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Die Wahrheit · 1925-05-15 · Heft 19 (15.5.1925) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 19 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT DeolsdiOsferrddilscbc Wocbensdullf für tüdlsdie Interessen nu dem Beiblatt: ferötfenflidttingen der „Volon dentsdiosferreidiisdier Jodeir Redaktion und Administration: ^HTI«em HL, ll^hncaii wm&*& 13. — Fernruf 42-2-16 XLI. Jahrgang Wien, 15. Mai 1925 Nummer 19 Hygiene der Juden. Gruß an die Wiener Hygiene- Ausstellung. Die vor kurzem durch den Bundespräsidenten in feierlicher Weise eröffnete Hygieneausstellung ist die erste große Ausstellung Oesterreichs seit dem Kriege. Ihre Bedeutung wurde von allen Seiten eingehend gewürdigt und besonders wurde die Tatsache hervorgehoben, daß es gerade unsere Vaterstadt Wien ist, welche ihrem Rufe als Pflanzstätte medizinischer Wissenschaft treu trotz der ungünstigen äußeren Verhältnisse eine solche Ausstellung veranstaltet. Die mustergültigen hygienischen Einrichtungen Wiens, nicht zuletzt auch die der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, die hervorragenden Aerzte und Professoren, welche hier gewirkt haben und wirken und zu denen auch viele jüdische gehören, verleihen dieser dem allgemeinen Volkswohl gewidmeten Ausstellung einen entsprechenden Hintergrund. Aus diesen Gründen hielten auch wir es für unsere Pflicht, diese Ausstellung zum geeigneten Anlaß dafür zu nehmen, die Hygiene des Judentums einer Würdigung zu unterziehen und haben diesem Zwecke de dieswöchige Nummer unseres Blattes zum Teile gewidmet. Denn bei uns Juden ist die Hygiene ein integrierender Bestandteil der Religion und der Satz: „mens sana in corpore sanou entspricht vollkommen der Auffassung der Heiligen Schrift, welche körperliche Reinheit als unerläßliche Voraussetzung für die Reinheit der Seele und des Herzens ansieht. Deshalb sind die Vorschriften der Bibel über Reinhaltung des Körpers und Pflege der Gesundheit besonders strenge gehalten und es werden Verfehlungen gegen die hygienischen Gebote von der Heiligen Schrift als 'schwere Vergehen bezeichnet. Die Vorschriften der Bibel, welche die Gesundheitspflege betreffen, sind sehr zweckentsprechend, viele ganz im modernen Geiste gehalten und umfassen die menschliche Ernährung, Wohnung, Kleidung, das Eheleben, die Verhütung und Behandlung ansteckender Krankheiten; besonders wind Mäßigkeit in Speise und Trank und Unterlassung eines ausschweifenden Lebenswandels von der Thora gefordert. y Groß ist die Zahl der jüdischen Aerzte und Hygieniker, welche seit dem frühesten Mittelalter bis auf den heutigen Tag segensreich gewirkt haben und gewaltig ist der Einfluß, welchen die Lehren der Heiligen Schrift auf die moderne Gesundheitspflege genommen haben; vorzüglich die Einführung eines allwöchentlichen Ruhetages, an welchem sich Körper und Geist von der anstrengenden Tätigkeit der Woche erholen kann, ist eine Errungenschaft von ungeheurer Bedeutung für die Sozial-Hygiene. Es ist zu bedauern, daß zum Unterschiede von der großen Dresdener Ausstellung von 1911 und der für Düsseldorf geplanten von 1926 die Wiener jedes Zurückgreifen auf die Geschichte der Hygiene vermeidet. Zum mindesten wäre sicherlich dem allgemeinen wissenschaftlichen Interesse entsprochen, nicht minder einem theoretischen, ja sogar eminent praktischen jüdischen Bedürfnisse Rechnung getragen worden, wenn die Wiener Kultusgemeinde, die sich an der Dresdner Ausstellung rühmlich beteiligt hat, eine jüdische Sondergruppe eingerichtet hätte, wie es mit erheblichen Opfern jetzt die Düsseldorfer jüdische Gemeinde tut. Wir erhielten hierüber ein Rundschreiben folgendien Inhaltes: Vom Mai bis Oktober 1926 veranstaltet die Stadt Düsseldorf anläßlich der Tagung der deutschen Aerzte und Naturforscher eine AussteUung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen. Sowohl die Stadt als auch das Deutsche Reich und der preußische Staat werden hier eine imposante Darstellung der gesamten Fürsorge für den Menschen bieten. In der ersten Hauptabteilung „Gesundheitspflege" wird die ganze wissenschaftliche Erkenntnis vom gesunden und kranken Menschen, von Ernährung, Kleidung und Körperpflege, kurz, von allen Problemen der Hygiene anschaulich dargestellt werden. Die zweite Hauptabteilung wird ein Bild der modernen sozialen Fürsorge in ihrem gesamten mächtigen Umfang bieten. Die dritte Haupt-Abteilung wird eine Anschauung von dem modernen Sport und den modernen Leibesübungen geben und namentlich ihre Bedeutung für die Gesundung des Volkes zeigen. Die Ausstellung wird ein großes Ereignis werden und weit über die Grenzen von Deutschland hinaus den Strom der Besucher, von Aerzten und Laien, auf sich lenken. Innerhalb der Ausstellung soll nach unserem eigenen Wunsch und nach einer Anregung der Ausstellungsleitung eine Sondergruppe „Hygiene der Juden** entstehen. Ihre Aufstellung und Einrichtung ist eine Ehrenpflicht und Notwendigkeit für das ganze Judentum. Hier hat es die seltene Gelegenheit, der Welt zu zeigen, was es an Ideen geschaffen, an Einrichtungen hervorgebracht hat, und was es heute noch leistet. Unsere Lehre stellt auf religiöser Grundlage eine Hygiene und Lebensordnung dar, wie sie die Menschheit nicht zum zweiten Male kennt. Dies soll der Welt auf dieser Ausstellung gezeigt werden. Wir setzen unsere Ehre daran, in der zweiten Haupt- Abteilung „Soziale Fürsorge" aufzuzeigen, was das Judentum

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