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Die Wahrheit · 1925-05-15 · Heft 19 (15.5.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 19 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 19 <ias der Krieg gerade über Deutschland gebracht hat, von dort aus neuerdings der Ruf nach dem Schwerte erschallt. Diesmal jedoch richtet sich der Schlachtruf, der vom Grafen Reventlow ausgestoßen wird, gegen die Juden, „die das Gold der Erde besitzen." Um sich von der Stichhältigkeit der Behauptung, daß fast alles Gold in den Händen der Juden sei, zu überzeugen, mögen doch alle, die mit solchen Lügen das Volk gegen die Juden aufzuhetzen suchen, zu nächst einmal in ihrem eigenen. Lande Umschau halten, wo das meiste Gold zu finden ist Nach statistischen Aufstellungen sind die reichsten Leute Deutschlands der Menge ihres Reichtums nach geordnet, Hugo Stinnes, Krupp, Henckell von Donnersmarck, v. Goldschmidt, Bleichröder, Hohenlohe- Oehringen, Fürst von Pleß, Graf Schaffgotsch, Stumm, Thyssen. Darunter befindet sich ein einziger Jude. Auch in den anderen Ländern sind es durchaus nicht die Juden, welche im Besitze des meisten Goldes sind, so z. B. gehört der reichste Mann Amerikas und wahrscheinlich sogar der ganzen Welt, Henry Ford, zu den erbittertsten Judenfeinden und auch die meisten anderen Milliardäre im klassischen Lande des Goldreichtums sind Nachkommen englischer Auswanderer, welche einst aus religiösen Gründen ihre alte Heimat verlassen mußten. Oder sollte.der wahre Grund, warum im Blatte der deutschen Schwerindustriellen den Völkern der Uebergang zu der so segensreichen „eisernen Währung" empfohlen wird, die Sehnsucht nach einem Steigen der Eisenpreise und nach vergrößertem Profit sein. Wir können es nicht glauben, daß das Elend des Weltkrieges so schnell vergessen sein soll. Und dennoch: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall, wie Schwertgeklirr und Wogenprall .... .", wenigstens im JReichswart" -des Grafen Reventlow — und dieser Ruf soll das leichte Säuseln des Friedenslüftchens, das endlich durch die Welt zieht, übertönen. Und wer ist schuld daran? — „Der Jud!" .... „Herrmanns Botschaft". Die Osterfeiertage brachten unter obigem Titel aller Welt als frohe Osterbotchaft ein reinrassiges Evangelium des rechtsradikalen Verbandes „Herrmanns Söhne", worin die deutschen Richter und Staatsanwälte voran beschworen werden, alle jüdische Kreatur unnachsichtig zu behandeln. In der Broschüre, mit welcher auch unser Blatt beglückt worden ist, wird angekündigt, daß noch in diesem Jahre nicht nur Deutschland, sondern auch alle Völker von.den Juden befreit werden sollen. Die Freimaurer werden als zersetzendes Element bezeichnet. Die Bühnenkünstler werden aufgefordert, jüdische Stücke nicht zur Aufführung zu bringen; den „Bankjuden" wird eine Verwarnung erteilt und versprochen, daß der „Goldwahnbazilles" auf internationalem Wege ausgetilgt werden wird. Das Flugblatt wendet sich auch an die deutschen Frauen. Der Bubikopf sei vom „Auswurf fremder Wüste" übernommen, die Shimmy- und Negertänze und das maßlose Zigarettenrauchen werden als jüdisches Laster hingestellt In der Flugschrift "wird für die Methoden des Ku-Kux-Klan Propaganda gemacht! Die Flugschrift schließt mit der Aufforderung an die „wahrhaft gesitteten und staatserhaltenden Parteien in allen Nationen", folgenden Antrag dem Parlamente vorzulegen: „Die Gleichberechtigung der Juden ist aufzuheben. Bis zu ihrer völligen Ausscheidung aus den Kulturvölkern sind sie unter Fremdrecht zu halten, da sie unter dem Deckmantel religiöser Gebräuche in Wahrheit unsittliche und staatsfeindliche Bestrebungen pflegen. Die Synagogen sind zu schließen, die rabbinischen Schriften zu beschlagnahmen und zu vernichten, der jüdische Kultus ist zu verbietea In der Broschüre werden die Leser flehentlich zu Geldbeiträgen aufgefordert. In der Broschüre ist ein Sendschreiben an die „Schwarze Hundertschaft", offenbar in Rußland, abgedruckt. In diesem Schreiben wird unter Moskau, 1./14. Jänner 1925, verkündet: „Die Juden sind von einer großen Panik ergriffen, sie schließen ihre Synagogen und versammeln sich in ihren Wohnungen, denn schon viele Rabbiner sind unseren unsichtbaren Händen zum Opfer gefallen. Das zeigt uns, daß unser Weg der rechte ist" Dazu meint „Die Welt am Montag": „Wenn die genügende Anzahl von Meuchelmördern zur Stelle ist kann man alle Juden abgurgeln und so die Welt von ihien „befreien". Aber wer befreit nachher die Welt von dem antisemitischen Mordgesindel?" Vielleicht befinden wir uns nicht im Irrtum, wenn wir glauben, daß die ganze neuerliche antisemitische Bewegung von auswärts finanziert wird, da allein die Portokosten des Versandes der Riesenauflage dieser Flugschrift — die angeblich in einer Million Exemplare gedruckt ist (Hamburg, Barkhof) — schwerlich durch den Enthusiasmus aufgebracht sein dürften, „Das Alte Testament eine Fälschung." Was alles an Entdeckungen heute möglich ist, obwohl seit Jahrhunderten die gelehrtesten Köpfe aller Völker sich mit der Kritik der Bibel und mit der Erforschung ihrer geschichtlichen Grundlagen beschäftigt haben, das lehrt die Ankündigung eines im Selbstverlage lieferungsweise erscheinenden Werkes, das sein Verfasser zwar nicht kurz, aber entschlossen betitelt: „Die Bibel eine Fälschung aus dem Beginn unserer Zeitrechnung. Das alte Testament: die fünf Bücher Moses und das Buch Josua von Friedrich Beuge." Der Verfasser erläutert in dieser Ankündigung: „Die Bibel ist ein Gewirre von Fälschungen bösester Art. Die Feststellung jeder einzelnen Fälschung geschieht anschließend an die einzelnen Strophen der Kapitel und der Bücher. Die Fälschungen werden aus der Bibel selbst, dem Talmud, dem Koran, den griechischen Klassikern, den Landeskarten und aus der heutigen Wissenschaft bewiesen. Einige Entdeckungen von vielen Hunderten: Abraham war ein ägyptischer Fürst, das Land „Kanaan" hieß Jaa, die „Kanaaniter" hießen Rentenu. Die Stadt Damaskus hieß erst vom 7. Jahrhundert v. Chr. ab Dimarschk, die Salzsäule von Lots Weib stand am Weißen Nil in Nubien, das „Aegypten" des Jakob hieß Misri, der Nil hieß Hapi, die Landschaft Gosen hieß erst von 655 v. Chr. zur Zeit Psammetichs, ab Gosene, Esau- Edem ist Bheüiikien. die Wörter Mose und Juda (Jehuda) gehören der tatarischen Sprache an, „Jerusalem" hieß Kadesch, heute El Kude, aber in der Bibel und bei den Christen „Jerusalem". Die Rinderhirten des Hyksos waren Sklaven und unrein. Die heutigen Juden sind keine Juden, sondern Moschejim, Palästina ist nie von den Israeliten erobert worden, die Reiche Juda und Israel haben nie bestanden. Es hat überhaupt niemals ein Volk Israel, weder in palästinensisch Syrien, noch in „Kanaan", noch in Misri-Kemi-Aegypten bestandem Das ganze Alte Testament ja die ganze Bibel, ist freie Erfindung unter Benutzung der Geschichte und Kulturgeschichte der Völker Kleinasiens, Arabiens, der Sinai-Halbinsel, Aegyptens, Nubiens und Spartas. Die Bibel gleicht dem verschleierten Bilde von Sais in Unter-Aegypten und dieses Bild war eine hölzerne vergoldete Kuh." — Da auch die erste Lieferung des Werkes noch nicht erhältlich ist, war leider nicht festzustellen, ob dieser gelehrte Benutzer der griechischen Klassiker nicht für sich jene Chöre desAristophanes zitiert hat den aus1 deni„Wolken": „Weh mir, ich Wirrkopf" oder den aus dem Piatos: „Doch nun genug der Fopperei." Selbst im heiligen Lande! Dort gab es dieser Tage Landtags- und Gemeinderatswahlen, die für uns insbesondere von einem Gesichtspunkt interessant sind. Die Nationalsozialisten haben kein Landtagsmandat und nur ein Mandat im Gemeinderat gewonnen. Das war für sie, die sich mehr erhofft hatten, eine große Enttäuschung. Nun geben sie auf einmal zu, daß „die Hoffnung keine berechtigte Grundlage hatte! Noch nicht! Sie wird in vier Jahren umso berechtigter sein." Müssen wir halt bis dahin warten,. Reinrassige Dichteritts. Die Blüten einer reinrassigen literarischen Betätigung haben bisher nofch stets auch die hochgespanntesten Erwartungen gerechtfertigt, aber die Wirklichkeit erbringt durch' immer qualifiziertere Resultate den Nachweis unseres diesbezüglichen Irrtums. Den schlagendsten Beweis bringen folgende ansprechende Verschen: Nichts dauert ewig, Selbst der schönste Christ wird schäbig, Nur der Jud' ist auserkoren. Der wird schäbig schon geboren! Leider, leider verbirgt sich der geniale Verfasser hinter der Maske eines Anonymus. Wahrscheinlich aus Bescheidenheit. Angesichts seiner etwas wenig taktfesten Verse muß eben sein guter Wille über seinen hoffentlich nicht chronischen Anfall von Dichteritis hinwegtrösten. Nur das eine ist noch erwähnenswert: die niedlichen Verschen finden sich im Gästealbum eines Hotels, das gerade vom Wiener Publikum frequentiert wird und mit der Südbahn in nicht allzu langer Zeit zu erreichen ist. Möglich, daß das Blatt unterdessen aus dem Album entfernt worden ist, was immerhin schon aus Geschäftsinteresse zu empfehlen wäre. Verunglimpfung jüdischer Gefallener. Im „Nationalsozialist", Herausgeber Hermann Esser,, München, finden sich über eine Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in München für die dort ruhenden gefallenen Münchner Soldaten jüdischen Glaubens u. a. folgende Sätze: „Die hebräische Inschrift des Denkmals lautet: „Auch sie starben für Judas Größe." Das war schön von ihnen, sonst wären die 13.000 .Münchener, deren Denkmal vor einigen Wochen enthüllt wurde, allein für Judas

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