Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 18 (8.5.1925)
- Date
- 1925-05-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 18 DIE WAHRHEIT Seite 11 Von Woche zu Woche Die Budapester Kommunalwahlen. Der frühere ungarische Handelsminister, wirkl. Geheimer Rat Baron Josef Szterenyi, veröffentlicht im „Berliner Tageblatt" einen „Budapester Brief", in welchem er sich u. a. mit den Budapester Kommunalwahlen beschäftigt, die für den 14. und 15. Mai anberaumt sind. Er prophezeit den Sieg der vereinigten Demokraten, Kossuthisten und Sozialdemokraten, die 55 bis 60 Prozent der Mandate erringen dürften. Damit werde aber ein neuer Kampf in konfessioneller Richtung einsetzen, denn der Wahlkampf bewegt sich in konfessioneller Richtung. Die vereinigte Linke und die reaktionäre „Christliche Bürgerparteien" bilden dabei die Extreme; dort der überwiegende Teil der * kleinen jüdischen Wähler, hier die unversöhnlichen Elemente, während die anderen zwei Parteien, die Partei des Regierungskommissärs und die städtische liberale Partei, in der Mitte stehen; bei der ersten die gemäßigte christliche Intelligenz und bei der zweiten überwiegend die jüdische Intelligenz. Für alle Fälle ist es mit der Reaktion im Budapester Rathause zu Ende. Der antisemitische Abgeordnete Gömbös richtete ein offenes Schreiben an den Ministerpräsidenten, worin er ausführt, daß auf der Liste des. demokratischen Blocks von 120 Kandidaten 102 Juden sind. Er fordert die Auflösung der kommunalen Bürgerpartei. Amtsjubiläum. Der Brünner Musikschriftsteller Bruno Weigl würdigt die Persönlichkeit und die musikalischen, insbesonders kompositorischen Leistungen Josef Hellers, der auf eine vierzigjährige Tätigkeit als Oberkantor im Großen Brünner Tempel zurückblickt, in einem im „Brünner Tagesboten" vom 24. April d. J. erschienenen Aufsatze, dem wir folgendes entnehmen: „Heller wurde am 25. März 1864 in Cs. Ujfalu (Komitat Szatmar) geboren und von seinen Eltern wegen seiner schon in den Jugendjahren in außergewöhnlichem Umfange zutagegetrenen Veranlagung für Gesang der kgl. Musikschule in Debreczin zur Ausbildung übergeben. Nach Absolvierung dieser Anstalt beschloß er, sich der Bühnenlaufbahn zu widmen; begab sich nach Budapest, wo er tatsächlich ein Jahr hindurch an. der kgl. Hofoper gewirkt und sich nebenher in den gesanglichen und musikalischen Studien vervollkommnet hat. Trotzdem er nach Ablauf dieses Jahressehr günstige Anstellungsanträge erhielt, trat er von der Bühne ab und widmete sich nun fortan dem kantoralen Berufe, dem er bis zu seiner am 1. d. M. angesuchten Pensionierung treu blieb. 1884 wurde er als Oberkantor in Kaposvär, 1889 als solcher in Brünn angestellt, woselbst er, mit öffentlichen Ehrungen und Auszeichnungen bedacht, nicht nur als Oberkantor, sondern auch zugleich als Chordirektor, als Direktor der Kantorenbildungsanstalt des israelitischen Proseminars, als lithurgischer Komponist und als Gesangpädagoge eine verdienstvolle Tätigkeit entfaltete. Das meiste Interesse beansprucht seine musikalische Tätigkeit, die bisher in mehreren Bänden, in zwei Hymnen, vor allem aber in seiner Hauptschöpfung, den zweibändigen, großangelegten, die Lithurgie des gesamten israelitischen Gottesdienstes umfassenden „Kol T'hilloh" besteht. Der erste Teil enthält die Freitagabend- und Samstaggesänge, der zweite die gottesdienstlichen Vorträge für die hohen israelitischen Festtage. Beide Bände (von denen der erste von dem musikhistorischen Institute der Wiener Universität für die „Denkmäler der Tonkunst" und zugleich auch für die preußische Staatsbibliothek in Berlin erworben wurde) sind ungemein reichhaltig gegliedert; so enthält beispielsweise der zweite Band allein über 800 Nummern, darunter 100 vier- und mehrstimmige Chöre, etwa 25 Sologesänge mit Orgelbegleitung und 5 Anhänge. Als Komponist hat sich Heller in diesem Werk ganz auf den Boden alttraditioneller, typisch-jüdischer Melodik und einer ganz eigenartigen, ihr mit großem Geschicke angepaßten Harmonie begeben." Wir wünschen dem geschätzten Jubilar, er möge noch viele Jahre seine hervorragende Kunst im Dienste Gottes und der Menschen ausüben können. Todesfälle. Der Name des am 24. v. M. zu Grabe getragenen Oberrabbiners der Zagreber Israel. Kultusgemeinde Dr. Hosea J a c o b i als der eines Riesen auf dem Felde der Ethik ist weit über die Marken dieser Stadt und dieses Landes bekannt. Sein 57jähriges Wirken als Rabbiner in Zagreb, das unentwegte Eintreten für das sittlich Gute, verbunden mit wahrer Begeisterung für das ästhetisch Schöne und Erhabene sichert ihm ein bleibendes Ruhmesblatt in der Geschichte der Zagreber Kultusgemeinde, sowie ihm der Kantorenverband Jugoslawiens für die erfolgreiche Unterstützung bei der Lösung der auf die Schultern der Kantoren gelegten schwierigen und wichtigen Aufgaben ewigen Dank wissen wird. Die Macht seiner Eloquenz und die Gewalt der Logik seiner Beweisführungen mußte ihn immer und überall zum Siege führen. Nunmehr hat die Sense des Todes die Zagreber Kultusgemeinde in große Trauer versetzt. Der reine Geist Hosea Jacobis aber, des edlen Lehrers und Förderers alles Guten und Wahren, des sturmsicheren Steuermannes auf dem Meere des geistigen Lebens, des wackeren Streiters für Recht und Gerechtigkeit, für Tugend und allgemeine Menschenliebe ist, losgelöst von seinem mühsamen Erdenwallen in Frieden in sein neues, besseres Heim eingezogen, denn der Hafen, in dem sein Lebensschiff landete, heißt ewige Seligkeit. Sein Andenken sei gesegnet! Oberkantor Josef Rendi, Zagreb. — Ein wahrhaft tragisches Geschick fügte es, daß der allseitig geachtete Großkaufmann Herr Max Fuhrmann kaum vier Wochen nach Beerdigung seiner Gattin in Abbazia, wo er Erholung zu finden glaubte, gestorben, ist Er starb aus tiefem Seelenschmerz über den Verlust seiner braven Frau, mit der er jahrzehntelang ein glückliches Eheleben geführt hat. Bescheiden und liebenswürdig als Mensch, treu und hilfsbereit als Freund, hat er sich die Liebe weiter Kreise, die Hochachtung und Verehrung aller, die ihm im Leben nahe gestanden sind, erworben. Diese Beliebtheit kam auch bei seinem Leichenbegängnisse, das am 30. April am Zentralfriedhof stattgefunden hat, zum Ausdrucke. Eine ungemein große Gemeinde von Freunden und Verehrern scharten sich um den schlichten Sarg. Für den Verein „Vereinte Kraft" waren erschienen die Herren Obmanstellvertreter Karl Haas, Kultusvorsteher S. Meister, Moritz Vaktor, S. Gerstenfeld, vom „Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels" Obmannstellvertreter Ludwig Hirschfeld und Vereine „Pietät" die Herren A1 m o s 1 i n o und S. Wechsler. Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d schilderte in beredten Worten die Verdienste des bescheidenen, braven Mannes, der keinem Menschen je ein Unrecht oder die geringste Kränkung zugefügt, deshalb auch keinen Feind und nur lauter Freunde zurückgelassen, musterhaft in seinem Familienleben, das ganz in der Liebe zu seiner Frau und seinen Geschwistern aufging, tadellos im Handel und Wandel war. Von. dem Verband der Großhändler der Strick- und Wirkwarenerzeuger sprach Präsident A. Matzner tiefempfundene Worte des Abschiedes. Die Trauergesänge rezitierte Herr Oberkantor Heinrich Fischer unter Assistenz des großen Chores in tiefergreifender Weise. Dr. Leo Werdisheim, Ordinarius des israelitischen Hospitals, ordiniert in Gleichenberg (Villa Charlottenburg). Bad Hall. Ein lang gehegter Wunsch der orthodoxen Judenschaft ist in Erfüllung gegangen. Der heilkräftige Kurort Bad Hall hat nun auch sein koscheres Restaurant, das es ermöglicht, daß auch strenggläubige Juden den Kurort aufsuchen. Es ist der Tüchtigkeit des bekannten Wiener Restaurateurs S. Mayersohn gelungen, in Bad Hall, Steyrerstraße 38, ein Restaurant zu erwerben und dasselbe vollkommen neu zu renovieren. Die Erholung suchenden Glaubensgenossen werden auf das Etablissement hiermit aufmerksam gemacht und dessen Besuch ihnen wärmstens empfohlen. Eine mustergültige Selchwarenfabrik. Einer unserer Mitarbeiter hatte dieser Tage Gelegenheit, die Feinwurst- und Selchwarenfabrik der Firma Eisen & Hönigsber aufzusuchen. Die vorteilhafte Lage des peinlich reinen Betriebes in unmittelbarer Nähe des Schlachthauses ermöglicht es der großzügigen Firma, stets nur Frischfleisch ohne Verwendung von Abfällen oder Resten zu verarbeiten. So wird nicht nur der Wiener Platz, sondern auch die Provinz mit vorzüglicher frischer Ware versorgt, die, da die Firma unter Aufsicht der Adass Jisroel steht, auch allen Anforderungen in bezug auf Kaschruth vollkommen entspricht. An unser« EeserV Werbet für unsere Zeitung! 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