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Die Wahrheit · 1925-05-15 · Heft 19 (15.5.1925) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 19 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 DIE WAHRHEIT Nr. 19 im Laufe seiner Geschichte auf diesem Gebiete geleistet hat und heute noch in allen Erdteilen in friedlichen Zeiten wie während großer Katastrophen schafft. In der dritten Abteilung „Leibesübungen" wollen wir zeigen, wie die iunge jüdische Sportbewegung mit jeder anderen wetteifern kann. Bei dieser großen Aufgabe brauchen wir die Unterstützung und sachverständige Hilfe Aller, wenn das Judentum auf der Ausstellung würdig vor der großen Welt vertreten sein soll. Wir bitten Alle, die auf diesem großen Gebiete sachverständig sind, um ihren Rat, ihre Anregung und Mitarbeit, um Hinweis auf weitere Gebiete, die gezeigt werden könnten, um den Nachweis von. Ausstellungsmaterial. Vor allem wären wir für eine Kritik unseres vorläufigen Programms und um Vorschläge für seine weitere Ausgestaltung aufrichtig dankbar. Für dien Arbeitsausschuß zeichinet Rabbiner Dr. Max Grutiwaild, für die örtliche Geschäftsleitung eilt Komitee mit Rabbiner Dr. Eschelbacher an cler Spitze. Ein deutliches Zeichen, wie stark bei uns Juden dias Verständnis für hygienische Fragen aiüsgebüdlet ist! Deshalb grüßen vor allem wir Juden die Wiener Hygieneaiusstellung aus ganzem Herzen und hoffen, daß sie dazu beitragen wird, dias Verständnis für hygienische Fragen, das bereits seit Jahrtausenden in unserem Volk rege ist, in «den weitesten Kreisen zu verbreiten und zu vertiefen* damit die Schäden, die der Weltkrieg an der Volksgesundheit angerichtet hat, allmählich behöben werden und ein körperlich und seelisch gesundes glückliches Geschlecht heranwachse, das fähig: ist, die kulturellen Aufgaben zu erfüllen, die seiner harren! »■■■■■■■■■■■■■■■■■■■UHHMHHHHHM ftelfo* 1ÜOTGASSE-1 Gesundheitspflege bei den Juden. Von Med.-Rat Dr. Heinrich Ha as e. Anläßlich der Eröffnung der Hygieneausstellung wollen wir daran erinnern, daß im Anschlüsse an die internationale Hygieneausstellung in Dresden 1911 ein groß angelegtes Werk, „Die Hygiene der Juden", von Dr. Max G r u ni w a 1 d herausgegeben wurde, dessen Verfasser damals im Auftrage der Leitung die gesamte jüdische Abteilung der Ausstellung eingerichtet hatte. In diesem Werke wurde das ganze Ritualgesetz vom Standpunkte der Hygiene beleuchtet Es wurde in demselben festgestellt, daß der erste deutsche Hygieniker Johann Peter Frank, der auch in Oesterreich gewirkt hat und das ganze Gebiet dier Gesundheitspflege in einem großen Werk „System einer vollständigen medizinischem Polizei" zusammengefaßt hat, darin, folgende Kritik äußerte: „Oft habe ich die Genauigkeit der mosaischen Polizeigesetze, die gewiß alle in irgend einem Staate je getroffene öffentliehe Gesundheitsanstailten bei weitem übertreffen^ bei mir überdacht und mit Bewunderung jene Zeilen mit den unsrigen verglichen . . . Die Sorgfalt, womit der jüdische Gesetzgeber zu Werke ging, da er jede Gattung von Tieren, welche entweder ganz oder« nur zum Teil von den: Israehten genossen werden sollte, bestimmte, ist äußerst merkwürdig. Nur muß man bedauern, daß die vorzüglichen Regeln dieser Diätetik sich auf Erfahrung gegründet zu haben scheinen, welche für uns verloren gegangen sind." Viel zitiert wird auch ein Ausspruch des englischem Arztes Dr. Minor (in,,Lancet and Clinic"): „Der Grund der merkwürdigen tatsächlichen Immunität der Judlen war wohl in den mosaischen hygienischen Gesetzen zu findem, die in ihrer Art ganz unübertrefflich sind . . . Dies hat sich geändert. Die rasche Entwicklung der sogenannten Freisinnigkeit der heutilgen Juden ist ohne Zweifel Ursache Feuilleton Literarische Streifzüge. (Fortsetzung.) W. Solowjeff, Drei Reden, dem Andenken Dostojewskys gewidmet, deutsch von Therese Gräfin von Pestalozza, Mathias-Grünwald-Verlag, Mainz 1921. Mit dem ganzen Zauber seiner literarischen Persönlichkeit sucht hier Solowjeff in die Seele seines großen Landsmannes einzudringen, dessen unfreundliche Einstellung dem Judentum gegenüber wiederholt öffentlich behandelt worden ist. Hier aber (Seite 55) wird vor Judenhaß gewarnt und „mahnt nicht allein das christliche Gewissen, sondern überhaupt die menschliche Vernunft zur Versöhnung." C. Chr. Bry, Verkappte Religionen, Gotha 1924. Fr. A. Perthes. Nicht ganz zutreffend wird der Unterschied zwischen Religion und verkappter Religion (Seite 16 fortlaufend) dahin festgestellt, daß die Religion den Sinn des Menschendaseins jenseits des Lebens, die verkappte es hinter das Leben, als eine neue Wirklichkeit hinter der Tapete, verlegt Religion sagt uns, daß wir alle noch nicht vollkommen, weil sündige und schwache Menschen sind, die verkappte Religion sagt, daß die Majorität von uns noch nicht vollkommen ist, weil wir in unserer Erkenntnis zurückgeblieben sind und uns sträuben, die hinter der gewöhnlichen Welt liegende Wahrheit zu erkennen und anzuerkennen. Deutlicher wird der Gegensatz, indem die verkappte Religion auf eine Art Monomanie zurückgeführt wird, deren Ausbreitung durch hemmungslose Verallgemeinerung eines oder mehrerer Einzelfälle Bry als Elefantiasis philosophica bezeichnet. Glänzend und scharf ist seine Abfertigung, dieser verkappten Religionen. „Die Musikanten der Weltweisheit" nennt er Kulturphilosophen, wie Spengler, „Hinterweltler" sind alle, die er seiner Kritik unterwirft, die Abergläubischen, die Besserwisser, die Politikaster, die Charakterologen, die Heldenanbeter, Teutomanen, Pazifisten. Anthroposophen, Antisemiten u. a. m. Wie er unter der Rubrik „Der Blondenwinkel" den Judenhaß behandelt, gehört mit zu dem Besten im ganzen Buche. „Die Juden können in diese* Frage nichts tun." Es liegt in dem Umstand, daß der Antisemitismus über allen berechtigten und unberechtigten Kampf gegen den Juden hinaus längst eine Selbstbefriedigung geworden ist, eine verkappte Religion. „Die Judenfrage ist eine Antisemitenfrage." Im einzelnen wäre manches zu berichtigen, so die ganz willkürliche Behauptung, die Psychoanalyse habe etwas mit der Kabbala zu tun und „die Psychoanalytiker bildeten in ihren Anfängen so etwas wie einen jüdischen Ge-- heimbund". Besondere Beachtung wird mit Recht noch immer der eindrucksvollen Erscheinung Spenglers*) gewidmet. Eine Reihe lesenswerter Schriften befassen sich mit seiner ein solches Aufsehen erregenden Kulturphilosophie. J. Ziegler, Das magische Judentum. Leipzig 1923, M. W. Kaufmann. — Ziegler gibt eine ausführliche Darstellung des Gedankeninhaltes in Oswald Spenglers „Der Untergang des Abendlandes" und stellt dann, mit Berichtigung kleinerer Versehen, die Spengler in der Behandlung des Judentums unterlaufen sind, drei Fragen: 1. Spengler behauptet, das *) Vergleiche unsere Artikelserie „Spengler und das Judentum". Von Dr. M. Grunwald. (Jetzt im Philo-Verlag, Berlin).

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