Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 18 (8.5.1925)
- Date
- 1925-05-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 81 EMC WAHRHEIT Seite 7 % I der Untersuchungsricih'ter und der Gerlchrsarzt. SoMten dann die vier dtiiimal verurteilt werden, würde man das .Urteil kaum überraschender finden als den zweirnsaligen Freispruch der Czongrader Angeklagten. * * * Rassensch ützl^er haben in Bonyhad dienjüdischen Friedhof geschändet; sie halben Grabsteine aus der Erde gerissen und mit Inschriften schmähenden Inhaltes versehen. Diese Heldentat wurde unmittelbar nach einer in Bonyhad stattgehabten Feier des dortfgen Vereines der Erwachenden verübt und dies veranlaßte den „Egyeniöseg" zu derj BenDerkunig, die Bonyhader könnten der Budapester Zentrale melden: „Die besiegten Grabsteine liegen zu unseren Füßen." Die Budapester 'Erwachendem (sahen |siich /diuircb idüese Bemerkung auf das Tiefste in ihrem Zartgefühl verletzt. Hundertmal wurde! es iim Parlament wie im Gerichtssaai ausgesprochen, daß die Ausschreitungen, die zur Füllung jüdischer Friedhöfe führten, auf die von den Erwachenden 'betriebene Hetze zurückzuführen seien. Daizu schwiegen sie. Sollen site sich jetzt auch nachsagen lassen, daß sie sogar den ganz überflüssigen Kampf gegen die Toten inspirieren? Daß aus ihren Versammlungen der populäre Ruf: „Schlagt die Juden tot!" ertönt, leugnen sie gewiß nicht. Aber da sie glauben, man werde racftt beweisen können, daß sie ihre Anhänger zur Störung der Ruhe der Toten begeisterten, klagten sieden„Egyenlös6g" auf Ehrenbeleiidgung. Der Redakteur Dr. Szabolcsi war bei der ersten Verband^ lurog bereit, die Erklärung abzugeben, daß er nicht dem Vereine nahetreten wollte, wenn dessen Vertreter erklärt, daß „der Verein solchen Atrozitäten vollständig ferne stehe und diese entschieden mißbilige." Diese Ehrenerklärunig wurde nicht^angenommen und der Richter wird nach Anhörung der Beweise, die Dr. Szabolcsi für die weitere Verhandlung anmeldete, dias Urteil fällea Man darf auf dieses gespannt sein. Ego. Bei unseren Brüdern in New York. Von Chajim Bloch. (Fortsetzung.) Das „Jewish Institute of Religion" beruft jedes halbe Jahr einen oder zwei der bekannten Gelehrten aus Europa, um Vorträge über jüdische Religionsfra^ gen zu halten. Zur Zeit meiner Anwesenheit weilten dort zwei Vortragende: der berühmte Tahnudist Chajim Tschernowitz (Raw-Zaiir), gewesener Kronrabbiner in Odessa, und Julius Guttmann von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Ferner besteht eine Vereinigung zur Hebung der Wissenschaft des Judentums in Amerika, welche der Führung des Prof. Mordechai M. Kaplan untersteht. Das „Amerikanische jüdische Komitee" (American Jewish Commiitee) kann als der politische Faktor des gesamten Judentums in Amerika bezeichnet werden. Die russischen Pogrome im Jahre 1903 tmd 1905 hatten das Gemeinschaftsgefühl des amerikanische« Judentums erweckt und eise vielfache €rstarkung des Zusammenhaltens zur Folge. Im Jahre 1906 fand in New York eine von allen Juden der Vereinigten Staaten Nordamerikas beschickte Koiv- \ ferenz statt, an der die hervorragendsten Juden des 1 Landes teilgenommen haben. Es wurde beschlossen, j eine Organisation zu schaffen, die zu allen wichtigen Fragen der Zeit, sofern sie die religiösen, wirt- •!• schaftlichen und sozialen Interessen des Judentums i betreffen, Stellung zu nehmen hat. So wurde das „American Jewish Commitee" mit dem Sitze in New York ins Leben gerufen. Die Verweigerung der Staatsanleihe für Rußland durch den bekannten jüdi- ] sehen Finanzier Jakob H. Schiff (Firma Kuhn, Loeb j & Co.) dürfte der erste Erfolg dieses Komitees ge- } wesen sein. Es ist auch mit Sicherheit anzunehmen, | daß die einige Jahre später, ich glaube 1912, seitens } der Vereinigten Staaten Nordamerikas an Rußland i ergangene Kündigung des Handelsvertrages, welche | damals in der ganzen Welt Erstaunen hervorgerufen | hat, dem Einschreiten der leitenden Männer dieses j Komitees zuzuschreiben ist. Der gegenwärtige Vorj sitzende des Komitees, Louis M a r s h a 1 ist eine f der bekanntesten amerikanischen Persönlichkeiten '! und Wortführer des amerikanischen Judentums. Die Geschäfte des Komitees werden von dem tatkräftigen Sekretär, Harry Schneidermann, be-! sorgt, der für alle jüdischen Probleme ein seltenes : Verständnis verrät, seine Aufgaben und Pflichten J gründlich kennt und mit den Arbeiten, die ihm ob- [ liegen, seelisch verwachsen ist. Schneidermann ist | auch ständiger Mitarbeiter der von Hermann f, Bernstein, dem bekannten amerikanischen Publi- | j zisten, herausgegebenen Wochenschrift „Jewish jjjjj Tribüne" und Bearbeiter des „American Jewish M Year Book". Das Komitee hat sich außerordentlich ( f bewährt und sieht auf eine sehr erfolgreiche und erf sprießliche Tätigkeit zurück. Es nimmt zu den wichtigen Problemen, welche das Judentum heute mehr als früher in Spannung halten — man vergegenwärtige sich nur das neue amerikanische Einwanderungsgesetz, die verhängnisvolle Johnson-Bill, die die Einwanderung von Juden auf ein Minimum herabsetzte — Stellung. Das jüdische Prinzip wird hier mit einer Unerschrockenheit, dabei so vornehm und versöhnlich, vertreten, daß es einem freudig anmutet, Jude zu sein. Aus dem Kreise dieses Komitees ist auch die Palästina- Investierungsgesellschaft entstanden, die unter anderem den Zweck hat, industriellen Unternehmungen in Erez Israel Kredite zw angemessenen Zinsen zu gewähren. Hand in Hand mit dem American Jewish Commitee, wenn auch eine ganz besondere Körperschaft bildend, arbeitet das von Dr. Harry L i n f i e 1 d geleitete „Bureau of Jewish Sozial Reserach", welches ein vorzügliches Departement für Information und Statistik unterhält und monatlich ein „Summarium" herausgibt, welches in kurzer Fassung über alle wichtigen jüdischen Neuigkeiten der ganzen Welt, gestützt auf die Informationen der jüdischen Presse (auch „Die Wahrheit" wird in dieser Monatsschrift registriert), mit Berücksichtigung aller Neuerscheinungen auf dem jüdischen Büchermarkt, berichtet. (Fortsetzimg folgt.) •» I