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Die Wahrheit · 1925-05-29 · Heft 21 (29.5.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 21 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 Dig WAHRHEIT Auf das innere Leben der „Union" übergehend, sei mit Genugtuung festgestellt, daß der Verein eine bemerkenswerte Stärkung erhalten hat, und zwar durch den Anschluß der „Jugendgruppe". Ende vorigen Jahres wurde diese Gruppe mit dem Ziele, im Wege der Propaganda für den Verein Ersprießliches zu leisten, von einer Reihe tatkräftiger Mitglieder der „Union" ins Leben gerufen. Die Herren Dr. Edmund Korn, Moriz Neumann und Julius Brückner, Josef Klinger und die jugendlichen Anhänger unseres Vereines Jakob Herz- Kuczer, Robert Klinger, Rudolf Jellinek, Richard Donath und Benno Löw, zu denen später noch Herr Redakteur Oskar Hirschfeld trat, haben diesen Adnex der „Union" ins Leben gerufen und durch mehrere gelungene Veranstaltungen in die Praxis eingeführt Es wurden Vortrags- und Tanzabende abgehalten, sogar ein Ball ins Werk gesetzt. Gleichzeitig wurde eine Sportsektion der Gruppe gegründet, die ebenfalls zur Propaganda für den Mutterverein beizutragen berufen ist. Unmittelbar nach dem Inslebentreten der Jugendgruppe erfolgte die erste Exkursion der Vereinsleitung in die Provinz. Am 8. Februar d. J. begab sich Präsident Dr. Ornstein in Begleitung des Schriftführers der Jugendgruppe, Herrn Benno Löw, nach Wr.-Neustadt, woselbst unter dem Vorsitze des Obmannes der dortigen Mitgliedschaft, Herrn Dr. Karpfen, die Jahresversammlung dieser Mitgliedschaft stattfand. Es war ein Propagandaausflug mit schönem Erfolge, da sich Damen und Herren der Wr.-Neustädter Glaubensgenossen noch anläßlich der Versammlung zur „Union" und in die Jugendgruppe einschreiben ließen. Es muß an dieser Stelle hervorgehoben werden, daß diese Fahrt der Vereinsleitung nach Wr.-Neustadt im abgelaufenen Jahre die einzige Exkursion darstellen konnte. Infolge der durch mehrere Monate andauernden Beschäftigung mit den Kultuswahlen, des Mangels eines Büroleiters, der erst mit Anfang des Kalenderjahres behoben wurde, und die Anhäufung anderen Arbeitsmaterials war es der Vereinsleitung unmöglich, Wien zu verlassen. Diesem Uebelstande wird natürlich im kommenden Vereinsjahre nach Möglichkeit gesteuert werden, da Ausflüge und Versammlungen in größerer Zahl in Aussicht genommen wurden. Im Büro des Vereines hat sich seit der letzten Delegiertenversammlung eine Veränderung vollzogen. Mit Beginn des neuen Jahres übernahm Herr Philipp Löw die Agenden des Sekretärs. Der so verdienstvolle Sekretär der „Union", Herr Siegfried Fleischer, wurde nämlich dem Vereine am 30. Juli des Vorjahres durch den Tod entrissen. Das Präsidium hat dem Verstorbenen seinerzeit einen wannen Nachruf gewidmet. Die „Union deutschösterreichischer Juden" wird dem Verewigten, welcher durch nahezu drei Jahrzehnte sein bestes Können im Dienste des Judentums einsetzte, stets ein ehrendes Andenken bewahren. Neben Herrn Siegfried Fleischer hat in den Reihen unserer Mitglieder auch sonst der Tod namhafte Lücken gerissen. So hat der Verein den Verlust des Herrn Dr. Julius Ofner zu beklagen; die Erinnerung an diesen edlen, selbstlosen Freiheitsmann, dessen Herz stets für alle Unterdrückten und Bedrängten schlug, der immer auf der Höhe reinsten Menschentums stand, wird in unseren Reihen stets unvergessen bleiben. Auch einer unserer vormaligen Präsidenten, Herr Medizinalrat Dr. Isidor S a m u e 1 y, ist im Vorjahre aus den Reihen der Lebenden geschieden; er war ein Organisator der Wohltätigkeit im großen Stile; an seinem Sarge trauerten mit uns Tausende Kinder, denen er Vaterstelle vertrat. Auch aller anderen im Vorjahre verstorbenen Mitglieder wird die „Union" stets ehrend gedenken. Es bleibt nur noch zum Schlüsse zu betonen übrig, daß allen Funktionären des Vereines in und außerhalb Wiens für ihre Mühewaltung zugunsten der „Union" hiermit der wärmste Dank zum Ausdruck gebracht wird. Nicht minder ziemt unser Dank dem Kultusvorsteher Herrn Emil Engel, der über unser Ersuchen unser Präsidium nach Wr.-Neustadt begleitete und das Interesse unserer dortigen Mitglieder durch einen instruktiven Vortrag über die Wiener Kultusgemeinde und ihre Institute fesselte. Der sehr gelungenen Purim-Veranstaltung unserer Jugendgruppe verhalfen Herrn Rabbiner Dr. Max Bach durch einen das Purimfest betreffenden Vortrag und seine Tochter, Frl. Grete Bach, durch stürmisch bejubelte Rezitationen wie Gedichte aus dem jüdischen Leben zu vollem Erfolge. Die verheerende Wirtschaftskrise des Jahres 1924 lastet schwer auch auf unserem Verein; wir mußten einige Mitglieder mit der Mitteilung scheiden sehen, daß sie den Mitgliedsbeitrag nicht mehr erschwingen können; manche Mitglieder haben die bisher geleisteten Ueberzahlungen einschränken müssen, dagegen steigen unsere Ausgaben immer mehr, so daß die Sorge an uns herantritt, ob unsere Mittel für die Erfüllung der uns gestellten Aufgaben hinreichen würden; wir müssen daher an alle unsere Mitglieder den dringenden Ruf richten, daß sie uns ermöglichen, auch weiterhin im Dienste der uns allen gemeinsamen Sache zu wirken. Diese Verhältnisse vermögen aber der Vereinsleitung die Perspektive für das nächste Jahr nicht zu verdüstern. Bei energischer Propaganda und durch rührige Beihilfe der Mitglieder, ebenso durch das gemeinsame Bemühen aller Freunde der „Union" wird das Werk zweifellos mit Erfolg gekrönt werden. Wir wollen also getrost in die Zukunft blicken. Die „Union" muß bestehen und wird bestehen Im Interesse unserer Glaubensgenossen. Das walte Gott! Präsident: Sekretär: Dr. J. O r n s t e i n, P h, L o e w, Die Generalversammlung der „Union deutschösterreichischer Juden." Die V. ordentliche Delegiertenversammlung, die am 18. Mai stattfand und zu der sich im Prachtsaale des Hotel Guth eine stattliche Anzahl von Delegierten eingefunden hatte, gab Beweis dafür, welches Interesse den Verhandlungen dieses so wichtigen Vereines entgegengebracht wird. Präsident Dr. .0 r n s t e i n begrüßt die Erschienenen und eröffnet die Versammlung, worauf Sekretär L o e w den Geschäftsbericht verliest. Den umfassenden Bericht bringen wir an anderer Stelle unseres Blattes. Delegierter S a l z e r ergreift als erster das Wort zum Tätigkeitsbericht. Er nimmt den letzteren dankbarst zur Kenntnis und richtet die Aufmerksamkeit der Vereinsleitung auf die Notiz eines Montagblattes über Auslassungen des Hofrates Ramsauer bezüglich der jüdischen Geschworenen. Delegierter Buchwald drückt ebenfalls seine Befriedigung über die Tätigkeit des Vereines aus und tritt dafür ein, die Wiener Judenschaft möge bestrebt sein, daß bei den kommenen Handelskammerwahlen auch Juden gewählt werden. Dr. Korn empfiehlt den Ausbau der Propaganda und die Unterstützung der Jugendgruppe. Dr.Ornstein nimmt die Anregungen der Vorredner zur Kenntnis, worauf nach kurzem Dialog zwischen Salzer und Buchwald der Jahresbericht zur .einstimmigen Annahme gelangt. Vereinskassier Oesterreicher erstattet nunmehr den Bericht über den Kassastand. Revisor David den Revisionsbericht. Beide Berichte werden debattelos angenommen. Der Antrag .Oesterreichers, den Jahresbeitrag der Mitglieder von S 3.— auf S 4.— zu erhöhen, wird nach eingehender Begründung durch den Proponenten zum Beschluß erhoben. Die im Sinne der Vereinsstatuten ausscheidenden Vorstandsmitglieder Dr. Haase, Oesterreicher und Karl Friedmann werden wiedergewählt. An Stelle des wegen vorgerückten Alters zurücktretenden Revisors Herrn Adolf Glück wird Herr Adolf Unger zum Revisor gewählt. Beim letzten Punkte der Tagesordnung „Anträge und Interpellationen" wünscht Delegierter S a 1 z e r Aufklärungen über die Stellung des neuen Vorstandes der Kultusgemeinde gegenüber den anderen Parteien, welche Anfrage die Herren Baurat K e m p 1 e r und Dr. Tic ho ausführlich beantworten. Nach Erledigung einiger Interpellationen der Herren Bezirksrat W e i n e r und D o h a n durch den Vereinspräsidenten, stellt Dr. B. Werner den Antrag, die alte Bezeichnung des Vereines „Israelitische Union" neuerdings einzuführen. Präsident Dr. Ornstein erwidert, den Antrag diesmal nicht zur Diskussion stellen zu können, da das eine Statutenänderung bedeutet, zu welcher eine qualifizierte Majorität notwendig sei. Nach Anfrage des Herrn Bezirksrat S. Wein er im Namen der abwesenden Herren M e 1 c h e r und Popper über WaMangelegenneffen, resp. die Stellung der Bezirkskommissionen wird dieSitzung geschlossen. Diese Delegiertenversammlung trug, abgesehen von der ernsten Behandlung der Vereinsfragen einen ruhigen, gemütlichen Charakter, was den Vorbereitungen des Restaurants Guth zuzuschreiben ist, das für ausgezeichnete Küche, vortreffliche Getränke und prompte Bedienung gesorgt hatte, was seitens der versammelten Delegierten durchwegs mit Dank anerkannt wurde. Illlllilllllllllliillllllllllllliniliiinilllllllllillllllllllllllllllillllillllllllllllllillll^ Herbei Abonnenten für „Die Wahrheit"! iitiiiiiiJiHiiimnuanimiiimimiJiimmNiiiniiiiiiiiriiimNiiiiimHrmnninmiriHmnnriHtinmuuiiijniijumniiiiinumutji «fc

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