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Die Wahrheit · 1925-05-29 · Heft 21 (29.5.1925) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 21 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 23 DIE WAHRHEIT Seite 11 Wahrheiten vom Tage Schach dem Terror. Endlich scheint auch der Regierung Treiben der Hakenkreuzler zu bunt geworden zu sein, da •Sich dieselbe nunmehr dazu entschlossen hat, energisch gegen 4iese, die öffentliche Sicherheit gefährdtenden Elemente vorzugehen. Als erste Maßregel versprach Bundeskanzler Doktor Rämek, die Mörderzentrale im staatlichen Gebäude auf <tem Schillerplatz unverzüglich räumenzulassen und für die strengste Bestrafung aller an den jüngsten Ausschreitungen schuldigen Hakenkreuzler SoTge zu tragen. Wir begrüßen diesen Beschluß der Regierung, welcher eigentlich eine Selbstverständlichkeit darstellt, als einen bemerkenswerten Anfang und hoffen, daß demselben weitere Schritt© gegen die hakenkreuzlerischen Elemente alsbald folgen werden, zumal die Gesetze selbst eine wirksame Bekämpfung derselben ermöglichen. Unseres Erachtenskommen folgende Maßregeln in Betracht: 1. Strenge Beobachtung des Vereinsgesetzes und Auflösung aller der staatlichen Ordnung m Worten oder Taten zuwiderhandelnden Vereine und Gesellschaften. 2. Genaue Beobachtung aller das Tragen, den Verkauf und den Verkehr mit Waffen regelnden gesetzlichen Bestimmungen und strenge Bestrafung aller Uebertretungen des Waffenpatentes. 3. Anwendung der Bestimmungen des Preßgesetzes und der Bestimmungen des Strafgesetzes über Aufreizung auf alle nationalsozialistischen Druckschriften. Presseerzeugnissen, Plakaten und Ankündigungen. Wenn diese Maßregeln ausnahmslos befolgt werden und alle staatlichen Organe in der Bekämpfung der die öffentliche Ordnung bekämpfenden Elemente zusammenwirken, dann wird das Ende des hakenkreuzlerischen Lausbubenturas alsbald herbeigeführt werden können. Politisch Lied und — Fiakerlied. In diesem Monat wird das populäre Wiener „Fiakerlied" vierzig Jahre alt. Text und Musik stammen von einem jüdischen Patrizier, dem vor vier Jahren verstorbenen Gustav Pick. Er war einer der letzten Repräsentanten jener glücklichen Zeit, in der auch der Jude noch singen durfte: „Mein Stolz is: i bin halt a echt'sWeana Kind!" Seither hat die Rassehlehre, die von antisemitischen -Hetzern in der einst so gemütlichen Phäakenstadt an der schönen blauen Donau heimisch gemacht wurde, Jud und Christ eines angeblich Besseren belehrt. Der alte Pick aber durfte zu seiner Zeit, die verdienten Lorbeeren für sein künstlerisches Bekenntnis zum „echten" Wienertum ohne spöttischen Widerspruch einheimsen. Es war die Blütezeit des Wiener „Couplets" und der Beitrag des Juden Pick, der einem alten Wiener Fuhrmannsliede textlich den letzten klassischen Schliff und musikalisch eine ganz originelle, unsterbliche Fassung gab, ist sicher nicht das schlechteste Produkt dieser leichten, aber in ihrer Art reizvollen Kunstgattung. Hat es doch zahllose andere Couplets, ja sogar das berühmte Fuhrzeug, das es verherrlicht, überlebt./ Denn das Pferdegespann mußte in Wien seit dem Kriege dem Auto fast ganz das Feld räumen. Die Weise Picks ist jedoch an ihrem heurigen Geburtstag in besonders festlicher Weise öffentlich erklungen. Aber gerade diese Absicht, die schembar eine gewisse kulturelle Kontinuität der Wiener Generationen von einst und jetzt symbolisiert, wurde zum Anlaß, in geradezu grotesker Weise den Wandel der Zeiten zu erhellen. Denn aus der Liste der Kandidaten, die zum Vortrag des jubilierenden Liedes bei der Festveranstaltung künstlerisch prädestiniert sind, wurde der populäre Schauspieler Willy Bauer gestrichen, weil er — Jude ist. ... Dr. Hugo S p i e g 1 e r. Die Juden im Heere. Der „Niederösterreichische Beobachter", das „Kampfblatt der nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" für St. Pölten und Umgebung erläßt an alle Nationalsozialisten eine eindringliche Aufforderung, „eine genaue Standesliste über alle im österreichischen Bundesheere dienenden Juden und Jüdlinge anzulegen und festzustellen, wo sie sind und was sie treiben. Bei allen ist die Parteizugehörigkeit, Zugehörigkeit zur Schlarafia (!), zu einer Freimaurerloge usw. bekanntzugeben." Das kleine Bundesheer, dem der Schutz unserer Republik nach außen und die Auirechterhaltung der Ruhe und Ordnung im Inneren anvertraut ist, wird aus den Steuern aller Staatsbürger erhalten. Es ist daher »m Interesse der Disziplin und Schlagkraft des Bundesheeres erforderlich, daß die Politik nicht in die Reihen unserer Wehrmacht eindringt und es kann nicht geduldet werden, daß von irgendeiner Seite zersetzende Bestrebungen dorthin getragen werden, wo Unterordnung aller unter den Willen der Führer, gewissenhafteste Pflichterfüllung und treue Kameradschaft herrschen müssen. Die Juden haben an allen Fronten ihre Tapierkeit bewiesen und viele fanden den Heldentod. Sie werden mit gleicher Unerschrockenheit unsere Republik zu schützen wissen, falls ihr von irgendeiner Seite Gefahr drohen sollte. Es muß daher die Tendenz, die dem Aufrufe des „N. B." zugrunde liegt, auf das schärfste zurückgewiesen werden. Erstens, weil sie eine empörende Beleidigung der im Weltkriege gefallenen Söhne unseres Volkes darstellt, zweitens, weil sie geeignet ist, das Ansehen unserer Wehrmacht zu gefährden. Dieser Aufruf wird auch, davon sind wir überzeugt, keinen Widerhall in den Kreisen unseres Heeres finden. Unsere Wehrmämner werden, ohne Unterschied der Konfession, falls es notwendig sein sollte, für einander einstehen — einer für alle und alle für einen. Die deutschen Juden In Amerika. Eine Weltreise führte den berühmten Freiburger Professor der pathologischen Anatomie, Geheimrat Ludwig A s c h o f f, auch durch Nordamerika, wo er an den größten Universitäten Gastvorlesungen hielt. Ueber seine Eindrücke vom Deutschtum in Amerika äußert er sich in einem Brief, den die „Burschenschaftsblätter" abdrucken. Es heißt darin: „Das Deutschtum wird arrt treuesten und zähesten von zwei Schichten festgehalten." Davon wird die erste Schicht nach Prof. Aschoff hauptsächlich von größeren und kleineren Geschäftsleuten gebildet, die sich in den deutschamerikanischen Turn- und! Gesangvereinen zusammenschließen. ,JDie andere Gruppe sind die Intellektuellen, die Großkaufleute, die Trustinhaber. Auch hier gibt es sicher viele, die mit Geld sehj viel für Deutschland taten, aber nicht so viele, wie in der anderen Schicht, die sich auch sonst für Deutschland bekennt Aber gerade unter diesen Deutschamerikanern ragen immer wieder einige Personen hervor, die sich mit besonderer Liebe, ja fast Selbstopferung, des Deutschtums annähmen. Und das sind — ich spreche es frei und offen aus—die deutschen Juden. Daß die große Hilfsaktion für unsere deutschen Universitäten und deutschen Mittelschulen in erster Linie1 von deutschamerikanischen Juden gehalten und durchgeführt wird, ist ja allgemein bekannt Ich staunte über die große Summe, viele Millionen Dollars, die im letzten Jahr allein für diese Zwecke aufgebracht waren." Prof. Aschoff fährt dann fort: „Blinder Nationalismus und übertriebener Rasseninstinkt sind die schlimmsten Feinde wahrer Vaterlandsliebe und Opferarbeit für das eigene Volk, welches keine Rasse_n-, sondern eine Kulturgemeinschaft ist." BÜRGERSCHULE der TALMUD THORA erhielt das STAATLICHE ÖfFENTLIClIHElTSRECIlT Die Lehr- und Lernmittel, die Schüler- und Lehrerbibliothek bedürfen noch der dringenden Ergänzung JEDER der 1 SCHILLING spendet (Österreich. Postsparkassenkonto: 182.159 Sekretariat II. Bezirk, Malzgasse Nr. 16) trägt zum Ausbau des ältesten und größten jüdischen Schulwerkes Wiens bei Gehet Eure Meine Gabe, Ihr könnt!! Graftes damit schauen!!

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