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Die Wahrheit · 1925-05-08 · Heft 18 (8.5.1925) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 18 (8.5.1925)
Date
1925-05-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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MiMlHntnMiiHHiilHiiiuanniUUu Veröffentlichungen der „Union deutschösterreichischer Juden" Wien IX. 1 Berggasse 4 Postsparkassen - Konto Nr. 9464 Telephon Nr. 19-2-77 Judengott und Hakenkreuz. Jehova, du allgütiger Vater, blicke von deir Höhe deines himmlischen Thrones nicht ungnädig auf mich armen Sterblichen hinab, wenn ich es dreist gewagt habe, deinen erhabenen Namen in einem Atem zu nennen, mit etwas, 'daß dir und vielen deinen Erdenkindern ein Greuel im Auge. Einmal habe ich es getan und1 niemals soll es wieder geschehen. Fürsorglich werde ich das Heiligtum deines Namens weiterhin von den andern entfernt halten. Das sei dir gelobt. Darum sei mir gnädig und vergib mär meine Schuld! Amen. Der Himmelstürmer. Entsetzliches ist unternommen worden. Etwas, was uns Juden und jeden, der an den einzigen Gott glaubt, bis in die Seele zu erschüttern vermag. Man denke nur: Jahwe, der alte und ewig junge Judengott, soll entthront werden! Welcher Titan hat es gewagt, gegen diese Gottheit anzustürmen? Sagen wir es gleich. Wilhelm, der Geschlagene, der jetzt in Doorn seine Sünden abbüßen muß, der einstige Kaiser von Deutschiland, hat den Kampf gegen den Judengott, den Sturm gegen den Himmel eröffnet. Aus einer Religion, wo er seit zwei Jahrtausenden einen Ehrensitz einnimmt, soll düeser Judengott mit einemmale ausgewiesen werden. So will es eben Wilhelm der Geschlagene, der einst mit I. R. zeichnete, daß man statt Imperator Rex mit „Immer Reisen" las. Dort, in der Einsamkeit seines entthronten Daseins, ist ahm dieser große Gedanke entstanden. Dort schrieb Wilhelm den furchtbaren Satz nieder: „Aus unserer Religion müsse Jahwe, der Gott der Juden, und alles, was in unserem Gottesglauben an Jahwe erinnert, entfernt, ausgemerzt werden!" Fürchterlich! Was soll dlas1 werden^ wenn sich der Judengott wird zurückziehen müssen in jenen Winkel dies himmlischen Ghetto, wohin ihn Wilhelm verdammt. Das Schicksal Jahwes läßt sich nicht ermessen, zumal eri einen Gegner hat, mit dem nicht zu spassen ist. Er ist zwar ein bekannter Kriegsverlierer, aber mit Jahwe getraut er sich noch immerhin siegesbewußt anzubinden. Er dekretiert es, wiewohl er nichts mehr zu dekretieren hat, daß in der protestantisch-christliohen Glauibenislehre dieser ihm nicht genehme Name nacht mehr genannt werden darf. Nun fragen wir demütig: Exkaiser, was hat dir unser Jahwe getan, dlaß du so erbarmungslos gegen ihn vorgehst? . . . Sicherlich ist dieser Judengott schuld daran, daß Wilhelm nicht Sieger geworden, daß sich die ganze Welt gegen ihto verschworen!, und daß er bei Nacht und Nebel Land und Reich verlassen mußte. Das erheischt Rache und Wilhelm in Doorn bleibt nichts schuldig. Raus mit Jahwe! Er hat bei uns Deutschen nichts zu tun; Wilhelm sagt's und man muß ihm gehorchen, so glaubt er. „Den Gott der Juden ist nicht unser Gott." So ertönte die Stimme aus dem Doorngebüsch an den Hofprediger Dr. Vogel. Wäre Wilhelm noch auf dem Thron, könnte man die Schrift des Münchener Professors über den Cäsarenwahnsinn neu auflegen. Heute aber müssen wir schon sagen, Wilhelm hat das Bedürfnis gefühlt, sich wieder einmal lächerlich zu machen. Und daß ist ihm besser geglückt als sein letzter Krieg. Das wird zweifellos auch den einzigen Erfolg bilden, den der einstige Beherrscher aller Deutschen aus dem Streit mit dem Juidengott auslösen kann. Der Zorn und die Wut gegen den Judengott ließen ihn keime Ruhe, mit dem Aufgebot seiner ganzen Geisteskraft trat er gegen ihn in die Arena — er muß entthront werden und sollten alle Gelehrten der Welt dagegen sein,. Und wer ist schuld daran, daß Jahwe in der Religion Wilhelms eine solche Rolle spielt? Kein anderer als Martin Luther, was( Wilhelm sfelbst 'in seinem Schreiben gesteht. Was verstand eben dieser Luther von Bibel wrift heiliger Schrift! Zu Wilhelm nach; Doorn hätte er in die Schule geheni müssen, dann hätte er das Wort Jahwe nicht mit „HeTr" übersetzt, sondern einen andern Namen dafür gebraucht. Auch hätte er Moses nicht so groß werden lassen. Denn Zarathustra ist, wie männiglieh bekannt, ein noch viel größerer Herr und Meister. Auch hätte Martin Luther in Doorn erfahren können, daß Jesus arischer Abstammung war, also ilm Gegensatze zur Apostelgeschichte nicht von Juden abstamme. Ja, -in Doorn gibt es noch Dinige,vvon denen sich die Sdhulweisheit der Gelehrten nichts träumen läßt. Wir armen Sterblichen aber wollen angesichts dfteses Riesenkampf es, den Wilhelm gegen den Judengott führt, schweigend, verharren. Wer weiß, was Wilhelm gegen Jahwe noch im Schilde: führt. Die Welt wird! erzittern und erbeben, Himmel und Ende werden in Aufruhr geraten, das ist sicher. Denn weltliche Fürsten lassen sich leicht entthronen. Wer es nicht glaubt, frage bei Wilhelm, dem Geschlagenen, an. Aber einen himmlischen Herrscher, zumal unseren Jahwe vom Thron zu beseitigen, das gilt einen noch nie 'dagewesenen Strauß. Nun wir werden ja sehen. Was wird aber Jahwe tun? Wir hören schon seine Donnerstimme von oben: Laßt ihn nur machen, den Armen, er ist genug geschlagen. Philipp Leon. IAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glöckengasse 24 Wien II., Taborsiraße 44

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