken de» Kunden Fleisch ins Haus geschickt wird, kann das Rabbinat der israelitischen Kultusgemeinde Wien für das Kaschruth dieses Fleisches nur dann die Verantwortung übernehmen, wenn dasselbe von den rituellen Aufsichtsorganen entsprechend gekennzeichnet ist.

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