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Die Wahrheit · 1925-05-29 · Heft 21 (29.5.1925) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 21 (29.5.1925)
Date
1925-05-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nf. 21 wart rührt zum größten Teil daher, daß die Menschen von heute — teils durch die furchtbare Erschütterung des Weltkrieges aus ihrem Gleichgewicht gehoben, teils fortgerissen durch die gewaltigen Fortschritte auf dem Gebiet der Technik — in ihrem Denken und Fühlen das 3 vor das X setzen, über den glänzenden, das Auge blendenden Erscheinungen der materiellen, die der sittlichen Kulturwelt gänzlich übersehen. Die meisten der heute lebenden Menschen begehen den durch die Geistesrichtung der Gegenwart verursachten Denkfehler, daß sie die Gesetze der Kausalität, die ausschließlich zur Erklärung des mechanischen Geschehens dienen, auf die Phänomene der sittlichen Welt übertragen. Weil man von altersher gewohnt ist, die Menschen nach Gesichtsfarbe, Abstammung, Sprache, Religion völlig verschieden von einander zu sehen, glaubt man hinterher diese Erscheinungen rein mechanischer Gesetzesmäßigkeit durch Konstruierung von kausalen Zusammenhängen zu sittlichen Forderungen zu erheben und diesen Forderungen durch Errichtung künstlicher Scheidewände in das Gebiet des alltäglichen Lebens Eingang zu verschaffen. Es wird noch sehr viel Zeit verstreichen, bis ein neuer Geist Menschen und Völker beseelt und sjie lehrt, in ihrem Denken und Handeln, den Gesetzen der einfachen Logik folgend, das N vor das 3 stellen und die Grundlehren der am Sinai geschaffenen Gedankenwelt, die wahre Erkenntnis des Einen Gottes und der Einen Menschheit und der dadurch bedingten Sittlichkeit als die Krönung des Menschen und der ihn umgebenden Welt erkennen. Ruhe und Friede wird nicht eher werden, ehe die alten und doch ewig neuen Ideale der Humanität und Gerechtigkeit zur Herrschaft auf Erden gelangen. Und wiederhergestellt sind die am Sinai gelegten Fundaschließen sich Erklärungen an. (Auswanderung, weibliche Berufsstatistik u. a.) Die Folklore bereichern: I. Weigert, Religiöse Volkskunde. Herder & Co., Freiburg i. Br. 1924. Mit dem einschlägigen Schrifttum wohl vertraut, sucht hier ein Mann' der Praxis die Volkskunde als Grundjage der Pastoraltheologie fruchtbar zu machen. Wenn auch das Bauernleben, und, wie es scheint, ganz besonders gerade in dem Forschungsbereiche des Verfassers, sehr viel von seiner Ursprünglichkeit ^eingebüßt hat, etwas mehr hätten wir über die kirchlichen Volksfeste, über die Sprichwörter und Volkslieder, soweit sie den religiösen Gedankenkreis streifen, gern vernommen. K. Lengler, Birkenfelder Bilder. Birkenfeld 1922, Fillmann. Warme Heimatliebe spricht aus diesen Blättern, die zum Teil für die Volkskunde Beiträge liefern. Daß in gewissen jüdischen Kreisen der Freitag als Trauungstag bevorzugt wird, scheint, wie in manchen deutschen Gegenden mit gleichem Brauche, auf die altdeutsche Verehrung des Freya (hier S. 135 zurückzugehen. t Deutsch-Nordisches Jahrbuch für Kulturaustausch und Volkskunde. Herausg. von W. Georgi, Jena 1924, Dietrichs, Mk. 3.—.. Gediegen ausgestattet, bringt das vorliegende Jahrbuch., das die Beziehungen Deutschlands zu dem europäischen Norden zu pflegen sich vorgesetzt hat, manches, was auch für die Leser dieses Blattes in Betracht kommt. So die Behandlung der Minderheitenfrage in Nordschleswig, die auf die allgemeine Minoritätenfrage ein Streiflicht wirft (S. 19), ferner ein Besuch bei dem bekannten schwedischen Nationalökonomen Gustav Cassel (S. 109), der selbst in dem Jahrbuche mit einem Aufsatz vertreten ist (S. 30), und Hugo v. Hofmannsthal „Das Bergwerk zu Falu|i" (S. 133). mente echter, wahrer Menschheitsgemeinschaft, die allein imstande ist, die Dämone zu binden, die am Untergang unseres Erdteiles arbeiten. „Das ist die Lehre, die uns Moses anbefohlen, ein Erbe für die Gemeinde Jakob." Krieg im Frieden. An den Hochschulen Wiens sind diiie antisemitischen Studenten zur Offensive gegen ihre jüdüsctais Kommilitonen übergeigangen1. Während1 sich der Antisemitismus bisher nur in dem AnscMagkästeni austobte, wird nunmehr ein Antisemitismus der Tat praktiziert. Die Gleichzeitigkeit der Hochschulkrawalle läßt es als sicher erscheinen, daß diese Ausschreitungen von einer gemeinsamen, den Hochschulen fernestehenden Zentrale aus anbefohlen und organisiert wurden, um gegen die Stellungnahme des Unterrichtsministers gegenüber den Gesetzwidrigkeiten, die sich an österreichischen Hochschulen ereignet haben, m demonstrieren. An der Hochschule für Bodenkultur haben die deutschnationalen Studenten einen achttägigen Proteststreik organisiert, weil sie mit der vollständigen Aufhebung des Numerus clausus, betreffend die ausländischen Hörer jüdischer Konfession, nicht einverstanden waren. Der Erfolg war die Sperrung dieser Hochschule während der Dauer des Streiks, Da die Studenten der Hochschule für Bodenkultur, welche den Streik in Szene gesetzt hatten, einsahen, daß sie auf diesem Wege die Wiedereinführung der Beschränkung in der Zulassung jüdischer Studenten

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